Die bayerische Landessynode wird sich bei ihrer Herbsttagung 2026 in Amberg mit dem Haushalt und der geplanten Strukturreform der evangelischen Kirche in Bayern befassen. Kirchengemeinden sollen künftig in Regionalgemeinden zusammengefasst werden. Damit sind auch Veränderungen der Personalstruktur verbunden. Im sonntags-Interview gibt das Präsidium der bayerischen Landessynode einen Einblick in die Themen und Pläne.

Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick

  • Ausgeglichener Haushalt 2027 trotz schwieriger Finanzlage.
  • Regionalgemeinden sollen zum zentralen Organisationsmodell werden.
  • 25 Prozent weniger Stellen bis 2035 geplant.
  • Mehr Verantwortung für Dekanate und regionale Strukturen.
  • Petition gegen Reformkurs wird von der Synode aufgenommen.
  • Gebäudebestand soll deutlich reduziert beziehungsweise neu finanziert werden.
  • Digitalisierung der Verwaltungsabläufe wird ausgebaut.
  • Seelsorge, Demokratie und das Jubiläum der Confessio Augustana 2030 als inhaltliche Schwerpunkte der Landeskirche.

"Tatsächlich sind die Kirchensteuereinnahmen nicht gestiegen" Luca-Fynn Schieblich

Kirchlicher Haushalt

Bei der Herbstsynode muss die Landessynode traditionell den Haushalt beschließen. Bundesweit wird davon ausgegangen, dass die Steuereinnahmen steigen. Was bedeutet das für die bayerische Landeskirche?

Luca-Fynn Schieblich: Tatsächlich sind die Kirchensteuereinnahmen nicht gestiegen. Dennoch wird der Haushalt 2027 ein ausgeglichener Haushalt sein. Er ist stabil. Aber natürlich sind die langfristigen Entwicklungen mit dem Mitgliederverlust, der Inflation und der wirtschaftlichen Unsicherheit insgesamt herausfordernd für die Landeskirche. Deshalb widmen wir uns bei der Landessynode in Amberg auch intensiv den geplanten Reformen.

Zu den Regionalgemeinden

Künftig sollen Kirchengemeinden stärker in sogenannten Regionalgemeinden zusammenarbeiten. Grundlage dafür liefert das zweite Kirchengemeindestrukturgesetz sowie die Landesstellenplanung. Wie muss ich mir diese Regionalgemeinden vorstellen?

Frank Bienk: Für die Umstrukturierung der Gemeindearbeit spielen zwei Dinge eine Rolle: Die Vorlage des Kirchengemeindestrukturgesetzes sowie die Gesetzesvorlage zur Landesstellenplanung 2026. Die Vorlage des Kirchengemeindestrukturgesetzes beinhaltet eine verbindliche Zusammenarbeit der Gemeinden. Hier sind aber künftig drei Varianten möglich. 

Die erste Variante ist die Regionalgemeinde. Selbstständige Kirchengemeinden, die als Körperschaften bestehen bleiben, finden sich dabei zu einer Regionalgemeinde zusammen und bündeln auf dieser Ebene Aufgaben in den Bereichen Personal, Finanzen und Immobilien. Damit tragen sie auch zu einer deutlichen Verwaltungsvereinfachung bei.

Daneben wird es die Möglichkeit geben, zunächst nur eine große Pfarrei zu bilden, die einen ähnlich großen Raum umfasst. Und natürlich gibt es auch die Möglichkeit, dass Kirchengemeinden sich vereinigen, also fusionieren. Das wäre sicher der weitestgehende Schritt. Die Region wird da-mit also zum zentralen Planungs- und Organisationsraum, in dem multiprofessionelle Teams zusammenarbeiten. 

Und welche Rolle spielt die Personalplanung?

Frank Bienk: Die Personalplanung wird über die Landesstellenplanung geregelt. In jeder Regionalgemeinde sollen künftig mindestens fünf Vollzeitäquivalente, also fünf volle Stellen beziehungsweise entsprechende Teilzeitanteile, gemeinsam die Arbeit in der Region gestalten. Damit entstehen neue Freiräume und Möglichkeiten, weil nicht mehr jeder alles machen muss, sondern die Aufgaben im Team verteilt werden können. So können Schwerpunkte in einzelnen Gemeinden gebildet werden. Hier sehen wir durchaus Potenzial.

Was bedeutet das für die Dekanate und überregionale Angebote wie die Urlauberseelsorge oder die Kirchenmusik?

