28.11.2020
Corona

Corona-Pandemie: Newsticker September 2020 bis Februar 2021

Der Sonntagsblatt-Newsticker - hier sind die Daten von September 2020 bis Februar 2021.
Fläschchen mit Impfstoff (Symbolbild)

Alle aktuelleren Beiträge ab März 2021 lesen Sie hier in unserem aktuelle Newsticker zum Thema "Coronavirus und Kirche".

Söder warnt vor "Blindflug" bei Lockerung der Corona-Schutzmaßnahmen

Freitag, 26. Februar, 14.59 Uhr: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) warnt vor den Bund-Länder-Beratungen zur Corona-Pandemie am nächsten Mittwoch vor einem "Blindflug" beim Hochfahren des öffentlichen Lebens. "Wir wollen schrittweise öffnen, aber mit Vernunft und Vorsicht", sagte Söder dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (Freitag). "Ein Rückfall wäre der denkbar schlechteste Weg. Die Politik darf jetzt nicht die Nerven verlieren", warnte er.

Das Instrument zu Steuerung seien die Inzidenzzahlen. "Eine intelligente Öffnungsmatrix sollte sich an den Zahlen von 35 und 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen orientieren", sagte der CSU-Vorsitzende. Diese Werte stünden aus gutem Grund fest. "Die Öffnungen müssen dann nach Daten und nicht nach einem Datum erfolgen", erläuterte Söder: "Das muss verständlich und für alle nachvollziehbar sein." Skeptisch äußerte er sich zu den in einigen Ländern erarbeiteten Stufenplänen: "Bei einem Stufenplan muss man aufpassen, dass am Ende nicht ein Datum alle nächsten Schritte bestimmt."

Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck sagte der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" (Freitag) mit Verweis auf die ansteckenderen Virusmutationen, die Politik dürfe dem großen Bedürfnis nach Lockerungen nicht vorschnell nachgeben. "Verstärktes Impfen und Testen könnte helfen", sagte er. Dafür seien aber zwei Dinge nötig. "Um massenhaft Tests, auch die Selbsttests, zu produzieren, brauchen die Unternehmen staatliche Abnahmegarantien", sagte Habeck. Notwendig sei auch eine klare, umsetzbare Teststrategie des Bundes, sonst gehe "es drunter und drüber". 

ifo-Chef fordert schnellere Impfungen und viel mehr Coronatests

Donnerstag, 25. Februar, 13.25 Uhr: Für eine Beschleunigung der Impfungen und deutlich mehr Coronatests hat sich der Präsident des ifo-Instituts, Clemens Fuest, ausgesprochen. Sowohl die Beschaffung als auch die Verimpfung seien zu langsam, sagte er am Mittwoch in München. Die Tatsache, dass derzeit 2,3 Millionen Impfdosen auf Halde lägen, sei sehr bedauerlich. "Alles, was für eine Beschleunigung notwendig ist, muss jetzt getan werden", forderte Fuest. "Wir brauchen eine massive staatliche Förderung des Ausbaus der Produktion von Impfstoffen." Praktisch jeder vom Staat aufgewendete Betrag lohne sich, weil die Kosten des Lockdowns sehr hoch seien. Zudem sollten künftig auch Hausärzte und Betriebsärzte Impfungen vornehmen können, schlug Fuest vor.

Jede Woche, um die sich die Pandemie durch verzögerte Impfungen verlängere, verursache in den am meisten betroffenen Sektoren Wertschöpfungsausfälle von rund zwei Milliarden Euro. Dabei seien Kosten entfallender Bildung und Kosten für das Gesundheitswesen sowie Ausfälle durch Spätfolgen von Covid nicht mitgerechnet, sagte Fuest laut Mitteilung. Um Öffnungen zu ermöglichen, ohne eine dritte Welle zu verursachen, seien zudem mehr Tests notwendig.

Bayerischer Realschullehrerverband fordert "klaren Fahrplan" für die Schulen

Mittwoch, 24. Februar, 16.34 Uhr: Einen klaren Pandemie-Fahrplan für die Schulen und ein sofortiges Impfangebot für alle Lehrkräfte fordert der Bayerische Realschullehrerverband (brlv). "Inzidenzgrenzen dürfen nicht permanent uminterpretiert, sondern müssen konsequent verfolgt werden", sagte der Verbandsvorsitzende Jürgen Böhm vor der Anhörung im Bildungsausschuss des Landtags am Donnerstag dem 25.02., bei der Böhm gemeinsam mit weiteren Bildungs- und Verbandsvertretern Stellung nehmen wird.

Es sei "absolut wichtig", in dieser Pandemiephase die Inzidenzgrenzen von 50 für den vollen Präsenzunterricht und 100 für den Wechsel in den Distanzunterricht einzuhalten, sagte Böhm in München: "Es muss jetzt einen nachvollziehbaren und sicheren Fahrplan für die zweite Hälfte des Schuljahres geben, auf den sich Schüler, Eltern und Lehrkräfte verlassen können."

Zudem sprach sich der brlv-Verbandschef dafür aus, den Gesundheitsschutz an den Schulen weiter zu erhöhen und Maßnahmen wie Testungen, Luftreinigung und Hygiene zu verstärken. Dazu gehöre, die Lehrkräfte beim Impfen höher zu priorisieren und ihnen "zeitnah" ein Impfangebot zu machen. Erst nach Erfüllen dieser Punkte könne man über eine schrittweise Öffnung der Schulen "mit Augenmaß für weitere Jahrgangsstufen nachdenken".

Gerade an den Realschulen funktioniere der digital gestützte Distanzunterricht sehr gut, die Absolventen seien "sehr gut" auf den Realschulabschluss vorbereitet. Böhm forderte, die außergewöhnlichen Leistungen der Lehrkräfte und Schüler anzuerkennen und die gestrichenen Ferien zu kompensieren.

Bayern öffnet am Montag Baumärkte, Kosmetikstudios und Musikschulen

14.49 Uhr: Neben den Friseuren dürfen ab kommendem Montag (1. März) in Bayern weitere Dienstleister und Geschäfte öffnen. Das gelte zum einen für körpernahe Dienstleistungen wie Fußpflege, Maniküre und Gesichtspflege, sagte Staatskanzlei-Minister Florian Herrmann (CSU) am Dienstag nach einer Sitzung des Kabinetts. Außerdem könnten Gartenmärkte, Blumenläden, Gärtnereien, Baumschulen und Baumärkte unter Einhaltung von Hygienekonzepten wieder aufsperren. Drittens sei in Regionen, in denen die 7-Tage-Inzidenz unter 100 liege, der Einzelunterricht an Musikschulen wieder erlaubt.

Aktuell gebe es leider "keine starke Verbesserung des Infektionsgeschehens" in Bayern, sagte Herrmann, eigentlich befinde man sich wieder in einer Seitwärtsbewegung. Die 7-Tage-Inzidenz im Freistaat liegt am Dienstag bei 57,8. Besondere Sorge bereite die starke Ausbreitung der Virus-Mutationen: So liege ihr Anteil beispielsweise in München bereits bei 41,4 Prozent, sagte Herrmann - und habe sich damit innerhalb weniger Wochen stark vervielfacht.

Angesichts dieser Tatsache habe man sich nur für sehr behutsame Lockerungen entschieden. "Wir dürfen jetzt die Nerven nicht verlieren", betonte der Chef der Staatskanzlei. Auch wolle man mit den aktuellen Beschlüssen nicht dem vorgreifen, was die Ministerpräsidenten kommende Woche mit der Bundeskanzlerin besprechen werden. Herrmann nannte hier vor allem mögliche Lockerungen in den Bereichen Kontaktbeschränkungen und Sport.

Söder für lokale Unterschiede bei Corona-Lockerungen

Dienstag, 23. Februar, 08.33 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat Lockerungen für diejenigen Regionen mit dauerhaft niedrigeren Inzidenzwerten angekündigt. Wenn etwa die Sieben-Tage-Inzidenz dauerhaft bei unter 35 je 100.000 Einwohner liege, seien Erleichterungen bei den Kontaktbeschränkungen auf wieder zwei Haushalte oder fünf Personen denkbar, sagte der CSU-Chef am Montagmorgen vor der Sitzung des Parteivorstands in München. Man könne "mehr öffnen, wo es geht", weniger öffnen, wo es schlechter gehe und man müsse auch zurückgehen, "wo es sehr schlecht steht".

Entscheidender als feste Termine für die Öffnungen seien die aktuellen Infektionszahlen. "Ich würde zu den 35 und 50 keine neuen Zahlen einführen. Das führt nicht zu mehr Verständlichkeit und Akzeptanz", sagte der CSU-Chef. Mit Blick auf die neue Konferenz der Regierungschefs von Bund und Ländern kommende Woche rate er dazu, "im Rahmen der Öffnungsmatrix nicht jeden Tag neue Zahlen zu diskutieren".

Weitere Lockerungen im Schulbereich hätten absolute Priorität, sagte Söder. In Regionen mit Inzidenzwerten von unter 35 sei es denkbar, dass der Wechselunterricht an den Grundschulen wieder zu dauerhaftem Präsenzunterreicht weiterentwickelt werde. Auch die Vor-Abschlussklassen wie die Q11 an Gymnasien könnten in diesem Fall zurück in die Schulen. Für die Wirtschaft seien Lockerungen nach einer "intelligenten Matrix" denkbar. In Regionen mit niedrigen Inzidenzen sei eine Öffnung des Handels denkbar. Dies gelte vorerst aber nicht für Hotels oder Gastronomie.

Söder sagte, man befinde sich in einer "sensiblen Phase" der Pandemie. Auch wenn die Ungeduld steige und die Nerven bei manchen blanklägen, müsse die Politik vertretbare Grundsätze entwickeln, die "Sicherheit und Perspektive" verbinden. Es gehe um einen "Dreiklang aus Impfen, Testen und Erleichtern". Das Impfangebot müsse massiv ausgebaut werden, ebenso brauche es "Millionen Schnelltests pro Tag" in ganz Deutschland. Für die bayerischen Hotspots kündigte Söder mehr Impfdosen sowie Schnelltests an, um die Lage in den Griff zu bekommen.

Kirchen erinnern gemeinsam an Corona-Tote

Montag, 22. Februar, 16.01 Uhr: Als Teil einer europäischen Initiative gedenken zahlreiche Gemeinden in Deutschland mit einem Gottesdienst am 27. Februar der Corona-Toten. So feiere etwa der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, an diesem Tag um 17.30 Uhr im Münchner Liebfrauendom einen Gedenkgottesdienst, wie das Bistum am Montag mitteilte. Bischof Franz Jung gedenkt der Pandemieopfer um 9 Uhr im Würzburger Dom. Auch in Eichstätt und Passau gibt es laut Bischofskonferenz entsprechende Gottesdienste.

Einen bundesweiten ökumenischen Gottesdienst wollen evangelische und katholische Kirche am 18. April vor dem staatlichen Gedenkakt gemeinsam in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin feiern. Er wird vom Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, und dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, gemeinsam mit Vertretern anderer Religionen gestaltet und in der ARD übertragen.

Darüber hinaus findet in Bayern zahlreiches dezentrales Erinnern statt. Mit Fürbitten, Gebeten und speziellen Gottesdiensten gedenken viele Kirchengemeinden der Corona-Toten. So werden in der evangelischen Kirche St. Michael in Fürth seit Mitte Januar täglich Kerzen für die Fürther Corona-Opfer angezündet. In der katholischen Münchner Innenstadtkirche St. Michael liegt ein Totenbuch aus, in dem Menschen die Namen ihrer verstorbenen Angehörigen eintragen können.

Immer wieder wird außerdem in ganz Bayern in den Fürbitten für die Opfer der Pandemie gebetet. Oft gibt es auch wöchentliche Gebete für die Corona-Toten. Die bayerische evangelische Landeskirche hat zudem einen Entwurf für einen Gedenkgottesdienst erarbeitet, den alle Kirchengemeinden, Dekanate und Einrichtungen nutzen können.

Kitas in Bayern öffnen wieder: Kostenlose Masken und Corona-Tests für Erzieher

Samstag, 20. Februar, 10.01 Uhr: Die Beschäftigten in bayerischen Kitas sollen künftig besser vor einer Corona-Infektion geschützt werden. Für das Kita-Personal gebe es Reihentestungen auf das Coronavirus, außerdem würden bestimmte Zeitfenster für sie in den kommunalen Testzentren freigehalten, kündigte Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) am Freitag zum Start der Kitas in den eingeschränkten Regelbetrieb am kommenden Montag (22. Februar) an.

Sobald in Deutschland auch Antigen-Schnelltests für Selbsttestungen zugelassen sind, werde der Freistaat dem Kita-Personal zweimal wöchentlich eine kostenlose Selbsttestung ermöglichen. Außerdem sollen die Kita-Beschäftigten pro Person 20 medizinische Masken kostenfrei erhalten. "Unser pädagogisches Personal in den Kitas, das Herausragendes leistet, verdient den größtmöglichen Schutz", betonte Trautner. Daher setze sie sich auf Bundesebene dafür ein, dass die Beschäftigten in Kitas schneller geimpft werden.

Bisher liegen Erzieher auf der Impf-Priorisierungsliste in Gruppe drei, zusammen etwa mit den Lehrkräften. Erzieherverbände hatten zuletzt heftig kritisiert, dass die Öffnung der Kitas zwar - auch laut Trautner - "höchste Priorität" habe, das Kita-Personal trotz des direkten Kontakts zu den Kindern aber nur unzureichend vor einer Corona-Infektion geschützt werde. Es brauche kostenlose Schnelltests und eine vorrangige Impfung, so die Forderung der Verbände.

Am kommenden Montag (22. Februar) nehmen die bayerischen Kitas ihren eingeschränkten Regelbetrieb wieder auf. Das bedeutet, dass grundsätzlich wieder alle Kinder ihre Kita besuchen dürfen - allerdings nur in Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer 7-Tages-Inzidenz von unter 100. Wo der Wert bei über 100 liegt, wird weiterhin eine Notbetreuung angeboten. Die Kitas waren seit den Weihnachtsferien wegen der hohen Corona-Infektionszahlen geschlossen.

Mehr als Dreiviertel der Pflegeheim-Bewohner gegen Corona geimpft

Freitag, 19. Februar, 09.27 Uhr: 78 Prozent der Bewohner von Alten- und Pflegeheimen in Bayern haben die erste Impfung gegen Corona erhalten. Rund 100.000 Bewohner hätten sich seit Ende Dezember impfen lassen, sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) laut Mitteilung vom Donnerstag. 69.000 von ihnen hätten bereits die zweite Impfdosis erhalten und verfügten damit über den vollen Immunschutz.

Die Mobilen Impfteams haben laut Gesundheitsministerium bereits 98 Prozent der Alten- und Pflegeheime in Bayern besucht. Von den Beschäftigten dort habe sich knapp die Hälfte - nämlich 47 Prozent - schon impfen lassen. Holetschek appelliert daher an die übrigen Pflegekräfte: "Nutzen Sie die Chance auf Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung und lassen Sie sich impfen."

Über-80-Jährigen soll Anmeldung zur Corona-Impfung erleichtert werden

Donnerstag, 18. Februar, 14.00 Uhr: Von den rund 700.000 zu Hause lebenden Menschen über 80 Jahren in Bayern haben sich bislang rund 402.000 bei ihrem Impfzentrum angemeldet. Dies betreffe Senioren, die nicht in einem Alten- oder Pflegeheim leben, teilte das bayerische Gesundheitsministerium am Mittwoch in München mit. "Gerade für unsere ältesten Mitmenschen ist die Impf-Registrierung eine besondere Herausforderung", sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) laut einer Mitteilung.

Um den Hochbetagten die Anmeldung zu erleichtern, will er diesen Donnerstag (18. Februar) eine "Karten-Aktion" starten: Alle Landkreise und Städte erhalten vom Ministerium jeweils 5.000 Karten, die sie an Über-80-Jährige ausgeben können. Diese tragen dort ihre Kontaktdaten ein und schicken die Karte im vorfrankierten Umschlag ans Impfzentrum. Dieses ruft sie dann an, um einen Termin zu vereinbaren, wie es hieß. Die Städte München, Nürnberg und Augsburg erhielten entsprechend ihrer Größe eine höhere Anzahl.

Die bisherigen Registrierungswege über das Internetportal BayIMCO und telefonisch beim Impfzentrum oder über die Hotline 116117 bestünden weiter, so das Ministerium. Holetschek dankte den Kreisverwaltungsbehörden für die oftmals gut funktionierende Informationsarbeit, sagte aber auch, dass ihn immer wieder Berichte von Bürgern über 80 erreichten, die bei der Registrierung nach wie vor Unterstützung benötigten. Die Karten nun sollten ein Angebot sein, das die Kreisverwaltungsbehörden nutzen können. Er schlage vor, sie in öffentlichen Gebäuden, Apotheken oder Arztpraxen auszulegen.

Seit Beginn der Impfungen Ende Dezember 2020 haben rund 200.800 Menschen über 80 Jahren eine Erstimpfung erhalten, die Zweitimpfung bislang 93.400 der Hochbetagten. Das Gesundheitsministerium will zudem eine Broschüre herausgeben, die in einfacher Sprache über die Impfung informiert. Sie soll in Impfzentren sowie bei ambulanten Pflegediensten, Apotheken, Arztpraxen und in einigen Kirchengemeinden erhältlich sein.

Söder will "Kindergipfel" einberufen

Mittwoch, 17. Februar, 15.14 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will die Interessen von Kindern und Jugendlichen in der Corona-Pandemie stärker berücksichtigen. Kinder, die etwa mit dem Distanzlernen nicht klarkommen, bräuchten "Sonderunterstützung", sagte Söder beim "Politischen Aschermittwoch" seiner Partei in Passau. Zahlreiche junge Leute hätten Schwierigkeiten, weil ihre Familien sie beim Homeschooling nicht unterstützen könnten, oder entwickelten psychische Probleme wegen Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen. "Das will ich zur Chefsache machen", sagte Söder. Er wolle einen "Kindergipfel auf den Weg bringen", bei dem die jüngeren Generationen zu Wort kommen sollten.

"Priorität" habe es auch, Kinder und Jugendliche früher zu impfen, sagte Söder. Darum sei es ihm ein Anliegen, Druck zu machen auf die Impfstoffhersteller. Es gehe darum, gerade den Jüngeren wieder umfassendere Bildung, aber vor allem auch ihre Freiheiten wieder zu ermöglichen. In den Schulen vermehrt zu impfen "wäre das eigentliche Ziel, da will ich Dampf machen", sagte der CSU-Chef. Generell halte er es für richtig, dass die Schulen - wie beschlossen - ab 22. Februar "langsam" in den Präsenzunterricht starten "mit Testkonzept und Maskenkonzept".

Mit bayerischem PCR-Schnelltest in 40 Minuten zur Gewissheit

Dienstag, 16. Februar, 11.40 Uhr: Ein neuer PCR-Schnelltest könnte schon bald in ganz Bayern für sichere und schnelle Testergebnisse sorgen. Nach Darstellung des Herstellers soll der neue PCR-Schnelltest so zuverlässig wie ein herkömmlicher PCR-Test und zugleich so schnell wie ein Antigen-Schnelltest sein, erklärte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Montag nach einem Termin am Münchner Flughafen. Dort findet seit einer Woche im "Test&Fly"-Zentrum eine Pilotstudie zum Einsatz des bayerischen PCR-Schnelltests "GNA-Octea" statt.

Die bisherigen Ergebnisse machten Hoffnung, dass der neue Schnelltest bald bayernweit eingesetzt werden könne, sagte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Das "Test&Fly"-Zentrum ist einer von drei Standorten der Pilotstudie, die das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Auftrag gegeben hat. Zudem werden in der Klinik Kitzinger Land und im Schlachthof Landshut die Ergebnisse und die Nutzbarkeit des bayerischen Schnelltests im Vergleich mit anderen Verfahren validiert.

Ziel ist es, bis Ende Februar eine breite Datenbasis zu haben, um die Zuverlässigkeit und Anwendbarkeit des PCR-Schnelltests beurteilen zu können. Vorteil von "GNA-Octea" im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren sei, dass er in einer mobilen Laborumgebung eingesetzt werden kann. Daher soll er vor allem in Krankenhäusern, Seniorenheimen und Verkehrsknoten wie Flughäfen, Bahnhöfen und Autobahnen genutzt werden.

Bayerische Pflegeeinrichtungen fast vollständig erstgeimpft

16.32 Uhr: In Bayern sind fast alle Alten- und Pflegeheime mit der ersten Corona-Impfung versorgt. Mobile Impfteams hätten seit Ende Dezember in 98 Prozent der Einrichtungen Erstimpfungen verabreicht, teilte das bayerische Gesundheitsministerium am Sonntag in München mit. Rund 98.000 Heimbewohner hätten eine Erstimpfung erhalten, das sind mehr als drei Viertel der Bewohner. Die Zweitimpfung und damit den vollen Immunschutz bekamen laut Ministerium rund 65.000 Bewohner - das ist mehr als die Hälfte.

Auch beim Infektionsgeschehen in den Einrichtungen sei ein positiver Trend erkennbar. Aktuell seien 1,9 Prozent (2.411) der Bewohner an Corona erkrankt, erklärte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). Verglichen mit den Zahlen vor einem Monat sei das ein Rückgang um fast zwei Drittel. Nach Einschätzung des Gesundheitsministeriums hängt der Rückgang sowohl mit dem allgemeinen Rückgang der Infektionszahlen als auch mit den konsequenten Schutzmaßnahmen für die Einrichtungen zusammen. Unter anderem wurden in Bayern verpflichtende drei Corona-Tests pro Woche für das Personal sowie eine FFP2-Masken-Pflicht für Belegschaft wie Besucher eingeführt.

Bayerische Schuldnerberatungen sind während Corona stark gefragt 

Montag, 15. Februar, 11.25 Uhr: Viele Schuldnerberatungen in Bayern verzeichnen durch die Corona-Krise eine steigende Nachfrage. Das geht aus einer Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) unter den Einrichtungen in großen Städten hervor. Die Schuldnerberatung der Stadt München registrierte demnach 2020 mit 5.181 telefonischen und Online-Beratungen doppelt so viele wie im Jahr zuvor (2.557). Menschen in Geldnot müssen daher aktuell bis zu vier Monate auf einen Termin warten (vor der Pandemie: ein bis zwei Monate).

Beim Evangelischen Hilfswerk München braucht man aktuell zehn Wochen Geduld, um einen Termin zu bekommen, die Zahl der Ratsuchenden ist 2020 im Vergleich zum Vorjahr um etwa 40 Prozent gestiegen. Keine gravierenden Veränderungen gibt es derzeit bei der Schuldnerberatung der Diakonie Augsburg. Doch dass sich das schnell ändern kann, zeigen jüngste Zahlen der Schuldnerberatung der ökumenischen Christophorus-Gesellschaft in Würzburg: Dort erlebte man 2020 noch keine verstärkte Nachfrage, doch seit wenigen Wochen gehe es steil nach oben, erklärte die Einrichtungsleiterin.

Auch wer sich Hilfe sucht, hat sich seit der Corona-Krise den Beratungsstellen zufolge geändert: Neu seien Verbraucher, die bislang keine finanziellen Probleme hatten, jetzt aber infolge der wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie in finanzielle Schieflage geraten, weil sie seit Monaten in Kurzarbeit sind oder arbeitslos werden. Neu als Klientel seien auch Soloselbstständige, die aufgrund der Pandemie ihr Gewerbe aufgeben mussten. Konnten sie im letzten Jahr noch durch Rücklagen die Talfahrt überbrücken, sind die jetzt aufgezehrt und jeglicher Spielraum weg.

Selbst die Art der Beratungen hat sich durch Corona verändert. "Es fehlt der persönliche Kontakt", berichtet Sozialpädagogin Eva Würf von der Diakonie Regensburg. Dadurch gehe einiges an Informationen verloren. Zudem sei ihr sozialpädagogische Auftrag, mit Klienten darüber zu sprechen wo sie sich eventuell falsch verhalten, schwerer zu erfüllen.

Nürnberger Vesperkirche erneut verschoben

Samstag, 13. Februar, 09.12 Uhr: Der Beginn der Vesperkirche der Nürnberger Gustav-Adolf-Gedächtniskirche verschiebt sich wegen des verlängerten Corona-Lockdowns noch einmal. Der Start der "Vesperkirche 21 - ganz anders" soll jetzt am 1. März sein, teilte das evangelische Dekanat Nürnberg am Freitag mit. Von Montag bis Samstag werde man von 11.45 bis 13.30 Uhr auf dem Platz zwischen Kirche und Südstadtbad kostenlos oder gegen eine Spende warmes Essen zum Abholen verteilen. Pro Person werde man bis zu zwei Dosen ausgeben. Die Vesperkirche 21 endet am 20. März. Das Team der Vesperkirche hoffe, am 21. März um 9.30 Uhr einen Abschlussgottesdienst feiern zu können, hieß es.

Konzerte oder Zusatzangebote, wie sie in normalen Jahren zur Vesperkirche gehören, werde es heuer nicht geben, hieß es. Auch die Gottesdienste finden, solange der Lockdown andauert, nicht statt. 

Grundschulen und Kitas öffnen in Bayern am 22. Februar

14.47 Uhr: Grundschulen, Förderschulen und Kitas in Bayern sollen am 22. Februar wieder öffnen, wenn der Corona-Inzidenzwert niedrig genug ist. Gelten soll dies in Städten und Landkreisen, die unter einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 liegen, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach einer Kabinettssitzung am Donnerstag in München. Die Kitas öffnen dann komplett, in den Grundschulen gibt es Wechselunterricht.

Auch die Abschlussklassen von Real- und Mittelschulen sollen dann in den Wechselunterricht geholt werden, wie er bei den Abschlussklassen von Gymnasien und beruflichen Schulen seit 1. Februar bereits durchgeführt wird. In allen anderen Schulen und Klassenstufen, ebenso in Regionen mit einer Inzidenz über 100, wird der Distanzunterricht vorerst fortgesetzt.

Begleitet werden soll die Schulöffnung von einem Masken- und Testkonzept, kündigte Söder an. Acht Millionen Masken stelle der Freistaat Lehrkräften zur Verfügung. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) zufolge sollen bei Testzentren sogenannte Slots eingerichtet werden, an denen sich Lehrkräfte und Schüler testen lassen können. Zudem sollen selbst durchführbare Schnelltests ermöglicht werden, sobald diese genehmigt seien. 

Drei weitere Wochen Lockdown beschlossen

Donnerstag, 11. Februar, 10.35 Uhr: Bund und Länder haben sich am Mittwoch darauf verständigt, den Lockdown zur Eindämmung der Corona-Pandemie um drei Wochen bis zum 7. März zu verlängern. Die Zahl der Neuinfektionen ist nach ihrer Bewertung noch zu hoch für Öffnungen - vor allem angesichts der auch in Deutschland kursierenden höchst ansteckenden Virusmutationen. Ein paar Lockerungen gibt es aber schon früher geben. Die Beschlüsse im Überblick:

WAS WEITER GILT:

Bei den Kontaktbeschränkungen und der Maskenpflicht bleibt es bei den derzeitigen Regeln: Angehörige eines Haushalts dürfen nur eine Person aus einem anderen Haushalt treffen. Die Beteiligten sollen dabei möglichst konstant bleiben. In Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln muss eine medizinische Maske getragen werden. Arbeitgeber müssen weiter Homeoffice ermöglichen. Die entsprechende Rechtsverordnung gilt ohnehin noch bis zum 15. März. Einzelhandel, Sport-, Kultur- und Freizeiteinrichtungen bleiben geschlossen. Gottesdienste dürfen weiter nur unter strengen Auflagen und mit Anmeldung stattfinden.

PERSPEKTIVE FÜR SCHULEN UND KITAS:

Schulen und Einrichtungen zur Kinderbetreuung sollen als erstes wieder öffnen, wobei die einzelnen Bundesländer über den genauen Zeitpunkt entscheiden. In Nordrhein-Westfalen wird ab dem 22. Februar schrittweise wieder mit Präsenzunterricht gestartet. Zugleich sollen vermehrt Corona-Schnelltests in den Kitas und Schulen vorgenommen werden, um Infektionen in den Einrichtungen rechtzeitig zu entdecken. Wo immer möglich, sollen medizinische Masken verwendet werden. Geprüft werden soll, ob Grundschullehrer und Erzieher früher als bisher geplant geimpft werden können und dafür in die Impf-Kategorie 2 (hohe Priorität) eingeordnet werden. Sie wären damit in einer Gruppe mit den über 70-Jährigen.

FRISEURE

Schon am 1. März können Friseure wieder öffnen, auch weil für diesen Zeitpunkt erwartet wird, dass die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen unter 50 liegt. Für Friseure gelten dann aber strengere Auflagen: Termine müssen reserviert und medizinische Masken getragen werden.

