3.10.2019
Feiertage

Tag der Deutschen Einheit: Seehofer will Strukturunterschiede zwischen Ost und West beseitigen

Blick zurück, Blick nach vorn: Strukturunterschiede zwischen Ost und West werden nach Ansicht des Bundesinnenministers in zehn Jahren überwunden sein. Bundestagspräsident Schäuble räumt ein, dass 1990 sicher nicht alles richtig gemacht wurde.
Brandenburger Tor in Berlin
Brandenburger Tor in Berlin - bis 1989 Grenze zwischen BRD und DDR.

Zum Tag der Deutschen Einheit 2019 hat sich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zuversichtlich geäußert, dass in den nächsten zehn Jahren die Strukturunterschiede zwischen Ost und West beseitigt werden. "Wir gehen von einem Jahrzehnt aus, bis wir gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Deutschland haben. Das gilt nicht nur für die neuen Bundesländer, sondern auch für strukturschwache Regionen in anderen Teilen Deutschlands", sagte er.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) sagte, man habe 1990 sicher nicht alles richtig gemacht. In der damaligen Situation aber habe es keine Alternative gegeben. Die meisten Ostdeutschen hätten den schnellen Beitritt gewollt. Den Einigungsvertrag, den Schäuble vor fast 30 Jahren mitverfasst hat, bezeichnete er als "die beste Form, in der wir die Einigung vollziehen konnten".

Dem ARD-Hauptstadtstudio sagte Schäuble, er könne verstehen, dass sich Ostdeutsche manchmal benachteiligt fühlten. In Ost- und Westdeutschland ähnliche wirtschaftliche Voraussetzungen zu schaffen, das "braucht länger, als wir damals geglaubt haben". Aber es tue sich etwas. Wenn jetzt durch die Diskussion das Bewusstsein für Missstände, Fehler und Versäumnisse da sei, dann berge das auch die Chance, dass etwas passiere.

 

Beitrag von Ostdeutschland zum Mauerfall 1989

Seehofer würdigte den Beitrag der Ostdeutschen zum Mauerfall 1989. Der "Bild am Sonntag" sagte er: "Vor dem Mut der Ostdeutschen verneige ich mich! Wir verdanken den Mauerfall diesen Menschen, die bei der friedlichen Revolution eine riesige Courage bewiesen haben." Durch die Überwindung der deutschen Teilung könnten heute alle Deutschen in Freiheit in einem geeinten Europa leben.

Die zentrale Feier zum Tag der Deutschen Einheit richtet in diesem Jahr die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt Kiel aus. Das Motto lautet "Mut verbindet". Erwartet werden unter anderen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die die Festrede halten wird.

Zum Bürgerfest rechnen die Veranstalter mit mehr als einer halben Million Besucher. Der ökumenische Festgottesdienst zum 3. Oktober in der St. Nikolaikirche steht unter dem Motto "Gottes Kraft erneuert" und wird ab 10 Uhr live im Ersten übertragen. Es predigen die evangelische Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt und der katholische Erzbischof Stefan Heße.

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