24.02.2017
Geschichte zur Reformation

Die Geschichte der Frauen in der Reformation wurde lange Zeit vernachlässigt. Das Frauenwerk Stein hat nun ein Buch herausgebracht, dass die Geschichte der Frauen der Reformation in Süddeutschland nachzeichnet - und rund 200 Lebenswege vorstellt.
Vom Dunkel ins Licht
Vom Dunkel ins Licht

Die Geschichte der Frauen von der Reformation bis zur Gegenwart in Bayern wurde in den vergangenen Jahrzehnten meist nur am Rande erforscht. Das Frauenwerk Stein hat sich nun um ein wichtiges Werk verdient gemacht. In dem Buch »Vom Dunkel ins Licht - Frauen der Reformation im süddeutschen Raum« wird deutlich, dass es sich lohnt, auf die Suche nach Quellenmaterial zu begeben. Auf mehr als 200 Seiten werden hier Schriftstellerinnen, Adelige, Nonnen, Stifterinnen oder sonstige Frauen vorgestellt, die im Zusammenhang mit der Reformation stehen.

»Ursprünglich hatten wir eine Arbeitshilfe geplant, doch nach einem Jahr intensiver Recherche hatten wir so viel Material, dass wir daraus ein Buch gemacht haben«, sagt Andrea König, Leiterin der Fachstelle für Frauenarbeit in Stein. Begleitend zum Buch entstand eine Ausstellung, die nun durch das Land tourt - parallel zur Schau "Frauen der Reformation" der Evangelischen Frauen in Mitteldeutschland.

Die Lektüre der Publikation bringt - wie der Titel schon sagt - endlich Licht ins Dunkel der Geschichte. Und sie eröffnet neue Perspektiven. Denn durch die Darstellung persönlicher Schicksale und Biografien einzelner Frauen entsteht ein lebendiges und facettenreiches Bild der Reformationsgeschichte.

Das Buch reagiert dabei geschickt auf ein grundlegendes Problem der Geschichtsschreibung - die historische Quellenlage.  »Etliche Frauen der Reformation haben Spuren hinterlassen, nur waren diese oftmals nicht der Erwähnung wert«, erklärt König. Die Geschichte der Frauen in der Reformation sei daher auch eine »Geschichte der Aussparung", so König.

Umso erstaunlicher, dass das Buch nun insgesamt 15 Kapitel umfasst. Diese schildern das Leben der Frauen zur Zeit der Reformation bis zur Gegenwart. Sie zeigen, wie stark die Frauen sich engagieren, die Gesellschaft prägen, verändern und gestalten. Die Frauen der Reformation sind Unruhestifterinnen, sind Bildungsträgerinnen, Stifterinnen oder Publizistinnen.

Buch-Tipp

Vom Dunkel ins Licht - Frauen der Reformation

Der Publikationsband umfasst insgesamt 256 Seiten.

Preis: 10 Euro zzgl. Versandkosten

Bestellung: f@frauenwerk-stein.de oder Tel. 0911 6806 142

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Der chronologische Aufbau der Publikation macht deutlich, wie mühsam jede kleinste Veränderungen of war  - und wie erst die breite Masse dann für einen Wandel sorgte, so dass aus »Mönchshuren« schließlich Vorzeigefrauen und Vorbilder werden konnten. Da ist zum Beispiel das kurze Leben der Nonne Anna Schwarz. Sie trat freiwillig aus dem Kloster aus mit dem schriftlichen Vermerk, dass ihr Eintritt »ein Irrtum« gewesen sei. Die Anmerkung musste sie jedoch streichen. Später heiratete sie demonstrativ den ehemaligen Abt von St. Egidien, Friedrich Pistorius. Das Grabmal der Eheleute findet sich heute auf dem Johannisfriedhof in Nürnberg.

Das letzte Kapitel der Publikation widmet sich den Frauen des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Ein besonderes Augenmerk gilt der Geschichte kirchlicher Frauenorganisationen im süddeutschen Raum. Antonie Nopitsch (1901-1975) gründete 1933 den »Bayerischen Mütterdienst«. Aus diesem entstand nach dem Zweiten Weltkrieg das Mütterkurhaus. Es ist das heutige Tagungs- und Gästehaus des Frauenwerks Stein.

Die Geschichte der Frauenordination in Bayern zeigt, wie stark alte Beharrungskräfte manchmal sein können. Lange Zeit herrschte die Meinung vor, dass Frauen weder wissenschaftlich arbeiten noch denken könnten. So blieb Frauen die akademische Laufbahn verwehrt. Das änderte sich erst 1958: Elisabeth Haselhoff (1914-1974) arbeitet als erste Frau in Deutschland als evangelisch-lutherische Pfarrerin.

Argula von Grumbach
Argula von Grumbach war eine protestantische Publizistin und Reformatorin. Heute erinnert die
Argula-von-Grumbach-Stiftung an die Reformatorin: Sie fördert die Gleichstellung von Mann und Frau in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Sie will die Auseinandersetzung mit Geschlechterfragen im gesellschaftlichen und kirchlichen Kontext unterstützen.

Als im April 1992 mit Maria Jepsen in Hamburg die erste lutherische Bischöfin weltweit gewählt wurde, drohten manche Theologen damit, die Landeskirche zu wechseln und riefen zum aktiven Widerstand auf. Ähnliche Reaktionen rief auch die Wahl von Margot Käßmann (geb. 1958) zur ersten weiblichen EKD-Ratsvorsitzenden im Oktober 2009 hervor.

Bei dieser zögerlichen Entwicklung hin zu einer Gesellschaft »jenseits patriarchaler Machtverhältnisse« wundert es nicht, dass die Autorinnen sich stark machen für eine eigenständige Frauenbildungsarbeit. »Unterschiedliche Lebenslagen und Lebenserfahrungen erfordern unterschiedliche Bildungsangebote«, so ihr Fazit. Da versteht es sich von selbst, dass die Erforschung der Geschichte der Frauen von der Reformation bis heute fortgeführt werden muss.

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Das THEMA-Magazin »Die Frauen der Reformation« : In dem Sonderheft werden großartige »Reformatorinnen« anschaulich porträtiert und in den Mittelpunkt gestellt: Katharina von Bora, Argula von Grumbach, Barbara Cranach, Elisabeth Cruciger, Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg, Olympia Fulvia Morata und Katharina Melanchthon. Dem THEMA-Magazin gelingt nicht nur die Darstellung der »weiblichen Seite« der Reformation und wie sich dadurch das Frauenbild verändert hat, sondern auch der Brückenschlag in die heutige Zeit.

 

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