WEITERE ÖFFNUNGEN ERST BEI INZIDENZ VON 35

Erst wenn die Zahl der Ansteckungen pro 100.000 Einwohner in einer Woche unter 35 liegt, soll es weitere Öffnungen geben, und zwar für Einzelhandel, Museen und Galerien sowie für andere körpernahe Dienstleistungen neben den Friseuren. Im Einzelhandel soll sich nicht mehr als ein Kunde pro 20 Quadratmeter aufhalten. Über die Öffnung der Bereiche entscheiden auch hier die Länder.

SPORT, KULTUR UND FREIZEIT

Für weitere seit langem geschlossene Bereiche im Freizeitbereich sowie von Sport- und Kultureinrichtungen haben Bund und Länder noch keine konkrete Perspektive eröffnet. Bund und Länder arbeiteten weiter an der Entwicklung nächster Schritte, heißt es lediglich im Beschluss. Dazu sei eine Arbeitsgruppe eingerichtet worden.

Aiwanger: Tourismus in Bayern "liegt auf der Intensivstation"

15.29 Uhr: Der Tourismus in Bayern ist im Corona-Jahr 2020 dramatisch eingebrochen. Es wurden nur noch 20 Millionen Gästeankünfte verzeichnet und 60 Millionen Übernachtungen, wie Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) bei der Vorstellung der Tourismusbilanz für Bayern am Mittwoch in München mitteilte. Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2019 gab es noch 40 Millionen Gästeankünfte und 100 Millionen Übernachtungen. Der Tourismus in Bayern humple seit vergangenem Jahr auf einem Bein, "momentan liegt er auf der Intensivstation", sagte Aiwanger. Er hoffe, "dass wir den Tourismus an Ostern wieder hochbekommen" und dass ab März zumindest wieder Außengastronomie erlaubt sei.

Lichtblicke habe es im vergangenen Jahr nur im Sommer gegeben, als die Infektionszahlen niedrig waren und die Menschen wieder verreisen konnten. Als Gewinner der Krise bezeichnete Aiwanger unter anderem das Campen und Urlaub auf dem Bauernhof. Wegen der Ansteckungsgefahr hätten die Touristen Städte und Menschenansammlungen gemieden und seien aufs Land, etwa in Ferienwohnungen, ausgewichen. In diesem Tourismusbereich seien die Einbußen vergleichsweise gering geblieben, "tragischer hat es die Städte erwischt" - etwa wegen ausgefallener Messen und Geschäftsreisen, betonte Aiwanger.

Er forderte den Bund auf, für den Tourismus Perspektiven zu schaffen. Die Gaststätten hätten gute Hygienekonzepte, auch die Skilifte könnten kontrolliert wieder öffnen, sagte Aiwanger. Er schlug dafür Masketragen, Abstandhalten, eine Maximalzahl an Wintersportlern und eine Online-Buchung vor, um eine zu große Menschenansammlung zu vermeiden. Hier sei die "kontrollierte staatliche Form am besten". Ansonsten würden sich die Menschen privat an einen Tisch zusammensetzen oder zuhauf am Rodelhügel stehen - ohne an Maske und Abstände zu denken.

Bund und Länder beraten über weitere Corona-Maßnahmen

Mittwoch, 10. Februar, 08.26 Uhr: Bund und Länder beraten heute über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie. Wegen höchst ansteckender Virusmutationen, die inzwischen auch in Deutschland kursieren, ist mit einer wesentlichen Lockerung der Schutzmaßnahmen trotz sinkender Infektionszahlen nicht zu rechnen. Allerdings sollen bei den Gesprächen der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mögliche Szenarien zur schrittweisen Öffnung von Schulen und Kitas diskutiert werden. Bislang sind bundesweit mehr als 60.000 Menschen im Zusammenhang mit dem Virus gestorben.

Aiwanger: Einzelhandel mit guten Konzepten schnell öffnen

Dienstag, 9. Februar, 8.46 Uhr: Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hat sich für Lockerungen im Lockdown ausgesprochen. Er denke da vor allem an Schulen, Kitas, Friseure und Gaststätten, sagte er am Montag in der Bayern 2 radioWelt. Aber auch im Einzelhandel käme es wegen der funktionierenden Hygienekonzepte kaum zu verstärkten Infektionen. Auch bei der bayerischen Ausgangssperre sieht Aiwanger eine Lockerungsmöglichkeit.

Vor allem sorge sich der Wirtschaftsminister um die kleinen Läden, denen der Lockdown besonders zu schaffen mache, obwohl dort kein erhöhtes Infektionsgeschehen nachgewiesen werden könne. Klar sei jedoch, dass man "Discos, Party und Tourismus" noch nicht zulassen dürfe.

Aiwanger geht allerdings nicht davon aus, dass die Ministerpräsidentenkonferenz an diesem Mittwoch in Berlin weitere Öffnungen des Handels beschließt. Und in Bayern werde man sich natürlich an diese Linie halten. 

Bayerische Kirchenchefs fordern forcierte Impfstoffproduktion

Montag, 8. Januar, 10.24 Uhr: Einen stärkeren staatlichen Druck zur Ausweitung der Corona-Impfstoff-Produktion in Deutschland haben die beiden führenden bayerischen Kirchenchefs gefordert. Der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, und der Erzbischof von München und Freising und ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagten in einem gemeinsamen Interview, dass alle Pharmafirmen, die dazu in der Lage seien, jetzt Impfstoff produzieren sollten, schreibt die "Augsburger Allgemeine" laut einer vorab veröffentlichten Mitteilung in ihrer Montagausgabe.

"Der Staat könnte zur Not - natürlich mit guter Begründung - sagen: Wir sind jetzt in einer Situation, in der wir um des Gemeinwohls Willen Hersteller auf die Impfstoffproduktion verpflichten müssen", sagte Marx den Angaben zufolge. Das müsse natürlich bezahlt werden.

Auch Bedford-Strohm sagte, der Staat müsse "dafür sorgen, dass möglichst viel Impfstoff produziert und möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht wird".

Er betonte auch, Corona lasse sich nur weltweit bekämpfen, nicht wenn einige Länder Eigeninteressen den Vorrang gäben.

Bedford-Strohm sprach sich zugleich für pragmatische Lockerungen in Seniorenheimen aus, sobald alle Bewohner dort ausreichend geimpft seien. Noch stelle sich angesichts der geringen Zahl von Impfungen die Frage nicht, in breiter Form Einschränkungen für Geimpfte zurückzunehmen. "Wenn aber in einem Altenheim alle Bewohner geimpft sind und sich zum Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielen verabreden, sollten sie das aus meiner Sicht tun können", betonte er. Man dürfe Menschen nicht ohne nachvollziehbare Gründe in ihren Rechten beschränken.

Der Ratsvorsitzende sagte auch, es sei in der aktuellen Situation gut, dass sich Politiker als Lernende verstehen. "Es wäre ja schlimm, wenn sie aus Rechthaberei an Dingen festhalten würden, die einmal als angemessen erkannt wurden, aber nicht mehr aktuellen Erkenntnissen entsprechen."

Aiwanger: Maske, Impfung und Hygiene sind Alternative zu Dauerlockdown

Sonntag, 7. Februar, 07:14  Uhr: Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hat den von der Wirtschaftsministerkonferenz angestrebten Perspektivplan Wirtschaft begrüßt. Der mittlerweile monatelange Lockdown bringe immer mehr Unternehmen in Insolvenzgefahr und führe zu massiven Steuerausfällen, sagte Aiwanger am Samstag laut einer Mitteilung seines Ministeriums. "Mit Maske, Impfung und Hygienekonzepten haben wir Alternativen zu einem Dauerlockdown, der aktuell für viele Bereiche nicht mehr verhältnismäßig ist."

Vor dem Hintergrund der erheblichen volkswirtschaftlichen Schäden eines langandauernden Lockdowns hatten sich die Wirtschaftsministerinnen und -minister der Länder in einer Videokonferenz mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) für Öffnungsszenarien ausgesprochen. Die sollten "in größtmöglicher Abstimmung und unter Berücksichtigung regionaler Besonderheiten" von den Ländern umgesetzt werden. Die Minister forderten auch, dass die Bundesregierung unter Einbeziehung wissenschaftlicher Expertise die Risikoabschätzung verbessern soll.

Deutlich weniger beantragte Insolvenzen im Corona-Jahr 2020

Donnerstag, 4. Februar, 17.27 Uhr: Die Corona-Pandemie hat im vergangenen Jahr nicht - wie anfangs befürchtet - für eine steigende Zahl von Insolvenzen in Bayern gesorgt. Im Gegenteil: Insgesamt seien bei den bayerischen Gerichten 8.331 Insolvenzverfahren beantragt worden - 24,9 Prozent weniger als noch im Jahr 2019, teilte das Landesamt für Statistik am Donnerstag in Fürth mit. 2.172 waren Unternehmensinsolvenzen, was einen Rückgang um 17,2 Prozent bedeutet. 6.159 Verfahren entfielen auf übrige Schuldner, also etwa Verbraucherinsolvenzen oder von früheren Selbstständigen: ein Rückgang von 27,3 Prozent.

Insgesamt sei die Zahl der beantragten Unternehmensinsolvenzen zwischen April und September 2020 - also etwa mit Beginn des ersten Lockdowns - kontinuierlich zurückgegangen, teilten die Statistiker weiter mit. Für die unterm Strich überraschend wenigen beantragten Insolvenzverfahren liefern die Statistiker folgende Erklärungen: Eine sich verändernde Wirtschaftslage führe erst nach einiger Zeit zu einer wirtschaftlichen Schieflage des Unternehmens. Außerdem wurde der Ablauf von Insolvenzverfahren in der Corona-Pandemie geändert, damit Unternehmen eine Insolvenz noch abwenden können.

Ab Oktober 2020 wurden diese Effekte angesichts steigender Insolvenzzahlen aber offenbar immer geringer: Die Statistiker verzeichneten von Oktober bis Jahresende eine "Trendumkehr". Der Rückgang der Zahlen an beantragten Insolvenzen "findet damit ein vorläufiges Ende".

Impfzentrum-Leiter: Wir müssen geduldig bleiben

Dienstag, 2. Februar, 10.05 Uhr: Der ärztliche Leiter des Fürther Impfzentrums Michael Hubmann hat die Menschen nach dem Impfgipfel der Bundesregierung um Geduld gebeten. Die Zahlen der geplanten Impfstofflieferungen machten deutlich, "dass wir uns da auf alle Fälle noch auf einige Wochen oder Monate Geduld einstellen müssen", sagte der Mediziner am Dienstag in der Bayern 2 radioWelt. Dennoch sei er aufgrund der Prognosen optimistisch: Wenn sich die Pläne für das zweite Quartal erfüllten, könne man den Menschen ab April gemeinsam mit den Arztpraxen vor Ort ein großes Impfangebot machen.

Die niedergelassenen Ärzte sieht er als "Gamechanger" und hofft darauf, mit anderen Liefer- und Lagermöglichkeiten von der Fixierung auf die Impfzentren wegzukommen. Auch in seinem Impfzentrum gebe es derzeit nicht genügend Impfstoff für alle, erzählte Hubmann. Dennoch freue er sich über die hohe Impfbereitschaft: In Stadt und Landkreis Fürth gebe es 15.000 Menschen in der Altersgruppe über 80, mehr als zwei Drittel von ihnen wollten sich impfen lassen. Bisher seien in Fürth 3000 alte Menschen geimpft worden.

Studie: Eltern sind zufrieden mit dem Homeschooling ihrer Kinder

Montag, 1. Februar, 09.54 Uhr: Eltern beurteilen das Homeschooling ihrer Kinder einer Studie zufolge "besser als gedacht". Die meisten Eltern seien mit dem Homeschooling ganz zufrieden gewesen, sagte Psychologin Ilka Wolter, der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Sonntag). Sie leitete eine Befragung des Bamberger Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe unter Familien. Der Austausch mit den Schulen habe aus Sicht der Familien ganz gut funktioniert. "Die meisten fühlten sich ausreichend informiert und unterstützt."

Voraussetzung für gutes Homeschooling sei unter anderem ein unmittelbares Feedback der Lehrkräfte auf die Aufgaben und Fragen der Schülerinnen und Schüler, sagte Wolter. "Aus unserer Sicht sind deshalb mehr interaktive Formate oder eben die Rückkehr zum Wechselmodell mit halben Klassen sehr wichtig. Werden nur Materialien und Aufgaben verschickt und kommt die unmittelbare Rücksprache mit den Lehrkräften zu kurz, dann leiden darunter vor allem die schwächeren Schülerinnen und Schüler."

Eltern könnten die Kinder mit einer klaren Tagesstruktur unterstützen, riet die Expertin. Sinnvoll seien kleinere Lerneinheiten mit klaren Pausenzeiten und Belohnungen zur Lernmotivation, zum Beispiel in Form von Medienzeit oder Lieblingsspeisen. Ganz wichtig seien auch für ältere Kinder und Jugendliche Feedback und Lob zu Lernfortschritten. "Mit solchen Maßnahmen lassen sich viele Konflikte umschiffen."

Studie belegt wachsende Impfbereitschaft

Samstag, 30. Januar, 11.50 Uhr: In Deutschland hat die Bereitschaft, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen, offenbar stark zugenommen. Wie aus den Zahlen einer Bevölkerungsstudie der Mainzer Universitätsmedizin hervorgeht, erhöhte sich der Anteil der Impfbefürworter in der Altersgruppe der 44- bis 88-Jährigen inzwischen auf rund 87 Prozent. Die Studienleiter stellten am Freitag erste Zwischenergebnisse der Untersuchung vor, die bei 10.000 Freiwilligen anhand von Gesundheitsdaten, je zwei persönlichen Untersuchungen und Befragungen die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland aufzeigen soll.

Wegen Corona: Vesperkirche Schweinfurt ohne Essensausgabe

Donnerstag, 28. Januar, 12.03 Uhr: Die Schweinfurter Vesperkirche findet dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie in ganz anderer Form und ohne Essen statt. Das evangelische Schweinfurter Dekanat teilte am Dienstag mit, dass die seit 2015 jährlich von Kirche und Diakonie auf die Beine gestellte Vesperkirche in der St. Johanniskirche mit gemeinsamem Essen und Beisammensein wegen der Corona-Hygienevorgaben nicht umgesetzt kann. Ganz ausfallen soll die Vesperkirche jedoch nicht, auch wenn auf die Ausgabe von Essen komplett verzichtet wird: Vom 25. Februar bis 9. März soll es täglich zwischen 12 und 13 Uhr eine "Vesperkirche in Impressionen" geben.

Eine etwa 15-minütige Bilderschau solle dabei einen Rückblick bieten auf die bisherigen sechs Schweinfurter Vesperkirchen. Mit den Bildern soll die außergewöhnliche Atmosphäre des Angebots angedeutet werden. "Für die Seele" gebe es dabei das gewohnte, tägliche neue "Wort in der Mitte" als Videobotschaft. Gegen 12.30 Uhr wird das halbstündige Programm noch einmal wiederholt. Für die Gäste in der Kirche gelten dabei die gängigen Abstandsregeln sowie die Pflicht, eine FFP2-Maske zu tragen. Am 28. Februar und am 7. März werden in St. Johannis außerdem jeweils um 10.30 Uhr Vesperkirchen-Gottesdienste gefeiert, hieß es.

Die "Worte in der Mitte" würden nicht nur in der Kirche vor Ort, sondern auch im Internet auf der Vesperkirchen-Seite zu sehen und zu hören sein. Zusätzlich können die täglichen Impulse auch unter der Telefonnummer 09721/3701193 abgerufen werden.

Ein anderes Vorgehen plant die zweite große Vesperkirche in Bayern, die Nürnberger Gustav-Adolf-Gedächtniskirche. Dort wird der Start der Vesperkirche auf eine Woche nach dem Ende des Corona-Lockdowns verschoben. Laut den Projektverantwortlichen werde man am 21. Februar mit einem Gottesdienst am Vormittag und einem mit Konzert am Nachmittag beginnen. Essen werde vor der Kirche dann erstmals am 22. Februar zum Mitnehmen ausgegeben, hieß es. Von Montag bis Samstag werde man bis zu 300 Portionen pro Tag austeilen. Die Nürnberger Vesperkirche werde diesmal nur drei Wochen dauern - bis zum 13. März.

Verwaltungsgerichtshof kippt auf Antrag eines SPD-Abgeordneten das Ausflugsverbot 

Mittwoch, 27. Januar, 8.58 Uhr: Die 15-Kilometer-Regel ist vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) vorläufig gekippt worden. Das Verbot touristischer Tagesausflüge für Bewohner von Corona-Hotspots im Freistaat wurde am Dienstag vorläufig außer Vollzug gesetzt, teilte der BayVGH in München mit. Damit gab das Gericht dem Eilantrag eines Antragstellers aus Passau, dem SPD-Landtagsabgeordneten Christian Flisek, statt.

Zur Begründung hieß es, dass das Verbot aller Voraussicht nach gegen den Grundsatz der Normenklarheit verstoße. Für die Betroffenen sei der räumliche Geltungsbereich, in dem touristische Tagesausflüge verboten sind, über einen Umkreis von 15 Kilometern um die Wohnortgemeinde hinaus "nicht hinreichend erkennbar". Den Umkreis textlich festzulegen, sei "nicht deutlich und anschaulich genug". Die Entscheidung des Senats gilt allgemein und ab sofort bis zu einer Entscheidung in der Hauptsache. Die SPD-Landtagsfraktion begrüßte den Gerichtsbeschluss.

Aufgrund der Begründung des BayVGH kam es laut Mitteilung auf die Frage des Antragstellers, ob die Maßnahme verhältnismäßig sei, nicht mehr an. Die 15-Kilometer-Regel war mit der elften bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung am 15. Dezember 2020 in Kraft getreten. Sie sieht vor, dass Bewohner von Städten und Landkreisen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von mindestens 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner einen Umkreis von 15 Kilometern rund um ihre Wohnortgemeinde nicht zum Zwecke touristischer Tagesausflüge verlassen dürfen. Fahrten zwecks Arbeit, Verwandtenbesuchen und Einkaufen waren von dem Verbot ausgenommen.

Die BayVGH-Entscheidung mache klar, dass Regelungen, die "rechtlich unklar und praktisch unanwendbar" seien, keinen Bestand haben dürften, sagte der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Horst Arnold. Das Gericht habe dargelegt, dass es der Radius-Regel "an hinreichender Bestimmtheit" fehle. Die Bürger könnten aus ihr nicht erkennen, was sie dürfen und was nicht. Der strenge Maßstab, der an die mit Bußgeld belegten Regelungen zu stellen ist, werde von dieser Regelung nicht erfüllt.

Eltern werden bei Kindertagesbetreuung finanziell entlastet

16.16 Uhr: Während der Corona-Einschränkungen werden Eltern bei der Kindertagesbetreuung finanziell entlastet. Wenn Eltern ihre Kinder derzeit gar nicht oder nur an wenigen Tagen in die Notbetreuung von Einrichtungen beringen können, müssen sie keine Elternbeiträge entrichten, wie die Staatsregierung am Dienstag beschlossen hat. Den betroffenen Trägern in der Kindertagesbetreuung werden einer Mitteilung zufolge diese erlassenen Elternbeiträge rückwirkend ab dem 1. Januar 2021 pauschal ersetzt. Diese Beitragsentlastung werde zu 30 Prozent von den Kommunen und zu 70 Prozent vom Freistaat Bayern übernommen.

Caritas fordert vorgezogene Impfung von Kita-Personal

Dienstag, 26. Januar, 08.33 Uhr: Beschäftigte in Kindertageseinrichtungen müssen nach Ansicht der Caritas früher gegen Corona geimpft werden. Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen sollten in die Prioritätsgruppe 2 vorgezogen werden, forderte der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising am Montag. Denn Statistiken der Krankenkassen belegten, dass Kita-Personal besonders von Krankschreibungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus betroffen sei, argumentierte Caritas-Vorsitzende Gabriele Stark-Angermeier.

Deshalb müssten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglichst schnell eine Impf-Chance bekommen, zumal Abstand halten in diesem Beruf keine Option sei, betonte auch Birgit Weiß aus der Geschäftsleitung der Caritas-Zentren Oberbayern, die 37 Kitas vertritt. Denn Babys müssten gewickelt und Kleinkinder zum Trösten in den Arm genommen werden. Aktuell seien Erzieher der Impf-Priorisierungsstufe 3 des Bundesgesundheitsministeriums zugeordnet, Kinderpfleger würden überhaupt nicht gelistet.

Bereits vergangene Woche hatte die SPD besseren Schutz der Kita-Beschäftigten mit vom Freistaat bezahlten FFP2-Masken und Schnelltests gefordert. Wegen des bis 14. Februar verlängerten Lockdowns bleiben Schulen und Kitas in Bayern derzeit grundsätzlich geschlossen, bieten aber eine Notbetreuung an. Diese werde laut Regierung aktuell von 18 Prozent der Kinder genutzt. 

FFP2-Maskenpflicht sorgt in Oberammergau für ungewohnte Maßnahmen

Sonntag, 24. Januar, 10.27 Uhr: Die FFP2-Maskenpflicht in Bayern sorgt im Passionsspielort Oberammergau für ungewohnte Maßnahmen: Damit die Maske gut sitzt, stellt die Spielleitung die männlichen Darsteller teilweise vom Haar- und Barterlass am Aschermittwoch (17. Februar) frei. "Wer sich lieber rasiert, damit die Maske optimal sitzt, soll das selbstverantwortlich entscheiden können", sagte Pressesprecher Frederik Mayet auf epd-Anfrage. Wichtiger als ein Rauschebart sei langes Haupthaar. "Für einen schönen Bart reichen ja auch schon drei Monate Vorlauf aus", sagte Mayet, der auch als Jesus-Darsteller ist.

Den Haar- und Barterlass verkünden Spielleiter und Bürgermeister traditionell am Aschermittwoch im Vorjahr der Passion. Als symbolischer Akt wird dabei ein Plakat aufgehängt, das alle Darstellerinnen und Darsteller auffordert, ab sofort das Haupthaar - und bei den Männern auch den Bart - wachsen zu lassen. Glatt rasiert sind bei den Spielen, die auf das Pestgelübde der Oberammergauer von 1634 zurückgehen, nur die Darsteller der Römer.

Knapp wird es mit bühnentauglichen Bärten, sollte im nächsten Winter immer noch oder wieder die Pflicht zur FFP2-Maske gelten. Mayet bleibt nur das Prinzip Hoffnung: "Es bleibt bei allem ein Restrisiko, länger als drei oder vier Wochen kann ja gerade keiner planen", sagt er. Man vertraue in Oberammergau auf die Politik und den Impfstoff, damit die 42. Passionsspiele, die wegen der Corona-Pandemie von 2020 auf 2022 verschoben werden mussten, auch tatsächlich stattfinden können.

Gedenkfeier für Corona-Tote nach Ostern geplant

Samstag, 23. Januar, 15.04 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will nach Ostern eine zentrale Gedenkfeier für die Toten der Corona-Pandemie ausrichten. Wie das Bundespräsidialamt am Freitag mitteilte, soll sie in Berlin stattfinden. Mit den anderen Verfassungsorganen wolle der Bundespräsident mit der Gedenkfeier ein Zeichen setzen, "dass wir als Gesellschaft gemeinsam trauern, dass wir die Toten und das Leid der Hinterbliebenen nicht vergessen", hieß es. Ein genaues Datum wurde noch nicht genannt.

Hygiene-Ärzte sehen Problem in FFP2-Masken-Pflicht

Freitag, 22. Januar, 14.32 Uhr: Bayerische Krankenhaushygieniker haben am Donnerstag indirekt die FFP2-Masken-Pflicht in Bayern kritisiert. Wäre die FFP2-Maske in allen Bundesländern verpflichtend eingeführt worden, "hätte dies unweigerlich zu einem massiven Versorgungsproblem der Kliniken und anderer Versorgungseinrichtungen geführt, wo sie wirklich benötigt werden", heißt es in einer Stellungnahme, die Mediziner der Unikliniken Erlangen und München unterschrieben haben. Sie setzen sich darin für das Tragen von zertifizierten OP-Masken ein.

Diese seien einfacher und sicherer anzuwenden und deutlich preiswerter als eine FFP2-Maske. Die Mediziner befürchten, dass FFP2-Masken häufig falsch getragen werden, so dass deren Schutzwirkung unter der eines korrekt getragenen medizinischen Mund-Nasen-Schutzes liege. Sie sorgen sich aber auch, dass Menschen mit FFP2-Masken andere Hygieneregeln wie den Abstand vernachlässigen könnten. Eine Aufbereitung von FFP2-Masken sei technisch aufwendig und daher zu Hause nicht praktikabel, heißt es in der Mitteilung. Derzeit in den Medien verbreitete "Aufbereitungsanleitungen" seien alle nicht geprüft und führten dazu, dass die Masken ihre Schutzwirkung nicht mehr erfüllten.

Anhand der Fallzahlen beim medizinischen Personal könnten sie gut belegen, schreiben die Krankenhaushygieniker, dass im medizinischen Bereich bei der Regelversorgung von Patientinnen und Patienten "ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz, der korrekt getragen wird, eine völlig ausreichende Schutzwirkung entfaltet". Seit diesem Montag (18. Januar) gilt im bayerischen Nahverkehr und für den Einkauf im Einzelhandel eine FFP2-Masken-Pflicht. Wer dagegen verstößt kann ab der kommenden Woche mit einem Bußgeld bestraft werden. 

FFP2-Maskenpflicht gilt nun auch im Gottesdienst

12.05 Uhr: Auch Gottesdienstbesucher in Bayerns Kirchen müssen künftig FFP2-Masken tragen. Dies beschloss das bayerische Kabinett am Mittwoch in München. Damit soll das, was seit dieser Woche in öffentlichen Verkehrsmitteln und Einkaufsläden Vorschrift ist, auch in den Kirchen für mehr Sicherheit gegen das Coronavirus sorgen - insbesondere mit Blick auf die gefürchtete Virusmutation, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach der Kabinettssitzung. Zudem gilt laut Staatskanzlei künftig für Gottesdienste, die mehr als zehn Teilnehmer erwarten lassen, eine Anzeigepflicht bei der zuständigen Kreisverwaltungsbehörde, "sofern keine generellen Absprachen getroffen wurden".

Die bisherige Umsetzung der FFP2-Maskenpflicht seit Montag laufe "sehr passabel", sagte Söder. Nun gelte: "Wird ein Virus gefährlicher, muss eine Maske besser werden." Auch das Personal in Pflegeeinrichtungen muss künftig FFP2-Masken tragen.

Einen Überblick darüber, welche Empfehlungen und Regeln aktuell für Gottesdienste in Bayern gelten, lesen Sie hier.

Verfassungsrechtler: Geimpften ihre Freiheit wiedergeben

Mittwoch, 20. Januar, 09.48 Uhr: Der Berliner Verfassungs-Jurist Rupert Scholz hält die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie für verfassungsrechtlich bedenklich. "Wir haben teilweise verfassungsrechtlich nicht haltbare Regelungen entwickelt", sagte er am Dienstag in der Bayern 2 radioWelt. Merkwürdig findet er insbesondere die Diskussion darüber, ob Geimpfte wieder mehr Rechte bekommen sollten als andere: Denn das sei für ihn nur logisch.

"Man kann nicht fordern, dass aus Solidarität mit dem Nichtgeimpften die gleichen Freiheitsbeschränkungen für alle gelten müssen", sagte der ehemalige Verteidigungsminister. Denn es gehe weder um Solidarität oder Privilegien. "Es geht um nichts anderes, als dass der Person des Geimpften die ihr eigentlich zustehenden und unantastbaren Freiheitsrechte wiedergegeben werden", betonte Scholz. Das fordere der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit.

Auch die 15-KM Regel, nach der sich Einwohner eines Hot-Spot-Landkreises nicht weiter als 15 Kilometer von ihrem Wohnort wegbewegen dürfen, sei fragwürdig. "Ich kann nicht erkennen, warum innerhalb des Kreises von 15 Kilometern mehr Infektionsschutz besteht als außerhalb", argumentiere Scholz. Das scheine ihm viel zu willkürlich und undifferenziert.

Münchner Aids-Hilfe gibt kostenlose FFP2-Masken aus

10.50 Uhr: Die Münchner Aids-Hilfe (MüAH) verteilt kostenlose FFP2-Masken an ihre Klienten und Mitarbeiter. Viele Menschen könnten nicht auf die vom Freistaat für Bedürftige angekündigten staatlichen Hilfen warten, begründete MüAH-Vorsitzender Tobias Oliveira Weismantel am Montag die Aktion der Münchner Aids-Hilfe. Sie brauchten die Sicherheit jetzt. Seit Montag besteht in Bayern die Pflicht, im Einzelhandel und Nahverkehr eine FFP2-Maske zu tragen.

"Wir betreuen zahlreiche sozial schwache Menschen, unter anderem Drogengebraucher, die zudem häufig wohnungslos sind", erklärte Oliveira Weismantel. Für sie seien diese Masken meist nicht erschwinglich. Finanziert wird die Ausgabe aus Spendengeldern.

