11.07.2020
Corona-Krise

Experten untersuchen Corona-Ansteckungsrisiko in Chören – und gewinnen wichtige Erkenntnisse

Trennwände zwischen Sängern, permanent gelüftete Räume und mehr Abstand nach vorne: Der Chor des Bayerischen Rundfunks hat zusammen mit Wissenschaftlern das Corona-Ansteckungsrisiko beim Singen untersucht - nun liegen erste Ergebnisse vor.

Zentrale Frage bei der Untersuchung war: Wie ist das Singen in Corona-Zeiten - mit Blick auf die Abstände der Chormitglieder zueinander und auf das Raumklima - gesundheitlich verantwortbar, wie aus einer Pressemitteilung des Bayerischen Rundfunks (BR) hervorgeht.

Die Auswertung der Messungen über die abgestrahlten Aerosol-Wolken habe ergeben, dass Chormitglieder zu ihren vorderen Kollegen einen größeren Abstand einhalten sollten als zur Seite, teilte der BR weiter mit.

Für die Sicherheit der Sänger sei es außerdem wichtig, den Raum permanent zu lüften, damit Aerosole entfernt würden. Beteiligt an der Testreihe waren Mediziner und Strömungsmechaniker der LMU München und des Uniklinikums Erlangen. Die Studie ist noch nicht veröffentlicht.

Trennwände, Abstände oder Masken: Was Chöre nutzen

Nach vorne empfiehlt Matthias Echternach, Leiter der Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie am LMU Klinikum München und selbst ausgebildeter Sänger, einen Sicherheitsabstand von zwei bis zweieinhalb Metern zwischen den Sängern. Zur Seite hin könnten die Abstände geringer gewählt werden, etwa eineinhalb Meter. Besser wären zudem noch Trennwände zwischen den Sängern.

Tests mit Mundschutz hätten ergeben, "dass wenn mit chirurgischen Masken gesungen wird, die großen Tröpfchen zwar komplett und die Aerosole zum Teil herausgefiltert werden, ein Teil der Aerosole aber leicht strahlartig nach oben und zur Seite austraten", sagte der Erlanger Strahlenmechaniker Stefan Kniesburges.

Singen mit Maske wäre durch die Verminderung der Partikelaustritte eine Option zumindest für Laien- und Kirchenchöre, sagte Echternach. Bei Profichören dagegen würde die Klangqualität zu sehr leiden.

Chöre: Corona-Hotspots in der Vergangenheit

Chöre haben sich in der Vergangenheit immer wieder als Corona-Hotspots herausgestellt. Da aber bisher noch wenig belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse existieren, habe der BR fachlichen Rat bei Wissenschaftlern gesucht, um selbst eine aufwendige Testreihe zu starten und die Ausbreitung und Verteilung von größeren Tröpfchen und Kleinstpartikeln - den sogenannten Aerosolen - beim Singen und Sprechen zu messen.

"Die Studie gibt uns mehr Klarheit, um Abstandsregeln und Klimaverhältnisse in Räumen besser einschätzen zu können, und wir möchten unsere Erkenntnisse allen zur Verfügung stellen, nicht zuletzt den Entscheidungsträgern für neue allgemeingültige Vorgaben", sagte Susanne Vongries, Managerin des Chores des BR.

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