Wie brutal die Revolutionsgarden im Iran gegen Demonstranten und Regimekritiker vorgehen, entsetzt auch die iranischen evangelischen Christ:innen in Bayern. Der Iraner Gholamreza Sadeghinejad, Ansprechpartner bei der Projektstelle für getaufte Geflüchtete aus dem Iran in der bayerischen Landeskirche, sagte am Mittwoch im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd):

"Alle in der Community hoffen jetzt auf einen Angriff von US-Präsident Donald Trump." Man warte darauf, dass die USA die verantwortlichen Revolutionsführer bombardieren.

Proteste gegen das Regime im ganzen Land

Die Stimmung in den persischsprachigen Gemeinden in Bayern sei angesichts der Tausenden Toten "angespannt und verzweifelt und gleichzeitig voller Hoffnung", sagte Sadeghinejad.

In diesem Wechselbad der Gefühle müsse er sich gerade zusammennehmen, um überhaupt sprechen zu können.

Als unerträglich empfinde er Bilder und Videos von Getöteten, die über verschiedene Kanäle die Menschen außerhalb Irans erreichten. Er habe auf Bildern aufeinandergestapelte Leichen gesehen und auch erfahren, dass die Garden für Leichen "Lösegeld" verlangten, damit Angehörige sie bestatten können.

Ein Angriff der USA werde wieder Menschenleben kosten, räumt Sadeghinejad ein. "Aber es werden sicher nicht wieder innerhalb von zwei Tagen 12.000 Menschen ermordet." Die Zahl nannte das umstrittene iranische Exilmedium Iran International. Laut der Menschenrechtsorganisation HRANA (Human Rights Activists News Agency) wurden bislang mindestens 2.571 Menschen getötet und mehr als 18.000 verhaftet. Seit Wochen gibt es wegen der sich verschärfenden Wirtschaftskrise in ganz Iran Massenproteste gegen das Regime. US-Präsident Trump warnte die Regierung und sagte den Demonstrierenden auf seiner Plattform "Truth Social" Hilfe zu.

Gemeinsam beten für den Iran: Gottesdienst und Solidaritätsaktionen

Unter dem Motto "Gemeinsam beten wir für den Iran" findet am Sonntag (18. Januar, 16 Uhr) ein persisch-deutscher Gottesdienst in der Nürnberger Markuskirche statt. Demonstrationen, mit denen die Menschen Solidarität mit den iranischen Protestierenden zeigen wollen, finden am Mittwoch in München am Königsplatz, am Donnerstag um 16 Uhr in Bamberg am Grünen Markt, am Freitag um 16.30 Uhr in Erlangen am Schlossplatz und am Samstag um 13.30 Uhr in Bayreuth statt.

Eine Kundgebung ist am Samstag auch in Nürnberg von 14 bis 16 Uhr am Jakobsplatz geplant. Nach Schätzungen des Koordinators Sadeghinejad hat die iranisch-deutsche Gemeinde in der bayerischen Landeskirche derzeit etwa 2.500 Mitglieder.