21.09.2019
Stiftungen

Social Impact Investing: Wie Unternehmensstiftungen die Welt ein wenig verbessern wollen

Was bedeutet "Social Impact Investing" - und warum engagieren sich Unternehmensstiftungen in diesem Bereich? Eine Tagung in München sucht nach Antworten.
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In der Wirtschaft ist gerade häufig der Begriff "Impact Investing" zu hören. Doch was ist das eigentlich? Bei einer Tagung in München trafen sich rund 100 führende Unternehmensstiftungen aus ganz Europa um zu diskutieren, wie sie mit ihren Investments messbare soziale oder gesellschaftliche Veränderungen bewirken können – und trotzdem Rendite machen. Der "C Summit EU" wurde von EVPA und Daphne organisiert und ist den Veranstaltern zufolge die erste europäische Philanthropie und Sozialinvestment-Tagung dieser Art.

Gekommen sind überwiegend Unternehmensstiftungen und Sozialinvestoren. "Wir müssen uns vernetzen, wenn wir einen dauerhaften sozialen Wandel erreichen wollen", erklärte Steven Serneels von der "European Venture Philanthropy Association" (EVPA) zur Eröffnung der Veranstaltung. Beim "Corporate Social Investment (CSI)" sei ein erheblicher Wandel zu beobachten. So wollten viele Unternehmensstiftungen langfristige Veränderungen und Verbesserungen erzielen. Dies werde nur gelingen, wenn sich die Branche weiter professionalisiere und besser vernetze. Denn zum Erreichen der UN-Nachhaltigkeitsziele seien rund 2,5 Millionen Dollar jährlich nötig.

Forschungsprojekt untersucht europäische Unternehmensstiftungen

Auf der Tagung wurde ein Forschungsprojekt vorgestellt, das nicht nur die europäische Szene beleuchten will, sondern vor allem eine Systematisierung der Unternehmensstiftungen ermöglicht. "Die Social-Impact-Szene in Europa ist sehr inhomogen", erklärte Wissenschaftlerin Lonneke Roza von der Erasmus Universität Rotterdam. Die strikte Trennung zwischen Unternehmen und Stiftungen, wie sie etwa in Deutschland üblich sei, gebe es in kaum einem anderen europäischen Land. Auch hätten Unternehmenskultur und die politische Situation in einem Land enorme Auswirkungen auf Unternehmensstiftungen.

Für das Forschungsprojekt führten die Wissenschaftler verschiedene Workshops und zahlreiche Interviews. Davon ausgehend habe die Forschungsgruppe ein Modell aufgesetzt, das in verschiedenen Webinaren von Experten begutachtet und weiterentwickelt wurde, so Roza.

Das präsentierte "Corporate Social Investor"-Modell unterscheidet vier Gruppen:

Infografik Corporate Social Investor
Sozialinvestitionen - ein Modell für Unternehmensstiftungen.

Corporate Social Investor - das Modell

  1. Es gibt Unternehmensstiftungen, die sich vor allem thematisch positionieren und darauf zielen, ihre Unternehmensziele mit der gesellschaftlichen Wirkung zu verbinden.
     
  2. Im industriellen Bereich beschäftigen sich die meisten Stiftungen mit sozialen Fragen, die unmittelbar mit der eigenen Industrie zusammenhängen. Ein Beispiel dafür ist C&A-Stiftung, die Projekte zur Verbesserung der Produktionsbedingungen oder einen Transparenz-Index für die Textilbranche unterstützt.
  • Dann gibt es Stiftungen, die sich auf eine bestimmte Region oder Branche konzentrieren. Sie investieren ihr Geld vor allem in wohltätige Zwecke wie Stipendien oder Mitarbeiterförderung.
     
  • Schließlich gibt es Stiftungen, die unmittelbar mit dem Geschäftsziel verbunden sind und primär die Rendite im Blick haben. Diese investieren in der Regel einen bestimmten prozentualen Betrag in wohltätige Zwecke oder einen Bereich, von dem sie eine soziale Wirkung erwarten.

Wie Roza erklärte, soll das Modell den Unternehmensstiftungen dabei helfen, sich selbst besser einzuschätzen – und verdeutlichen, welche Optionen zur Veränderung es gebe. "Die Eingruppierung erleichtert die Weiterarbeit und Vernetzung", so Roza. Ausgehend von diesen Ergebnissen sollen künftig weitere Projekte organisiert werden.

Unternehmensstiftungen bewerten Modell positiv

Daniela Deuber von der BMW-Stiftung München hält das Modell für durchaus hilfreich: "Wir haben eine große Bandbreite und Diversität in der Ausrichtung der Stiftungen", ist ihre Beobachtung. Das Modell helfe, die eigene Positionierung und Ausrichtung zu überprüfen. Deuber wünscht sich mehr Querverbindungen zwischen Unternehmen und ihren Stiftungen. "Unternehmen und Stiftungen müssen gemeinsame Ziele formulieren, die sie auch skalieren können", sagte Deuber.

Auch Katharina Jeschke von "Help Alliance", einer Hilfsorganisation der Lufthansa-Gruppe, hält das neue Modell für hilfreich. "Wir bekommen einen Überblick über die Szene in Europa und können uns neue Impulse für die Arbeit holen", erklärt Jeschke. Sie hofft, in ihrer Arbeit auch neue Akzente setzen zu können. Alice Deissner vom Vodafone Institute erhofft sich vor allem Impulse durch das Netzwerk: "Ich setze auf den Erfahrungsaustausch und hoffe, Verbündete zu finden".

Dass die Tagung zu "Social Impact Investing" durchaus ankommt, bestätigen laut Veranstalter Steven Serneels die Teilnehmerzahlen: Die Tagung sei innerhalb kürzester Zeit ausgebucht gewesen. Für 2020 ist daher eine Fortsetzung geplant. Bis dahin soll das Modell weiter verbreitet werden, so Serneels.

EVPA und DAPHNE

Bei "Venture Philantropy" geht es um unternehmerische Prinzipien: Mit Risikokapital sollen soziale, ökologische oder gesellschaftliche Vorhaben unterstützt werden. Genutzt werden dazu auch Darlehen oder Eigenkapital.

DIe "European Venture Philanthropy Association (EVPA) besteht seit 2004 und hat rund 100 Mitglieder in ganz Europa.

Die "Donors and Foundations Network in Europe" (Dafne) versteht sich als Netzwerk für Unternehmensstiftungen.

Das Modell zu den Unternehmensstiftungen kann über diese Seite als PDF abgerufen werden.

 

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