23.05.2020
Bildung

Integration trotz Corona: BAMF bietet digitale Angebote für rund 83.000 Immigranten

Insgesamt 220.000 Zuwanderer unterbrechen nach Angaben des BAMF wegen der Corona-Pandemie derzeit ihre Integrationskurse. Darum habe das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in den vergangenen Wochen digitale Angebote gestartet, mit denen die Zeit der Kursunterbrechungen überbrückt werden sollen.
Integration Sprachkurs Flucht Migration Asyl Deutsch

Rund 40 Millionen Euro habe die Behörde aus dem aktuellen Haushalt zur Verfügung gestellt, um die fest angestellten Lehrkräfte und die Honorarkräfte der Kursträger weiter zu beschäftigen. Hinzu kämen Unterstützungen aus dem Sozialschutzpaket der Bundesregierung. So hätten bereits rund 1.000 Träger von Integrations- oder Berufssprachkursen einen Antrag auf Hilfe nach dem Sozialdienstleister-Einsatzgesetz gestellt, heißt es aus dem BAMF. So bekämen die Träger bis zu 75 Prozent ihrer bisherigen Einnamen als Überbrückungshilfe ausbezahlt, bei Online-Lernangeboten sogar 85 Prozent.

7.000 Online-Tutorien für rund 83.000 Menschen

Bisher habe das BAMF bereits rund 7.000 Online-Tutorien und virtuelle Klassenzimmer genehmigt, mit denen fast 83.000 Zuwanderer digital lernten. Begleitet von einer Lehrkraft, lösten die Flüchtlinge und Migranten in den Tutorien grammatikalische Aufgaben, füllten Lückentexte aus und machten Sprechübungen. Das virtuelle Klassenzimmer kann den Ausfall des Präsenzunterrichts gut kompensieren, da in diesem Format der direkte Kontakt zwischen Teilnehmenden und der Lehrkraft sowie der Kontakt zwischen den Teilnehmenden untereinander möglich ist, so ein Sprecher des BAMF.

Die BAMF-Abteilungsleiterin Integration und gesellschaftlicher Zusammenhalt, Uta Saumweber-Meyer, betonte in den Funke-Zeitungen die Bedeutung solcher Angebote: "Wenn wir nicht personell und finanziell die Integrationsbemühungen auch in Zeiten der Pandemie aufrechterhalten, droht eine große Gruppe von Zuwanderern, vor allem Geflüchtete, beim Ankommen in Deutschland zu scheitern", sagte sie. Sie würden weniger schnell Anschluss an die deutsche Gesellschaft und an den Arbeitsmarkt finden.

Insgesamt erhofft sich das Bundesamt nach eigenen Angaben positive Auswirkungen auf das digitale Lernen im Bereich der Integration.

Der Online-Unterricht könne den persönlichen Kontakt vor Ort zwischen Lehrkraft und Schülerinnen und Schülern, aber auch unter diesen, nicht vollständig ersetzen, erklärte der Sprecher. In Zukunft könnten digitale Angebote aber die Präsenzveranstaltungen sinnvoll ergänzen.

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

Evangelische Jugendsozialarbeit

Jugendliche einer ejsa-Wohngemeinschaft
Vor drei Jahren kamen sie als unbegleitete Minderjährige ins Land. Seit dieser Zeit kümmert sich die Evangelische Jugendsozialarbeit (ejsa) um heranwachsende junge Männer. Ein Erfahrungsbericht, drei Jahre nachdem viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen.

Flüchtlingskrise

Pastorin Annette Behnken ARD Wort zum Sonntag
Nach ihrem deutlichen "Wort zum Sonntag" muss sich die ARD-Pastorin Annette Behnken gegen Kritik wehren. In ihrer vierminütigen Ansprache am Samstagabend hatte sie die Flüchtlingspolitik von EU und Türkei mit den Worten "Ich könnte kotzen" kommentiert. Obwohl Behnken viel Zuspruch erhalten hat, regte sich seitens der AfD der Vorwurf der "Volksverhetzung".

Kommentar

Ein Mann an einem Grenzzaun (Symbolbild)
Der Bürgerkrieg in Syrien tobt nun seit neun Jahren. Derzeit gehen syrische Regierungstruppen mit Unterstützung Russlands militärisch gegen die überwiegend islamistischen und dschihadistischen Milizen in der Provinz Idlib vor. Eine Million Menschen sind auf der Flucht in Richtung türkische Grenze und werden so zum Spielball der Politik. Ein Kommentar von Stephan Bergmann.