Frank Bienk: Wenn das Gesetz so beschlossen wird, haben die Dekanate die Aufgabe, sinnvolle Kooperationsräume zu identifizieren und diese Räume zu bilden. Oft muss das Rad hier nicht neu erfunden werden, denn in vielen großen Dekanatsbezirken gibt es bereits Regionen, die zusammenarbeiten und in denen bestimmte Themen schon organisiert werden.

Was sich tatsächlich ändert, ist, dass das Ganze einen rechtlichen Rahmen bekommt. Für alle Beteiligten entsteht dadurch eine gewisse Verbindlichkeit und es ist nicht länger nur ein "nice to have".

"Das Prinzip ‚jeder für sich‘ wird nicht mehr funktionieren" Frank Bienk

Manche Gemeinden kritisieren dieses Konzept und fordern eine Stärkung der Ortsgemeinden. Wie sehen Sie das?

Frank Bienk: Klar ist: In einer sich verändernden kirchlichen Landschaft, die durch den Rückgang von Mitgliedern, Mitarbeitenden und Finanzmitteln geprägt ist, wird das Prinzip "jeder für sich" nicht mehr funktionieren. Es braucht mehr miteinander.

Regional zu denken bedeutet, solidarisch zu handeln und nicht diejenigen allein zu lassen, die beispielsweise Probleme bei der Besetzung von Stellen haben. Es bedeutet, gemeinsam Verantwortung für einen Raum und vor allem für unseren gemeinsamen kirchlichen Auftrag zu übernehmen.

Denn darum geht es doch: gemeinsam den Menschen das Evangelium, die Liebe Gottes, nahe zu bringen. Wie können wir das gemeinsam schaffen, ohne alle liebgewonnenen Strukturen aufzugeben? Wie gelingt verbindliche Zusammenarbeit mit einem gemeinsamen Ziel?

Personalplanung der Landeskirche

Die Landesstellenplanung sieht drastische Veränderungen vor. Bis 2035 sollen 25 Prozent der Stellen reduziert werden. Wie wird das umgesetzt?

Frank Bienk: Diese Zahlen sind Beschlüsse, die bereits die letzte Landessynode im Herbst 2025 gefasst hat und die jetzt sozusagen in die Details gehen. Wir werden bayernweit 25 Prozent weniger Stellen ausweisen, und zwar sowohl im Bereich der Gemeinden als auch im landesweiten Dienst, also etwa die Stellen, die über die Fachabteilungen im Landeskirchenamt finanziert werden. 

Das heißt nicht, dass Menschen um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen. Vielmehr passen wir den Umfang des Stellenplans an das an, was uns tatsächlich an Personal zur Verfügung steht. Von den Stellenkürzungen sind übrigens einige Bereiche ausgenommen, zum Beispiel die Kirchenmusik, weil sie eine hohe Strahlkraft hat.

Das Ganze wird nach den örtlichen Entwicklungen bemessen, allerdings sind diese gedeckelt. Das bedeutet, dass Regionen und Dekanate, die mehr als 35 Prozent ihrer Stellenanteile abgeben müssten, von diesen Kürzungen verschont bleiben. Es wird also niemand mehr als 35 Prozent Kürzung erfahren. Und natürlich wird es ohnehin Bereiche geben, die weniger als 25 Prozent Kürzung erfahren, weil die Entwicklung der Zahlen der Kirchenmitglieder eine andere ist. Neu ist außerdem, dass die Stellen vom Dekanat künftig einem regionalen Raum, einer großen Pfarrei oder einer Regionalgemeinde zugewiesen werden, und zwar in einer Einheit, die mindestens fünf volle Stellen umfasst.

Welchen Vorteil hat diese Stellenplanung?

Frank Bienk: Der Vorteil dabei ist, dass wir vor Ort wirklich gabenorientiert und multiprofessionell arbeiten können. Das heißt: Vor Ort wird in Teams gearbeitet werden. Die Landesstellenplanung umfasst neben den Stellen für Pfarrpersonen auch solche für theologisch-pädagogische Kräfte, also Diakoninnen und Diakone, Religionspädagoginnen und Religionspädagogen,  für Ab-solventen biblisch-theologischer Ausbildungsstätten sowie für Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker. Und diese Menschen gestalten gemeinsam die kirchliche Arbeit im Raum.

Stärkung der Dekanate

Wenn die Dekanate gestärkt werden, kann das nicht dazu führen, dass die Kir-che insgesamt auseinanderdriftet, weil jedes Dekanat sein eigenes Ding macht und es keine Gesamtsteuerung mehr gibt?