Grüne warnen vor weiteren Corona-Einschränkungen für Kinder

Dienstag, 19. Januar, 10.20 Uhr: Vor dem Corona-Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder haben die Grünen im Bundestag vor weiteren Einschränkungen für Kinder gewarnt. Kinder brauchten Kontakt zu anderen Kindern, daher solle "die Isolation nur auf das Notwendigste reduziert werden", sagte die kinder- und familienpolitische Sprecherin Ekin Deligöz der "Augsburger Allgemeinen" (Dienstag). Kinder und Jugendlichen dürften nicht zu einer "verlorenen Generation" abgestempelt werden, sagte Deligöz, die auch Vizepräsidentin des Deutschen Kinderschutzbundes ist.

Trotz Corona sollten Kinder eine gute Bildung und Förderung bekommen, betonte sie. Angesichts geschlossener Schulen und Kitas dürften Kinder und Eltern auf keinen Fall alleine gelassen werden. "Für die Eltern, die nebenher arbeiten müssen, insbesondere in systemrelevanten Berufen, ist Notbetreuung unabdingbar", sagte Deligöz. "Für andere ist mehr an Flexibilität in Homeoffice und Arbeitszeiten notwendig."

Bundeskanzlerin Merkel berät mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder am Dienstag, wie es mit den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie nach dem Januar weitergehen soll. Bis Ende des Monats gilt der derzeitige Lockdown mit geschlossenen Schulen, Geschäften und eingeschränkten Privatkontakten. Diskutiert werden über eine Verlängerung und auch über schärfere Maßnahmen.

Piazolo verschiebt Abschlussprüfungen um zwei Wochen

15.55 Uhr: Die Abschlussprüfungen an allen bayerischen Schulen werden im Durchschnitt um zwei Wochen verschoben. Am Gymnasium und in der vierten Klasse der Grundschule wird außerdem die Zahl der Klausuren und Probearbeiten noch einmal reduziert, teilte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) in München mit. Damit wolle man den Terminplan für das zweite Schulhalbjahr an die Pandemie-Bedingungen anpassen und die derzeitigen Schulschließungen kompensieren, heißt es in der Mitteilung.

"Wichtig ist mir: Wir ermöglichen allen Jugendlichen in den Abschlussklassen faire Bedingungen für ihre anstehenden Prüfungen. Auch beim Übertritt in der Jahrgangsstufe 4 nehmen wir zeitlichen Druck heraus", betonte Piazolo. Denn eine schnelle Rückkehr zur Normalität werde es nicht geben.

Nach dem neuen Fahrplan beginnen etwa die Abiturprüfungen statt am 30. April am 12. Mai, die Prüfungen an der Mittel- und der Realschule statt am 22. Juni am 6. Juli und an der Wirtschaftsschule statt am 18. Juni am 2. Juli. Der Termin für das Übertrittszeugnis in der Grundschule wird vom 3. auf den 7. Mai verlegt. 

LMU-Epidemiologin: Nicht an 1.000 Tote pro Tag gewöhnen

Montag, 18. Januar, 11.06 Uhr: Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), Eva Grill, plädiert dafür, die bestehenden Corona-Maßnahmen einzuhalten. "Man muss ganz klar sagen, dass viele Bürger schon einen gewaltigen Kraftakt geleistet haben und auch jetzt noch leisten", sagte die Epidemiologin an der Ludwig-Maximilians-Universität München am Montag in der Bayern 2-radioWelt. Dennoch sei das Niveau der Fallzahlen noch viel zu hoch.

Die Menschen dürften sich nicht an 1.000 Todesfälle pro Tag gewöhnen, kritisierte sie und verwies auf den Lockdown im Frühjahr: "Da ist es gelungen, mit konsequenten Maßnahmen die Fallzahlen deutlich zu senken". Doch im Gegensatz zu damals schränkten die Menschen ihre Mobilität diesmal weniger ein. Grill rät unter anderem zu gepoolten Tests an Schulen und in Betrieben. "Ich erwarte, dass sich die europäischen Länder untereinander abstimmen und zusammenarbeiten", sagte die Epidemiologin.

Corona-Leugner rufen zu angeblichem Gottesdienst auf - Nürnberger Kirchen distanzieren sich

Samstag, 16. Januar, 15.44 Uhr: Corona-Leugner rufen für diesen Sonntag (17. Januar) zu einem angeblichen Gottesdienst vor der Lorenzkirche in Nürnberg auf. Die beiden Kirchen distanzieren sich mit Nachdruck von diesem Aufruf. Die evangelische Nürnberger Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern etwa spricht von einem "dreisten Trick", dass Corona-Leugner ihre von Gerichten verbotenen Demonstrationen nun zu einem "Pseudo-Gottesdienst" umetikettieren wollten. Dies provoziere ihren "energischen Widerspruch", erläuterte sie.

Hann von Weyern sagte, es handle sich "offensichtlich um einen Missbrauchs des Grundrechts auf Religionsfreiheit". Wenn die Demo-Anmelder von Gerichten nun "mit guten Gründen" bei der Versammlungsfreiheit in die Schranken gewiesen würden, begingen sie "Etikettenschwindel" und nähmen fälschlicherweise Religionsfreiheit für sich in Anspruch. Einen "Gottesdienst gegen jemanden zu halten", habe jedoch nichts mit einem christlichen Gottesdienstverständnis zu tun, sagte die Regionalbischöfin.

Die Katholische Stadtkirche und das Evangelische Stadtdekanat teilten am Samstagmorgen gemeinsam mit, dass die Initiatoren die Menschen mit dem Etikett "Gottesdienst" vorsätzlich "und auf inakzeptable Weise" in die Irre leiten wollten. Die evangelische und katholische Kirche in Nürnberg "verurteilen den Missbrauch des Begriffes Gottesdienst" und distanzieren sich von der Aktion, heißt es in der Stellungnahme des evangelischen Stadtdekans Jürgen Körnlein und des katholischen Stadtdekans Andreas Lurz.

Bereits am Freitagnachmittag hatte das evangelische Dekanat Nürnberg vor Aufrufen zu dem angeblichen Gottesdienst vor der Lorenzkirche gewarnt. In verschiedenen Social-Media-Kanälen werde zu der Veranstaltung aufgerufen, die einen Ersatz für eine verbotene Demonstration von Corona-Maßnahmen-Kritikern sein solle, teilte das evangelische Dekanat etwa im sozialen Netzwerk Facebook mit. Die Kirche habe nichts mit diesem Aufruf zu tun. Sie bitte die Menschen, stattdessen zu Hause zu bleiben.

Die Stadt Nürnberg hatte am Mittwoch beschlossen, für diesen Sonntag angemeldete Versammlungen zu untersagen, weil zu erwarten sei, dass die Auflagen missachtet und Abstandsregeln und die Maskenpflicht ignoriert werden könnten. Dazu war es in Nürnberg bei Kundgebungen am 3. Januar gekommen, die überregional für Diskussionen gesorgt hatten. Die neuen Versammlungen seien unter dem Motto "03.01.2021 reloaded - Söder, wir kommen wieder" angekündigt worden, hieß es.

Die Polizei in Nürnberg bereitet sich darauf vor, dass trotz des Demo-Verbotes Menschen auf die Straße gehen werden - etwa, um vor der Lorenzkirche einen "Gottesdienst" zu begehen. Dies sei aber nicht zulässig, stellte Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König (CSU) klar: "Ein öffentlicher 'Spontangottesdienst' ist nicht zulässig, da keine Sondernutzungserlaubnis für den öffentlichen Grund vorliegt", schreibt er auf Instagram. Dies könnten ohnehin nur anerkannte Religionsgemeinschaften beantragen.

SPD geht gegen 15-Kilometer-Radius bei Corona-Maßnahmen vor

15.07 Uhr: Die bayerische SPD-Landtagsfraktion geht nun juristisch gegen die von der Staatsregierung für Corona-Hotspots verhängte Einschränkung des Bewegungsradius vor. Man habe "massive rechtsstaatliche Bedenken gegen die 15-Kilometer-Radius-Begrenzung", die seit Montag gelte, teilte die SPD-Fraktion mit. Stellvertretend für die Fraktion hätten die Abgeordneten Inge Aures, Christian Flisek sowie der Fraktionschef Horst Arnold nun einen sogenannten Normenkontroll-Antrag beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) in München eingereicht.

SPD-Fraktionschef Arnold sagte, zwar müsse der Staat das Leben und die Gesundheit der Bürger schützen. Jede Maßnahme aber müsse sich an den Regeln des Rechtsstaates messen lassen. Die Grundrechte seien in einer Demokratie keine Privilegien, "sondern fundamentale Voraussetzungen für das freiheitliche System". Die drei Abgeordneten kritisieren mit ihrem Prozessvertreter, dass die 15-Kilometer-Regel ungeeignet zur Pandemie-Eindämmung sei. Diese unterbinde schließlich keine Kontakte, sondern schränke nur ein, bis wohin genau man fahren dürfe. Dies helfe aber nicht.

Die Staatsregierung hat - wie beispielsweise auch Nordrhein-Westfalen - für Corona-Hotspots mit einer Inzidenz von mehr als 200 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen den Bewegungsradius der Menschen begrenzt. Die Menschen in solchen kreisfreien Städten und Landkreisen dürfen sich seither nur noch in einem Umkreis von maximal 15 Kilometer rund um ihren Wohnsitz - gemessen von der Grenze der Stadt oder Gemeinde - aufhalten. Ausgenommen von dieser Regel sind unter anderem der Weg zur Arbeit oder zur Ausbildung.

Beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof sind bereits mehrere ähnliche Klagen aus dem ganzen Freistaat eingegangen.

CSU-Politiker: Bayern setzt bei Corona-Impfung auf Freiwilligkeit

Freitag, 14. Januar, 10.25 Uhr: Die Corona-Impfung in Bayern soll freiwillig bleiben. "Wir können keine Impfpflicht anordnen", sagte der Vorsitzende des Gesundheits- und Pflegeausschusses des Bayerischen Landtags, Bernhard Seidenath (CSU), am Donnerstag. Nur durch maximale Transparenz könne man den Menschen ihre Ängste vor einer Corona-Impfung nehmen, sagte Seidenath bei einem Web-Seminar des Vereins Health Care Bayern. Der CSU-Politiker nannte die Impfung "einen wichtigen Meilenstein im Kampf gegen Corona". Der "Impfdrang" der Menschen sei derzeit "immens".

"Wir wollen durch die Impfung die Gesundheit der Menschen schützen und sie nicht aufs Spiel setzen", sagte Seidenath, der auch gesundheitspolitischer Sprecher der CSU-Fraktion im bayerischen Landtag ist. Jede Nebenwirkung einer Impfung müsse dem Paul-Ehrlich-Institut, dem Bundesinstitut für Impfstoffe, gemeldet werden. Bisher hielten sich die Nebenwirkungen bei den Impfungen aber sehr in Grenzen, schwere Komplikationen seien nicht beobachtet worden.

Nach aktuellen Erkenntnissen wirkten die Impfstoffe auch gegen die bisher aufgetauchten mutierten Virusarten, erklärte Seidenath. Ab Sonntag sollen in Bayern die ersten Zweitimpfungen durchgeführt werden. Da leider noch nicht geklärt sei, ob jemand trotz einer Impfung das Coronavirus übertragen könne, werde es auch keine Erleichterungen für Geimpfte bei den Schutzmaßnahmen geben.

Bayern: 2,5 Millionen FFP2-Masken für Hilfsbedürftige

Donnerstag, 13. Januar, 08.36 Uhr: Die bayerische Staatsregierung will 2,5 Millionen FFP2-Masken für hilfsbedürftige Menschen gratis zur Verfügung stellen. Dies kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch in München an mit Blick auf die ab Montag (18.1.) geltende Pflicht, im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen in Bayern FFP2-Masken zu tragen. Die Masken böten zum einen Schutz vor der mutierten Variante des Corona-Virus, sagte Söder. Zum anderen würden durch die Tragepflicht "auf Dauer vielleicht mehr Möglichkeiten eröffnet". Ab Montag soll eine Woche Kulanz gelten, ab dem 25. Januar sollen dann bei Verstößen Bußgelder möglich sein. Die FFP2-Maskenpflicht gilt nicht für Kinder und Jugendliche bis zu 14 Jahren.

Die Gratis-Masken sollen aus dem im vergangenen Jahr eingerichteten Pandemie-Zentrallager ausgeliefert werden, sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). Die Präsidenten von Landkreistag und Städtetag hätten ihre Unterstützung bei der Verteilung an Menschen mit ungesichertem Einkommen zugesagt. Die nötigen Daten dafür seien vor Ort vorhanden. Voraussichtlich würden die Landräte die Masken verschicken oder andere Wege wählen, um sie "an die Menschen zu bringen, die es betrifft". Das Ziel seien zunächst fünf Masken pro Person. Dies sei eine "wichtige Botschaft", dass niemand, der finanzielle Schwierigkeiten habe, im Stich gelassen werde, so Holetschek.

Bayern führt FFP2-Maskenpflicht für Nahverkehr und Einzelhandel ein

Mittwoch, 12. Januar, 15.56 Uhr: In Bayern müssen ab 18. Januar FFP2-Masken im öffentlichen Nahverkehr und im Einzelhandel getragen werden. Darauf hat sich der Ministerrat in München bei seiner Sitzung verständigt. Leider sei die Infektionsdynamik noch immer sehr hoch, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im Anschluss vor Journalisten. "Erst wenn wir ausreichend geimpft sind, ist der Spuk beherrschbar", erklärte er. Von der FFP2-Maskenpflicht ausgenommen sind laut Söder Kinder bis einschließlich 14 Jahren. Ein Bußgeld wird das Nicht-Einhalten der Pflicht soll es zudem erst ab der zweiten Woche nach einer Eingewöhnungsphase geben. 

Würzburger Filmwochenende nun doch ausschließlich digital

Dienstag, 12. Januar, 08.53 Uhr: Wegen der Lockdown-Verlängerung wird aus dem ohnehin schon als Hybridveranstaltung geplanten 47. Internationalen Würzburger Filmwochenende ein reines Online-Festival.

Man hätte zwar gerne die ausgewählten Filme im Programmkino "Central" gezeigt, sagte Filminitiative-Vorstand Thomas Schulz. Man sei nun aber angesichts der wochenlangen Unsicherheiten bei der Planung froh über die Gewissheit. Außer dass sich das Festival nun komplett ins Internet verlagert, bleibt alles wie bislang geplant - sowohl das Programm, als auch die Dauer des traditionsreichen Festivals: Vom 28. Januar bis 3. Februar werden rund 20 Filme aus 15 Ländern gezeigt.

Das Internationale Filmwochenende Würzburg wurde 1973 gegründet. Bei dem ausschließlich ehrenamtlich organisierten Filmfestival werden jedes Jahr Publikumspreise in den Kategorien Spielfilm, Doku, Kurzfilm, Kinder- und Jugendfilm verliehen. Die Abstimmung unter den Zuschauern erfolgt heuer ebenfalls rein digital, hieß es.

Bayerns neuer Gesundheitsminister setzt auf Corona-Impfbusse

14.12 Uhr: Mit Impfbussen will der neue bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) in den nächsten Monaten mehr Menschen gegen Corona immunisieren. "Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir die erreichen, die nicht mehr mobil sind", sagte er am Montag im Radiosender Bayern2. Mit Hilfe von Bussen könnten die Wege zu den Impfzentren erleichtert werden.

Holetschek tritt sein Amt als Nachfolger von Melanie Huml (CSU) an diesem Montag offiziell an. Man müsse flexibel, spontan und unkonventionell auf die Lage reagieren, erklärte Holetschek:

"Wenn es mal so ist, dass mehr Impfstoff da ist, dann müssen wir auch schauen, wie können wir an verschiedensten Orten das Impfen zugänglich machen."

Dann kämen auch die Hausärzte wieder ins Spiel.

Nach den Worten des neuen Ministers leisten die Gemeinden und Städte gute Arbeit, die 99 bayerischen Impfzentren seien sehr nah an den Menschen. Holetschek: "Es ist gut, wenn vor Ort diese Dinge passgenau entschieden werden können und wenn wir da nicht von oben was aufdrücken." 

Bayerische Polizei kontrolliert Einhaltung der "15-km-Regel"

Montag, 11. Januar, 08.25 Uhr: Verstärkte Polizeikontrollen zu den verschärften Corona-Auflagen an beliebten Ausflugsorten hat der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Sonntag angekündigt. Mit Inkrafttreten der geänderten bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung an diesem Montag (11. Januar) gelte eine wichtige Neuerung: Für Personen, die in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 200 wohnen, sind dann touristische Tagesausflüge über einen Umkreis von 15 Kilometern um die Wohnortgemeinde hinaus untersagt.

Nach den Daten des Robert-Koch-Instituts wären am Sonntag 26 Kreise und kreisfreie Städte in Bayern betroffen gewesen. Die jeweils tagesaktuellen Daten gibt das Innenministerium auf seiner Internetseite bekannt. Die Behörden in betroffenen Regionen können auch touristische Tagesreisen in den Kreis oder die kreisfreie Stadt hinein untersagen.

"Nur wenn sich möglichst alle an die Corona-Schutzmaßnahmen halten, haben wir eine reelle Chance, die Pandemie einzudämmen", erklärte der Innenminister. Alle "Unbelehrbaren" müssten mit hohen Geldbußen rechnen. Bei einem Verstoß gegen die neue "15-km-Regel" drohe ein Bußgeld von 500 Euro.

Merkel sieht Deutschland vor "schwierigster Phase der Pandemie"

Sonntag, 10. Januar, 17.59 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Menschen in Deutschland auf harte Wochen eingestimmt und zugleich mehr Tempo bei den Corona-Impfungen angekündigt. "Diese nächsten Winterwochen sind die wohl schwierigste Phase der Pandemie", sagte Merkel in ihrem Video-Podcast. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erklärte am Wochenende, es seien bereits mehr als 500.000 Menschen geimpft worden, "und die Prozesse laufen immer besser". Papst Franziskus rief zum Impfen auf. Das sei eine ethische Pflicht.

Merkel warb noch einmal um Verständnis für die verschärften Corona-Einschränkungen. "Dort, wo sich das Virus extrem ausbreitet, bei einer Inzidenz von über 200, wird sogar der Bewegungsradius jedes einzelnen eingeschränkt. Das ist hart, aber, davon bin ich überzeugt, auch zwingend erforderlich", betonte die Bundeskanzlerin. Und: "Je konsequenter wir heute sind, desto schneller werden wir den Zustand der Kontrolle wiederherstellen können, desto kürzer wird die Zeit sein, in der wir mit solchen Einschränkungen leben müssen."

Nach anhaltender Kritik an einem schleppenden Beginn der Covid-19-Impfungen sagte Merkel am Samstag: "Es ist ein langsamer Start, ein paar Hunderttausend sind geimpft und jeden Tag werden es mehr. Das Tempo wird zunehmen." Es werde in Deutschland genügend Impfstoff für alle verfügbar sein: "Wir werden Monat für Monat mehr Menschen und schließlich jedem, der das möchte, ein Impfangebot machen können - und ich hoffe, möglichst viele werden es dann auch annehmen."

Höchstwert: RKI meldet 1.188 Corona-Todesfälle

Freitag, 8. Januar, 08.57 Uhr: Das Robert Koch-Institut (RKI) meldet einen neuen Höchstwert bei Todesfällen im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Wie das RKI am Freitagmorgen in Berlin mitteilte, starben den Tagesmeldungen der Gesundheitsämter zufolge weitere 1.188 Menschen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Der bisherige Melde-Höchstwert lag am 30. Dezember vergangenen Jahres bei 1.129.

Die Gesamtzahl der Corona-Toten in Deutschland stieg laut RKI auf 38.795. Zudem wurden 31.849 Neuinfektionen gemeldet. Die Zahlen sind allerdings nur bedingt mit Werten aus Vorwochen vergleichbar, weil an und nach den Feiertagen rund um den Jahreswechsel weniger Meldungen der Gesundheitsämter beim RKI eingegangen sind und zudem weniger Menschen auf das Virus getestet wurden. Laut RKI werden als Corona-Todesfälle diejenigen gezählt, bei denen die Infektion mit dem Virus ursächlich für den Tod war oder durch Vorerkrankungen wahrscheinlich ist, dass der Tod im direkten Zusammenhang mit Covid-19 steht. Deswegen ist von Menschen die Rede, die "an oder mit" dem Virus gestorben sind.

Abschlussprüfungen in Bayern werden verschoben

16.04 Uhr: Die Schulen in Bayern bleiben wegen des verlängerten Corona-Lockdowns bis Ende des Monats zu. Bis 29. Januar gebe es verpflichtenden Distanzunterricht, sagte der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in München. In den Schulklassen 1 bis 6 werde es aber eine Notbetreuung geben für Kinder, wenn dies deren Eltern etwa aus Berufsgründen brauchen.

Im Februar soll dann wieder stufenweise auf Präsenzunterricht umgestellt werden. "Wir wissen aber nicht, ob das geht", räumte Piazolo mit Blick auf das Corona-Infektionsgeschehen ein. Wegen Corona müsse jedenfalls der gesamte Schulbetrieb umgestellt werden. Dazu gehört unter anderem, dass die Abschlussprüfungen aller Schularten verschoben werden. Die Details müssten noch abgesprochen werden, sagte Piazolo.

Außerdem sollen die Zwischenzeugnisse nicht am 12. Februar, sondern erst am 5. März ausgegeben werden. Auch die Ausgabe der Übertrittszeugnisse in den vierten Klassen soll um eine Woche verschoben werden. Wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bereits am Mittwoch angekündigt hatte, fallen die Faschingsferien (15. bis 19. Februar) im Freistaat heuer aus - dafür soll es laut Piazolo möglichst Präsenzunterricht geben.

Mit Blick auf die Lernplattform "Mebis", die zeitweise für Schüler wegen Überlastung nicht erreichbar war, sagte Piazolo, die Debatte darüber sei "gehypt". Distanzunterricht bedeute nicht ausschließlich "Mebis". Es gebe auch andere wichtige Tools, wie etwa MS Teams oder Zoom für Videokonferenzen, die den direkten und zeitgleichen Kontakt zwischen Lehrern und Schülern herstellten. "Mebis" dagegen eigne sich gut für selbstständiges Lernen oder die Abgabe von Hausaufgaben, sagte Piazolo.

Bayern verschärft Corona-Lockdown bis Ende Januar

08.45 Uhr: Auch in Bayern werden die Corona-Maßnahmen bis Ende Januar verlängert und zum Teil verschärft. Wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch nach einer Kabinettssitzung am Mittwoch sagte, soll auch im Freistaat der Bewegungsradius in Corona-Hotspots auf 15 Kilometer beschränkt werden. Außerdem werde die nächtliche Ausgangssperre ab 21 Uhr beibehalten. Dazu kommt, dass sich ein Haushalt nur noch mit einer weiteren Person eines anderen Haushalts treffen darf. Damit folgt Bayern weitestgehend den Beschlüssen des Bund-Länder-Treffens vom Dienstag.

Söder betonte, dass die "Linie von Vorsicht und Umsicht" weiterhin Maßstab bleiben müsse. Wegen der Feiertage rund um Weihnachten und Silvester könnten die aktuellen Corona-Zahlen derzeit nicht verlässlich benannt werden, man gehe von einer hohen Dunkelziffer aus. Mit verlässlichen Meldedaten rechnet Söder ab frühestens Mitte kommender Woche. Daher dürfe es jetzt keine Experimente geben, mahnte Söder. Das gelte auch für Schulen und Kitas: Bis 31. Januar soll es keinen Präsenz-, sondern ausschließlich Distanzunterricht geben. Die Faschingsferien vom 15. bis 19. Februar fallen heuer aus. Dafür könne in diesem Zeitraum Unterricht nachgeholt und vertieft werden, betonte Söder.

Für die Kleinsten an Kitas und Grundschulen soll es im verlängerten Lockdown eine Notbetreuung geben, sagte Söder weiter. Zur Entlastung von berufstätigen Eltern soll es außerdem zehn zusätzliche Kinderkrankentage geben. An diesem Punkt gibt es dazu auch eine Lockerung der Kontaktbeschränkung: Kinder dürfen außerhalb ihres Haushaltes auch von einer anderen festen Bezugsfamilie betreut werden. Bei der Pressekonferenz sorgte Söder auch für eine handfeste Überraschung: Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) wird künftig als Europaministerin in der Staatskanzlei arbeiten, Nachfolger wird ihr bisheriger Staatssekretär Klaus Holetschek (CSU).

Kinderschutzbund kritisiert Einschränkungen für unter 14-Jährige

Donnerstag, 08.36 Uhr: Der Kinderschutzbund kritisiert, dass unter 14-Jährige nicht mehr wie bisher von den strengeren Corona-Kontaktbeschränkungen ausgenommen bleiben sollen. "Ich kann nur für unsere Kleinen hoffen, dass das die Ausnahme bleibt", sagte der Präsident des Bundesverbandes, Heinz Hilgers, dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (Donnerstag). Kinder bräuchten für ihre Entwicklung Gleichaltrige, um sich zu messen und zu spielen.

Auch für die Eltern bedeute eine Verschärfung in diesem Punkt eine "Katastrophe". Viele von ihnen seien bei der Betreuung ihrer Kinder auf die Hilfe aus der Familie oder von Nachbarn angewiesen, sagte Hilgers. Dies werde aber durch die neuen Regeln teilweise unmöglich gemacht. Nach dem Beschluss von Bund und Ländern dürfen sich künftig Menschen eines Hausstandes nur noch mit einem weiteren Erwachsenen oder einem weiteren Kind treffen.

Lockdown bis 31. Januar verlängert und verschärft

Mittwoch, 9.36 Uhr: Zur Eindämmung der Corona-Pandemie schränken Bund und Länder die Kontakte der Bürger weiter ein, in Regionen mit vielen Neuinfektionen auch die Bewegungsfreiheit. Wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag in Berlin nach Beratungen mit den Ministerpräsidenten der Länder sagte, sollen sich Personen in Regionen, in der die Zahl der Ansteckungen bei mehr als 200 pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche liegt, nur noch in einem Radius von 15 Kilometern um den Wohnort bewegen. Ausnahmen gelten für triftige Gründe wie notwendige Einkäufe oder den Arbeitsweg. Tagesausflüge etwa in Skigebiete sollen damit aber unterbunden werden.

Weiter verschärft werden außerdem die Kontaktbeschränkungen: Mitglieder eines Hausstands dürfen sich nur noch mit einer nicht im Haushalt lebenden Person treffen. Bislang dürfen sich bis zu fünf Personen aus maximal zwei Haushalten treffen. Merkel sprach von einer "Rückkehr zu der März-Maßnahme". Dies sei richtig, auch wenn es für die Menschen hart sei.

Der derzeitige Lockdown mit der Schließung des Einzelhandels, von Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie Schulen und Kindertagesstätten soll insgesamt bis zum 31. Januar verlängert werden. Merkel begründete die Verschärfungen mit der neuen Corona-Mutation, die mehr Infektionen pro Kontakt verursache, sowie mit der hohen Belastung der Intensivstationen. Hier komme man in einigen Krankenhäusern an "Grenzsituationen".

Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche lag am Dienstag laut Robert Koch-Institut (RKI) bei 134,7 und damit weit über dem angestrebten Maximalwert von 50. Die Zahl der am Vortag gemeldeten neuen Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus lag am Dienstag auf hohem Niveau bei 944. Merkel wies darauf hin, dass es wegen der Feiertage eine klare Datenlage zu Corona noch nicht gebe. Mit Verweis auf RKI-Einschätzungen sagte Merkel, die Auswirkungen der Treffen an Weihnachten und Silvester würden erst ab 17. Januar deutlich.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte, wer glaube, Corona sei besiegt und dann unvorsichtig werde, werde von dem Virus wieder eingeholt. Das mutierte Virus dürfe nicht unterschätzt werden. Das bayerische Kabinett wird am Mittwoch darüber beraten, der Landtag soll am Freitag diskutieren.

Das nächste Treffen der Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen findet am 25. Januar statt.

Deutsche laut Umfrage uneinig über Corona-Impf-Organisation

Dienstag, 5. Januar 2021, 13.27 Uhr: Die Deutschen sind laut einer Umfrage gespalten in der Frage, wie die Organisation der bundesweiten Corona-Impfaktion zu bewerten ist. So hätten 44 Prozent der Bürger geringes Vertrauen, dass die Verteilung des Corona-Impfstoffes gut organisiert wird. 40,2 Prozent dagegen hätten großes, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der "Augsburger Allgemeinen" (Dienstag) ergab.

Optimistisch blickten die Jüngeren auf die Impfaktion: Bei den 18- bis 29-Jährigen sowie den 30- bis 39-Jährigen überwiege die Zahl der Menschen, die glauben, dass die Verteilung des Impfstoffes in Deutschland gut organisiert wird. Am pessimistischsten dagegen blickten Menschen im Alter von 40 bis 49 auf die Organisation der Immunisierungs-Aktion.

