Umweltschutz
Die Idee klingt verrückt: Französische Umweltaktivisten setzen sich für eine "Universelle Erklärung der Rechte des Baumes" ein. Denn das könnte eine rechtliche Grundlage ergeben, gegen Waldzerstörung vorzugehen, glaubt Mitinitiator Ricardo. 
Baumkrone

Seine Liebe zu Natur und Bäumen begann schon als Kind. Damals habe er mit seinem Großvater zusammen Bäume beschnitten, erinnert sich Ricardo Rey. Heute wirbt der der 50-jährige Pariser für mehr Respekt vor Bäumen. "Unsere Zivilisation schützt die Umwelt nicht", kritisiert der gelernte Geigenbauer.

Rechte des Baumes sollen geschützt werden  

Deshalb müssten die Spielregeln geändert werden. Sein Vorschlag: Der Baum müsse als solcher rechtlich geschützt werden, wie es der Mensch durch die Erklärung der Menschenrechte ist.

Vor drei Jahren lancierte er gemeinsam mit dem Rechtsanwalt Alain Lebrun eine "Erklärung für die Rechte des Baumes" als Appell an EU und UN. "Der Baum ist eine Lebensquelle, ohne Baum gibt es kein Leben", fasst Rey die drei Artikel der Erklärung zusammen: "Deshalb hat der Mensch dem Baum gegenüber die Pflicht zu Brüderlichkeit und Solidarität." 

Initiative erfährt internationale Unterstützung

Rund 70.000 Unterzeichungen sind in einer Online-Petition zusammengekommen und Umweltschutzorganisationen in Spanien, Kanada und südamerikanischen Ländern haben sich der Initiative angeschlossen.

Natürlich sei ein Baum keine Person und könne nicht vor Gericht ziehen, sagt Anwalt Alain Lebrun. Es handele sich vielmehr um ein moralisches Recht:

"Der Baum ist kein Ding, sondern ein Lebewesen, das Respekt verdient."

Der Baum könne nicht klagen, aber der Respekt vor ihm könnte von Menschen und Organisationen eingeklagt werden. 

Der Internationale Tag des Baumes macht auf den Wert der Wälder aufmerksam

Die Vereinten Nationen haben die Bedeutung von Wäldern und Bäumen bereits 1951 gewürdigt, als sie den 25. April zum "Internationalen Tag des Baumes" erklärten. Er soll den Wert des Waldes für den Menschen und die Wirtschaft im Bewusstsein halten. Traditionell werden an diesem Tag an vielen Orten Bäume gepflanzt. 

Die weltweite Waldzerstörung schreitet derzeit extrem schnell voran, warnen Umweltorganisationen wie der World Wide Fund for Nature (WWF). Er hat Satellitendaten aus dem Zeitraum 2004 bis 2017 ausgewertet: Die Studie "Entwaldungsfronten" identifiziert 24 Hotspots, vor allem in Lateinamerika, Südostasien und Afrika. 

EU-Importe bewirken große Waldzerstörungen

Die Organisation stellte Mitte April eine Weltrangliste der Waldzerstörung vor und kam zu folgendem Ergebnis: Damit Kunden auch in europäischen Supermärkten Soja, Rindfleisch und Kaffee kaufen können, müssen in anderen Weltregionen Wälder weichen.

Für EU-Importe wurden dem Bericht zufolge zuletzt pro Jahr durchschnittlich Tropenwälder von der vierfachen Größe des Bodensees gerodet. Und das, obwohl die EU die durch Importe verursachte Waldzerstörung von 2005 bis 2017 bereits um 40 Prozent reduziert habe. 

Selbstverpflichtungen von Unternehmen und Regierungen seien trotz Verbesserungen letztlich nicht erfolgreich gewesen, kritisiert der WWF. Er fordert verbindliche Anforderungen an Unternehmen und den Finanzsektor, um die Entwaldung aufzuhalten. 

Für Ricardo Rey böte eine "Universelle Erklärung der Rechte des Baumes" eine rechtliche Grundlage für weitergehende Aktionen und Klagen gegen Waldzerstörer. Seine Initiative hat Ableger in mehreren Ländern in Europa, Südamerika und Afrika.

Organisation "World Action" pflanzt Bäume im Senegal

Im westafrikanischen Senegal ist Pape Aly Dieng der Vertreter der Initiative für die Rechte des Baumes. Mit seiner lokalen senegalesischen Organisation "World Action" pflanzt Dieng junge Bäume. Dabei ist ihm wichtig: "Wenn die Bäume Früchte zum Essen oder zur Weiterverarbeitung abwerfen, werden die Menschen sie auch schützen." 

Lokale Initiativen im Senegal sind seit Jahrzehnten auch das Fachgebiet von Haidar El Ali. Senegals berühmtester Umweltschützer ist Direktor der nationalen Wiederaufforstungsagentur, soll im Auftrag der Regierung mit einer "grünen Mauer" die Wüste im Norden des Landes aufhalten. Dennoch verliert Senegal jedes Jahr 40.000 Hektar Wald. 

El Ali: Ohne Umweltpolitik werden Ressourcen verschwinden

Den illegalen Handel von Rosenholz aus der Region Casamance mit China über Gambia konnte El Ali mit Hilfe von Drohnen aufdecken und beenden, zumindest im Senegal: "Nun wird dieser Handel aber in Mali organisiert", bedauert der Umweltschützer.

"Solange die afrikanischen Staaten keine starke Umweltpolitik machen, werden die Ressourcen verschwinden, weil die, die für Geld handeln, nie aufhören." 

El Ali gibt sich keinen Illusionen hin, was Initiativen wie eine Erklärung der Rechte der Bäume angeht: "Schwarzhändlern sind Erklärungen egal." Aber in seinem Einsatz für die Natur lässt er sich nicht entmutigen: Er hat dafür gesorgt, dass in ganz Senegal 152 Millionen Bäume und Mangroven gepflanzt werden. 
 

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