Nürnberger Reformations-Gedächtniskirche
Wenn die Menschen nicht ins Konzert kommen können, kommt die Musik eben zu ihnen. Das war ein Gedanke, den Thomas Schumann bei seinem Orgel-CD-Projekt hatte – aber nicht der einzige.
Thomas Schumann in der Nürnberger Reformations-Gedächtniskirche vor der Orgel, an der die Stücke für die CD eingespielt wurden.

Der Dauer-Lockdown vom Herbst vergangenen Jahres bis zu diesem Frühjahr war auch klanglos für die Konzertliebhaber. Mit ein Grund, weshalb der Nürnberger Kirchenmusikdirektor Thomas Schumann die Klänge "seiner" Orgel in der Nürnberger Reformations-Gedächtniskirche jetzt auf CD gebannt hat. Aber das Projekt war auch von tiefer Dankbarkeit getrieben, wie er im Gespräch erzählt.

Herr Schumann, wenn die Menschen schon nicht ins Konzert kommen können, dann muss die Musik eben auf andere Wege zu ihnen. War das ein Gedanke, der Sie beim CD-Projekt angetrieben hat?

Schumann: Ja, auch. Wichtiger war mir aber, damit einen Beitrag zum Jahr der Orgel 2021 zu leisten. Daher auch der Titel der Einspielung "Orgelzeit". Mein Anliegen ist auch, den Gemeindegliedern der Reformations-Gedächtniskirche, die durch ihre Spenden die aufwendige Orgelsanierung im Jahr 2018 unterstützt haben, die Möglichkeit zu geben, den Klang dieses Instruments mit nach Hause zu nehmen.

Wie haben Sie persönlich als Musiker selbst, andererseits aber als Kirchenmusikdirektor mit all den Aufgaben jenseits des eigenen Musizierens, die Einschränkungen für Ihre Zunft in den vergangenen Monaten erlebt?

Schumann: Sehr schmerzlich! Besonders in der Arbeit mit Chören und Instrumentalgruppen, die während der Lockdown-Zeiten nicht beziehungsweise nur sehr reduziert und eingeschränkt möglich war. Dadurch sind für viele Menschen sehr wichtige Begegnungsmöglichkeiten und persönliche Kontaktmöglichkeiten weggebrochen. Die notwendigen Absagen vieler Konzerte besonders in der Advents- und Weihnachtszeit waren für uns Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker sehr deprimierend. Aber in den Gottesdiensten hatten wir als einzige Berufsmusiker im Land die Möglichkeit, live zu musizieren. Darüber hinaus sind neue Online-Formate wie Andachten, Gottesdienste und Musikangebote entstanden und werden sicher weiterentwickelt. Dadurch hat sich für uns ein neues Arbeitsfeld erschlossen.

Die Reformations-Gedächtniskirche geht in Nürnberg zwischen den großen Touristen-Kirchen der Innenstadt immer etwas unter. Warum sollten sie gerade Musikliebhaber ansteuern?

Schumann: Trotz ihrer monumentalen Größe hat die Reformations-Gedächtniskirche doch eine vergleichsweise intime Atmosphäre. Die Akustik ist deutlich, aber nicht trocken. So ist dort auch das Musizieren mit kleinen Ensembles sehr gut möglich. Aber auch Konzerte, zum Beispiel des Moskauer Kathedralchors oder der Golden Gospel Singers, gibt es immer wieder.

Sie kennen die Klangmöglichkeiten Ihrer Orgel. Wie schwierig war es, diese für eine CD-Produktion einzufangen?

Schumann: Einen Orgelklang mit seiner Dynamik und sehr hohen sowie extrem tiefen Tönen aufzunehmen ist technisch sehr aufwändig und erfordert ein professionelles Herangehen. Mit den Tontechnikern der Firmen "SRS Mastering" und "Corin Schatz Veranstaltungsservice" hatte ich dafür gute Partner.

Wieso fiel Ihre Wahl der Stücke auf genau diese?

Schumann: Es war mir wichtig, eine musikalische Bandbreite darzustellen, aber immer auch den Bezug zu kirchenmusikalischen Inhalten zu haben. Einen Schwerpunkt bilden die sehr unterschiedlichen Choralbearbeitungen durch das Kirchenjahr von Johann Sebastian Bach. Aber auch Kompositionen des 19. und 20. Jahrhunderts zeigen das große Klangspektrum dieser Orgel.

INFO: Die CD "Orgelzeit" ist im Nürnberger Pfarramt Maxfeld, im Nürnberger Haus der Kirche "eckstein" und im Handel erhältlich. Vorgestellt wird sie live beim Orgelkonzert in der Reformations-Gedächtniskirche am 25. Juli um 17 Uhr. Der Eintritt zu dem Konzert ist frei.

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