Trotz aller Skepsis empfinde es eine deutliche Mehrheit der Deutschen als gut, dass die Europäische Union sich Zeit für die Prüfung des Impfstoffes genommen hat. 55,6 Prozent bewerten es als positiv, dass sich die EU nicht für eine Notfallzulassung des Corona-Impfstoffes nach britischem Vorbild entschieden hat.

Bundesweit knapp 265.000 Menschen geimpft

16.00 Uhr: Fast 265.000 Personen sind in ganz Deutschland bisher gegen Covid-19 geimpft worden. Zwischen der ersten Impfung am 27. Dezember 2020 und Montagmittag um 12 Uhr seien 264.952 Meldungen eingegangen, teilte das Robert Koch-Institut mit. In Bayern lag die Zahl der gemeldeten Impfungen in den ersten acht Tagen bei 66.852.

Bayern erwägt Sonderweg beim Präsenzunterricht

Montag, 4. Januar 2021, 11.16 Uhr: Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hält beim Präsenzunterricht an Schulen einen Sonderweg des Freistaats für möglich. "Bildung ist Ländersache, es kann durchaus sein, dass Bayern am Ende eigene schulpolitische Vorstellungen umsetzt", sagte der Minister der "Augsburger Allgemeinen" (Montag). Angesichts der aktuellen Corona-Infektionszahlen gehe er nicht von einem allgemeinen Präsenzunterricht ab dem 11. Januar aus, erläuterte Piazolo.

Damit widersprach der Minister seiner baden-württembergischen Kollegin Susanne Eisenmann (CDU), die zumindest für Grundschulen ab dem 11. Januar grundsätzlich wieder Unterricht vor Ort anbieten will. Piazolo favorisiert nach eigenen Worten den Wechselunterricht, bei dem Schüler alternierend tageweise daheim und in der Schule lernen. Das Thema Präsenzunterricht steht bei der Konferenz der Kultusminister der Länder an diesem Montag auf der Tagesordnung.

Söder will Verlängerung des Lockdowns

Sonntag. 3. Januar 2021, 16 Uhr. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert eine Verlängerung des Lockdowns in Deutschland um weitere drei Wochen. "Der Lockdown muss bis Ende Januar verlängert werden. Vorschnelle Lockerungen würden uns wieder weit zurückwerfen", sagte Söder vor der Ministerpräsidentenkonferenz der "Bild am Sonntag". "Die Zahlen sind einfach noch viel zu hoch. Dabei sind die Auswirkungen von Weihnachten und Silvester noch gar nicht absehbar." Dies könne man erst Mitte Januar genau beurteilen

"Wir müssen konsequent bleiben und dürfen nicht wieder zu früh aufgeben", sagte Söder. Das sei die Schwäche der Corona-Politik in Deutschland: "Zu spät begonnen und zu früh aufgehört.

Söder sprach sich auch für eine längere Schließung von Kitas und Schulen aus: "Es darf keine überstürzte Öffnung von Schulen und Kitas geben. Es wäre angesichts der hohen Infektionszahlen verantwortungslos, Lehrer und Schüler einfach wieder komplett in die Schulen zu schicken." Es habe sich gezeigt, dass auch in der Schule Ansteckung und Verbreitung stattfinden. Gerade nach den Ferien sei die Gefahr am höchsten. "Viele haben das in Deutschland lange unterschätzt", so Söder.

Corona zeigt: Menschen benötigen intakte natürliche Räume

Samstag, 2. Januar 2021, 18.35 Uhr: Von Straßen zerschnittene Erholungsräume und wenig Natur in der Nähe: Die Ausgangsbeschränkungen in der Corona-Pandemie-Jahr 2020 haben nach Auffassung des Vorsitzenden des Bund Naturschutz in Bayern, Richard Mergner, deutlich gemacht, dass den Menschen intakte natürliche Räume fehlen. Dort, wo es sie gebe, seien sie überlaufen, stellte Mergner bei der Vorstellung der Jahresbilanz seines Verbandes fest. Das Krisenjahr habe aber auch deutlich gemacht, dass die Pandemie im engen Zusammenhang mit der Ausbeutung der Natur und der Klimakrise stehe. Das immer stärkere Eingreifen des Menschen in unberührte Lebensräume auf der Welt habe Virenübertragungen erleichtert.

Das Jahr der Bundestagswahl 2021 wird daher nach Mergners Überzeugung "ein Entscheidungsjahr für den Gesundheits- und Klimaschutz". Der Bund Naturschutz werde sich in den nächsten Monaten intensiv einschalten, wo es um Luftverschmutzung, Land- und Waldwirtschaft gehe. Hierfür habe der Verband Allianzen unter anderem mit der Fridays-for-Future-Bewegung und Partnern wie der Arbeiterwohlfahrt und der IG-Metall bis hin zu umweltfreundlichen Unternehmen geschlossen.

Mergner kritisierte die Politik der bayerischen Staatsregierung als mutlos und inkonsequent. Es gebe einen enormen Nachholbedarf beim Ausbau der erneuerbaren Energien in Bayern. Auch beim Flächenverbrauch von pro Tag 10,8 Hektar im Freistaat dürfe nicht mehr weggesehen werden. Das Klimaschutzgesetz der Koalition aus CSU und Freien Wählern genüge den Anforderungen nicht. Es habe zwar einige positive Schritte in Richtung Artenschutz gegeben, so Mergner, "insgesamt ist das Bild aber ernüchternd". Mergner forderte, viel weniger Geld in den Straßenbau zu investieren und stattdessen den Öffentlichen Verkehr zu fördern und Wege für Fußgänger und Radler zu schaffen.

Forderungen einer Verlängerung des Lockdowns mehren sich

Freitag, 1. Januar 2021, 19.50 Uhr. Wenige Tage vor den nächsten Bund-Länder-Beratungen mehren sich Forderungen nach einer Verlängerung des Lockdowns. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) verwies auf weiter steigende Patientenzahlen und warnte vor einer Überlastung der Kliniken. "Die Zahlen werden frühestens ab Mitte Januar zurückgehen, wenn denn der Lockdown wirkt", sagte DKG-Präsident Gerald Gaß dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland". "Die klare Forderung der Krankenhäuser an die Politik lautet: Es muss bei den Kontaktbeschränkungen über den 10. Januar hinaus bleiben", betonte Gaß. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Freitag 22.924 bestätigte Corona-Infektionen und 553 Corona-Tote binnen 24 Stunden. Die Gesamtzahl der Todesfälle in Deutschland stieg auf 33.624.

Die Belastung der Krankenhäuser durch die Versorgung von Covid-19-Patienten sowohl auf Normal- als auch auf Intensivstationen steige seit Wochen, erklärte die DKG am Freitag in Berlin. Die Lage werde nicht mehr nur durch einzelne regionale Hotspots bestimmt, sondern sei insgesamt problematisch. Die Kliniken benötigten daher auch für das beginnende Jahr kurzfristig Liquiditätshilfen, betonte Gaß. Dazu solle bei dem Bund-Länder-Treffen am Dienstag eine Regelung getroffen werden.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte der "Rheinischen Post" (Donnerstag): "Nur der konsequente und verlängerte Lockdown bestimmt das Schicksal der nächsten Monate und führt zu geringeren Infektionszahlen." Mit Blick auf die angelaufenen Impfungen warnte er vor einem Zurücklehnen: Bei der bisher geringen Menge an Impfstoff werde es bis Ende März "keinen nennenswerten Einfluss auf die Infektionszahlen geben", mahnte Lauterbach.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) sagte der Zeitung, der Lockdown "ist und war notwendig, und er muss wohl auch Anfang Januar verlängert werden". Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin und Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz, erklärte bei RTL/ntv mit Blick auf die anstehende Sitzung der Bundesländer mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): "Wenn die Infektionszahlen so hoch bleiben, dann gehe ich davon aus, dass wir mindestens diese Maßnahmen, die wir jetzt haben, auch verlängern werden."

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) rief vor dem Corona-Gipfel zu ausgewogenen Entscheidungen auf. Bei den erforderlichen Maßnahmen von Bund und Ländern bleibe es zentral, "dass die Exekutive die Verantwortung des Einzelnen fest im Blick hält und auf so viel Freiheit wie möglich setzt", sagte Schäuble der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstag). "Es ist schier unmöglich, per Gesetz jeden Corona-Todesfall zu verhindern."

Es sei daher seine Grundüberzeugung, dass die Politik die Abwägung zwischen dem Schutz des Lebens und den Nachteilen der Anti-Corona-Maßnahmen "nicht komplett per Verordnung oder Gesetz auflösen kann. Die Verantwortung liege auch in den Händen der Ärzteschaft, von Wissenschaft und Ethikern.

Die derzeitigen zum 16. Dezember in Kraft getretenen Kontaktbeschränkungen gelten noch bis zum 10. Januar. Ziel der bundesweiten Einschränkungen ist es, die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner auf maximal 50 innerhalb einer Woche zu senken.

Söder in Neujahrsansprache: "Wir werden Corona überwinden"

Donnerstag, 31. Dezember 2020, 17.40 Uhr: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat die Menschen in seiner Neujahrsansprache in der Corona-Pandemie zum Durchhalten aufgerufen. "Wir müssen uns weiter beschränken. Denn noch hat Corona unser Land, ja die ganze Welt fest im Griff", sagte Söder laut Mitteilung der Staatskanzlei. Zugleich machte er den Menschen Mut: "So schlimm es auch klingt, wir überstehen es trotzdem. Wir werden Corona überwinden" - aber nur mit Geduld, Rücksicht und Disziplin.

Noch nie habe es so viele Erkrankte wie jetzt gegeben, noch nie so viele Todesfälle, sagte der CSU-Politiker weiter. Auch in diesem Moment kämpften unzählige Menschen um ihr Leben. "Für mich ist jeder Einzelfall ein Schicksal und jeder Todesfall ein Stich ins Herz", sagte Söder. "Wir erleben gerade die zweite Welle. Manche prophezeien sogar schon eine dritte Welle." Nachrichten über mutierte Coronaviren machten große Sorge. Corona sei "heimtückisch, ein wirklich fieses Virus", "die Bewährungsprobe unserer Generation".

Zugleich rief Söder die Menschen dazu auf, sich impfen zu lassen. "Impfen ist ein Gebot der Vernunft." Schon immer habe es Seuchen gegeben in der Menschheitsgeschichte, stets sei Impfen das effektivste Mittel zur Bekämpfung gewesen. Söder mahnte die Menschen aber auch zur Geduld. Der Impfstoff sei eine Langzeitstrategie gegen Corona. "Es wird nicht über Nacht gehen. Aber mit jeder Impfung gewinnen wir ein Stück Normalität und Freiheit zurück."

Corona-Impfungen verzögern sich mangels Impfstoff

Donnerstag, 31. Dezember 2020, 10:48 Uhr. Das Fortschreiten der Corona-Impfungen in Bayern verzögert sich laut Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) wegen fehlender Impfstofflieferungen. Bislang sind im Freistaat seit Sonntag bis Mittwochmittag (30.12.) rund 17.000 Menschen geimpft worden, die meisten davon in Alten- und Pflegeheimen, wie das Gesundheitsministerium am Mittwoch mitteilte. Zudem seien weitere 107.500 Impfdosen eingetroffen. Allerdings werde Bayern in der ersten Januarwoche, entgegen der bisherigen Zusage vom Bund, voraussichtlich keine Impfstofflieferung erhalten.

Huml nannte es "unverständlich, wie gerade bei derartig hohen Infektionszahlen eine komplette Lieferung einfach entfallen kann". Die Impfdosen seien bereits von den Impfzentren fest eingeplant gewesen, die Impfbereitschaft in Bayern sei hoch. Einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) zufolge möchten sich bundesweit mehr als 70 Prozent der Hochbetagten gegen Corona impfen lassen, wie die DGG in München mitteilte.

Aktuell könnten die 99 bayerischen Impfzentren mit ihren mobilen Impfteams eine Kapazität von mehr als 37.000 Impfungen täglich leisten, hieß es. Ab 11. Januar soll Bayern wieder wöchentliche Lieferungen von jeweils 107.250 Impfdosen vom Bund erhalten. Um die vorgeschriebene doppelte Impfung zu gewährleisten, muss von diesen Lieferungen jeweils die Hälfte der Dosen zurückgestellt und zwischengelagert werden.

Bisher werden laut Mitteilung überwiegend Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sowie das dortige Personal geimpft. Wenn ausreichend Impfstoff verfügbar sei, könne das Impfangebot auch auf andere Angehörige der höchsten Priorisierungsgruppe ausgeweitet werden, insbesondere Bürger über 80 Jahre. Diese sollen demnächst weitere Informationen von ihrer Kreisverwaltungsbehörde erhalten. Huml zufolge sollen die mobilen Teams die Impfungen dorthin bringen, wo die Menschen nicht selbst zum Impfzentrum kommen können.

Dies könnte gerade für die Hochbetagten eine entscheidende Rolle spielen. Laut einer Ad-hoc-Befragung der DGG (Sitz: Köln) unter geriatrischen Patienten möchten sich 71 Prozent der Generation 80 plus gerne impfen lassen. Allerdings fühle sich nur ein Viertel dieser Impfwilligen in der Lage, die Impfzentren auch eigenständig aufzusuchen, teilte die DGG am Mittwoch in München mit.

Neben dem Einsatz mobiler Impfteams gelte es, Möglichkeiten zu schaffen, alte Menschen bei der Terminvereinbarung und dem Transport in die Impfzentren zu unterstützen, forderte die DGG. Dazu zähle familiäre und nachbarschaftliche Hilfe, doch auch die Unterstützung durch Wohlfahrtsverbände, Kirchen und ehrenamtliche Begleiter wäre "wichtig für das Gelingen der Impfstrategie". Die DGG kritisierte, dass viele Impfzentren offenbar nicht barrierefrei seien.

Die hohe Impfmotivation in der Höchstrisikogruppe sei sehr ermutigend, hieß es von der DGG. Für die nicht-repräsentative Umfrage wurden in der Woche vor Weihnachten 118 Personen zu ihrer Impfbereitschaft befragt. 20 Prozent zeigten sich unentschieden, rund 9 Prozent lehnten eine Impfung ab. 26 Prozent gaben an, dass ihnen der Transport ins Impfzentrum selbst möglich sei.

Corona hat auch Auswirkungen auf die guten Vorsätze

Dienstag, 29. Dezember, 17.25 Uhr: Die Corona-Pandemie hat bei den Menschen in Bayern auch Auswirkungen auf die guten Vorsätze für das kommende Jahr: Wie eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK Bayern ergab, wollen sich 42 Prozent der Befragten manchen guten Vorsatz für 2021 ganz bewusst nicht vornehmen, weil sich diese in der Pandemie schwerer umsetzen ließen. 17 Prozent der Befragten sehen es genau anders herum: Sie setzen sich wegen der Corona-Krise bewusst gute Vorsätze. Bei den 14- bis 29-Jährigen sind dies sogar 27 Prozent.

Mit ihren guten Vorsätzen liegen die Bayern im Bundestrend, teilte die DAK Bayern weiter mit. Ganz oben auf der Vorsatz-Hitliste mit je 63 Prozent liegen Stressvermeidung und umweltfreundlicheres Verhalten. 62 Prozent wollen mehr Zeit für Familie und Freunde aufbringen (Platz 3), sich mehr bewegen wollen 59 Prozent (Rang 4), und 52 Prozent wollen sich mehr Zeit für sich selbst nehmen (Platz 5). 28 Prozent nehmen sich außerdem vor, die Nutzung von Handy, Computer und Internet im nächsten Jahr zu reduzieren (Rang 8). Dieser Wert habe sich seit 2014 fast verdoppelt.

Rückblickend erinnern sich 44 Prozent daran, dass sie sich für 2020 gute Vorsätze vorgenommen hatten. Davon hat eine knappe Mehrheit von 54 Prozent die Vorsätze länger als drei Monate oder sogar bis zum Jahresende durchgehalten - ein Fünftel derer, die sich etwas vorgenommen hatten, gaben nach drei Monaten auf, also mitten in der ersten Corona-Welle. 50 Prozent der Befragten gab deshalb auch an, dass sie es schwerer fanden, gute Vorsätze während der Pandemie umzusetzen, 17 Prozent fanden es aber auch leichter.

Spahn skeptisch zu Forderungen nach Lizenzproduktion

Montag, 28. Dezember 2020, 19.07 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) reagiert zurückhaltend auf Forderungen, den Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer in Lizenz auch von anderen Pharmafirmen herstellen zu lassen. "Ich habe den Eindruck, einige unterschätzen die Komplexität und auch die Anforderungen, gerade in der Qualität in der Impfstoffproduktion", sagte Spahn dem Radiosender Bayern2. "Die baut man eben nicht mal in drei Tagen in einer beliebigen Halle, auch nicht eines Pharmaunternehmens, auf."

Man sei in intensivem Kontakt mit Biontech und Pfizer, um zusätzliche Produktionsstätten auch in Deutschland möglich zu machen, betonte Spahn. Ein Werk in Marburg sei von Biontech übernommen worden. Ziel sei, dass dort noch im ersten Quartal des Jahres 2021 die Produktion beginnen könne. "Wenn das gelingen sollte, würde sich sehr, sehr schnell die verfügbare Menge enorm erhöhen", erklärte der Minister.

Für die Lizenzproduktion hatte sich angesichts knapper Impfstoffmengen unter anderem die Linke ausgesprochen. "Der Gesundheitsminister kann nach dem Ersten Bevölkerungsschutzgesetz Unternehmen zwingen, anderen Unternehmen eine Lizenz zum Nachproduzieren zu gewähren", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Achim Kessler, dem "Spiegel": "Das muss die Bundesregierung jetzt schnell tun."

Eine Produktion in Lizenz hält auch FDP-Chef Christian Lindner für denkbar. In der "Bild"-Sendung "Die richtigen Fragen" erklärt er: "Die Regierung sollte mit der pharmazeutischen Industrie insgesamt prüfen: Wo gibt es noch Kapazitäten, die genutzt werden können für die Produktion eines Impfstoffs?" Es gebe einen krisenhaften Zustand, "da brauchen wir eine Krisenproduktion".

Spahn lehnt Sonderrechte für Geimpfte ab

Montag, 28. Dezember 2020, 10.22 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) lehnt Sonderrechte für Geimpfte in der Corona-Pandemie ab. "Viele warten solidarisch, damit einige als erste geimpft werden können. Und die Noch-Nicht-Geimpften erwarten umgekehrt, dass sich die Geimpften solidarisch gedulden", sagte Spahn den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Keiner sollte Sonderrechte einfordern, bis alle die Chance zur Impfung hatten."

Es sei diese gegenseitige Rücksicht, die das Land zusammenhalte, fügte der Gesundheitsminister hinzu: "Gegen die Pandemie kämpfen wir gemeinsam - und wir werden sie nur gemeinsam überwinden."

Zuvor hatte sich schon Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) gegen Privilegien für Geimpfte ausgesprochen. Diese kämen einer Impfpflicht gleich, sagte er der "Bild am Sonntag". Die Impfungen gegen das Corona-Virus hatten am Sonntag bundesweit begonnen.

Bundesweite Impfungen haben begonnen

Sonntag, 27. Dezember, 15:00 Uhr: Die Corona-Impfungen in Bayern haben am Sonntag begonnen. Bei den Impfungen durch Mobile Teams haben stationäre Alten- und Pflegeeinrichtungen Vorrang, wie Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) erläuterte. Denn zu erst müssten die Menschen geschützt werden, die durch das Corona-Virus am meisten gefährdet sind, weshalb "schnellstmöglich" die Bewohner der Alten- und Pflegeheime und das Personal in diesen Einrichtungen geimpfte werden solle.

In Bayern stehen den Angaben zufolge 99 Impfzentren bereit, um vor Ort verstärkt Impfungen anzubieten, wenn ausreichend Impfstoff vorhanden ist. In diesen Impfzentren werden etwa 500 Ärzte im Wechseldienst eingesetzt. Anspruch auf eine Impfung haben Huml zufolge die am "höchsten priorisierten Bevölkerungsgruppen", wie etwa Menschen über 80 Jahre. Vorerst sei eine Terminvereinbarung für die Impfung nur telefonisch, zum Beispiel unter der bundeseinheitlichen Telefonnummer 116 117, möglich.

Spahn will Mitte 2021 Impfangebot an alle Bürger machen

Samstag, 26. Dezember 2020, 14.11 Uhr: Einen Tag vor dem Beginn der ersten Corona-Impfungen in Deutschland hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ein Impfangebot für alle Bürgerinnen und Bürger ab Mitte 2021 in Aussicht gestellt. Es könnten nicht alle sofort geimpft werden, sagte Spahn bei einer Pressekonferenz in Berlin. Er sei aber zuversichtlich, dass mit der Zulassung weiterer Impfstoffe ab Mitte des kommenden Jahres mit dem Impfen in der Fläche begonnen werden könne. Die Impfung bleibe ein Angebot, kostenlos und freiwillig, betonte Spahn.

Am Samstag waren erste Dosen des Biontech-Impfstoffs an die Bundesländer ausgeliefert worden. Die EU-Kommission hatte den Impfstoff des US-Herstellers Pfizer und seines Mainzer Partners Biontech am Montag zugelassen. Bis Ende des Jahres sollen 1,3 Millionen Dosen verteilt werden, sagte Spahn. Anfang des kommenden Jahres könnten dann bis zu 700.000 Impfdosen pro Woche verfügbar gemacht werden. Werde der Impfstoff des Herstellers Moderna in der EU zugelassen, könnten im ersten Quartal 2021 1,5 zusätzliche Impfdosen bereitgestellt werden, sagte Spahn.

Das Bundesgesundheitsministerium beginnt mit dem bundesweiten Impfstart am Sonntag die Aufklärungskampagne "Ärmel hoch". Die Impfung ebne den Weg hinaus aus der Pandemie, sagte Spahn.

Laut einer Rechtsverordnung von Spahns Ministerium werden zunächst Hochaltrige geimpft, weil sie besonders häufig schwer erkranken, sowie medizinisches Personal und Pflegekräfte, die ein hohes Risiko haben, sich anzustecken. Erst danach werden stufenweise weitere Bevölkerungsgruppen geimpft. Die Impfungen sollen zunächst in speziellen Zentren verabreicht werden, auch um die Priorisierung zu gewährleisten. Die Terminvergabe organisieren die Bundesländer. Später sollen die Impfstoffe auch Arztpraxen zur Verfügung gestellt werden.

Zahl der Asylbewerber ist stark gesunken

Freitag, 25. Dezember, 14.26 Uhr. Die Zahlen der Asylbewerber in Deutschland sowie in der Europäischen Union sind in diesem Jahr um etwa ein Drittel gesunken. In Deutschland wurden von Januar bis Ende November 93.710 Erstanträge auf Asyl registriert, wie aus Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat hervorgeht. Im ganzen Jahr 2019 waren es noch 142.450 gewesen, im Jahr davor 161.885. Für alle 27 EU-Staaten zusammen ergibt sich aus der Statistik ein ähnlicher Rückgang: Bis Ende November gibt die EU-Statistikbehörde 370.745 Anträge an, im Vorjahr waren es 675.535.

Die Bundesrepublik bleibe auch 2020 das wichtigste Zielland von Asylbewerbern in Europa mit rund 24 Prozent aller Erstanträge in den ersten neun Monaten, berichteten die Funke-Zeitungen. Dahinter rangierten Spanien mit fast 23 Prozent (70.655) der Anträge und Frankreich mit 19 Prozent (58.468). Auf die drei EU-Staaten Deutschland, Frankreich und Spanien entfielen zusammen zwei Drittel aller Erstanträge auf Asyl in den 27 EU-Staaten. Die wenigsten Asylbewerber in der EU meldete Ungarn mit lediglich 70 Erstanträgen von Januar bis Ende September. Grund für den Rückgang der Asylbewerber-Zahlen sei offenkundig die Corona-Krise, hieß es. Vor dem Lockdown im März war noch ein Anstieg festgestellt worden. Mit dem Lockdown brachen die Zahlen dramatisch ein.

Christen feiern trotz Corona Weihnachten

Mittwoch, 24. Dezember, 11.45 Uhr: Christen in der ganzen Welt feiern heute an Heiligabend die Geburt Jesu. Die Weihnachtsfeiertage stehen in diesem Jahr ganz unter dem Eindruck der Corona-Pandemie. Aufgrund der hohen Infektionszahlen in Deutschland wurde das Angebot von Gottesdiensten vor Ort stark eingeschränkt, und die Teilnehmerzahlen wurden begrenzt. Dafür wurde die Zahl der Gottesdienstübertragungen im Internet und im Fernsehen ausgeweitet. Die Kirchen riefen in ihren Weihnachtsbotschaften zum gesellschaftlichen Zusammenhalt auf.

Der Gottesdienst an Heiligabend, dem Vorabend des Weihnachtstags, ist normalerweise einer der meistbesuchten im ganzen Jahr. In diesem Jahr jedoch werden viele Menschen wegen der Kontaktbeschränkungen keinen Gottesdienst besuchen. Doch in den zahlreichen Rundfunk- und Online-Gottesdiensten steht auch die Weihnachtsgeschichte im Mittelpunkt, wie sie der Evangelist Lukas überliefert hat. Er erzählt, wie die Jungfrau Maria in einem Stall in Bethlehem Jesus zur Welt bringt, wie Engel den Hirten auf dem Feld die Geburt verkünden. Es dürfte neben der Schöpfungsgeschichte die bekannteste Erzählung der Bibel sein.

Corona-Impfungen beginnen am Sonntag in Evangelischem Pflegezentrum

Mittwoch, 24. Dezember, 08.47 Uhr: Auch in Bayern wird an diesem Sonntag (27.12.) mit den Corona-Impfungen begonnen. Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) nannte den Impfbeginn "mit das schönste Weihnachtsgeschenk, das wir den Menschen machen können". Im Laufe des zweiten Weihnachtstages würden insgesamt 9.750 Dosen des Impfstoffs vom Hersteller BioNTech an die beiden Lagerzentren und Erlangen und München ausgeliefert, teilte das Ministerium am Mittwoch mit. Diese würden von dort an die 99 Impfzentren in den Regierungsbezirken verteilt. Die ersten Covid-19-Impfungen sollen prioritär in den Alten- und Pflegeheimen stattfinden.

Eines davon ist das Evangelische Pflegezentrum Lore Malsch: Das Haus in Riemerling bei München gehöre zu den ersten Pflegeeinrichtungen in Deutschland, in denen mit der Immunisierung begonnen wird, sagte Dirk Spohd, der bei der Diakonie München die "Hilfe im Alter" leitet. Sofern mit der Auslieferung des Impfstoffs alles funktioniere, sollen die Impfungen bei Bewohnern und Mitarbeitern innerhalb von drei Tagen durchgeführt werden, sagte Einrichtungsleiter Jan Steinbach. Vorgenommen würden sie von einem mobilen Impfteam der Johanniter.

Im Vorfeld hatte die Einrichtung Aufklärungsbögen verteilt und Einwilligungen eingeholt. Die Impfbereitschaft bei den Bewohnern sei generell sehr hoch, bei den Mitarbeitern noch durchwachsen, sagte Spohd dem epd. Auch in den weiteren neun Pflegezentren der "Hilfe im Alter" soll zeitnah nach Weihnachten mit den Impfungen begonnen werden. Danach kämen auf die Einrichtungen ganz neue Fragen zu - etwa, was eine bestimmte Impfquote für die Besuchsmöglichkeiten bedeute, sagte Spohd.

Welche Einrichtungen den Impfstoff zuerst erhalten, wird laut Ministerium durch die Kreisverwaltungsbehörde vor Ort und gemäß den Priorisierungsvorgaben der Impfverordnung des Bundes festgelegt. Die Erstauslieferung erfolge ohne Berücksichtigung des Bevölkerungsschlüssels: So erhalten zunächst alle Bundesländer jeweils 9.750 Impfdosen unabhängig von der Einwohnerzahl. In Bayern werden aus der ersten Lieferung jeweils 100 Impfdosen gleichmäßig auf die Kreisverwaltungsbehörden verteilt, einzig die Landeshauptstadt erhält 250 Einheiten.

Bis zum Jahresende soll Bayern mit weiteren Lieferungen am 28. Dezember (97.500 Impfdosen) und am 30. Dezember (107.250 Impfdosen) insgesamt rund 215.000 Impfdosen erhalten. Etwa die Hälfte davon werde gemäß einem bundeseinheitlichen Verfahren zwischengelagert, um bei jedem Geimpften die nach drei Wochen vorgeschriebene Zweitimpfung sicherstellen zu können. Ab Januar rechnet Huml mit 107.250 gelieferten Impfdosen pro Woche.

Die höchste Priorisierung haben alte Menschen ab 80 Jahren. Sie können telefonisch Termine beim jeweiligen Impfzentrum vereinbaren. Wie das funktioniert, darüber werden die impfberechtigten Personen zeitnah informiert, wie es hieß. 