Frank Bienk: Die Gesamtsteuerung wird weiterhin über die Regionalbischöfinnen und Regionalbischöfe sowie die Landeskirche und die weiteren kirchenleitenden Organe gewährleistet. Wir haben in früheren Jahren oft beklagt, dass wir vor Ort viel besser wissen, was wir brauchen und wie wir es gestalten können. Genau das ist der Trend der Kirchengesetzgebung der vergangenen Jahre, zusammengefasst unter dem Schlagwort "Stärkung der mittleren Ebene". Die Idee lautet: Ihr könnt das besser vor Ort entscheiden.

Früher wurde jeder einzelnen Kirchengemeinde bis auf zwei Nachkommastellen genau mitgeteilt, wie viel Personal sie hat, nur um das dann anschließend doch wieder zu rundenändern. 

Heute können wir in den Dekanatsbezirken sagen: Wo setzen wir Schwerpunkte? Welche Themen fördern wir? Welche Regionen statten wir mit welchem Personal aus? Denn diese Kompetenz haben wir vor Ort.

Ändert sich damit auch das Verständnis von Leitung?

Frank Bienk: Ja, denn es ist die Aufgabe der Dekaninnen und Dekane, all diese Prozesse zu leisten, zu leiten und zu moderieren. Das funktioniert aber nicht mehr in der bisherigen Kleinteiligkeit, also etwa wenn ein Dekan oder eine Dekanin ihr Amt nur mit 25 Prozent innehat und weiterhin mit 75 Prozent als Gemeindepfarrerin oder Gemeindepfarrer tätig ist. 

Deshalb sollen künftig mindestens 75 Prozent der Arbeitszeit tatsächlich für die Leitung eines Dekanatsbezirks zur Verfügung stehen. Nur so können sich die Verantwortlichen in all diese Prozesse einarbeiten. Wir erleben ja gerade, wie kleinere Dekanatsbezirke mit anderen fusionieren, um die-se schwierigen Prozesse qualifiziert leiten und moderieren zu können.

Petition Gemeindebund Bayern

Es gibt auch Kritik an der Idee der Regionalgemeinden. Ein Netzwerk von Kirchengemeinden, das sich "Gemeindebund" nennt, hat eine Petition gestartet und fordert die Überarbeitung des Landesstellenplans. Die Gemeinden fordern darin das Ziel, die Gemeinden vor Ort zu stärken. Wie gehen Sie als Synode mit dieser Petition um?

Tanja Keller: Ich werde die Petition des Gemeindebunds entgegennehmen. Dafür haben wir bereits einen Termin vereinbart. Wir waren auch vorher schon im Austausch. Vertreter des Gemeindebundes haben mich in meinem Büro im Landeskirchenamt besucht.

Ich finde es wichtig, dass wir uns als Synodale damit auseinandersetzen, und ich nehme die Petition ernst. Natürlich gibt es Sorgen, dass sich die Nähe vor Ort, die örtliche Verantwortung und insbesondere das ehrenamtliche Engagement verändern oder durch größere Strukturen verloren gehen könnten.

Ich höre aber natürlich auch andere Stimmen, die sagen: Unter den gegebenen Voraussetzungen wird es künftig nur noch in der Region funktionieren, wenn wir effektiv zusammenarbeiten und uns überlegen, wer welche Aufgaben übernimmt. Meine Aufgabe als Präsidentin und unsere Aufgabe als Präsidium ist es, die verschiedenen Stimmen zu hören und gemeinsam zu überlegen: Wie bekommen wir das gut hin?

Deshalb finde ich es sinnvoll, dass es in der Vorlage zum zweiten Kirchengemeindestrukturgesetz verschiedene Möglichkeiten gibt, die Region zu gestalten und nicht nur das Modell der Regionalgemeinde. Es gibt auch die Möglichkeit erst einmal eine Pfarrei zu bilden oder dass mehrere Kirchengemeinden sich zusammentun und fusionieren. Ich glaube, genau das macht es möglich, für unser sehr unterschiedliches Bayern an vielen Orten den jeweils passenden Weg zu finden.

Immobilien der Landeskirche

Die bayerische Landeskirche möchte sich künftig von rund der Hälfte aller Gebäude trennen, darunter auch Kirchen oder Gemeindehäuser. Wie geht es hier weiter?

Luca-Fynn Schieblich: Die Landeskirche trennt sich künftig nicht von der Hälfte ihrer Gebäude, sondern sie wird künftig nur noch 50 Prozent der kirchlichen Gebäude auch über 2035 hinaus aus Kirchensteuermitteln finanzieren. Das Ziel der sogenannten Gebäudebedarfsplanung ist es, nicht die einzelnen Gebäude anzuschauen, sondern zu einem regionalen Gebäudekonzept zu kommen. Dabei soll hinterfragt werden, welche Gebäude wir künftig tatsächlich noch benötigen und welche möglicherweise anders genutzt, d.h. transformiert werden können. Das bedeutet konkret: Die Dekanatsbezirke sind bis Ende des Jahres aufgefordert, diese Gebäudebedarfsplanungen abzuschließen und Gebäude in A – aus Kirchensteuermitteln zu finanzieren -, B oder C-Kategorien – kurz oder mittelfristig nicht mehr mit Kirchensteuermitteln zu finanzieren -  einzustufen und dies zurückzumelden.

