29.03.2020
Coronavirus

Kino im Netz - Was die Corona-Krise für die Filmbranche bedeutet

Abgesagte Filmstarts und Festivals, verschlossene Kinosäle: Die Corona-Pandemie hat auch die Filmbranche hart erwischt. Doch Not macht erfinderisch. Und so entstehen neue Angebote im Netz.
Leerer Kinosaal Kino Corona Symbol
Die Filmbranche hat wegen des Coronavirus schwere Zeiten. Die Kinos sind geschlossen, Filme werden verschoben.

Mit den Filmen, die in nächster Zeit in den Kinos starten sollten, fing es an. Daniel Craigs letzter geplanter Leinwandauftritt im April als Agent 007 in "Keine Zeit zu sterben" war einer der ersten von vielen weiteren verschobenen Kinostarts - er soll jetzt im Herbst an den Start gehen. Später mussten sich auch Disney-Fans, die mit Spannung auf die Neuverfilmung des Zeichentrickklassikers "Mulan" warteten, gedulden.

Und dann ging es Schlag auf Schlag: Die beiden bei der Berlinale aufgeführten Filme "Undine" und "Berlin Alexanderplatz" wurden ebenfalls verschoben. Als dann die ersten Kinos vor zwei Wochen schließen mussten, war klar: Das Coronavirus hat auch die Filmszene im Würgegriff.

Davon sind natürlich auch die Filmfestivals betroffen, denn das Frühjahr ist Festivalzeit. Sie müssen ihre Veranstaltungen neu aufstellen oder im schlimmsten Fall absagen. Beispielsweise fallen beliebte Festivals wie Crossing Europe in Linz oder auch das Filmkunstfest in Mecklenburg-Vorpommern dieses Jahr aus. Viele Veranstalter versuchen weiterhin Ausweichtermine zu finden. Das betrifft selbst Cannes, das wichtigste Filmfestival der Welt, das jährlich Mitte Mai stattfindet: Es ist abgesagt, aber das Festival-Team denkt darüber nach, es auf den Frühsommer zu verlegen.

Kino in Zeiten von Corona: Neue Alternativen statt Absagen

Eine Alternative zur Verschiebung oder Absage sehen einige Festivals in der Form einer digitalen Ausgabe. Die Festivalteilnehmerinnen und -teilnehmer streamen von zu Hause. So sollen Teile des Programms des Internationalen Trickfilm Festivals Stuttgart oder des DOK.fests in München nun online aufgeführt werden. "Wir wollen mit dem Onlinefestival ein Zeichen setzen, dass die Kultur ein wichtiger Aspekt unseres gesellschaftlichen Austauschs und Zusammenhalts ist und unbedingt weiter stattfinden muss, wenn aktuell auch in anderer Form", sagt der Leiter des Münchner DOK.fests, Daniel Sponsel.

Natürlich profitieren in diesen Tagen Streamingdienste wie Netflix und Amazon Prime von der Kinokrise. Sie verzeichnen einen besonderen großen Andrang. Um eine Überbelastung zu vermeiden, drosseln die meisten Streamingdienste inzwischen die Datenübertragungsrate, um ein stabiles Netz zu gewährleisten. Am 24. März ging unterdessen, wie bereits lange geplant, Disney mit seinem hauseigenen Video-on-Demand-Dienst Disney+ in Deutschland und vielen weiteren europäischen Ländern an den Start. Das Produktionsstudio Universal will zudem seine Neuerscheinungen im digitalen Verleih anbieten.

Corona-Krise: Unabhängige Kinos stehen vor dem Aus

Schwer zu kämpfen haben in der Corona-Krise besonders die kleinen, unabhängigen Kinos, für die eine mehrwöchige Schließung das Aus bedeuten könnte. Für sie hat sich der  Verleih Grandfilm eine Alternative ausgedacht: Er bietet seine Filme, etwa "Zama", im Netz an - und die Hälfte des Erlöses geht an die gebeutelten Independent-Kinos. Zu denen gehören etwa das FSK in Berlin, das Karlstor Kino in Heidelberg oder das Cinema Quadrat in Mannheim. Auch der Verleih Eksystent Distribution will auf den für April geplanten Start seines Films "Isadoras Kinder", der immerhin das Festival von Locarno gewann, nicht verzichten und bietet ihn auf der Seite "www.kino-on-demand.com" an, zum Preis eines Kino-Tickets.

Die neueste Initiative im Kinobereich ist ein Zusammenschluss von Programmkinos in Berlin zu einer Crowdfunding-Kampagne auf dem Portal Startnext. Die über die Kampagne erzielten Einnahmen sollen an die teilnehmenden Programmkinos verteilt werden, die ja trotz des Kino-Shutdowns weiterhin ihre Fixkosten wie Miete bezahlen müssen.

Sofortmaßnahmen gegen wirtschaftliche Schäden wegen Corona

Die Spitzenorganisation der deutschen Filmwirtschaft (SPIO) drängte in einem Schreiben an die Filmförderungsanstalt (FFA) auf Sofortmaßnahmen, um wirtschaftliche Schäden so weit wie möglich einzudämmen. Denn die globale Verbreitung des Coronavirus sorgt auch für Stopps von Dreharbeiten und Produktionen.

Die FFA legte inzwischen gemeinsam mit Förderern auf Bundes- und Länderebene ein Maßnahmenpaket für die deutsche Film- und Kinowirtschaft auf. Die Bundesregierung stellte einen Hilfsfonds zusammen, speziell für Solo- und Kleinstunternehmen. Ob das alle Betroffenen der Krise retten kann, wird sich zeigen. Die gute Nachricht aus China lautet: Einige Kinos spielen wieder.

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