9.06.2018
Konzertkritik

Schumann Quartett und Bamberger Symphoniker beim Würzburger Mozartfest

Das Experiment ist eine Kategorie, die nicht unbedingt jeder klassische Musikhörer schätzt. Als am Donnerstag aber beim Würzburger Mozartfest die Bamberger Symphoniker und das Schumann Quartett aufeinander trafen, ergab dies einen durchaus gegenseitig befruchtenden „Crossover“. Dabei wurde mit Arvo Pärts "Fratres" ausgerechnet ein verhältnismäßig unscheinbares Stück zwischen den großen Streicherpartien zum Höhepunkt.
Bamberger Symphoniker und Schumann Quartett
Die Bamberger Symphoniker und das Schumann Quartett begeisterten das Publikum beim Mozartfest im Kaisersaal der Würzburger Residenz.

Der estnische Komponist Arvo Pärt ist in diesem Jahr der Künstler, der im Mittelpunkt des Mozartfests steht und dem sich einige der Konzerte des Festivals widmen. Pärt, Jahrgang 1935, scheint mit seiner Biographie wie mit seiner Musik im Jahr 2018 so modern zu sein, wie kaum anders vorstellbar: Als sowjetischer Emigrant, der 1980 in Berlin eine neue Heimat fand, kann er Geschichten von Heimatverlust und Neuanfang erzählen.  Diese spiegeln sich freilich auch in der Musik, aber anders als erwartet. Sein bereits 1977 entstandenes Werk "Fratres" strahlt in seiner ruhigen, wie aus einer musikalischen Ursuppe entsprungenen Strenge eine liturgische Feierlichkeit aus, wie man diese vielleicht noch von der Ouvertüre zu Richard Wagners "Rheingold" kennt. Musik des Kosmos, der Harmonie und der Stille, die auf das Wesentliche reduziert und die einen absoluten Kontrast zu aufgewühlten politischen wie medialen Zeiten darstellt. Damit reiht sich "Fratres" ein in als religiöse Musik angelegte Werke Pärts wie das "Magnificat" der seine "Johannespassion", ohne selbst als religiös angelegt zu sein.

Erst kürzlich hatte das Kölner Schumann-Quartett - dreimal Gebrüder Schumann und an der Viola Liisa Ranadalu - mit dem Komponisten eine neue Fassung für Streicher auf CD gebannt und dafür den Preis der Deutschen Schallplattenkritik 2017 erhalten. Die hypnotische Wirkung dieser Musik versetzte durch die meisterliche Interpretation der noch jungen Musiker auch im Kaisersaal der Würzburger Residenz die Zuhörer in eine Art Trance. Einem Gast entfuhr es geradezu nach dem recht abrupten Schluss: "Das war´s schon?".

Keine echte Fuge

Mit der "Großen Fuge B-Dur" von Beethoven, die streng genommen eigentlich gar keine Fuge ist, aber als "Reststück" des B-Dur Quartetts op. 130 ihr Eigenleben entwickelt hat, zeigte das Quartett, dass es neben den leisen Tönen auch die forschen Rhythmen und flirrenden Läufe beherrscht. In einer Fassung für Streichquartett und Streichorchester stiegen dabei die Bamberger auch mit ein und ließen das Quartett, das in diesem Jahr der "Artiste étoile" des Mozartfests ist, in besonderem Licht erscheinen.

Nach der Pause war dann die Stunde der Bamberger Symphoniker, die unter der Leitung von John Storgårds noch einmal zur Hochform aufliefen. Mark Schumann und Liisa Randalu hatten sogar hinten im Zuschauerraum Platz genommen, um sich Beethovens 5. Sinfonie anzuhören, die vor Energie nur so zu sprühen schien. Selbstredend, dass es nach dem letzten Ton "Bravo"-Rufe und stürmischen Beifall gab.

Das Konzert wurde aufgezeichnet und wird demnächst im Bayerischen Rundfunk gesendet. Zu den Sendeterminen demnächst mehr unter www.mozartfest.de.

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