Begleitend hat die Landeskirche zusammen mit dem Evangelischen Siedlungswerk die Immobilienberatung "Equadra" gegründet. Diese unterstützt den Prozess mit Potenzialanalysen und führt Transformationsstudien durch, die den Gemeinden und Dekanaten vor Ort helfen sollen. Aktuell sind zwanzig Beratungsprojekte abgeschlossen. Weitere Projekte befinden sich in Beratung, in Vorbereitung oder Bearbeitung. Wir sind also auf einem guten Weg, um herauszufinden, was sinnvoll ist und was langfristig gewährleistet werden kann.

Zukunft des EPV

Die bayerische Landeskirche möchte auch ihre Kommunikation neu aufstellen. Der Campus Kommunikation wurde aufgelöst, es gab Gespräche zwischen dem Evangelischen Presseverband für Bayern e.V. und dem zuständigen Referenten der Landeskirche, Oberkirchenrat Stefan Blumtritt. Wie geht es weiter? 

Luca-Fynn Schieblich: Im Frühjahr wurde von der Synode eine Begleitgruppe für diesen Prozess eingesetzt. Auf der Synode wird Professor Florian Höhne dazu einen Bericht halten. Dem möchten wir an dieser Stelle nicht vorgreifen.

Digitalisierung der Verwaltung

Die Landeskirche möchte künftig ihre Verwaltungsprozesse weiter digitalisieren. Welche konkreten Projekte sind hier geplant? 

Luca-Fynn Schieblich: Grundsätzlich bleibt es eine Daueraufgabe, die Kirche weiter zu digitalisieren und Verwaltungsprozesse zu vereinfachen. Damit verbunden ist auch das Ziel, Haupt- und Ehrenamtliche durch eine digitale Arbeitsumgebung besser zu unterstützen.

Deshalb soll es künftig ein digitales Kollektenwesen geben. Dabei wird nicht nur eine zusätzliche Bezahlmöglichkeit geschaffen, sondern auch ein digitales Kollektenbuch, dass die Gemeinden bei den digitale Abläufen von der Erfassung bis zur Abrechnung unterstützt und dokumentiert. 

Themen der Landeskirche 2027

Welche Themenschwerpunkte will die bayerische Landeskirche im kommenden Jahr setzen?

Tanja Keller: Die Frühjahrstagung wurde um einen Tag gekürzt. Dadurch wird es schwieriger, ein umfangreiches Schwerpunktthema zu behandeln. Angedacht ist derzeit das Thema Seelsorge, so wie es auf der letzten Synode beschlossen wurde.

Ein weiteres Thema bleibt das Projekt "Einfach heiraten". Das wird auch 2027 eine Rolle spielen. Im Bereich Kommunikation geht es außerdem um die Mitgliederpost, also die Briefe, die direkt an die Mitglieder verschickt werden. Dort soll beispielsweise das Thema Segen aufgegriffen werden. Auch die Konfi-Arbeit bleibt ein wichtiges Thema und die Frage, wie sie künftig weiterentwickelt werden kann.

Ein großes Ereignis werden die Feierlichkeiten zur Confessio Augustana. Das Augsburger Bekenntnis ist einer der wichtigsten Texte der Reformation und wurde 1530 in Augsburg Kaiser Karl V. überreicht. Im Jahr 2030 feiern wir das 500-jährige Bestehen. Der Lutherische Weltbund hat angekündigt, deshalb seine Vollversammlung in Augsburg abzuhalten. 

Wir werden voraussichtlich im kommenden Frühjahr darüber informiert, unter welchem Leitmotiv dieses Jubiläum stehen soll und was im Einzelnen geplant ist. Die Synode soll frühzeitig eingebunden werden. Danach werden wir sehen, welche Rolle die Synode bei dieser Veranstaltung konkret übernimmt.

Und welchen Schwerpunkt möchten Sie persönlich setzen?

Für mich persönlich bleibt es sowohl als Präsidentin der Synode als auch als Richterin ein wichtiges Anliegen, unsere Demokratie zu stärken. Vor dem Hintergrund der Entwicklungen der vergangenen Monate in Deutschland und weltweit halte ich das für besonders wichtig.

