17.10.2018
Kommentar

Nach der Landtagswahl: Die Stimme der Kirchen ist wichtiger denn je

Die Landtagswahlen in Bayern haben gezeigt, wie gespalten die Gesellschaft ist. Daher ist es wichtig, dass die Kirchen standhaft bleiben und auch weiterhin ihre Stimme für Menschenwürde, für Toleranz und für Frieden erheben.
Kirche und Parteien

Die Hoffnung von Annekathrin Preidel hat sich nur zum Teil erfüllt. Die Bürger sollten die bayerische Landtagswahl zu einem "Fest der Demokratie" werden lassen, indem sie "mit ihrer Stimme verhindern, dass rechtspopulistische Kräfte erstarken", hatte die Präsidentin der bayerischen evangelischen Landessynode Anfang Oktober in ihrem geistlichen Wort zum Tag der Deutschen Einheit geschrieben.

Tatsächlich haben am Wahlsonntag in Bayern weniger Menschen die rechtsgerichtete AfD gewählt, als die Umfragen im Vorfeld befürchten ließen. Erstarkt sind die Rechtspopulisten im Freistaat dennoch. Mehr denn je wird der Landtag daher künftig ein gespaltenes Parlament sein – und mit ihm die Gesellschaft, deren Spiegelbild er letztlich ist.

Extreme Standpunkte einer Partei – das ist in den vergangenen Wochen deutlich geworden – führen dazu, dass auch die anderen Parteien öfter extreme Standpunkte einnehmen. Die parlamentarische und gesellschaftliche Debatte wird sich daher noch einmal verschärfen. Das hat sich nach dem Einzug der AfD in den Bundestag gezeigt. Es wird auch in Bayern so sein. Und es gilt insbesondere für die Flüchtlingsdebatte. In deren Mittelpunkt stehen Begriffe wie Menschenwürde, Toleranz, Frieden und Freiheit – also genau jene Themen, für die Christen einstehen sollten.

Die Kirchen zeigen Gesicht

Die Kirchen in Deutschland haben in der Diskussion um Asylbestimmungen, Abschiebungen, Aufenthalts- und Bleiberechte in den vergangenen Monaten Gesicht gezeigt. Sie sind eingestanden für ihre Werte, sind Hetze, Rassismus und Vorurteilen entgegengetreten. Pfarrerinnen, Pfarrer und Kirchengemeinden haben sich für Flüchtlinge und gegen unberechtigte Abschiebungen eingesetzt, mitunter unter Inkaufnahme staatlicher Repressalien. Sie werden das auch weiterhin tun müssen – voraussichtlich noch stärker als bisher.

Die Polarisierung der politischen und gesellschaftlichen Debatte ist eine Herausforderung für die Kirchen. Sie müssen standhaft bleiben, ehrlich und klar in ihrer Botschaft. Sie müssen dabei aber auch versuchen, der zunehmenden Spaltung der Gesellschaft entgegenzuwirken. Ihre Stimme muss die Stimme des Friedens sein in einer zunehmend konfliktreichen Welt. Das ist schwierig. Es ist aber auch eine Chance. Denn es gibt den Kirchen Gewicht. Selten war ihre Stimme so wichtig – ihre gemeinsame Stimme. Denn auch darin liegt eine Chance der zunehmenden Spaltung der Gesellschaft: Sie kann Kirchen und Konfessionen enger zusammenrücken lassen – um gemeinsam einzutreten für Menschenwürde, für Toleranz und für den Frieden.

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