3.09.2018
Gewissensfrage Organspende

Organspende als Gewissensentscheidung - was sagen die Religionen?

Künftig sollen alle Menschen automatisch potentielle Organspender sein. Das möchte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) so einführen. Damit würde er dem derzeit in Österreich geltenden Recht folgen. Bisher ist es die Entscheidung jedes Einzelnen, ob ihm nach dem Tod Organe entnommen werden dürfen. Eine Gewissensfrage, bei der auch der Glaube eine Rolle spielt.
Organspende ist eine Gewissensentscheidung, die einem niemand abnehmen sollte und auch nicht kann. Wir sprechen mit einem Mann, der dank einer Organspende gut lebt, mit einem Arzt und mit Vertretern des jüdischen, christlichen und islamischen Glaubens

Heute gelten Organtransplantationen als Standard in der medizinischen Versorgung. Aber so einfach ist das alles nicht, denn die meisten Organe kommen von Verstorbenen. Wer stellt sich zur Verfügung? Würden Sie eine neue Niere oder Leber annehmen - und wären Sie auch bereit Ihre Organe einem kranken Menschen zu spenden? Was sagen die großen Religionen dazu? Elke Zimmermann spricht mit einem Organempfänger und einem Arzt – aber auch mit Vertretern von Judentum, Christentum und Islam.

Karl Votz-Siegemund hatte eine Lebenserwartung von 16 Jahren – jetzt geht er auf die 60 zu – das verdankt er zwei Organspendern, deren Nieren ihn am Leben gehalten haben.

Täglich sterben drei Menschen, die auf eine neue Niere warten – es gibt zu wenige Spender. Möglicherweise könnte der Vorschlag, dass alle Organspender sind, die nicht ausdrücklich widersprochen haben, einige Menschenleben retten.

Keiner denkt gerne an seinen Tod – aber trotzdem sollte jeder von uns sich die Zeit nehmen, über die Frage nachzudenken: Würde ich ein fremdes Organ annehmen und wäre ich auch bereit, meine Organe zu spenden? Sprechen Sie mit ihrer Familie darüber. Denn für die ist es ganz schlimm, wenn sie im Fall der Fälle eine Entscheidung treffen muss, von der sie nicht weiß, ob sie in Ihrem Sinn gewesen wäre.

Hier finden Sie weitere Informationen über die Position der evangelischen Kirche in Bayern zum Thema Organspende.

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Kommentar

Organspende
Heide Hollmer war auf einem Ausflug, als der lebensrettende Anruf kam: Man hat ein Spenderherz gefunden, habe es am Telefon geheißen. Den Tag werde sie niemals vergessen. Auch Jahre danach erinnert sich die Frau detailliert, dass es an einer Tankstelle bei Eckernförde an der Ostsee war, als sie sich für die OP bereit machen musste. Sie war in den Vierzigern, als es hieß, dass sie ohne Transplantation nicht mehr lange leben würde. Ein geschenktes Leben, dachte ich, als ich sie vor Jahren kennenlernte.
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