Aus evangelischer Sicht müssen wir uns klar gegen jeden Angriff auf die Menschenwürde positionieren. Das geschieht auf verschiedenen Ebenen. Die EKD hat dazu erneut ein Papier veröffentlicht. Wir beobachten außerdem die politischen Entwicklungen in Sachsen-Anhalt. Sollte es dort zu den befürchteten Entwicklungen kommen, werden wir prüfen, wie wir unsere Schwesterkirche unterstützen und uns mit ihr solidarisieren können.

Darüber hinaus bleiben Themen wie Migration, Vielfalt und Rassismuskritik wichtig. Für die Herbstsynode liegt ein Antrag zum Thema "Rassismuskritische Kirche" vor. Dieser sieht die Entwicklung eines Maßnahmenplans für die Landeskirche vor.

"Die Strukturen werden sich verändern. Aber wir werden weiterhin nah bei den Menschen sein" Tanja Keller

Woran sich das Präsidium messen lassen will

Wo möchten Sie mit diesem Reformprozess in zwei Jahren stehen? Was hoffen Sie, bis dahin erreicht zu haben? 

Tanja Keller: Zwei Jahre sind als Zeitraum etwas schwierig, wenn man bedenkt, dass die Stellenplanung auf acht Jahre angelegt ist und die Dekanate selbst entscheiden werden, wann und in welchem Zeitraum sie mit der Umsetzung beginnen. Wenn wir es aber schaffen, mit dem Reformimpuls dieses Herbstes Zuversicht zu vermitteln und deutlich zu machen, warum wir als Kirche auch und gerade in herausfordernden Zeiten eine Zukunft haben, dann wäre das für mich bereits ein Erfolg. Die Strukturen werden sich verändern. Aber wir werden weiterhin nah bei den Menschen sein und die gute Botschaft, das Evangelium weitergeben, daran habe ich keinen Zweifel. Wenn uns das gelingt, wäre das ein wichtiger Schritt.

Frank Bienk: Wenn Sie konkret nach dem Reformprozess fragen: Ja, die Umsetzungszeiträume sind lang. Dennoch wollen wir die Entscheidungen jetzt treffen und nicht noch Jahre aufschieben. Wir werden unterschiedliche Geschwindigkeiten ermöglichen. Es gibt Regionen und Dekanate, die sagen: Wir wollen jetzt loslegen, weil wir den Handlungsdruck spüren und die Bereitschaft zur Veränderung vorhanden ist. Diese Regionen leiden derzeit teilweise darunter, dass die rechtlichen Voraussetzungen fehlen. Natürlich kann man schon heute kooperieren. Dann braucht es aber Kooperationsvereinbarungen, umfangreiche finanzielle Verrechnungen und möglicherweise später sogar umsatzsteuerliche Regelungen. Vieles davon könnte künftig einfacher werden. Wer möchte, soll daher ab dem 1. Januar 2027 die neuen Möglichkeiten nutzen können, sofern die entsprechenden Gesetze beschlossen werden. 

Ein Erfolgsindikator wäre für mich, wenn die ersten Beteiligten in zwei oder drei Jahren sagen: Wir sind vorangekommen und unsere Arbeit hat sich verbessert. Vor allem dann, wenn die kirchlichen Berufsgruppen sich wieder stärker auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren können und weniger Zeit für Verwaltungsfragen aufwenden müssen. Wenn diese ersten Erfahrungen positiv sind, können andere davon lernen. Dann entsteht möglicherweise eine positive Dynamik für weitere Regionen. 

Luca-Fynn Schieblich: Das Schöne an der Landeskirche ist ihre Vielfalt. Wir haben sehr unterschiedliche Gemeinden, Frömmigkeitsstile und Menschen. Dass Veränderungen in unterschiedlichem Tempo stattfinden können, halte ich für eine große Stärke. Gerade diejenigen, die heute noch skeptisch sind, könnten in einigen Jahren an Beispielen anderer Regionen sehen, dass solche Modelle funktionieren. Ich würde mir wünschen, dass dann deutlich wird: Die Menschen können ihren kirchlichen Auftrag vor Ort wieder stärker wahrnehmen. Pfarrerinnen und Pfarrer, Religionspädagoginnen und Religionspädagogen sowie Diakoninnen und Diakone können sich stärker auf die Verkündigung konzentrieren und müssen weniger Verwaltungsaufgaben übernehmen. Wenn das gelingt und auch in ländlichen Regionen als Erfolg wahrgenommen wird, dann wäre das für mich ein starkes Signal. Dann hätten wir ein Zukunftsmodell entwickelt, das auch langfristig tragfähig ist.