25.04.2020
178 antisemitische Vorfälle im Freistaat

Jüdische Gemeinden stark verunsichert - RIAS: Fast jeden zweiten Tag ein antisemitischer Vorfall

Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern (RIAS Bayern) hat vergangenes Jahr 178 antisemitische Vorfälle im Freistaat registriert.
Dr. Josef Schuster Präsident Zentralrat der Juden

Damit kam es nahezu jeden zweiten Tag zu einem dokumentierten antisemitischen Vorfall, wie die Informationsstelle am Donnerstag in ihrem Jahresbericht mitteilte. Besonders besorgniserregend sei eine antisemitisch motivierte schwere Körperverletzung, die sich unter den dokumentierten Vorfällen befinde.

"Die Übergriffe verletzen und belasten uns", kommentierte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, den RIAS-Bericht. Sie hinterließen den Eindruck, dass wir nicht dazugehören und nicht erwünscht sind. Die Dokumentation von RIAS zeige, wo wir noch stärker mit unseren Projekten in der Antisemitismusprävention ansetzen müssen, sagte die bayerische Sozialministerin Carolina Trautner (CSU).

Antisemitische Kriminalität

Neben der schweren Körperverletzung habe es im vergangenen Jahr neun Angriffe, elf gezielte Sachbeschädigungen, acht Bedrohungen, 28 Massenzuschriften und 121 Fälle in der Kategorie verletzendes Verhalten gegeben. In letztere fielen etwa 14 Versammlungen, 35 Fälle im Rahmen einer Auseinandersetzung von Angesicht zu Angesicht und 33 Fälle von öffentlich präsentierten antisemitischen Botschaften, heißt es weiter im Jahresbericht.

Nach Einschätzung von RIAS-Bayern-Leiterin Annette Seidel-Arpaci war Antisemitismus für Jüdinnen und Juden in Bayern 2019 ein prägendes Thema. "Wir haben im Kontakt mit den jüdischen Gemeinden und Einzelpersonen eine starke Verunsicherung registriert. Die uns bekanntgewordenen Vorfälle ereigneten sich häufig an öffentlichen Orten, an denen sich die Betroffenen in ihrem Alltag regelmäßig aufhalten, wie etwa beim Einkaufen oder auf dem Weg zur Arbeit", betonte die Leiterin.

"Gegen Antisemitismus und Judenhass müssen wir als Gesellschaft und Staat energisch vorgehen. Gefragt sind von uns aktive Solidarität mit Jüdinnen und Juden, Prävention gegenüber antisemitischen Einstellungen und Handlungen sowie staatliche Repression gegen Straftäter", so Ludwig Spaenle, Antisemitismusbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung. Dabei sei die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern ein wichtiges Element.

Recherche- und Informationsstelle

RIAS Bayern hat im vergangenen Jahr den Betrieb aufgenommen. Die Recherche- und Informationsstelle ist beim Bayerischen Jugendring (BJR) angesiedelt, mit dessen Unterstützung die Stelle derzeit in einen eigenständigen Verein überführt wird. Das Bayerische Sozialministerium fördert die Einrichtung. RIAS Bayern beteiligt sich an der Bundesarbeitsgemeinschaft des Bundesverbandes der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus, der bundesweit ein Netzwerk von Meldestellen für antisemitische Vorfälle aufbaut.

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