Bedford-Strohm: Über Weihnachtsgottesdienste wird vor Ort entschieden

14.19 Uhr: Unmittelbar vor den Feiertagen dauert die Debatte um die Corona-Ansteckungsgefahr bei Weihnachtsgottesdiensten an. Die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst, Ute Teichert, appellierte wegen der weiterhin hohen Zahl der Neuinfektionen an die Politik, Präsenzgottesdienste an den Feiertagen zu verbieten. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, will keine "generelle Absageempfehlung" an die Gemeinden richten. "Das muss jetzt vor Ort entschieden werden", sagte er dem Radiosender Bayern2 in München.

Teichert sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch): "In diesem Jahr sollten Präsenzgottesdienste bundesweit untersagt werden." Sie fügte hinzu: "Weil wir wissen, wie leicht sich das Virus gerade bei Gottesdiensten übertragen kann, dürfen wir zu Weihnachten angesichts der hohen Infektionszahlen kein zusätzliches Risiko eingehen."

Der bayerische Landesbischof Bedford-Strohm verwies unterdessen in der "Passauer Neuen Presse" (Mittwoch) auf "extrem strenge Hygienekonzepte in den Gottesdiensten, die auch peinlichst genau eingehalten werden". Dem Radiosender Bayern2 sagte er am Mittwoch, es gebe Menschen, für die Gottesdienstübertragungen im Internet und im Fernsehen eine Alternative seien. Es gebe aber auch einsame Menschen, die einen Gottesdienst vor Ort benötigen, den sie gemeinsam mit anderen Menschen feiern.

Vielerorts haben evangelische und katholische Gemeinden Präsenzgottesdienste zu Weihnachten abgesagt, ein staatliches Gottesdienstverbot gibt es jedoch in keinem der 16 Bundesländer. Wegen regionaler nächtlicher Ausgangssperren wurden Christmetten an Heiligabend teils vorverlegt.

Während die westfälische und die lippische Landeskirche ihren Gemeinden dringend zu einem Verzicht auf Präsenzgottesdienste geraten haben, will Bedford-Strohm dazu "kein Wort von der Spitze" äußern. Er habe keine Entscheidungsgewalt für ganz Deutschland, sagte er dem Radiosender SWR2. Die Inzidenzwerte seien regional unterschiedlich. Deshalb setze er darauf, dass die Gemeinden "sehr klug mit dieser eigenen Verantwortung umgehen".

Corona-Pandemie zeigt erste Auswirkungen auf Bevölkerungs-Statistik

Mittwoch, 23. Dezember, 09.18 Uhr: In der Bevölkerungsstatistik des Freistaats lassen sich erste Auswirkungen der Corona-Pandemie ablesen. So habe die Zahl der Sterbefälle im April 2020 mit 13.072 Gestorbenen deutlich höher gelegen als im April des vergangenen Jahres (10.953), wie das Statistische Landesamt am Dienstag in Fürth mitteilte. Auch für die Zeitspanne von Januar bis September 2020 lag die Zahl der Todesfälle mit 102.953 über dem Vorjahreswert (99.915). Vor allem auf Kreisebene seien große Abweichungen erkennbar, hieß es. Im Landkreis Tirschenreuth starben etwa im April 2020 mit 175 Personen mehr als doppelt so viele wie im April 2019 (76 Tote).

Auch bei den Einwohnerzahlen hinterlässt die Pandemie erste Spuren. Während die Bevölkerung des Freistaats in den Jahren 2016 bis 2019 von Januar bis September im Schnitt um jährlich 0,5 Prozent gewachsen ist, lag diese Zunahme in 2020 bei nur 0,1 Prozent (11.293 Personen). Diese Abflachung lasse sich vor allem auf die geringeren Wanderungsbewegungen zurückführen. Die Zuzüge aus dem Ausland oder anderen Bundesländern seien seit April deutlich zurückgegangen. Waren von 2016 bis 2019 in den ersten drei Quartalen im Schnitt jeweils rund 600.000 Menschen nach Bayern gezogen, waren es heuer nur 505.353 Personen.

Auch hier zeigt der Blick auf einzelne Großstädte noch deutlicher die Auswirkungen. Während von Januar bis September 2019 in die Städte München, Nürnberg und Augsburg 8.266 Einwohner aus anderen Bundesländern oder dem Ausland zugezogen waren, hätten diese drei Städte in den ersten drei Quartalen 2020 einen Wanderungsverlust von 7.224 Personen verzeichnet.

Erster Corona-Impfstoff für die EU zugelassen

Dienstag, 22. Dezember, 08.56 Uhr: Die Impfungen gegen Covid-19 in der Europäischen Union können beginnen. Am Montagabend erteilte die EU-Kommission in Brüssel die Zulassung für den Impfstoff des US-Herstellers Pfizer und seines Mainzer Partners Biontech. Wenige Stunden zuvor hatte die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) die Anwendung des Präparates BNT162b2 empfohlen.

Der Impfstart in Deutschland ist für den 27. Dezember vorgesehen. In mehreren Ländern, darunter Großbritannien und die USA, wird der Impfstoff BNT162b2 bereits verabreicht. In diesen Ländern hatten die Arzneimittelbehörden in der ersten Dezemberhälfte Notfallzulassungen erteilt.

Die Genehmigung eines Corona-Vakzins für die Europäische Union hat auch der US-Hersteller Moderna beantragt. Die Entscheidung des Europäischen Arzneimittelagentur dazu wird für den 6. Januar erwartet. In den USA erhielt Moderna am Freitag eine Notfallzulassung.

BNT162b2 ist der erste Boten-RNA-Impfstoff (mRNA-Impfstoff) für Menschen, der zum Einsatz kommt. Dabei wird nach Darstellung des Paul-Ehrlich-Instituts genetische Information für den Bau eines ungefährlichen Erregerbestandteils mittels Injektion in den Muskel verabreicht. Körperzellen nutzen die genetische Information der RNA zum Bau des Erregerbestandteils. Anschließend erkennt das menschliche Immunsystem den fremden Erregerbestandteil und baut eine schützende Immunantwort auf. Auch das Präparat von Moderna ist ein mRNA-Impfstoff.

Ministerpräsident Söder in Quarantäne - Staatskanzlei-Chef positiv getestet

Montag, 21. Dezember, 16.08 Uhr: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat sich in Quarantäne begeben. Grund dafür ist, dass Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann (CSU) positiv auf Corona getestet wurde, wie dieser am Montagmittag selbst per Twitter mitteilte. Es gehe ihm "den Umständen entsprechend gut", schrieb Herrmann. Er habe sich umgehend in Quarantäne begeben und alle Kontaktpersonen 1 informiert. Zu diesen gehört auch der Ministerpräsident. Söder kündigte daraufhin ebenfalls per Twitter an, seine Amtsgeschäfte digital weiterzuführen. "Wünsche Florian Herrmann einen milden Verlauf und gute Besserung", twitterte der CSU-Chef.

Rheinland-Pfalz begrenzt Gottesdienste auf 100 Teilnehmer

Montag, 21. Dezember, 08.48 Uhr: Rheinland-Pfalz begrenzt die Teilnehmerzahl von Gottesdiesten auf 100 Personen. Das habe die Landesregierung den Kirchen am Freitag mitgeteilt, erklärte ein Sprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Ab Heiligabend gelte für Gottesdienste in geschlossenen Räumen ebenso wie im Freien eine Höchstgrenze von 100 Besucherinnen und Besuchern. Kinder bis 14 Jahren blieben bei der Bestimmung der Personenzahl außer Betracht. Die Bestimmungen zur Hygiene - Anmeldung, Kontaktverfolgung, Maskenpflicht, nur Vorsänger oder Vorsängerin, keine Blasinstrumente - gälten weiter, ergänzte der Sprecher.

Der Krisenstab der hessen-nassauischen Kirche habe die Gemeinden am Samstag über die neuen Vorgaben in Rheinland-Pfalz informiert. Das Land habe auch darauf hingewiesen, dass Kreis- und Stadtverwaltungen weitergehende Schutzmaßnahmen vor Ort vorschreiben könnten. Die Kirchen seien zudem gebeten worden, "sämtliche Kontakte auf ein absolutes Minimum zu reduzieren."

Bayern will Spezialeinheit für Corona-Bekämpfung in Seniorenheimen

Sonntag, 20. Dezember, 17.32 Uhr. Bayern will eine Spezialeinheit zur Corona-Bekämpfung in den Senioren-Heimen schaffen. Das hat der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) der Bild am Sonntag (BamS) gesagt. Bereits ab Montag solle die Task Force die Bewohnerinnen und Bewohner in den rund 1.500 stationären Alten- und Pflegeheime und in etwa 800 Behinderteneinrichtungen besser vor Ansteckungen schützen, so Söder der BamS, "Ziel ist es, die am stärksten Betroffenen besonders zu schützen".

Nach Informationen der Zeitung soll die Einheit aus mehr als 200 Mitarbeitern bestehen, die aus den Landesämtern für Pflege und Gesundheit sowie den Heimaufsichten vor Ort stammen. Sie sollen die Einrichtungen in der Vorbeugung unterstützen, beraten, wenn Bewohner erkrankt sind und die Umsetzung der Maßnahmen kontrollieren. Klaus Holetschek (CSU), bayerischer Staatssekretär für Gesundheit und Pflege, sagte laut BamS, die flexible Einheit werde schon bei einem ersten positiven Corona-Fall aktiviert, um der jeweiligen Einrichtung beizustehen und ein größeres Ausbruchsgeschehen zu verhindern.

Söder bereitet in dem Bericht Deutschland auf einen möglichen längeren Lockdown als bis zum 10. Januar vor. Die aktuellen Zahlen seien so hoch, dass es falsch wäre, schon jetzt in eine Debatte um Lockerungen einzusteigen", erklärte er. "Der Corona-Winter wird leider noch lang."

Patientenschutz: Impfverordnung muss nachgebessert werden

Samstag, 19. Dezember, 12.07 Uhr. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisiert die Verordnung für Impfungen gegen das Coronavirus. Gebraucht würden praktische Lösungen für Pflegepersonen und enge Angehörige von alten Menschen, sagte Brysch am Samstag. "Man erhält als 90-Jähriger die Information, in ein Impfzentrum zu kommen und hat als Begleitung die 62-jährige Tochter dabei. Die Tochter geht aber ungeimpft wieder nach Hause". Dies könne nicht sein, so Brysch.

Außerdem forderte Brysch bei der Organisation der Impfungen ein bundesweit einheitliches Vorgehen. "Wie wird man informiert, wie kommt man in ein Zentrum, gibt es mobile Teams, die auch nach Hause kommen - diese Dinge müssen klar sein. Dann kommt auch eine Impfbereitschaft." Die Situation in deutschen Krankenhäusern bezeichnete er als stabil. Die Gefahr einer Triage sehe er derzeit nicht. "Es wird immer noch derjenige als erstes versorgt, der schwerkrank ist."

Problematisch sei die Lage in den Pflegeeinrichtungen. "Wenn ich erfahre, dass eine Pflegekraft sich teilweise um 40 Corona-infizierte Personen kümmern muss, ist offensichtlich Hilfe notwendig." Die Länder müssten hier dringend eingreifen, forderte Brysch.

Lockdown - Jedes dritte betroffene Unternehmen bedroht

Freitag, 18. Dezember, 11.06 Uhr: Jeder dritte vom November-Lockdown betroffene Betrieb in Deutschland sieht sich in seiner wirtschaftlichen Existenz bedroht. Das geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarktmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg hervor, die am Freitag veröffentlicht wurde. In der zweiten Novemberhälfte waren zwölf Prozent aller Firmen vom Lockdown betroffen und mussten ganz oder teilweise schließen. Vor allem die Restaurants und Gaststätten seien massiv gefährdet, hieß es.

90 Prozent der Betriebe aus dem gastronomischen Bereich gaben bei der IAB-Umfrage an, trotz staatlicher Hilfen in Existenznot zu kommen. Außerdem berichten zwölf Prozent der Unternehmen aus dem Dienstleistungsbereich betroffen zu sein sowie acht Prozent der Firmen aus dem Bildungs-, Gesundheits- und Sozialwesen.

Insgesamt sahen sich in der zweiten Novemberhälfte zehn Prozent der Betriebe in der Existenz bedroht. In der Gastronomie war das bei 47 Prozent der Firmen der Fall, im verarbeitenden Gewerbe dagegen nur bei fünf Prozent und im Baugewerbe bei drei Prozent. 
Die Studie beruht auf der Umfrage "Betriebe in der Covid-19-Krise", in der alle drei Wochen mehr als 1.500 Betriebe zu ihrer Situation in der Pandemie und ihrem Umgang damit befragt werden. 

Bedford-Strohm wirbt für Online-Gottesdienste an Weihnachten

15.05 Uhr: Angesichts hoher Infektions- und Todeszahlen hat der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, für Online-Gottesdienste an Weihnachten geworben. "Alle Landeskirchen ringen gegenwärtig mit den richtigen Entscheidungen zum Umgang mit den Weihnachtsgottesdiensten", sagte Bedford-Strohm der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Donnerstag). "Auch wenn vor Ort unterschiedliche Entscheidungen getroffen werden, sind sich alle einig, dass wir Teil einer großen gesellschaftlichen Kraftanstrengung sein wollen, die eine weitere Ausbreitung der Pandemie verhindert."
Nicht zuletzt die gestiegene Zahl der Corona-Toten gebiete das. "Deswegen gehen wir im Hinblick auf die Sicherheitskonzepte an vielen Orten auch über die staatlichen Vorgaben hinaus", erklärte der bayerische Landesbischof. Schon jetzt zeichne sich ab, dass digitale Formate und Radio- und Fernsehgottesdienste ebenso wie Hausandachten in diesem Jahr ein besonderer Schwerpunkt in der Feier der Weihnachtsgottesdienste sein werden.

Der Bund-Länder-Beschluss von Sonntag hatte zu einer erneuten Diskussion darüber geführt, ob Gottesdienste abgesagt werden müssen. Evangelische Landeskirchen und katholische Bistümer wollen nach Angaben vom Mittwoch aber mehrheitlich Weihnachtsgottesdienste unter strengen Auflagen feiern - Ausnahmen bilden die westfälische und lippische Kirche. Das letzte Wort haben in den evangelischen Kirchen aber die Gemeinden. Das Angebot von Gottesdienstübertragungen im Fernsehen und Radio sowie im Internet wurde bereits ausgeweitet.

Gottesdienste an Weihnachten unter Auflagen erlaubt

Donnerstag, 17. Dezember: 11.14 Uhr: In vielen christlichen Gemeinden werden an Heiligabend trotz Kontaktbeschränkungen Präsenzgottesdienste unter strengen Hygieneregeln stattfinden können. Nach Beratungen zwischen Religionsvertretern und dem Bundesinnenministerium am Dienstag teilten mehrere evangelische Landeskirchen und katholische Bistümer mit, in den Gottesdiensten werde die Sicherheit vor Ansteckung hergestellt durch Abstandsregeln, Gesangsverbot und die Pflicht, Mund und Nase zu bedecken. Hinzu kommt vielerorts auch eine Anmeldepflicht.

Die 20 evangelischen Landeskirchen in Deutschland haben verabredet, die Entscheidung über Präsenzgottesdienste den einzelnen Gemeinden zu überlassen. Ausnahmen sind bislang die Evangelische Kirche von Westfalen und die lippische Landeskirche, wo Gemeinden aufgerufen sind, bis zum 10. Januar auf Gottesdienste zu verzichten.

99 Corona-Impfzentren sind einsatzbereit

Mittwoch, 16. Dezember, 14.49 Uhr: Ursprünglich sollten bis Mitte Dezember in ganz Bayern 96 Corona-Impfzentren einsatzbereit sein - nun sind es sogar 99. Wie die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Dienstag laut Mitteilung in München sagte, hat man damit das Ziel, flächendeckend in jeder kreisfreien Stadt und in jedem Landkreis ein Impfzentrum einzurichten, übertroffen. Wann aber mit dem Impfen gegen das Coronavirus begonnen werden kann, sei noch unklar. Dies hänge in erster Linie von der Zulassung des Impfstoffs ab, erläuterte die Gesundheitsministerin:

"Mit der Auslieferung des Impfstoffs beginnt unser Impfangebot."

Der Vorsitzende des Bayerischen Städtetags, der Straubinger Oberbürgermeister Markus Pannermayr (CSU), sagte, die Einrichtung der Corona-Impfzentren in so kurzer Zeit sei eine Herausforderung gewesen. Damit dies gelingen konnte, hätten unterschiedliche Ebenen eng zusammengearbeitet, zudem sei vor Ort engagiert gehandelt worden. Auch der Deggendorfer Landrat Christian Bernreiter (CSU), Präsident des Bayerischen Landkreistags, lobte die engagierten Mitarbeitenden in den Landratsämtern sowie der Landrätinnen und Landräte, die den Aufbau der Impfzentren zur Chefsache gemacht hätten.

Die meisten einsatzbereiten Impfzentren gibt es aktuell im Regierungsbezirk Oberbayern mit 28 Einrichtungen, gefolgt von Schwaben mit 18. In Niederbayern und der Oberpfalz stehen jeweils bislang elf Standorte zur Verfügung, in Unterfranken zehn, in Oberfranken zwölf und in Mittelfranken neun. 

Söder rechnet mit Wechselunterricht im Januar

Mittwoch, 16. Dezember, 9.50 Uhr: Für den ab heute in Bayern geltenden härteren Corona-Lockdown will Ministerpräsident Markus Söder (CSU) "keinen festen Endzeitpunkt nennen". Die Maßnahmen müssten so lange dauern, wie es notwendig sei, sagte Söder in seiner Regierungserklärung am Dienstag im bayerischen Landtag. Bislang gilt der 10. Januar als vorläufiges Enddatum, doch Söder hatte bereits bezweifelt, dass dieser Zeitraum ausreichen werde, um die Infektionszahlen in den Griff zu bekommen.

Für die Schulen rechnet Söder damit, dass der Unterricht im Januar stark eingeschränkt bleibe. Er gehe davon aus, dass es im Januar Wechselunterricht gibt, dass Schüler dann also abwechselnd in der Schule und daheim unterrichtet werden. Zugleich mahnte er, ab dem 11. Januar "muss der Distanzunterricht stehen". Die Schließung der Schulen und Kitas verteidigte er mit dem Verweis auf Studien, aus denen hervorgehe, dass es "eindeutig viele Infektionen" in den Einrichtungen gebe. "Wir gehen auf Nummer sicher", sagte er.

Ab heute soll es verpflichtenden Distanzunterricht für die 570.000 Schüler der Abschlussklassen geben. Für alle anderen Jahrgangsstufen gibt es Angebote zum "Distanzlernen", aber keine Verpflichtung - "auch, um in der besonderen Lage kurz vor Weihnachten etwas Druck von allen Beteiligten zu nehmen", teilte das Ministerium am Dienstag mit.

Söder hält Ende des Lockdowns am 10. Januar für unwahrscheinlich

Dienstag, 15. Dezember, 10.35 Uhr: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) glaubt nicht, dass die Corona-Einschränkungen am 10. Januar wieder komplett aufgehoben werden können. "Wir glauben, dass die Maßnahmen eine Wirkung haben", sagte er nach einer Kabinettssitzung in München. Ob die Maßnahmen jedoch ausreichen, werde man noch sehen müssen: "Ich glaube nicht, dass das am 10. Januar alles vorbei ist." Söder appellierte an die Bevölkerung, die Kontakte zu beschränken: "Corona ist außer Kontrolle", man sei wieder im exponentiellen Wachstum.

Der Ministerpräsident sagte, er glaube auch nicht, dass "die Schule ab dem 10. Januar einfach so weitergeht". Man werde aber alles dafür tun, die Bildungsqualität im Freistaat zu erhalten. Söder betonte, dass er froh darüber sei, dass man bundesweit die "Zehn-Personen-Regel" für die Weihnachtsfeiertage gekippt habe. Der Grundsatz bleibe, dass sich die Menschen an den Feiertagen treffen können sollen, aber eben nur maximal fünf Personen aus zwei Haushalten, "damit die Weihnachtsfeier keine Party wird", betonte Söder. 

SPD kritisiert Rückgang der Corona-Kontrollen

Montag, 14. Dezember, 10.22 Uhr: Die SPD im bayerischen Landtag fordert mehr Kontrollen bei der Einhaltung der Corona-Beschränkungen. Tatsächlich habe die Polizei im November weniger kontrolliert als in den Monaten der ersten Covid-19-Welle, teilte Landtagsvizepräsident Markus Rinderspacher in München mit. Aus einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage gehe hervor, dass es bayernweit im November nur 235.438 Kontrollen gegeben habe. Im April seien es dagegen 737.517 und im Mai 418.468 Kontrollen gewesen. Kontrolliert wurde dabei etwa die Einhaltung der Maskenpflicht sowie der Kontakteinschränkungen bei Versammlungen, in der Gastronomie oder in Ladengeschäften.

"Höhere Infektionszahlen und mehr Todesfälle als bei der ersten Welle - aber deutlich weniger Kontrollen im öffentlichen Raum, das gibt keinen Sinn", kritisierte der Landtagsabgeordnete. Staatliche Regelungen seien nur wirksam, wenn sie effektiv durchgesetzt würden. 

Innenminister verhängt Ausgangssperren in weiteren Kreisen

Sonntag, 13. Dezember, 14.59 Uhr: Schon vor dem bundesweiten Corona-Lockdown am Mittwoch erweitert Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) die Ausgangssperren im Freistaat. In 40 Landkreisen und Städten gelte nachts zwischen 21 und 5 Uhr ein grundsätzliches Verbot, die Wohnung zu verlassen, teilte Herrmann am Wochenende in München mit. Neu hinzugekommen seien die Kreise Ebersberg, Kronach, Rosenheim, Weißenburg-Gunzenhausen, Straubing und Lindau.

Von Montagabend an gehören zudem die Landkreise Forchheim, Neuburg-Schrobenhausen, Neustadt an der Waldnaab, Rottal-Inn sowie die Stadt Weiden in der Oberpfalz zu den Regionen mit Ausgangssperren. Das Befolgen solle durch die Polizei konsequent kontrolliert werden, hieß es weiter. Maßgeblich für die Ausgangssperre sei, ob in einer Region die Sieben-Tages-Inzidenz von 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschritten wurde.

Herrmann appellierte insbesondere an die Bewohner sogenannter Hotspots: "Bleiben Sie daheim!". Der Kampf gegen das Virus könne nur gewonnen werden, wenn sich alle an die Regeln hielten.

Regionalbischof hält trotz Corona an Gottesdiensten fest

12. Dezember, 11.40 Uhr: Trotz der Corona-Pandemie rät der evangelische Regionalbischof für München und Oberbayern, Christian Kopp, nicht prinzipiell vom Gottesdienstbesuch an Weihnachten ab. Die Kirchen beachteten alle Hygieneregeln, vieles laufe im Freien ab, sagte Kopp am Samstag im "Interview der Woche" des Bayerischen Rundfunks. Laut den Bestimmungen dürfe die Gemeinde allerdings nicht singen, außerdem müssten die Teilnehmer Abstand voneinander halten.

Der sogenannten Querdenker-Bewegung wirft Kopp vor, sehr einseitig an die Beschränkung ihrer Freiheitsrechte zu denken. Das habe seiner Ansicht nach nichts mit Querdenken und auch nichts mit der christlichen Botschaft zu tun. Es besorge ihn, dass diese Bewegung ihren Widerstand oft christlich verkläre, mit dem Kruzifix in der Hand protestiere und Demos kurzerhand in Gottesdienste umwidme. 

Krankenhausgesellschaft und Ärzteverband für schärfere Corona-Regeln

11. Dezember, 09.08 Uhr: Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und die Ärztegewerkschaft Marburger Bund fordern eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen. Angesichts der vielen Toten bestehe dringender Handlungsbedarf, sagte DKG-Präsident Gerald Gaß der "Passauer Neuen Presse" (Donnerstag). Die Vorsitzende des Marburger Bunds, Susanne Johna, betonte, Ärzte und Pfleger arbeiteten bereits am Anschlag. Die verschärften Maßnahmen in einigen Regionen seien zweifellos mit Härten verbunden, aber ohne vernünftige Alternative, sagte sie der "Rheinischen Post" (Donnerstag).

Gaß sprach sich für den von der Wissenschaftsakademie Leopoldina empfohlenen harten Lockdown über drei Wochen aus. Die große Chance bestehe darin, dass infizierte Menschen nicht mehr mit gesunden in Kontakt treten. Dann habe das Virus keine Chance, sich zu verbreiten. Die Infektionsketten könnten anschließend wieder konsequent nachverfolgt werden, erklärte er: "Damit hatte man auch in Asien Erfolg."

Die Alternative zu einem harten Lockdown wäre, "dass sich die dramatische Entwicklung bis in den März fortsetzen würde", sagte Gaß. Dann würden die Zahlen der Neuinfektionen, der Intensivpatienten und der Todesfälle weiter steigen. Die Zahl der Todesfälle sei bereits besorgniserregend hoch. Die für Weihnachten geplanten Lockerungen bezeichnete er als sehr riskant und als falsches Signal. Das Fest sollte nur im engsten Familienkreis gefeiert werden.

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus in Deutschland hat zuletzt die Marke von 20.000 überstiegen. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Donnerstagmorgen genau 20.372 Tote, die seit Beginn der Pandemie im Frühjahr an oder mit dem Virus gestorben sind. Im Vergleich zum Vortag erhöhte sich die Zahl der Todesfälle um 440. Die Zahl der insgesamt seit der Pandemie mit Corona Infizierten stieg am Mittwoch auf 1.242.203. Das waren 23.679 mehr als am Vortag. Der Anstieg war um rund 1.600 Fälle höher als vor einer Woche.

Epidemiologin befürwortet harten Lockdown bis 10. Januar

10. Dezember 2020, 08.29 Uhr: Die Lockdown-Beschlüsse für Sachsen sind nach Ansicht der Münchner Epidemiologin Eva Grill "völlig richtig". In Sachsen sei die Lage "flächendeckend dramatisch", sagte Grill im Interview mit dem Radiosender Bayern 2. Sachsen habe durchschnittlich mehr als 300 Fälle pro 100.000 Einwohner - das sei doppelt so viel wie der Bundesdurchschnitt, sagte die Professorin der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU).

Grill hält auch einen Lockdown in ganz Deutschland für denkbar und sinnvoll. "Es muss vollkommen klar sein, dass die Berg- und Talfahrt, die wir jetzt haben, nicht sinnvoll ist - nicht für die Gesellschaft, nicht für das Gesundheitswesen und für die Wirtschaft auch schon gar nicht", sagte sie laut Mitteilung. Sie unterstützt die Forderung unter anderem der Deutschen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, das Leben in Deutschland von Heiligabend bis 10. Januar komplett ruhen zu lassen. Es sei ohnehin für alle eine ruhigere Zeit, die für diese Maßnahmen "eine einmalige Chance" wäre.

In Sachsen werden ab diesem Montag (14.12.) unter anderem Schulen, Kindergärten und der Einzelhandel mit Ausnahme der lebensnotwendigen Versorgung geschlossen. Der Lockdown soll bis zum 10. Januar gelten.

In Bayern gelten ab heute strengere Maßnahmen - Söder erwägt zudem härteren Lockdown ab Weihnachten

9. Dezember 2020, 9:22 Uhr: Der bayerische Landtag hat sich am Dienstag mehrheitlich hinter den Zehn-Punkte-Plan der Staatsregierung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie gestellt. Mit dem von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Sonntag nach einer Sondersitzung des Kabinetts vorgestellten Plan gehen weitere Verschärfungen der Maßnahmen gegen Corona einher.

Kern der neuen Verschärfungen ist die weitere Reduktion von Kontakten. So sollen etwa in Hotspots mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 200 Fällen je 100.000 Einwohner neben den überall in Bayern gültigen Ausgangsbeschränkungen nun auch zwischen 21 und 5 Uhr Ausgangssperren gelten. 

Zugleich verteidigte Söder die geplante Lockerung der Kontaktbeschränkungen an den Weihnachtstagen. Nach der bisherigen Beschlusslage sollen sich in Bayern von 23. bis 26. Dezember maximal zehn Personen treffen dürfen, plus deren Kinder unter 14 Jahren. Weihnachten sei das "Fest der Hoffnung und der Familie", sagte der Ministerpräsident. "Keiner soll gerade an Weihnachten allein sein müssen". Allerdings bleibt auch diese Lockerung abhängig von den Infektionszahlen vor Weihnachten, die man laut Söder "noch mal ganz genau anschauen" werde.

 Aktuell liegt Bayern bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von durchschnittlich 177 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. 24 "Hotspots" verzeichnen einen Inzidenzwert von mehr als 200. Im Freistaat sterbe alle 20 Minuten ein Mensch an Corona, sagte Söder: "Das sind alles Schicksale, alles Familien." Aufgabe des Staates sei der Schutz des Lebens: "Corona trifft immer mehr den ethischen Grundnerv unserer Gesellschaft."

