Die Kulmbacher Petrikirche sieht man schon aus weiter Ferne. Hoch über der Altstadt thront das markante Gotteshaus. Im September wird es für vier Tage zu einem besonderen Kulturraum: Vom 18. bis 21. September feiert die Gemeinde das Festival "kultur P." – eine Premiere, die Musik, Theater, Fotografie und Begegnung auf einzigartige Weise verbindet. Anlass ist das 25-jährige Jubiläum der Rieger-Orgel, die im Jahr 2000 eingeweiht wurde.
"Dieses Instrument ist ein besonderer Schatz", sagt Dekanatskantor Christian Reitenspieß mit leuchtenden Augen. "Es stammt von einer renommierten Orgelbaufirma in Vorarlberg. Wenn man es mit Autos vergleicht, ist das kein Mittelklassewagen, sondern Oberklasse – oberhalb von Mercedes." Und dann schmunzelt er: "Man kann ruhig sagen: ein Rolls Royce im Orgelgewand."
Ein Festival mit vielen Gesichtern
Das Jubiläum wird nicht mit einem einzelnen Konzert begangen, sondern mit einem ganzen Festival, das die Bandbreite von Klassik bis Pop, von Jazz bis Theater abbildet. "Wir haben einen Veranstaltungsherbst vor uns, der nächste Woche mit diesem Festival beginnt", erklärt Reitenspieß. "Und da reicht das Programm wirklich von Händel und Bach bis zu Michael Jackson und den Beatles."
Schon die Eröffnung am Donnerstag zeigt, wie vielfältig "kultur P." gedacht ist: Die Fotoausstellung "St. Petri im Fokus" gibt Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, die Kirche mit neuen Augen zu sehen. Gezeigt werden Aufnahmen, die verborgene Winkel und Details sichtbar machen – Blickwinkel, die im Alltag oft unbemerkt bleiben. Am Abend folgt mit "Friede sei mit euch" ein Theaterstück von Rüdiger Baumann, das die große Bühne im Kirchenschiff nutzt und Themen wie Toleranz, Zusammenleben und Hoffnung aufgreift.
Weltstar an der Orgel
Der Freitag steht ganz im Zeichen der Königin der Instrumente. Ein echtes Highlight ist der Auftritt von Olivier Latry, Titularorganist von Notre-Dame in Paris. "Dass wir ihn für ein Konzert gewinnen konnten, macht mich besonders stolz", so Reitenspieß.
"Er ist ein Weltstar, der überall gefragt ist. Dass er die Orgel in Paris verlässt, um bei uns in Kulmbach zu spielen, zeigt, wie interessant er unser Instrument findet."
Latry wird Werke von Bach und Duruflé interpretieren – und mit Improvisationen glänzen, die seine weltweite Berühmtheit begründet haben.
Jazz trifft Kirche
Am Samstag kommt eine andere Klangwelt in die Petrikirche: Die T-Jazz Big Band der städtischen Musikschule trifft auf das Vokalensemble TonARTen. Gemeinsam präsentieren sie Duke Ellingtons legendäres "Sacred Concert" – ein Werk, das Jazz, Gospel, Spirituals und Kirchenmusik verbindet. "Da wird sogar ein Tap-Dancer dabei sein", verrät Reitenspieß.
"Die Orgel wird mit der Big Band erklingen – das ist schon ziemlich spannend." Für Kulmbach ist dieses Konzert ein Experiment, das zeigt, wie offen die Gemeinde für musikalische Experimente ist.
Mozart und Michael Jackson
Das Finale am Sonntag bringt schließlich die Stile zum Tanzen: Michael Mahner (Saxophon) und Christian Reitenspieß (Orgel) laden zu einem Crossover-Konzert, das Mozart und Bach neben Lionel Richie, den Beatles und Michael Jackson stellt. "Das ist Musik, die Grenzen sprengt", so Reitenspieß. "Und es macht einfach Freude, diese Welten zusammenzubringen."
Kulturraum Kirche
Für Ralf Hartnack, dritten Bürgermeister und Mitglied des Kirchenvorstands, ist das Festival mehr als ein buntes Programm: "KulturP ist ein weiterer Baustein in der vielfältigen Kulturlandschaft Kulmbachs. Ein Kirchenraum ist immer auch ein Kulturraum. Die Petrikirche hat 800 Sitzplätze, eine besondere Atmosphäre – und sie eignet sich hervorragend für Konzerte und Aufführungen."
Hartnack freut sich besonders auf die Fotoausstellung. "Da werden Besucherinnen und Besucher Details entdecken, die man bei einem normalen Kirchenbesuch gar nicht wahrnimmt. Und bei den Theateraufführungen zeigt sich, wie wandelbar dieser Raum ist." Für ihn ist klar: "Kirche ist nicht nur Sonntag von zehn bis elf Uhr da, sondern immer. Und wenn Kultur dazu beiträgt, dass die Kirche mehr Leben bekommt, dann ist das eine große Bereicherung."
Glaube und Kultur ergänzen sich
Auch Pfarrer Ulrich Winkler sieht keinen Widerspruch darin, dass in einer Kirche nicht nur gebetet, sondern auch gesungen, gespielt und inszeniert wird. "Glaube und Kultur ergänzen sich", betont er. "Wir machen sowieso Kultur in der Kirche – denken Sie an Oratorien, an die großen Werke, die seit Jahrhunderten dort aufgeführt werden.
Jetzt öffnen wir uns noch stärker auf die ganze Bevölkerung hin. Nicht nur für diejenigen, die ein Krippenspiel sehen wollen oder den Altar bewundern, sondern auch für Menschen, die mit Jazz, Theater oder Fotografie angesprochen werden."
Ein Projekt mit langer Vorbereitung
Die Idee zu "kultur P." entstand bereits im Vorjahr. "Die Lorbeeren darf ich mir nicht aufsetzen", sagt Winkler mit einem Lächeln. "Die Idee kam von unserem dritten Bürgermeister Ralf Hartnack, gemeinsam mit Harald Streit von der städtischen Musikschule und Dekanatskantor Reitenspieß. Nach und nach ist daraus ein stimmiges Konzept gewachsen."
Die Organisation lag größtenteils in den Händen der Gemeinde – unterstützt von vielen Ehrenamtlichen. "Wir haben die Organisation inhouse gemacht", erklärt Hartnack. "Die Gemeinde mit ihren Mitarbeitern, der Kirchenvorstand ehrenamtlich. Lediglich beim Logo und beim Folder brauchten wir professionelle Hilfe."
Finanziell unterstützt wird das Festival von der Bayerischen Staatsregierung, der Oberfrankenstiftung, dem Bezirk Oberfranken, dem Landkreis und der Stadt Kulmbach. "Ohne diese Förderer wäre so etwas nicht möglich", betont Hartnack. "Kultur ist kostenintensiv, und wir sind dankbar, dass so viele Partner an unserer Seite stehen."
Hoffnung auf Fortsetzung
Für die Verantwortlichen ist klar: "kultur P." soll mehr sein als ein einmaliges Experiment. "Die Besucher sollen nach Hause gehen und sagen: Das war eine tolle Veranstaltung, da komme ich wieder", wünscht sich Hartnack. Auch Pfarrer Winkler hofft, dass die Kulturtage die Bedeutung der Petrikirche noch stärker ins Bewusstsein rücken. "Die Petrikirche verdient es, gewürdigt zu werden. Kultur ist dafür genau das Richtige.