18. April 2021
Personalie

Volker Gloßner, neuer Präsident des Verbands evangelischer Chöre in Bayern, über Gesang in Corona-Zeiten

Kirchenmusikdirektor Volker Gloßner aus Landshut ist neuer Präsident des Verbands evangelischer Chöre in Bayern "Singen in der Kirche". Im Interview spricht er über seine künftige Aufgabe - und das Musizieren in der Corona-Pandemie.
Kirchenmusikdirektor Volker Gloßner, neuer Präsident des Verbands der evangelischen Chöre in Bayern
Kirchenmusikdirektor Volker Gloßner, neuer Präsident des Verbands der evangelischen Chöre in Bayern.

Der Verband evangelischer Chöre in Bayern "Singen in der Kirche" wurde 1885 gegründet. Damit ist er der älteste unter den bayerischen kirchenmusikalischen Verbänden. Ihm gehören rund 900 Kantoreien, Kirchenchöre, Gospel- und Kinderchöre mit insgesamt rund 25.000 Sängerinnen und Sängern aus ganz Bayern an.

Kirchenmusikdirektor Reinhold Meiser (Ingolstadt) hat sich nach 27 Jahren als Präsident wegen seines Ruhestands auch von dem Ehrenamt verabschiedet. Zu seinem Nachfolger wurde bereits im März Kirchenmusikdirektor Volker Gloßner (Landshut) gewählt. Im Gespräch erzählt er über die Nachwuchsgewinnung und die Herausforderungen der Corona-Pandemie für Chöre.

Herr Gloßner, wo liegen Ihre musikalischen Schwerpunkte?

Volker Gloßner: An meiner Dekanatskantorenstelle an der Christuskirche in Landshut fordert mich eine umfangreiche, ich möchte sagen, klassische Chorleitertätigkeit. Sie umfasst die Aufführung der meisten oratorischen Werke von Bach, Mozart, Mendelssohn bis Verdi, Martin, Honegger und Webber mit dem etwa 80 Sängerinnen und Sänger zählenden Motettenchor. Der Kammerchor singt vor allem a cappella, gelegentlich auch besondere Werke wie Monteverdis Marienvesper oder die Historien und Passionen von Schütz.

Seit dem Beginn meiner Berufstätigkeit bis heute gab es immer mindestens zwei, manchmal sogar vier Kinderchöre und einen Jugendchor. Im Verband "Singen in der Kirche" engagierte ich mich genau in diesem Bereich der Nachwuchsgewinnung. Beim alle zwei Jahre stattfindenden Landeskinderchortag gehörte ich dem Organisationsteam an, bei sieben hatte ich die musikalische Leitung inne, beim letzten Landeskinderchortag in Gunzenhausen (2019) die gemeinsame Leitung mit der Chorreferentin des Verbands Stefanie Hruschka-Kumpf. Der Umgang und das Musizieren mit den "Sängerinnen und Sängern von morgen", den Kindern und Jugendlichen, ist mir immer leicht gefallen.

Was werden die ersten Themen sein, die Sie im Verband angehen müssen oder umsetzen wollen?

Gloßner: Meine erste Aufgabe am Tag nach der Wahl bestand darin, den fix und fertig geplanten Landeschortag am 19. Juni in Nördlingen aufgrund der aktuellen Pandemie-Lage abzusagen. Dank der Flexibilität vieler, vor allem meines Nördlinger Kollegen, Kirchenmusikdirektor Udo Knauer, ist es in kurzer Zeit gelungen, einen neuen Termin für diese Großveranstaltung zu finden. Das heißt, der Verband kann heute schon zu zwei großen Veranstaltungen einladen: zum Landeschortag im Sommer 2023 nach Nördlingen und zum Landeskinderchortag am 16. Juli 2022 nach Heilsbronn. Der letzte Landeschortag konnte immerhin 1.500 Sängerinnen und Sänger aus über 100 bayerischen Chören mobilisieren.

Wie stellt sich der Chorverband auf die wahrscheinlich noch länger andauernden Einschränkungen bei Weiterbildungen oder anderen Aktivitäten ein?

Gloßner: In den letzten Monaten hat sich der Verband dank unserer Geschäftsstelle vor allem den Ruf erworben, den Chören eine aktuelle und stets zuverlässige Quelle darüber zu sein, in welcher Form und Formation Proben und Auftrittsmöglichkeiten im Gottesdienst und darüber hinaus möglich sind. Das dokumentieren die vielen Aufrufe der Homepage. Auch das "dynamische" Jahresprogramm 2021, das weitgehend feststeht, hat auf die veränderten Gegebenheiten schnell reagiert.

Unsere Chorreferentin Stefanie Hruschka-Kumpf bietet mit dem Format "ChorFragen online" ein Forum für alle Chorleiter an, sich mit Gleichgesinnten über all die Herausforderungen eines Neustarts auszutauschen. Es gibt einen Online-Talk mit der Kinder- und Jugendchorleiterin Ulrike Schelter-Baudach. Dem intensiven Austausch über kreative Möglichkeiten und Ideen, die Kinder und Jugendlichen trotz des Lockdowns jetzt und auch weiterhin immer noch bei der Stange und vor allem bei Laune zu halten, gingen mehrere Webinare seit Herbst 2020 voraus. Der Zuspruch war trotz der Corona-Lage enorm. Die Online-Talks dienen dem Austausch von Erfahrungen, aber vor allem dem Austausch von tollen Ideen für die Motivation von Kindern, trotz Homeschooling.

Mit welchen Problemen kommen die Mitglieder ratsuchend zum Verband, wie können Sie ihnen weiterhelfen?

Gloßner: Wir helfen, indem wir Informationen zu den geltenden Bestimmungen bereitstellen, was proben- und aufführungstechnisch gerade möglich ist oder nicht. Außerdem empfehlen wir geeignete Literatur für genau die Lage, in der sich die Chöre und Chorleiter gerade befinden. Zum Beispiel eine Sammlung von leicht singbaren, qualitativ guten Chorsätzen in einem unkomplizierten Format für gemischte Chöre mit ein/zwei Männerstimmen, für Frauenchöre. Man kann sich kostenlos Literatur aus der Bibliothek des Verbands schicken zu lassen. Die Bibliothek des Verbands zählt deutschlandweit zu den größten Chorbibliotheken ihrer Art. Der Bestand ist digitalisiert und auf der Homepage des Verbands abrufbar. Chöre können bei Neugründungen und Neuanschaffungen von Noten Zuschüsse des Verbands beantragen.

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