Bayern erwägt harten Lockdown ab Weihnachten

16.26 Uhr: Die Corona-Maßnahmen in Bayern könnten über den Zehn-Punkte-Plan der Staatsregierung hinaus noch weiter verschärft werden. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach sich dafür aus, vom 24. Dezember bis zum 10. Januar alle Geschäfte außer denen des täglichen Bedarfs zu schließen. Wenn die Ministerpräsidentenkonferenz der Länder dies beschließe, werde Bayern dabeisein, kündigte Söder in seiner Regierungserklärung am Dienstag im bayerischen Landtag an.

Er reagierte damit auch auf die Empfehlung der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina vom Dienstag, ab Weihnachten für mindestens zweieinhalb Wochen einen harten Lockdown durchzuführen.

Die geplante Lockerung der Kontaktbeschränkungen an den Weihnachtstagen verteidigte Söder. Nach der bisherigen Beschlusslage sollen sich in Bayern von 23. bis 26. Dezember maximal zehn Personen treffen dürfen, plus deren Kinder unter 14 Jahren. Weihnachten sei das "Fest der Hoffnung und der Familie", sagte der Ministerpräsident.

"Keiner soll gerade an Weihnachten alleinsein müssen", die Entscheidung sei eine "Balance aus Herz und Verstand".

Allerdings bleibt auch diese Lockerung abhängig von den Infektionszahlen vor Weihnachten, die man laut Söder "nochmal ganz genau anschauen" werde.

Das bayerische Kabinett hatte am Sonntag zehn neue Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie beschlossen, die nun im Landtag zur Diskussion und Abstimmung standen. In Kraft treten sollen sie an diesem Mittwoch (9.12.).

Mathematiker dämpft Hoffnung auf baldige Vor-Corona-Normalität

Dienstag, 8. Dezember, 08.57 Uhr: Der Münchner Mathematiker Ulrich Mansmann von der Ludwig-Maximilians-Universität dämpft die Hoffnungen auf eine baldige Rückkehr zur Vor-Corona-Normalität. Impfungen könnten zwar dabei helfen, die Epidemie unter Kontrolle zu bringen, sagte der Professor, der seit 2005 Direktor des Instituts für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie an der Medizinischen Fakultät ist, laut einer Mitteilung der Hochschule. Dies werde aber eine gewisse Zeit dauern.

Um die empfohlene Impfrate von etwa 70 Prozent zu erzielen, müssten laut Mansmanns Berechnungen alleine in Bayern etwa 2.300 zusätzliche Ärzte ein Jahr lang in einem der ungefähr 100 geplanten Impfzentren impfen. "Das Leben wird 2021 sicher noch eingeschränkt bleiben", erläuterte Mansmann bei einer "Corona-Lecture" der Uni München, bei der er darlegte, wie Daten bei einer Pandemie erhoben und bewertet werden: "Ich schätze, dass uns das Virus auch im Jahr 2022 noch beschäftigen wird."

Der Mathematiker Mansmann gilt als einer der führenden deutschen Wissenschaftler auf dem interdisziplinären Gebiet "Public Health". Dieses Fachgebiet beschäftigt sich mit der "öffentlichen Gesundheit", auch "Volksgesundheit" genannt, und dabei vor allem mit der Vorbeugung von Krankheiten und der Förderung der Gesundheit.

Evangelische Jugend macht sich stark für Abschiebestopp während Pandemie

Montag, 7. Dezember, 17.05 Uhr: Keine Abschiebungen während der Pandemie fordert die Evangelische Jugend Bayern. Sie schließt sich dem Appell von Pro Asyl, Wohlfahrtsverbänden und weiteren Bündnispartnern vor der Innenministerkonferenz vom 9. bis 11. Dezember an, heißt es in einer Mitteilung vom Montag. Katrin Vogelmann, Vorsitzende der Landesjugendkammer, erklärte: "Abschiebungen sind während der COVID-19-Pandemie nicht zu verantworten, sie setzen das Leben der Abgeschobenen aufs Spiel."

Die Evangelische Jugend in Bayern trete für eine Gesellschaft ein, die Nächstenliebe und Solidarität als höchstes Gut lebe. Die Vollversammlung der EJB hat einen Aufruf verfasst, in dem sie auf die maroden Gesundheitssysteme in zahlreichen Herkunftsländern von Asylsuchenden hinweist. Auch Staaten mit einem relativ gut aufgestellten Gesundheitssystem würden an ihre Kapazitätsgrenzen kommen, heißt es darin.

Die Zahl der Corona-Infizierten und der Toten steige weltweit dramatisch an, erklärt die Kirchenjugend. Dennoch würden Menschen in Länder abgeschoben, in denen die Risiken für ihre Gesundheit und körperliche Unversehrtheit immens seien. Abschiebungen beispielsweise nach Afghanistan, aber auch Überstellungen gemäß der Dublin-III-Verordnung nach Italien müssten mindestens bis April 2021 gestoppt werden. In den Wintermonaten sei in vielen der besonders von der Pandemie betroffenen Länder nicht mit einer schnellen Besserung zu rechnen.

Bayern: 10-Punkte-Plan zur Eindämmung der Corona-Pandemie

Montag, 7. Dezember 11 Uhr: Die bayerische Staatsregierung hat in ihrer Sondersitzung am Sonntag einen Zehn-Punkte-Plan zur Eindämmung der Corona-Pandemie beschlossen. Er beinhaltet Ausgangsbeschränkungen in ganz Bayern, Distanzunterricht in Hotspots mit hohen Fallzahlen, ein Alkoholverbot im Freien sowie schärfere Regeln für Alten- und Pflegeheime. Der Landtag soll an diesem Dienstag (8. Dezember) über die zehn Punkte beraten - sollten sie beschlossen werden, treten sie am Mittwoch und bis 5. Januar in Kraft. Ausnahmen gelten nur für die Weihnachtstage vom 23. bis 26. Dezember.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte nach Sitzung des Kabinetts: "Es reicht einfach nicht, wir müssen mehr tun." Der "sanfte Lockdown" habe zwar Wirkung gezeigt, er habe aber nur das exponentielle Wachstum bei den Infektionszahlen gebremst: "Die Zahlen sind zu hoch, sie müssen runter", um eine mögliche Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Außerdem stiegen die Todeszahlen: Alle vier Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an Corona, in Bayern alle 20 Minuten." Es einfach so weiterlaufen zu lassen, wäre moralisch nicht zu vertreten".

In dem Zehn-Punkte-Plan sind verschiedene Maßnahmen zur Kontaktreduzierung aufgelistet. So ruft die Regierung abermals den Katastrophenfall aus. Zudem soll in Bayern eine allgemeine Ausgangsbeschränkung wie in Baden-Württemberg verhängt werden. Die eigene Wohnung dürfe dann nur noch aus triftigem Grund verlassen werden - um zur Arbeit, in die Kita oder in die Schule zu gehen, für Arztbesuche oder familiäre Angelegenheiten. Ab einer 7-Tages-Inzidenz von mehr als 200 würden zwischen 21 und 5 Uhr außerdem Ausgangssperren verhängt, sagte Söder.

Auch für den Schulbetrieb gibt es Veränderungen. Während der Präsenzunterricht von der 1. bis zur 7. Jahrgangsstufe an allen Schularten, für alle Jahrgänge der Förderschulen sowie an den Fach- und Berufsoberschulen beibehalten werden soll, gehen alle weiteren Schüler ab Klasse 8 in den Wechselunterricht. Nur fürs letzte Schuljahr der jeweiligen Schulart gelten Ausnahmen. Ab einer Inzidenz von 200 gehen sämtliche Schüler ab Klasse 8 in den Distanzunterricht - außer den Abschlussjahrgängen und den Förderschülern. Berufsschulen sind generell im Distanzmodus.

Für Gottesdienste gibt es ebenfalls Änderungen. Auch am Platz herrscht dort nach dem Zehn-Punkte-Plan Maskenpflicht sowie darüber hinaus ein Gesangsverbot. Allerdings zählt der Besuch eines Weihnachtsgottesdienstes auch dann als triftiger Grund, die eigene Wohnung zu verlassen, wenn man sich in einem Hotspot mit einem Inzidenzwert von mehr als 200 befindet. In Alten- und Pflegeheimen dürfen Bewohner künftig nur noch einen Besucher pro Tag empfangen - mit negativem Test und einer FFP2-Maske. Pflegepersonal soll zudem zwei Mal wöchentlich getestet werden.

Die Sonderregelungen für Weihnachten werden generell nicht angetastet. An den vier Tagen dürfen sich bis zu zehn Personen treffen, Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren zählen nicht zur Gesamtzahl. Ab dem 27. Dezember jedoch - und damit auch für Silvester - gelten die üblichen Beschränkungen. Demnach dürfen sich maximal fünf Personen aus zwei Haushalten treffen, Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren zählen auch hier nicht mit zur Gesamtzahl. Söder rief die Arbeitgeber dazu auf, ihre Mitarbeiter über den Jahreswechsel möglichst ins Homeoffice zu schicken.

Die Infektionszahlen in Bayern sinken trotz der aktuell geltenden Maßnahmen nicht auffallend. Am Samstag (8 Uhr) vermeldete das Landesamt für Gesundheit 3.734 Neuinfektionen seit dem Vortag. Die Sieben-Tages-Inzidenz je 100.000 Einwohner lag bayernweit bei mehr als 175. In den Kreisen Regen und Freyung-Grafenau sowie in den Städten Passau und Nürnberg lagen die Werte jeweils über der 300er-Marke - Spitzenreiter ist der Kreis Regen mit einer Inzidenz von weit mehr als 500.

Bayern ruft Katastrophenfall aus

Sonntag, 6. Dezember 17.23 Uhr: Die bayerische Staatsregierung ruft abermals wegen der Corona-Pandemie den Katastrophenfall aus. Die Lage sei ernst, sagte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Sonntag nach einer Sondersitzung des Kabinetts in München: "Es reicht einfach nicht, wir müssen mehr tun." Der "sanfte Lockdown" habe zwar eine Wirkung gezeigt, jedoch habe er nur das exponentielle Wachstum bei den Infektionszahlen gebremst: "Die Zahlen sind zu hoch, sie müssen runter", um eine mögliche Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern, erläuterte Söder.

Zugleich gab er bekannt, dass die Staatsregierung auch eine allgemeine Ausgangsbeschränkung wie in Baden-Württemberg verhängen will. Wie schon in diesem Frühjahr gelte dann, dass man die eigene Wohnung oder das eigene Haus nur aus triftigem Grund verlassen darf - zum Beispiel um zur Arbeit, in die Kita oder in die Schule zu gehen, für einen Arztbesuch oder für familiäre Angelegenheiten. Ab einer 7-Tages-Inzidenz von mehr als 200 Infektionen je 100.000 Einwohner würden zudem zwischen 21 und 5 Uhr Ausgangssperren verhängt, betonte Söder.

Der Ministerpräsident kündigte nach der zweistündigen Sitzung des Kabinetts an, dass der Landtag am kommenden Dienstag (8. Dezember) über den Zehn-Punkte-Plan der Regierung debattieren und entscheiden soll. Sollte der Landtag zustimmen, treten die verschärften Maßnahmen dann am Mittwoch (9. Dezember) in Kraft und sollen bis einschließlich 5. Januar gelten. Ausnahmen gebe es nur für Weihnachten vom 23. bis 26. Dezember. Auch an Silvester bleibe es wie bisher: Fünf Personen aus zwei Haushalten dürfen sich weiter treffen, Kinder unter 14 zählen nicht dazu.

Die Infektionszahlen in Bayern sinken trotz der aktuell geltenden Maßnahmen nicht auffallend. Am Samstag (8 Uhr) vermeldete das Landesamt für Gesundheit 3.734 Neuinfektionen seit dem Vortag. Die Sieben-Tages-Inzidenz je 100.000 Einwohner lag bayernweit bei mehr als 175. In den Kreisen Regen und Freyung-Grafenau sowie in den Städten Passau und Nürnberg lagen die Werte jeweils über der 300er-Marke - Spitzenreiter ist der Kreis Regen mit einer Inzidenz von weit mehr als 500.

Corona: Bayern plant Verschärfung der Maßnahmen

Sonntag, 6. Dezember, 10.10 Uhr: Bei einer Sondersitzung des bayerischen Kabinetts am heutigen Sonntag (6. Dezember) soll offenbar über eine Verschärfung der aktuellen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie entschieden werden. Wie die Staatskanzlei mitteilte, will sich die Regierung per Videoschalte ab 12 Uhr "im Schwerpunkt mit den Folgen der Corona-Pandemie" befassen. Um 14 Uhr wollen Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sowie Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) über die Ergebnisse der Sitzung informieren.

Verschiedene Medien berichten, dass Söder die erst vergangene Woche von den Regierungschefs der Länder und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ausgehandelten Maßnahmen im Freistaat verschärfen will. Laut "Münchner Merkur" (Samstag) seien etwa Wechselunterricht für ältere Schüler beispielsweise ab der achten Klasse, strengere Kontaktregeln an Silvester und auch mögliche Ausgangssperren wie etwa in Rheinland-Pfalz im Gespräch. Auch im Handel seien weitere Einschränkungen in der Diskussion.

Die Infektionszahlen in Bayern sinken jedenfalls trotz der aktuell geltenden Maßnahmen nicht auffallend. Diesen Samstag (8 Uhr) vermeldete das Landesamt für Gesundheit 3.734 Neuinfektionen seit dem Vortag. Die Sieben-Tages-Inzidenz je 100.000 Einwohner lag bayernweit bei mehr als 175. In den Landkreisen Regen und Freyung-Grafenau sowie in den Städten Passau und Nürnberg lagen die Werte jeweils über der 300er-Marke - Spitzenreiter ist der Kreis Regen mit einer Inzidenz von mehr als 524.

Corona-Impfzentren werden landesweit aufgebaut

Sonntag, 6. Dezember 9.18 Uhr.:Von den geplanten mindestens 96 Corona-Impfzentren in Bayern steht für 92 bereits der Standfort fest. Weitere Zentren befänden sich in Planung, sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) laut Mitteilung in München: "Es handelt sich also um einen Zwischenstand." Mit der aktuell geplanten Kapazität der 96 Impfzentren seien "täglich mehr als 30.000 Impfungen" möglich. Der Aufbau komme sehr gut voran. Bis Mitte Dezember will man einsatzbereit sein. Sobald ein Impfstoff zugelassen und verfügbar sei, werde man an "sieben Tagen die Woche" impfen.

Weil in der Anfangsphase nicht genügend Impfstoff für alle da sein werde, müsse man priorisieren, betonte Huml. Demnach sei geplant, Menschen, bei denen das Risiko eines schweren Verlaufs einer Cobid-19-Infektion hoch sei, und Menschen mit einer hohen Ansteckungsgefahr aus beruflichen Gründen zuerst zu impfen. Zu Beginn der Corona-Impfkampagne werde man den Schwerpunkt auch auf die Arbeit der mobilen Impfteams legen, die vor allem in Pflegeeinrichtungen eingesetzt würden. Auch in den Impfzentren könne anfangs nicht jeder einen Termin bekommen.

Die meisten Impfzentren wird es im Regierungsbezirk Oberbayern mit 26 Einrichtungen geben, gefolgt von Schwaben mit 17. In Niederbayern stünden bislang elf Standorte fest, in der Oberpfalz zehn, in Unter- und Mittelfranken jeweils neun sowie aktuell zehn in Oberfranken. Huml rief die Menschen weiterhin zu "Geduld und Disziplin" auf. Bis eine Immunität durch Impfungen gewährleistet sei, müsse man sich an die geltenden Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln halten.

Virologin Protzer: 2021 wieder normales Weihnachten

Samstag, 5. Dezember 2020, 12.16 Uhr. Die Münchner Virologin Ulrike Protzer hofft, dass das Weihnachten 2021 wieder ganz normal gefeiert werden kann. Im Januar und Februar 2021 käme aber erst noch mal eine schwere Zeit: "Wir müssen uns auf einen wirklich harten Winter vorbereiten", sagte die Wissenschaftlerin der TU München. Entspannung sehe sie erst im März. Da würden die Tage wieder länger, die Menschen würden wieder mehr UV-Licht abbekommen und dadurch gingen dann auch alle Atemwegsinfekte zurück. Zweifel hat sie dagegen bei der Münchner Wiesn. "Ob wir das Oktoberfest 2021 wieder ganz normal feiern können, müssen wir hingegen sehen."

Protzer mahnte zugleich, den kommenden Sommer zu nutzen, um viele Menschen gegen Corona zu impfen, "damit wir gut vorbereitet in den nächsten Herbst gehen". Dass sich manche Menschen erst einmal nicht impfen lassen wollten, sehe sie indes nicht als Problem. "Ich glaube das ist sogar gut, wenn sich nicht alle sofort impfen lassen wollen", betonte Protzer. Denn das sei gar nicht zu schaffen. Geimpft werden müssten zunächst Menschen, die im Gesundheitssektor arbeiten und die zu einer Risikogruppe gehören. "Für alle, die jetzt noch ein wenig unsicher sind, gibt es also noch genug Zeit, zu überlegen."

Dass das Coronavirus mit Hilfe vieler Impfstoffe verschwindet - diese Hoffnung hat die Virologin nicht. Es sei ganz schwierig, eine Krankheit auszurotten, die ein Reservoir im Tierreich habe und von wo aus sie jederzeit wieder zurückkommen könne. "Das ist bisher noch nie gelungen. Da sehe ich auch bei Covid-19 schwarz." Die Menschen könnten aber mit dem Coronavirus leben, allerdings im kommenden Jahr noch mit Einschränkungen. "Wir werden das Coronavirus sicher nicht komplett besiegt haben, aber es wird sich dann eher wie eine zweite Grippewelle darstellen. Es wird also immer noch ein paar Infektionen geben, das lässt sich dann deutlich besser handhaben", sagte Protzer.

Staatstheater bleiben bis 31. Januar geschlossen

Freitag, 4. Dezember, 12. 45 Uhr: Die bayerischen Staatstheater bleiben bis 31. Januar 2021 geschlossen - unabhängig von den jeweils geltenden Corona-Regelungen. Dies hat Kunstminister Bernd Sibler (CSU) gemeinsam mit den Intendanten der Staatstheater beschlossen, wie sein Ministerium am Donnerstag in München mitteilte.

Ausgesetzt bleibt der Spielbetrieb demnach in der Staatsoper, im Staatsschauspiel und im Staatstheater am Gärtnerplatz in München sowie in den Staatstheatern Nürnberg und Augsburg. Die Entscheidung sei den Intendanten und ihm nicht leichtgefallen, betonte Sibler. Ihnen sei bewusst, dass die Einstellung des Veranstaltungsbetriebs für das Publikum wie für die Mitarbeiter "schmerzlich" sei.

Er sei jedoch überzeugt, dass die Vorteile überwiegen, da die Staatstheater nun eine "deutlich bessere Planungssicherheit" hätten. Diese könnten ihren Spielbetrieb nun längerfristig planen, also über die beschränkten Geltungszeiträume der allgemeinen Infektionsschutz-Regelungen hinaus. Sibler hofft zudem, dass dadurch weitere "Energien für die Produktion von Onlineangeboten" freiwerden, um auch für das Publikum "einen spürbaren Mehrwert" zu erreichen. Onlineangebote könnten die Staatstheater selbstverständlich weiterhin präsentieren. Mitte Januar soll beraten werden, wie es ab 1. Februar weitergehen kann.

Lambrecht warnt vor ungeregelter Corona-Impfpflicht durch Hintertür

10.34 Uhr: Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) warnt vor einer ungeregelten Corona-Impfpflicht durch die Hintertür, falls Bürgerinnen und Bürgern ohne Impfschutz im gesellschaftlichen Leben Nachteile drohten. Es handele sich "nicht nur eine rechtliche, sondern vor allem auch eine ethische Frage, die wir sehr gründlich abwägen müssen", sagte sie der "Augsburger Allgemeinen" (Donnerstag). Eine breite öffentliche Diskussion über das Thema sei sehr wichtig.

Vor möglichen Folgen für nicht geimpfte Bürger bei bestimmten Aktivitäten müssen laut Lambrecht zuerst wissenschaftliche Fragen geklärt werden. Bisher gebe es nach ihrer Kenntnis "noch keine fundierten Erkenntnisse darüber, ob und in welchem Maße eine Impfung nicht nur die geimpfte Person vor einem Ausbruch der Krankheit schützt, sondern auch andere Personen vor einer Ansteckung", erklärte die Ministerin. Dies sei aber Voraussetzung für alle weiteren Überlegungen.

Lambrecht betonte, dass die Bundesregierung eine Impfpflicht weiter ablehne. Die Impfung solle auf freiwilliger Basis erfolgen. "Natürlich ist damit die Hoffnung verbunden, dass sich viele Menschen für eine Impfung entscheiden, um sich selbst und auch andere dadurch zu schützen", sagte sie. 

Heiligabend im Nürnberger Stadion ist abgesagt

Donnerstag, 3. Dezember, 08.31 Uhr: Kein Stadion-Gottesdienst am Heiligen Abend in Nürnberg: Die Kirchen in der Stadt haben die geplante Veranstaltung am Mittwoch abgesagt. Grund ist die hohe Corona-Inzidenzzahl in der Stadt Nürnberg, teilten katholische und evangelische Kirche in Nürnberg gemeinsam mit.

"Die Absage fällt uns nicht leicht", sagte Stadtdekan Jürgen Körnlein.

"Es ist viel Herzblut in die Vorbereitungen geflossen."

Trotzdem halte man es für vernünftig, den Gottesdienst bereits jetzt abzusagen. So könnten Interessierte sich noch nach alternativen kirchlichen Angeboten umschauen. Das Team der Stadion-Weihnacht arbeite derzeit an einer Alternative.

Das Max-Morlock-Stadion hätte am 24. Dezember zu einer großen Freiluftkirche für 3.000 bis 4.000 Teilnehmer werden sollen, so die Planungen. Man habe damit die Gemeinden entlasten wollen, in deren Kirchen wegen der Corona-Beschränkungen die Zahl der Plätze stark beschränkt sei, hatte der Nürnberger katholische Pfarrer Reinhold Seidl zuvor gesagt. Der Weihnachtsgottesdienst sollte "klassisch" sein, die Kirchenlieder "Stille Nacht" und "O du fröhliche" sollten gesungen werden. Geplant war auch, dass das Nürnberger Christkind das Friedenslicht aus Bethlehem in die Arena bringt.

Mittwoch, 2. Dezember, 11.33 Uhr: Die österreichische Regierung verwahrt sich gegen eine Einmischung aus Deutschland wegen einer möglichen Öffnung ihrer Skigebiete. "Wir lassen uns sicher nicht von einem anderen Land vorschreiben, wann wir was öffnen", sagte Österreichs Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) dem Radiosender Bayern2 am Dienstag. Die österreichische Regierung würde ja "auch nie den Vorschlag liefern, dass man in Deutschland beispielsweise die Schulen schließen soll oder Friseurbetriebe". Dies müsse "jedes Land für sich selbst entscheiden".

Politiker aus Deutschland und auch aus Italien hatten in den vergangenen Tagen die beiden Alpen-Staaten Österreich und Schweiz dazu aufgefordert, ihre Skigebiete wegen der Corona-Pandemie nicht zu öffnen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte vergangene Woche nach der Kabinettssitzung erklärt, dass Bayerns Bergbahnen und Skilifte wegen der hohen Infektionszahlen bis Ende 2020 geschlossen bleiben. Ausnahmen seien nur dann möglich, wenn in einer Region der Inzidenzwert dauerhaft sieben Tage unter dem Wert von 50 liege.

Die österreichische Ministerin sagte, ihr Land befinde sich gerade "in einem wirklich starken Lockdown", man plane aber das Land "behutsam Schritt für Schritt wieder hochzufahren". Dieses Jahr habe allen menschen viel abverlangt, viele wünschten sich einen Tapetenwechsel und wollten "rauskommen aus der Stadt" und in den bergen Skifahren. "Skipisten sind sicher", sagte sie. An den Ein- und Ausstiegsbereichen gebe es eine Maskenpflicht, zudem müsse Abstand gehalten werden - ähnlich wie in den öffentlichen Verkehrsmitteln, erläuterte Köstinger. 

Grüne fordern "Weihnachten in Geborgenheit" in Pflegeheimen

Mittwoch, 2. Dezember, 10.34 Uhr: Ein "Weihnachten in Sicherheit und Geborgenheit" wollen die bayerischen Landtags-Grünen den Bewohnern von Pflegeheimen und Menschen mit Behinderung ermöglichen. In einem Dringlichkeitsantrag für die Plenarsitzung am Mittwoch (2.12.) fordern sie mehr Unterstützung für stationäre Pflegeeinrichtungen. Demnach sollen verstärkt Antigen-Schnelltests eingesetzt werden, um den Besucherverkehr zu Weihnachten besser organisieren zu können, wie die Fraktion am Dienstag in München mitteilte.

Es brauche einen "aktiven Gesundheitsschutz" der Menschen in den Heimen, "damit wir auch ihnen ein möglichst selbstbestimmtes Weihnachten ermöglichen können, ohne ihre Gesundheit unnötig zu gefährden", sagte der Grünen-Abgeordnete Andreas Krahl. Zur Unterstützung der Einrichtungen fordert er mobile Testteams vor Ort, um das erhöhte Test- und Dokumentationsaufkommen am Weihnachten zu bewältigen, ohne das Pflegepersonal zusätzlich zu belasten.

Die Installation einer bayerischen staatlichen "Dialogstelle" nach dem Vorbild Nordrhein-Westfalens beantragt die Grünen-Abgeordnete Kerstin Celina. Diese Stelle solle Konflikte zwischen Bewohnern, Einrichtungen und Angehörigen aufnehmen und Lösungen finden. "Seit Monaten lässt die Staatsregierung die Betroffenen mit ihren Problemen alleine, mit Einsamkeit und Angst um die engsten Verwandten", kritisierte Celina. "Weihnachten kann mit klugen Maßnahmen in Sicherheit und Geborgenheit stattfinden."

Debatte über Corona-Gedenktag

Dienstag, 1. Dezember, 10.58 Uhr: Die Bundesregierung hat Überlegungen für ein staatliches Gedenken an die Opfer der Corona-Pandemie begrüßt. "Ich denke, das ist es wert, dass man darüber redet", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Er reagierte damit auf den Vorschlag des Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, einen Gedenktag für die Opfer einzurichten. Skepsis kam dagegen vom nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU). "Wenn der Staat gedenkt, muss er an alle Leidenden denken", sagte Laschet der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Montag).

In der Debatte um ein Erinnern an die Corona-Opfer hatte sich der Limburger Bischof Bätzing für einen nationalen Gedenktag ausgesprochen. Als möglichen Termin schlug er in den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag) den Beginn der geplanten bundesweiten Impfkampagne gegen das Coronavirus vor. "Wir brauchen einen festen bundesweiten Corona-Gedenktag", sagte Bätzing. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte bereits Anfang September eine offizielle Trauer-Veranstaltung für die Corona-Opfer in Deutschland ins Gespräch gebracht, aber eher im Rahmen einer Gedenkstunde.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Laschet sagte der "Rheinischen Post" weiter, Corona sei eine gefährliche Pandemie, die alle Menschen beschäftige und das Leben aller nachhaltig verändere. "Aber wir dürfen den Schmerz aller anderen nicht vergessen, nicht relativieren und nicht gegeneinander aufrechnen", mahnte Laschet: "Wir werden sicher nach der Pandemie geeignet an die Opfer erinnern."

Der Leiter des Sozialwissenschaftlichen Institutes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover, Georg Lämmlin, begrüßte die Vorschläge für einen Gedenktag ausschließlich für Corona-Opfer grundsätzlich. Die Planung eines Trauergedenkens für die Corona-Toten "halte ich für eine passende und sinnvolle Kommunikationsform, um die Trauer und den Schmerz von Angehörigen und die gesellschaftliche Betroffenheit anzusprechen", sagte er am Montag in Hannover dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Kirchen sollten zudem einen zentralen Beitrag zum "Thema Achtsamkeit, Solidarität, Fürsorge und Verzicht zugunsten der gefährdeten Menschen leisten".

Mehr Firmen schicken Beschäftigte in Kurzarbeit

Montag, 30. November, 14.47 Uhr: Mit der Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen zu Monatsbeginn hat sich auch der Anteil der Firmen mit Kurzarbeit erhöht. Er stieg auf 28 Prozent, nach 24,8 Prozent im Oktober, wie Umfragen des Münchner ifo Instituts ergaben. Wie die Wirtschaftsforscher am Montag mitteilten, stieg die Quote besonders stark bei Hotels von 62,9 auf 91 Prozent der Unternehmen. In der Gastronomie erhöhte sich der Anteil von 53,4 auf 71,7 Prozent, bei Reisebüros und Reiseveranstaltern von 88 auf 91,1 Prozent.

Der Anstieg betrifft nach Angaben des ifo Instituts fast alle großen Wirtschaftszweige. Bei den Dienstleistern stieg die Kurzarbeit von 24 auf 30,6 Prozent der Unternehmen, im Handel von 18,8 auf 20,7 Prozent und auf dem Bau von 7,4 auf 9 Prozent. Nur in der Industrie sei ein leichter Rückgang zu verzeichnen gewesen, von 31,9 auf 30,5 Prozent.

Einzelne Branchen meldeten in den Umfragen auch kräftige Rückgänge gegen den Trend, so die Autobranche von 50 auf 36,7 Prozent, das Verlagswesen von 42 auf 34,7 Prozent sowie die Firmen zur Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften von 64,2 auf 52,5 Prozent.

Die Ergebnisse beruhen auf einer Zusatzfrage nach der aktuellen Kurzarbeit in der monatlichen Konjunkturumfrage des ifo Instituts. Hierzu gingen Meldungen von rund 7.000 Unternehmen ein. Der Gesetzgeber hat infolge der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie die Hürden für Kurzarbeit gesenkt und das Kurzarbeitergeld aufgestockt.

Hohes Infektionsrisiko in Deutschland zu Weihnachten

Sonntag, 29. November, 18,53 Uhr. Der Virologe Alexander Kekulé hat das Infektionsrisiko zu Weihnachten in Deutschland mit jenem in Norditalien im Frühjahr verglichen. "Wir Deutschen haben an Weihnachten die Tradition, über Generationen hinweg mit der Familie zu feiern", sagte der Mediziner aus Halle den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Und deshalb sind wir jetzt in einem ähnlichen Risiko, das die Menschen in Norditalien im Frühjahr hatten." Dort hatte die Corona-Pandemie besonders stark gewütet.

Die Norditaliener lebten das ganze Jahr über ein Multigenerationen-Leben, sagte Kekulé. "Bei uns dagegen gibt es speziell an Weihnachten die ernstzunehmende besondere Gefahr, dass sich viele Menschen infizieren, die über 70 Jahre alt sind." Und diese hätten, wenn sie sich infizierten, ein Sterberisiko von fast zehn Prozent.

Dennoch zeigte sich der Virologe angesichts der beschlossenen Kontaktbeschränkungen optimistisch: "Ich denke, dass wir dieses Risiko steuern können." Die Maßnahmen beinhalteten die Möglichkeit, dass bis Weihnachten die Infektionszahlen deutlich weiter unten seien, wenn ein Großteil der Bevölkerung sich daran halte, erklärte Kekulé: "Und da kommt es tatsächlich auf jeden einzelnen an."

Corona: Skiwanderer sollen Rücksicht nehmen auf Wildtiere

Sonntag, 29. November, 07.01 Uhr. Der Bayerische Jagdverband (BJV) fordert von Skiwanderern und Skilangläufern Rücksicht gegenüber den Wildtieren. Bei allem Verständnis für die Anliegen der Erholungssuchenden bitte man diese, "sich nicht abseits der bekannten Pisten und Routen zu bewegen", teilte der BJV mit. Ein Schneeschuhwanderer oder Tourengeher könne fernab der ausgewiesenen Routen und Pisten ohne es zu bemerken das Wild aufschrecken. Dies führe zu panikartigen Fluchtreaktionen.

Weil viele Tiere im Winter ihren Stoffwechsel auf die "Notzeit Winter" umgestellt haben, bräuchten sie Ruhe, um unbeschadet durch die kalte Jahreszeit zu kommen. Würden sie aufgeschreckt, könne dies im schlimmsten Fall dazu führen, dass die Wildtiere den Winter nicht überleben. Der BJV befürchtet, dass es Bayerns Wintersportler wegen der coronabedingten Sperrung von Skiliften und Bergbahnen trotzdem in die winterliche Natur zieht - und dann eben abseits der ausgewiesenen Routen und Pisten.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte erklärt, dass Bayerns Bergbahnen und Skilifte wegen der hohen Corona-Infektionszahlen bis Ende Dezember geschlossen bleiben. Ausnahmen seien nur dann möglich, wenn in einer Region der Inzidenzwert dauerhaft sieben Tage unter dem Wert von 50 liege. Nur in diesem Bereich seien Lockerungen denkbar. Laut Medienberichten wollen Österreich und die Schweiz ihre Skigebiete allerdings nicht schließen.

Länderweit werden Impfzentren aufgebaut

Samstag, 28. November 2020, 7.30 Uhr. Die Bundesländer haben damit begonnen, Zentren für bevorstehende Massen-Impfungen mit einem Corona-Impfstoff aufzubauen. In den meisten Ländern sollen nach einer bundesweiten Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) die Impfzentren ab Mitte Dezember einsatzbereit sein. Offen ist allerdings, ob das Serum, mit dem die Pandemie bekämpft werden soll, bis dahin bereits zugelassen und verfügbar ist. Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sagte, der tatsächliche Impfbeginn hänge von vielen Faktoren ab. Es gebe zwar vielversprechende Präparate, dies lasse hoffen, "aber auf den genauen Zeitpunkt haben wir keinen Einfluss".

Vereinbart ist, dass der Bund den Impfstoff beschafft. Nach Umfragen sind etwa 70 Prozent der Bevölkerung bereit, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Klar ist, dass die Mengen an Impfstoff zunächst bei weitem nicht ausreichen werden, um in wenigen Wochen knapp 60 Millionen Menschen zu impfen. Deshalb sollen die in den Zentren tätigen Ärzte zunächst mit dem Impfen von Risikogruppen beginnen. Das sind vor allem ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen. An zweiter Stelle steht das Personal von Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern und Pflegeheimen.

Die bundesweit flächendeckend einzurichtenden Zentren haben eine Brückenfunktion. Sie sollen so lange die Massenimpfung übernehmen, bis die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland diese Aufgabe weiterführen können. Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) nannte die geplante Durchimpfung "eine gemeinsame Kraftanstrengung".

Der epd-Umfrage zufolge wird in der Regel pro Landkreis beziehungsweise kreisfreier Stadt ein Impfzentrum errichtet. Ausnahmen sind Großstädte: Dort wird es mehr als ein Zentrum geben, der Berliner Senat etwa plant in der Millionenstadt sechs solcher Einrichtungen. Zusätzlich zu den stationären Zentren würden mobile Teams bewegungseingeschränkte Menschen in Betreuungseinrichtungen oder auch zu Hause aufsuchen, um sie zu impfen, hieß es.

In Bayern sollen bis Mitte Dezember mindestens 96 Corona-Impfzentren in allen Landkreisen und kreisfreien Städten einsatzbereit sein. Im Freistaat werden die Landkreise und kreisfreien Städte die Impfzentren in Eigenregie betreiben und sich auch um Personal kümmern. Der Betrieb oder einzelne Leistungen könnten aber auch an externe Dienstleister vergeben werden, erläuterte Ministerin Huml.

In Nordrhein-Westfalen soll es mindestens 53 Impfzentren geben - pro Kreis oder kreisfreier Stadt mindestens eins. Die Städte und Kreise müssen geeignete Räume zur Verfügung stellen und ausstatten, außerdem stellen sie nichtmedizinisches Personal wie Wachleute und Personal für die Anmeldungen. In Niedersachsen sollen nach den Plänen des Gesundheitsministeriums bis zum 15. Dezember 60 Impfzentren einsatzbereit sein. Im Schnitt steht damit ein Impfzentrum für 150.000 Einwohner zur Verfügung.

In Hessen sollen die Impfzentren an sieben Tagen der Woche täglich rund 1.000 Impfungen vornehmen. Laut Umfragen sind in Hessen etwa zwei Drittel der Bevölkerung impfwillig. Ziel der baden-württembergischen Landesregierung ist es, dass pro Regierungsbezirk zwei bis drei sogenannte "Zentrale Impfzentren" ab 15. Dezember so weit aufgebaut sind, dass Impfungen stattfinden könnten. Für sie ist eine Betriebsbereitschaft ab dem 15. Januar geplant.

In Thüringen sollen die Impfzentren bis Mitte Dezember einsatzbereit sein. Nach Anlieferung des Impfstoffs wird es nach Einschätzung des Sozialministeriums noch zwei Wochen dauern, bis mit den Impfungen auch tatsächlich begonnen werden kann. "Wir werden bereit sein, sobald ein Covid-19-Impfstoff verfügbar ist", sagte Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP). Als Orientierungswert gilt, dass ein Impfzentrum pro rund 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern entstehen soll.

Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsminister Glawe strebt mindestens 5.000 Impfungen pro Impftag an. Glawe sagte: "Wir brauchen eine gemeinsame Kraftanstrengung. In Berlin werden nach Angaben des Senats sechs Impfzentren in verschiedenen Bezirken eingerichtet. Der Senat geht von 450.000 Impflingen aus, die zwei Mal erscheinen müssen. Für Hamburg wird nur ein zentrales Impfzentrum errichtet, das in der Spitze eine Kapazität von über 7.000 Impfungen pro Tag vorhalten wird.

Internationale Coronahilfe soll ausgebaut werden

Freitag, 27. November, 06.12 Uhr. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) will mit seinem neuen Etat die internationalen Coronahilfen ausbauen. Die Pandemie habe "längst zu einer Hunger- und Armutspandemie geführt" und treffe die ärmsten menschen in der Welt am härtesten, sagte Müller der "Augsburger Allgemeinen" (Samstag). Mit dem vom Haushaltsausschuss des Bundestags abgesegneten Entwicklungsetat von 12,4 Milliarden Euro soll das weltweite Corona-Sofortprogramm weiter vorangetrieben werden: "Wir können damit eine globale Impfkampagne vorbereiten."

Mit Geld aus dem Etat würden zudem Flucht- und Krisenregionen unterstützt, sagte Müller. Zudem werde die Notversorgung über das Welternährungsprogramm ausgebaut. Der Minister kritisierte in diesem Zusammenhang Großbritannien, das "mitten in der Krise" seine Entwicklungsausgaben um fast sechs Milliarden Euro kürzen will. Dies sei "das falsche Signal", sagte der bayerische Politiker weiter: "Diese Länder brauchen mehr Unterstützung, nicht weniger." Die Corona-Pandemie besiege man nämlich "nur weltweit oder gar nicht".

Corona-Beschlüsse der Politik stoßen bei Kirchen auf geteiltes Echo

Donnerstag, 26. November, 08.28 Uhr: Die von Bund und Ländern beschlossenen Kontaktbeschränkungen auch über Weihnachten stoßen bei den großen Kirchen auf ein geteiltes Echo. Evangelische und katholische Kirche begrüßten zwar die Beschlüsse im Grundsatz. Die Bedeutung des Weihnachtsfests werde gewürdigt, erklärte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm nach den Beschlüssen am späten Mittwochabend. Gleichzeitig betonte er, man wolle Weihnachten feiern "in unseren Gotteshäusern ebenso wie an allen anderen Orten". Die katholische Kirche dringt auf ein Mindestmaß an Kontaktmöglichkeiten für Alte und Schwache.

Man hoffe "in diese Zeit eine Botschaft des Lichts, der Zuversicht und Hoffnung zu senden", sagte der Sprecher der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp. Das gelte besonders für ein Mindestmaß an sozialen Kontakten und Seelsorge bei Menschen in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, Hospizen und Behinderteneinrichtungen, ergänzte Kopp. "Das Coronavirus darf Einsamkeit nicht befördern", betonte er.

Die christliche Weihnachtsbotschaft sende gerade jetzt ein Hoffnungslicht in eine verunsicherte Welt und gebe Halt, erklärte Bedford-Strohm. "Die Erfahrungen aus den vergangenen Monaten machen mich zuversichtlich, dass wir an Weihnachten kraftvolle Gottesdienste feiern werden", sagte der bayerische Landesbischof.

Die frohe Botschaft von Jesu Geburt "lässt sich auch in diesem Jahr nicht aufhalten".

Die Regierungschefs von Bund und Ländern hatten am Mittwoch eine Verlängerung und Verschärfung der Kontaktbeschränkungen bis mindestens 20. Dezember beschlossen. Bis dahin sollen sich privat nur fünf Menschen treffen dürfen. Über Weihnachten soll es aber Lockerungen geben, um Treffen im Kreis von Familie und Freunden möglich zu machen. Dann soll die bisherige Obergrenze von zehn Personen gelten.

Zudem wollen Bund und Länder mit den Kirchen über Veranstaltungen zu Weihnachten sprechen. "Religiöse Zusammenkünfte mit Großveranstaltungscharakter müssen vermieden werden", heißt es im Beschluss.

Beide Kirchen signalisierten Gesprächsbereitschaft, verwiesen aber auch auf ihre bestehenden Konzepte. "Bereits seit Monaten gibt es in den Bistümern und den Pfarrgemeinden umfangreiche und genau beachtete Hygienekonzepte für Gottesdienste, zu denen Abstandsregelungen ebenso zählen wie die Beschränkung von Personenzahlen in Kirchengebäuden", sagte Kopp. Bedford-Strohm sagte, man werde alles tun, um Gefährdungen der Gesundheit auszuschließen. Das sei "eine klare Konsequenz des christlichen Nächstenliebegebots". 

Erste Kliniken in Bayern geraten wegen Corona an ihre Grenzen

Mittwoch, 25. November, 12.52 Uhr: Immer mehr Kliniken in Bayern geraten laut Bayerischer Krankenhausgesellschaft wegen der Corona-Pandemie an ihre Belastungsgrenzen und sind auf die Zusammenarbeit mit anderen Häusern angewiesen. "Einige Kliniken sind bereits an ihren Grenzen", sagte Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft, der "Augsburger Allgemeinen" (Mittwoch). Doch er sei zuversichtlich und gehe davon aus, dass die bayerischen Krankenhäuser auch diese zweite Welle bewältigen werden. Wie im Frühjahr arbeiteten die Kliniken wieder untereinander zusammen. Dies sei nötig und werde auch in den kommenden Wochen so bleiben.

"Wenn man über ganz Bayern blickt, haben die Krankenhäuser ihre Grenzen noch nicht erreicht", sagte der Klinikvertreter. Sie unterstützten sich gegenseitig, indem sie sich etwa mit Personal aushülfen und Patienten verlegten. Die entscheidende Maßnahme in den kommenden Wochen werde sein, nicht notwendige Operationen zu verschieben: Gemäß der aktuellen Allgemeinverfügung solle über diese Eingriffe regional entschieden werden, so Hasenbein. Dabei dürfe nicht vergessen werden, dass den Krankenhäusern mit dem Wegfall verschiebbarer Operationen auch viel Geld verloren gehe. Die beschlossenen Ausgleichszahlungen für Krankenhäuser kritisierte er als "extrem bürokratisch".

Weihnachtsferien in Bayern beginnen früher als geplant

Dienstag, 24. November, 08.23 Uhr: In Bayern beginnen die Weihnachtsferien in diesem Jahr früher als geplant. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte dem Bayerischen Rundfunk (BR) am Dienstag, der Ferienbeginn werde vom 23. auf den 21. Dezember vorgezogen, der letzte Schultag sei damit der 18. Dezember. Grund hierfür sei, dass sich durch den früheren Ferienbeginn der Abstand zwischen Unterricht und Weihnachten vergrößere, sagte Söder: Das Infektionsrisiko werde durch diese fast eine Woche zwischen Schule und Weihnachten "erheblich gesenkt". Familien könnten so unbeschwerter feiern.

Söder hat mit seinem Vorstoß seinem Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) öffentlich widersprochen. Piazolo hatte sich noch vor kurzem dagegen ausgesprochen, die Weihnachtsferien vorzuziehen. Diskussionen um Verlängerungen oder Verkürzungen der Ferien würden nur Unruhe verursachen. Vor einigen Tagen hatte bereits Nordrhein-Westfalen erklärt, die Weihnachtsferien früher beginnen zu lassen. In vielen anderen Bundesländern beginnen sie ohnehin schon am 21. Dezember.

Mediziner: Lage auf Intensivstationen spitzt sich zu

15.02 Uhr: Intensivmediziner warnen vor einer Überlastung der Krankenhäuser in der Corona-Pandemie. "Die Lage auf den Intensivstationen spitzt sich zu", sagte Uwe Janssens, Präsident der Deutschen interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Montag). Der Verband hat seinen Sitz in München.

Die Politik habe seit September zu viel Zeit verschenkt. "Noch immer gibt es keine klaren Anweisungen an die Krankenhäuser, dass sie planbare Eingriffe und medizinisch unkritische Operationen verschieben sollen", kritisierte Janssens. Diese Anweisung sei jetzt zwingend notwendig, damit die Krankenhäuser handlungsfähig bleiben und gleichzeitig unbürokratisch und schnellstmöglich finanzielle Kompensationen für Einnahmeverluste bereitgestellt werden. "Es darf nicht dazu kommen, dass wir Notfälle wegen überlasteter Corona-Stationen abweisen müssen", warnte Janssens.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) indes sagte dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (Montag): "Das Gesundheitswesen hat ausreichend Kapazitäten, um unter Anstrengungen mit den aktuellen Infektionszahlen klarzukommen." Es dürften nur nicht viel mehr Fälle werden, fügte er hinzu.

Beckstein: Kompletter Verzicht an Weihnachten ist "keine Option"

Montag, 23. November, 08.55 Uhr: Der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) hat die Politik dazu aufgefordert, Pläne für Weihnachten in der Corona-Pandemie zu entwickeln. Es gehe um Kompromisse zwischen Hygienevorschriften und erwünschter Nähe, sagte Beckstein, der viele Jahre Mitglied der bayerischen und der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) war, dem "Spiegel". "Ein kompletter Verzicht ist keine Option", sagte er.

An "sehr harte Vorgaben" würden sich die Menschen nicht halten. Die Politik müsse Güter abwägen. "Das Infektionsschutzgesetz stellt den Schutz des Lebens an die allerhöchste Stelle und ordnet alles andere unter", sagte er. Dafür gebe es in einem vernunftorientierten, aufgeklärten Glauben gute Gründe. Aber auch der Schutz der Familie und die menschliche Nähe insgesamt seien überragend wichtig, sagte Beckstein. Zudem sei ihm wichtig, dass möglichst viele Menschen einen Gottesdienst besuchen können.

Insbesondere an Heiligabend sind die Kirchen in Deutschland viel voller als sonst. Wegen der Corona-Pandemie haben sich Kirchen vielerorts andere Ideen überlegt. Viele wollen Gottesdienste oder Andachten im Freien anbieten oder planen insgesamt mehr Feiern, um die Besucherzahl begrenzen zu können.

Am Mittwoch berät Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erneut mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Bundesländer über das weitere Vorgehen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. In der vergangenen Woche hatten sie dabei eine Strategie für den gesamten Winter, also auch über Weihnachten, in Aussicht gestellt.

Evangelische Kirche will Opfer der Corona-Pandemie gedenken

Freitag, 20. November, 15.19 Uhr: Die evangelische Kirche will am bevorstehenden Totensonntag die Opfer der Corona-Pandemie mit ins Zentrum des Gedenkens stellen. Die Angehörigen "vermissen die Lieben, deren irdisches Leben zu Ende gegangen ist und die einfach überall fehlen", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, am Freitag in Hannover. Sie sehnten sich danach, "dass sie getröstet werden, dass die Wunden heilen, dass sich Neues öffnet".

Am Ewigkeits- oder Totensonntag gedenken evangelische Christen der Verstorbenen. Mit dem letzten Sonntag vor dem ersten Advent endet das Kirchenjahr. Am Totensonntag sollen Angehörige getröstet und zu einem bewussteren Umgang mit der Lebenszeit ermuntert werden. Im Zentrum steht dabei auch der christliche Glaube an das ewige Leben über den irdischen Tod hinaus.

Bedford-Strohm zitierte aus der Offenbarungsgeschichte der Bibel, in der es unter anderem heißt: "Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen." Diese Zusage sei "so etwas wie ein Schaufenster in die Ewigkeit", sagte der bayerische Landesbischof.

Das Gedenken an die Verstorbenen während der Corona-Pandemie steht auch im Zentrum einer ökumenischen Aktion in Hildesheim. Der evangelische Bischof Ralf Meister und der katholische Bischof Heiner Wilmer wollen am Sonntag gemeinsam Kerzen im Hildesheimer Dom entzünden und rufen Menschen dazu auf, es ihnen gleichzutun und Fotos unter dem Hashtag #NiemandBleibtAllein in sozialen Netzwerken zu teilen.

Söder: Gefahr durch "Querdenker" nicht unterschätzen

Donnerstag, 19. November, 16.53 Uhr: Die "Querdenker"-Bewegung entwickelt sich nach Einschätzung des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) "zunehmend sektenartig". Die Bewegung schotte sich von Argumenten ab und radikalisiere sich in ihrer Filterblase, sagte Söder dem "Münchner Merkur":

"Es entwickelt sich ein wachsendes Konglomerat von Rechtsextremen, Reichsbürgern, Antisemiten und absurden Verschwörungstheoretikern, die der Politik sogar Satanismus vorwerfen."

Jeder müsse genau hinsehen, mit wem er demonstriere. Söder sagte, auch der Verfassungsschutz müsse genau hinschauen, was sich da entwickelt: "Denn viele dieser Gruppen wollen einen anderen Staat." Der CSU-Chef stellte aber auch klar, dass das Landesamt für Verfassungsschutz "selbstständig und ohne Auftrag" handle.

"Wir haben in Deutschland anfangs die Reichsbürger unterschätzt", sagte Söder. Dies sollte nicht noch mal passieren, diese hätten sich zur ernsthaften Gefahr entwickelt: "Ich habe ein ungutes Gefühl, dass sich bei einem Teil der 'Querdenker' Ähnliches anbahnt."

Münchner Virologin Ulrike Protzer hält Aufschub schärferer Corona-Regeln für vertretbar

Mittwoch, 18. November, 12.20 Uhr: Die Münchner Virologin Ulrike Protzer hält den Aufschub schärferer Corona-Regeln aktuell für vertretbar. Man könne noch ein paar Tage abwarten, ehe man über mögliche weitere Einschränkungen für das öffentliche Leben entscheide, sagte die Professorin der Technischen Universität München und Direktorin des dortigen Instituts für Virologie dem Radiosender B5 aktuell am Dienstag.

Wenn sich jetzt alle an die geltenden Einschränkungen hielten, gebe es eine "gute Chance", dass die Zahl der Neuinfektionen sinke. Auch ein Weihnachtsfest mit Familie und Freunden hält sie grundsätzlich für möglich - auch wenn es für die Teilnehmer durchaus mit einem Risiko verbunden sein wird.

Die Regierungschefs der Länder hatten am Montag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stundenlang über weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens wegen der Corona-Pandemie beraten und sich ohne konkrete Ergebnisse vertagt. Am kommenden Mittwoch (25. November) wollen sich die Regierungschef dann zu einer weiteren Videokonferenz zusammenschalten und Entscheidungen treffen.

Folge der Corona-Pandemie: Aktion gegen Verschwörungsmythen startet

Dienstag, 17. November, 12.11 Uhr: Das bayerische Sozialministerium startet als Reaktion auf die steigende Zahl von Falschmeldungen und Verschwörungstheorien im Zuge der Corona-Pandemie eine Aufklärungskampagne im Netz. Extremisten aller Couleur versuchten bei etlichen Menschen, durch Covid-19 ausgelösten Ängste und Unsicherheiten für ihre Ziele zu missbrauchen, heißt es in einer Mitteilung vom Montag. In den nächsten Wochen und Monaten werde man deshalb viele Initiativen und Maßnahmen von Präventions-Projekten verschiedener Träger aus ganz Bayern vorgestellt.

Ministerin Carolina Trautner (CSU) sagte laut Mitteilung, die "Grundpfeiler unserer demokratischen, freiheitlichen Gesellschaft dürfen nicht ins Wanken" geraten. Die Corona-Krise und ihre Folgen zeigten, dass es noch viel zu tun gebe, um Falschinformationen und Verschwörungsmythen aus der Gesellschaft zu verbannen. 

Söder gegen Lockerungen: "Bin für härteren Corona-Kurs"

Montag, 16. November, 09.30 Uhr: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder ist gegen eine Lockerung der aktuellen Corona-Maßnahmen. Vor der Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Regierungschefs der Länder am Montagnachmittag sagte Söder dem Bayerischen Rundfunk (BR): "Ich bin ja ohnehin für einen klareren und härteren Kurs." Die entscheidende Frage ist laut CSU-Chef nicht, ob die Gegenmaßnahmen wirkten, "sondern wie nachhaltig". Man müsse "auf die berühmte Zahl 50 der Inzidenzwerte" hinkommen, nur so lasse sich Corona auf Dauer eindämmen und durch die Gesundheitsbehörden nachverfolgen.

Der Ministerpräsident sprach sich mit Blick auf die Schulen für "alternative Unterrichtsformen" aus, um die Infektionen auch an den Schulen einzudämmen. Bund und Länder müssten sich diese Woche darauf einigen neben reinen Präsenz- auch möglicherweise mehr Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht für ältere Schülerinnen und Schüler umzusetzen. Zugleich lobte Söder die Disziplin der Schüler. Diese machten ihre Sache "wirklich gut", nun müsse die Politik helfen und ihnen "den Leistungsdruck nehmen". Konkret forderte Söder, Lehrpläne und Prüfungen an die Pandemie-Lage anzupassen.

Bereits am Sonntag hatte Söder in der Talkshow "Die richtigen Fragen" bei "Bild live" gesagt, beim Thema Schulen müsse "noch mal intensiv" nachgearbeitet werden: "Wenn es denn zu Wechselunterricht käme, vor allem für ältere Schüler, dann geht es um die Frage: Wie können wir dann das Digitalformat weiter gestalten?", fügte Söder hinzu.

Theologin Breit-Keßler: Covid-Maßnahmen sind angemessen

Sonntag, 15. November, 9.29 Uhr: Die frühere Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler hält die bislang ergriffenen Corona-Maßnahmen für angemessen. Insgesamt leiste jeder, der sich an die Beschränkungen halte, einen Dienst an der Allgemeinheit und der Gesundheit der Menschen, sagte die Vorsitzende des Dreierrates Grundrechtsschutz im Interview der Woche auf B5 aktuell. Die Diskussion über die Corona-Maßnahmen sei aber unabdingbar. Zugleich zeigte sie sich skeptisch, dass der sogenannte Teil-Lockdown, der den ganzen November über gilt, am 1. Dezember wieder vollständig zurückgenommen werde.  Den gesellschaftlichen Zusammenhalt sieht Breit-Keßler durch die Corona-Maßnahmen zwar nicht gefährdet. Die evangelische Theologin wies aber darauf hin, dass einzelne Gruppen durch die Corona-Krise stark belastet würden. Mit Blick auf die schwierige Situation in der Kulturbranche sagte sie, dass Kulturschaffende in Gottesdienste eingebunden werden könnten. Zum Beispiel könnten Schauspieler im Rahmen von Gottesdiensten Texte vorlesen. Der "Dreierrat Grundrechtsschutz" ist ein beratendes Gremium, das die Maßnahmen der Staatsregierung in der Corona-Krise überprüft und sowohl juristisch als auch ethisch bewertet.

27 Teilnehmer von kirchlicher Reisegruppe mit Coronavirus infiziert

Samstag, 14. November, 11.18 Uhr: Eine kirchliche Reisegruppe aus dem katholischen Bistum Mainz, die noch im Oktober trotz Corona-Pandemie nach Italien gefahren war, hat sich nahezu komplett mit dem Virus infiziert. Das Bistum bestätigte am Freitag, dass 27 der 28 Teilnehmer nach der Rückkehr aus der Toskana positiv getestet worden seien. Eine Frau sei schwer erkrankt und befinde sich aktuell im Krankenhaus. Zwei weitere Teilnehmer der Fahrt seien ebenfalls in eine Klinik eingewiesen worden, hätten diese aber mittlerweile wieder verlassen können. Bei der folgenschweren zweiwöchigen Reise, über die zuerst die Mainzer "Allgemeine Zeitung" berichtet hatte, handelte es sich um ein Angebot der Behindertenseelsorge.

Die Fahrt für Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen sei vom zuständigen Seelsorgeamt "nach sorgfältiger Abwägung der Risiken und Prüfung des Hygienekonzeptes genehmigt worden", teilte Bistumssprecher Tobias Blum mit. "Tragischerweise wurde deutlich, dass sich selbst nach bester Abwägung aller Risiken eine hundertprozentige Sicherheit nicht erreichen lässt. Dies bedauern wir zutiefst." Die Reisegruppe sei am 18. Oktober mit einem Bus nach Italien gefahren, dort in einem "abgelegenen Hotel" untergekommen, von wo aus sie Tagesausflüge unternommen habe.

Bereits Mitte Oktober wiesen viele italienische Regionen, darunter auch die Toskana, deutlich erhöhte Fallzahlen bei den Corona-Neuinfektionen auf, die vielfach weit über denen in Deutschland lagen. Zum Zeitpunkt der Fahrt hatten die italienischen Behörden eine Maskenpflicht für alle Aufenthalte im Freien angeordnet, es bestand aber noch keine landesweite Reisewarnung. Das Robert-Koch-Institut stuft ganz Italien seit dem 8. November als Risikogebiet ein.

Sternekoch-Azubis kochen im Corona-Lockdown in Schulmensa

13.32 Uhr: Ungewöhnliche Liaison am Matthias-Grünewald-Gymnasium in Würzburg: Weil auch Sternekoch Bernhard Reiser während der aktuellen Corona-Einschränkungen sein Restaurant "Reisers am Stein" zusperren muss, kochen zwei seiner Auszubildenden den November über in der Schulmensa des musischen und sprachlichen Gymnasiums, wie Schulleiter Martin Sachse-Weinert mitteilte. Die beiden Nachwuchs-Gastronomen erhielten so die Chance, auch während der Gastronomie-Schließung ihre Ausbildung sinnvoll fortzusetzen. Auch der Sternekoch selbst will Ende des Monats in der Schule mitkochen.

Schulleiter Sachse-Weinert sagte, die beiden Auszubildenden würden "die üblichen Arbeiten in der Küche unterstützen", selbst kreative Ideen mit einbringen und neue Rezepte für die Schülerinnen und Schüler im Gepäck haben. Sternekoch Reiser habe zugesagt, nötiges Equipment, das in Schulkantinen für den normalen Mensabetrieb nicht benötigt wird, auszuleihen - etwa, um Kartoffel-Muffins, hausgemachte Spätzle oder selbst gemachtes Eis herzustellen. "Ich bin wirklich gespannt, wie das klappt, wenn in unserer Mensa ein Stern aufgeht", erläuterte der Schulleiter.

Evangelischer Kita-Verband kritisiert neue Corona-Vorgaben

Freitag, 13. November, 11.22 Uhr: Der evangelische Kita-Verband Bayern kritisiert die neuen Vorgaben des bayerischen Sozialministeriums für Kindertagesstätten in der Corona-Pandemie als realitätsfremd. Grundsätzlich begrüße man zwar den Willen der Politik, die Kitas so lange wie möglich offen zuhalten, sagte Verbandsvorständin Christiane Münderlein am Donnerstag in Nürnberg. Doch der plötzliche Wechsel der Vorgaben von einem auf den anderen Tag sei für die Träger und Einrichtungsleitungen völlig überraschend gekommen. In einem Newsletter an die Kitas hatte das Ministerium am Mittwoch neue Vorgaben für den Kita-Betrieb im Freistaat gemacht.

Demnach ist der sogenannte Drei-Stufen-Plan nach dem bekannten Corona-Ampel-System bis mindestens zum 30. November außer Kraft gesetzt - also so lange, wie der "Lockdown light" dauern soll. Dies habe das Ministerium angeordnet, damit die Kitas trotz der Infektionslage weiter grundsätzlich geöffnet bleiben können. Nach dieser Vorgabe müssten nun feste Gruppen gebildet werden - auch, wenn Personal wegen einer Erkrankung oder einem Corona-Verdachtsfall ausfällt. Dennoch sollen die Kitas die vereinbarten Betreuungszeiten unbedingt einhalten. Dies sei schlichtweg nicht zu leisten, beklagte Münderlein.

Wenn man den Kita-Betrieb so lange wie möglich aufrecht erhalten will, brauche man den Rückhalt der Politik. Notfalls müsse der Umfang der angebotenen Betreuungszeiten bei Personalknappheit eingeschränkt werden dürfen - ohne, dass die jeweilige Einrichtung um die staatliche Förderung bangen muss. Zudem fordert der evangelische Kita-Verband eine bessere finanzielle Ausstattung, mehr Personal und Unterstützung von Politik und Behörden. Münderlein zeigte sich außerdem über den Kommunikationsstil empört, der die "Lage vor Ort" völlig ignoriere.

Bericht: Mehr als 250 Schulen in Bayern nicht mehr im Regelbetrieb

Donnerstag, 12. November, 10.35 Uhr: Wegen steigender Infektionszahlen bei Schülern und Lehrern wird einem Bericht zufolge an mindestens 3.240 Schulen in Deutschland nicht mehr im Regelbetrieb unterrichtet. Das gehe aus Zahlen aus 14 Bundesländern hervor, berichteten die Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag). Allein in Nordrhein-Westfalen befänden sich Schülerinnen und Schüler an 552 Schulen auf Anordnung der Gesundheitsbehörden in Quarantäne und würden digital unterrichtet, hieß es unter Berufung auf das Kultusministerium in Düsseldorf. Inn Bayern finde der Präsenzunterricht an 255 und in Baden-Württemberg an 273 Schulen nicht mehr regulär statt.

In Niedersachsen wurden laut dem Bericht an 347 Schulen einzelne Klassen oder Jahrgänge vorübergehend aus dem Präsenzunterricht genommen und ins Homeschooling geschickt. 221 Schulen in dem Bundesland unterrichteten im sogenannten Wechselmodell mit geteilten Klassen, bei dem ein Teil zum Unterricht in die Schule kommt und ein Teil zu Hause lernt. In Hamburg seien 213 Schulen nicht mehr im vollständigen Regelbetrieb.

Nach Angaben aus den jeweiligen Landesregierungen sind in Thüringen derzeit 109 Schulen von Quarantäne-Maßnahmen betroffen, in Rheinland-Pfalz 216, in Brandenburg 170 und in Sachsen-Anhalt 120, wie es weiter hieß. In Mecklenburg-Vorpommern finde an 30 Einrichtungen der Schulbetrieb nur noch eingeschränkt in Präsenz statt, in Schleswig-Holstein seien 71, im Saarland 128 und in Sachsen 170 Schulen betroffen. In Berlin seien 365 Lerngruppen geschlossen worden. Hessen und Bremen hätten keine Angaben gemacht, wie viele Schulen teilweise oder vollständig per Distanzunterricht lehren.

Anders als im Frühjahr sind die Schulen vom Teil-Shutdown im November ausgenommen und sollen den Regelbetrieb mit Präsenzunterricht aufrechterhalten.

Studierendenvertreter fordern Nachbesserung bei Corona-Hilfen

Mittwoch, 11. November, 08.30 Uhr: Die Studierendenvertretungen aus Bayern, Sachsen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg fordern von der Politik wegen der Corona-Einschränkungen Hilfen für Studierende. Mit dem "Lockdown light" seit Anfang November kehrten für die Studierenden viele Probleme des Sommers wieder, teilten die Studierendenvertreter am Dienstag gemeinsam mit.

Man benötige finanzielle Unterstützung, die den jungen Menschen wirklich helfe - anders als die "Überbrückungshilfe" des Bundesforschungsministeriums. Die maximale Zuschusshöhe von 500 Euro, die je nach Kontostand in der Praxis noch niedriger ausfalle, sei "weit entfernt von der Lebensrealität der Studierenden".

Die durchschnittlichen monatlichen Ausgaben von Studierenden lägen bei etwa 819 Euro. Außerdem würden die Hilfen auch nicht pauschal ausgezahlt, sondern direkt mit der Höhe des Kontostands verrechnet. Studierende mit mehr als 500 Euro würden zudem als nicht bedürftig angesehen.

Ein "überbürokratisierter Antragsprozess" und mangelnde technische Umsetzung der Online-Antragsstellung sorgten dafür, "dass fast 40 Prozent der Anträge nicht genehmigt wurden", beklagen die Studierendenvertreter. Vor allem für Studierende, die im November ihren Nebenjob verloren haben, sei diese Situation ein Problem, die Neuauflage der "Überbrückungshilfen" sei nur eine Alibi-Lösung.

Die Studierendenvertreter fordern, dass die Hilfen zum einen für das gesamte Wintersemester 2020/21 zur Verfügung stehen. Die Höhe der Zuschüsse müsse wie die Bedürftigkeitsgrenze deutlich angehoben werden, um mehr Studierende zu erreichen.

Neben der Unterstützung in finanziellen Notlagen müsse außerdem sichergestellt werden, dass pandemiebedingte Nachteile im Studium verhindert werden. Dazu gehöre etwa die Verlängerung aller Prüfungs- sowie Studienfristen. Andernfalls werde wie im Sommersemester für viele Studierende nur ein Studienabbruch übrigbleiben, hieß es.

Kritik an bayerischer Corona-Schulpolitik reißt nicht ab

Dienstag, 10. November, 15.45 Uhr: Auch nach dem virtuellen Schulgipfel von vergangener Woche reißt die Kritik an der bayerischen Schulpolitik nicht ab. In einem gemeinsamen Positionspapier fordern Eltern, Lehrer und Direktoren der bayerischen Realschulen Klarheit und einheitliche Vorgehensweisen.

Um dauerhaft Präsenzunterreicht während der Corona-Pandemie gewährleisten zu können, müsse es eine Differenzierung zwischen den Altersgruppen der Schülerinnen und Schüler geben. Ein Hybridunterricht mit Präsenz- und Distanzelementen wäre für höhere Jahrgangsstufen "die richtige Lösung, um Abstandsregeln besser einhalten zu können".

Zudem fordern der Bayerische Realschullehrerverband (brlv), der Landeselternverband Bayerischer Realschulen (LEV-BR) sowie die Vereinigung Bayerischer Realschuldirektoren (VBR), dass "alle technischen und organisatorischen Möglichkeiten" für den Schutz der Gesundheit der Schüler und Lehrer ausgeschöpft werden.

Hierzu gehörten Raumlüfter, Luftreiniger, Schutzwände und FFP2-Masken. Um übervolle Bussen und Bahnen zu entlasten, sollte lokal auch über versetzte Unterrichtszeiten nachgedacht werden. Die Lehrpläne und Inhalte der Abschlussprüfungen sollten angepasst werden.

Vergangenen Mittwoch hatte die bayerische Staatsregierung zu einem Schulgipfel eingeladen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte die Erwartungen an das "Arbeitstreffen" aber schon im Vorfeld gedämpft, konkrete Ergebnisse wollte er im Anschluss nicht mitteilen.

Am Montag vergangener Woche hatten Elternverbände Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) in einem offenen Brief scharf kritisiert. Dieser wies die Kritik zurück und bezeichnete das Schreiben solcher Briefe gerade in Krisenzeiten als "befremdlich"

Söder will an bayerischer Corona-Teststrategie festhalten

Dienstag, 10. November, 09.53 Uhr: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) lehnt eine Änderung der bayerischen Corona-Teststrategie ab. Würde etwa die vom Robert Koch-Institut (RKI) angedachte Teststrategie umgesetzt, fielen etwa drei Viertel der aktuell gemachten Tests einfach weg, sagte der CSU-Chef am Montag in München vor Beginn der virtuellen Sitzung des Parteivorstandes.

Wenn aber jeder, der nur ein Corona-typisches Symptom habe, eine Woche zu Hause bleiben müsse, statt sich testen lassen zu können, habe dies eine "komplette Lähmung der Wirtschaft" zur Folge. Genau dies wolle man im Freistaat vermeiden, sagte er.

Söder sagte, die Staatsregierung halte an den kostenlosen und für alle Bürgerinnen und Bürger verfügbaren Testungen fest. Nicht alle Labore im Freistaat seien überlastet, sagte Söder. Es gebe in Bayern aus Sicht der Regierung ausreichend Laborkapazitäten, um die derzeitige Breite des Testsangebots aufrecht zu erhalten.

Zugleich sagte er, man werde an einigen Stellen womöglich "nachjustieren" müssen, weil es immer häufiger Klagen über missbräuchlich genutzte Testangebote gebe. Ihm seien solche Fälle bisher zwar nicht bekannt, das Kabinett soll in seiner Sitzung am Dienstag aber über eine Strategie dagegen beraten.

SPD fordert 500 Euro Corona-Bonus für alle Kita-Beschäftigten

13.28 Uhr: Die Sozialausschuss-Vorsitzende des bayerischen Landtags, Doris Rauscher (SPD), fordert einen Corona-Bonus für Kita-Beschäftigte analog zur angekündigten Corona-Leistungsprämie für Lehrer. Den Schulleitungen verspreche Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eine Prämie von bis zu 500 Euro, "aber die Arbeit in den Kitas weiß er wohl nicht zu schätzen", kritisierte Rauscher die bayerische Staatsregierung. Dabei würden Kita-Beschäftigte Enormes leisten, "damit Eltern Familie und Beruf überhaupt miteinander vereinbaren können und - wie auch in den Schulen - das Kinderrecht auf Bildung umgesetzt wird".

Rauscher forderte für alle Kita-Beschäftigten eine Prämie von 500 Euro. Die Beschäftigten hätten "mehr verdient als nur warme Dankesworte". Sie arbeiteten "trotz der Gefahren für ihre eigene Gesundheit und die ihrer Familien" oftmals bis an die Grenzen ihrer Belastungsfähigkeit und trügen "einen erheblichen Anteil dazu bei", dass die Kinderbetreuung im Freistaat auch seit Ausbruch der Corona-Pandemie funktioniere. Der Bonus soll Rauscher zufolge aus dem staatlichen Sonderfonds Corona finanziert werden. Keinesfalls dürfe die Staatsregierung diese Aufgabe wegen bürokratischer Argumente "an die Kommunen abschieben".

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hatte Ende Oktober Leistungsprämien für Lehrkräfte und Schulleitungen an gekündigt. Dieses "starke Signal der Wertschätzung" sei für all jene Lehrer und Schulleitungen gedacht, die sich durch besondere Leistungen vor allem im Bereich der Digitalisierung des Unterrichts ausgezeichnet hätten. Söder sagte damals mit Blick auf die stark gestiegenen Corona-Inzidenzwerte, dass trotzdem die Schulen und Kitas im Freistaat "die letzten" Einrichtungen sein würden, die zur Pandemie-Bekämpfung geschlossen werden. 

Bedford-Strohm: Kirche kann in Corona-Krise Vertrauen und Trost geben

Montag, 9. November, 10.05 Uhr: Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sieht seine Kirche in der Pflicht, den Menschen in der Corona-Pandemie Vertrauen und Trost zu geben. "Nach acht Monaten Pandemie brauchen wir als Gesellschaft in der öffentlichen Kommunikation neben dem richtigen Handeln auch stärkende Worte", sagte der bayerische Landesbischof in seinem Bericht vor der EKD-Synode am Sonntag. Religiöse Ressourcen spielten eine wichtige Rolle für das, worauf es jetzt ankomme.

Der oberste Repräsentant von knapp 21 Millionen Protestanten in Deutschland verwies auf den Korintherbrief in der Bibel mit den Worten Glaube, Liebe und Hoffnung. Sie seien jetzt von zentraler Bedeutung, sagte Bedford-Strohm. Zudem sei Vertrauen das, was in der gegenwärtigen Situation am meisten gebraucht werde. "Denn wir sind in diesen Tagen eine verwundete Gesellschaft", sagte der Theologe.

Bedford-Strohm sprach von einem Gefühl der Ohnmacht, das die ganze Gesellschaft und auch die Kirche aushalten müsse. Dabei erinnerte er vor allem an die Menschen, die in der Pandemie gestorben sind, "ohne dass jemand bei ihnen war, obwohl sie sich das so sehr gewünscht hätten". Dabei legte der Ratsvorsitzende eine Schweigeminute in seinem Bericht ein.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) rechnet mit Erfolg des Lockdowns

Samstag, 7. November 2020, 20:21 Uhr: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) rechnet mit einem Erfolg der verschärften Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. "Der Lockdown light wird wirken", sagte er der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Samstag). "Ich hoffe, die Dosis reicht." Es brauche aber zwei Wochen, um den Erfolg der Maßnahmen bewerten zu können. Mit Blick auf Weihnachten äußerte Söder die Hoffnung, "dass man wieder mehr mit Freunden und Familie feiern kann".

Soziale Kontakte müssten jetzt massiv reduziert werden, betonte der bayerische Regierungschef. Zugleich brauche es gesellschaftliche und politische Akzeptanz für die Schutzmaßnahmen: "Wir können nicht nur technokratisch entscheiden, sondern müssen behutsam und sensibel erklären und argumentieren." Dankenswerterweise unterstütze "die große Mehrheit der Bürger die Corona-Maßnahmen".

Laut einer Forsa-Umfrage bestimmt die Corona-Pandemie massiv die Gedanken der Menschen: Insgesamt 86 Prozent der Deutschen beschäftigen sich häufig oder fast immer mit dem Corona-Virus und seinen Folgen, wie aus der im Oktober erfolgten Umfrage im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums hervorgeht, die der Zeitung vorliegt.

In den vergangenen Monaten wuchs die Angst der Bürger, dass sie selbst mit dem Virus in Kontakt kommen und erkranken könnten: Im Juni waren der Umfrage zufolge 8 Prozent sehr und 58 Prozent etwas besorgt, sich selbst zu infizieren. Im Oktober waren 18 Prozent sehr und 67 Prozent etwas besorgt.

Tropenmediziner befürchtet unfaire Corona-Impfstoff-Verteilung

Freitag, 6. November, 11:05 Uhr: Der Münchner Tropenmediziner Günther Fröschl zweifelt die faire weltweite Verteilung von künftigen Corona-Impfstoffen an.

Zwar gebe es Pläne, dass Gesundheitspersonal, Menschen in Schlüsselberufen und Risikopatienten bevorzugt Impfungen erhalten sollen, sagte Fröschl dem "missio Magazin", das beim internationalen katholischen Hilfswerk missio München erscheint. "Wie das aber zwischen verschiedenen Ländern aussieht", fragte Fröschl, der am Tropeninstitut der Ludwig-Maximilians-Universität München arbeitet.

Er habe "große Zweifel", dass man für einzelne besonders betroffene Länder eine Vorzugsbehandlung erreiche: "Da sind dann doch zu sehr die marktwirtschaftlichen und politischen Interessen im Vordergrund."

Wegen Corona: Patienten sollen besser auf Kliniken verteilt werden

Donnerstag, 5. November, 09.24 Uhr: Die Patientenströme an bayerischen Krankenhäusern sollen in der Corona-Pandemie wieder stärker gesteuert werden. "Es ist wichtig, die Bettenbelegung noch effizienter zu lenken und auch damit die Kliniken zu unterstützen", erklärte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Mittwoch laut Mitteilung. Dafür greife man auf ein "bewährtes Instrument" aus der ersten Pandemie-Phase zurück: den "Ärztlichen Leiter Krankenhauskoordinierung".

Staatssekretär Klaus Holetschek (CSU) erläuterte, dass diese Ärztlichen Leiter ein Bindeglied zwischen den Krankenhäusern seien mit weitreichenden Entscheidungsbefugnissen. Sie sollen die Verteilung der Patienten auf Kliniken und Reha-Einrichtungen koordinieren. Dafür können sie etwa Patienten verlegen lassen oder Covid-19-Schwerpunktkrankenhäuser bestimmen. Die Ärztlichen Leiter sollen in allen 26 Rettungsleitstellen in Bayern zum Einsatz kommen und werden vom Landrat oder Oberbürgermeister bestimmt.

Ziel der Maßnahme sei, im Frühjahr eine Überlastung der Krankenhäuser durch Corona-Erkrankte zu verhindern und die reguläre Versorgung aufrechtzuerhalten, ergänzte Huml. Damals habe sich gezeigt, wie wichtig steuerende Strukturen sind. Sollte es die Lage erfordern, könnten auch weiter Maßnahmen ergriffen werden, wie zum Beispiel wieder Kapazitäten für Corona-Erkrankte freizuhalten. 

In diesem Schuljahr in Bayern: Mehr als 40.000 Schüler mussten bereits in Corona-Quarantäne

15.57 Uhr: Mehr als 40.000 Schüler in Bayern sind seit Beginn des neuen Schuljahres im September schon in Corona-Quarantäne gewesen. Das ergab eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion an die Staatsregierung, wie die Sozialdemokraten am Mittwoch mitteilten. Damit konnten bereits in den ersten sieben Schulwochen umgerechnet knapp 2,5 Prozent der Schüler nicht am Präsenzunterricht teilnehmen. Nur 0,11 Prozent von ihnen seien letztlich positiv auf Corona getestet worden.

"Das Schuljahr hat gerade erst begonnen - und schon können Zehntausende von Schülerinnen und Schülern nicht am Präsenzunterricht teilnehmen", sagte der Fraktionsvorsitzende Horst Arnold.

Umso wichtiger sei es, dass die Kinder im Homeschooling nicht abgehängt würden, sondern auch zuhause guten digitalen Unterricht wahrnehmen könnten. Arnold forderte angesichts der Zahlen, dass für das Homeschooling ausreichend digitale Endgeräte, Tablets oder Laptops zur Verfügung stehen müssten.

Die klassen- oder stufenweise Quarantäne von Schülern hält Arnold für vertretbar, solange sie dem Anspruch der Verhältnismäßigkeit und der Zielgenauigkeit gerecht werde. Generelle Schulschließungen dagegen sieht er kritisch. "Ein Lockdown für die Jüngsten kann immer nur die Ultima Ratio sein."

Neuer bayerischer Corona-Forschungsverbund gegründet

Mittwoch, 4. November, 09.50 Uhr: Das Wissenschaftsministerium hat wegen der Corona-Pandemie den bayerischen Forschungsverbund "FOR-COVID" eingerichtet und mit 800.000 Euro für dieses und nächstes Jahr ausgestattet. Ziel dieses neuen Verbunds ist, "möglichst zügig zu weiteren wissenschaftlichen Erkenntnissen" zur Eindämmung, Behandlung und Erforschung des Coronavirus zu gelangen, teilte das Ministerium am Montag mit.

Der Forschungsverbund soll durch eine "bayernweite, interdisziplinäre" Kooperation dazu beitragen, die aktuelle Pandemie beherrschbarer zu machen und für ähnliche Krisen in Zukunft besser gerüstet zu sein. Beteiligt sind die Unis Erlangen-Nürnberg, Würzburg, Regensburg sowie beide Münchner Universitäten und das Bundeswehr-Institut für Mikrobiologie, hieß es. 

Hohe Infektionszahlen: Kliniken in Tschechien brauchen jetzt Hilfe von außen

Dienstag, 3. November, 14:10 Uhr: Tschechien gehört jetzt im Herbst zu den am schwersten vom Corona-Virus betroffenen Regionen in Europa. Zuletzt kamen täglich rund 16.000 neue Fälle dazu. Auf deutsche Verhältnisse umgerechnet, würde das rund 130.000 Neuinfizierte bedeuten, Tag für Tag. Die Dramatik der Lage zeigt eine andere Zahl: Rund 80 Prozent aller bisherigen Covid-19-Patienten in Tschechien infizierten sich im Oktober.

Tschechien hat zwar im europäischen Vergleich viele Intensivbetten, aber die Kapazitäten kommen schon jetzt an ihre Grenzen. Erste Krankenhäuser müssen Covid-Patienten wegen akuter Überlastung in andere Regionen verlegen. Und vor allem: Viele hundert Ärzte und Pfleger sind ebenfalls infiziert. Die tschechische Regierung hat zur Sicherheit schon in den benachbarten deutschen Bundesländern Bayern und Sachsen vorgefühlt, ob die dortigen Kliniken im schlimmsten Fall auch tschechische Patienten mitversorgen könnten.

Viele Tschechen fühlen sich inzwischen von der Politik im Stich gelassen. Besonders verheerend: Seit sich die Lage im Herbst zuspitzte, ist jetzt schon der dritte Gesundheitsminister im Amt. Der erste trat angesichts der steigenden Infektionszahlen zurück, der zweite wurde nach rund einem Monat im Amt von Fotografen erwischt, wie er um Mitternacht aus einem Restaurant kam, nachdem er kurz zuvor angeordnet hatte, dass sämtliche Restaurants für einige Wochen schließen müssen. Der dritte Gesundheitsminister, der Medizin-Professor Jan Blatny, ist seit wenigen Tagen im Amt und soll nun zum Gesicht der tschechischen Corona-Politik werden.

Bericht: Covid-Patienten sollen deutschlandweit verteilt werden - Bayern bildet eigene Großregionen

Montag, 2. November, 09.25 Uhr:  Bei einem weiteren starken Anstieg der Zahlen der mit Covid-19 erkrankten Intensivpatienten plant die Bundesregierung offenbar eine bundesweite Verteilung. "Entwickelt sich eine Lage, die eine Verlegung über die Nachbarländer beziehungsweise angrenzende Regionen hinaus erforderlich macht, findet ein sogenanntes Kleeblattprinzip Anwendung", heißt es im Konzept des Bundesinnenministeriums, aus dem die Zeitungen Funke Mediengruppe (Samstag) zitierten.

Deutschland soll demnach in fünf Großregionen aufgeteilt werden, die sich gegenseitig bei der Übernahme von Patienten per Rettungswagen oder Hubschrauber unterstützen sollen

Im Norden hätten sich dem Konzept zufolge Hamburg, Bremen, Niedersachen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zusammengeschlossen, hieß es. Im Osten seien es Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Im Südwesten sollen sich Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland gegenseitig unterstützen.

Die bevölkerungsreichsten Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Bayern bildeten demnach eigene Großregionen. Bund und Länder seien in der Lage, das Konzept jederzeit zu starten, zitieren die Zeitungen einen Sprecher des Bundesinnenministeriums.

Es sei sinnvoll und notwendig, sich aufgrund der stark steigenden Fallzahlen in den Kliniken auf eine Überforderung vorzubereiten, sagte die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD), den Funke-Zeitungen. Das hätten die Länder und der Bund mit dem sogenannten Kleeblatt-Konzept getan, das noch vor einer Überlastung der klinischen Versorgungskapazitäten eingreife.

Sollte sich in einem Bundesland oder einer Region eine starke Beanspruchung abzeichnen, werde über zentral eingerichtete Stellen in den Regionen der überregionale Patiententransport in aufnahmefähige Regionen organisiert. So würden Patienten auch bei einer starken Belastung der Kliniken die bestmögliche medizinische Versorgung erhalten.

Bayern übernimmt Kontaktbeschränkungen "eins zu eins"

Freitag, 30. Oktober, 10.02 Uhr: Die neuen bundesweiten Corona-Beschränkungen übernimmt die Staatsregierung laut Ministerpräsident Markus Söder (CSU) "eins zu eins". Demnach gelte ab kommendem Montag (2.11.) auch in Bayern ein "Lockdown light" bis 30. November, so wie es die Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch beschlossen hatte, sagte Söder am Donnerstag in München. Das öffentliche Leben werde "deutlich milder" heruntergefahren als im Frühjahr, da diesmal Schulen, Kitas, Hochschulen, Wirtschaftsleben und Einzelhandel weitestgehend offenbleiben sollen. Um jedoch die "unzähligen Kontakte" in Schule und Kita zu kompensieren, müsse der Schwerpunkt der Beschränkungen woanders gesetzt werden, nämlich "im Freizeitbereich".

Damit verteidigte der CSU-Chef die Maßnahmen gegen Kritik an der Schließung von Gastronomie und Kultureinrichtungen. Diese hätten sich "unglaublich viel Mühe gegeben" mit Hygienekonzepten, sagte er. Aber um die Schulen offenzuhalten, müssten auch Restaurants und Theater schließen. Er verwies auf das zehn Milliarden Euro schwere Ausgleichspaket der Bundesregierung, mit dem kleinere Betriebe drei Viertel ihres Umsatzes vom November 2019 als Entschädigung für die Schließung ausgezahlt bekommen sollen.

Mit mehr als 3.000 Neuinfizierten am Donnerstag habe Bayern einen neuen Höhepunkt erreicht, sagte Söder. Die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz liege bei 107 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner. 13 Landkreise befänden sich über dem 50er-Grenzwert, mehrere über der 200er-Marke. Die Belegung der Intensivbetten in den Kliniken habe sich binnen neun Tagen verdoppelt. Söder kündigte an, in den kommenden Tagen den Katastrophenfall auszurufen; dies ermögliche eine optimale Verteilung der Erkrankten im Land.

Treffen dürfen sich ab Montag maximal zehn Personen aus höchstens zwei Haushalten, also beispielsweise ein Kind mit einem Freund und nicht mit mehreren. Sport darf allein und in der Familie getrieben werden. Kulturelle Veranstaltungen fallen aus, Freizeiteinrichtungen wie etwa Schwimmbäder und Kinos werden geschlossen. Die Beschränkungen sollen nach zwei Wochen evaluiert werden.

Den führenden wissenschaftlichen Organisationen zufolge müssten 75 Prozent der Kontakte heruntergefahren werden, um die Entwicklung zu stoppen. Natürlich gehöre das Sterben zum Leben dazu, sagte Söder. Doch es sei "unsere Aufgabe, jedes Leben zu schützen und zu retten". Laut Robert-Koch-Institut kann bei 80 Prozent der Infektionen der Entstehungsort nicht nachgewiesen werden. Doch dies bringe keine Entlastung für einzelne gesellschaftliche Bereiche, sondern zeige im Gegenteil, dass das Infektionsrisiko "so breit gestreut ist, dass Ansteckung überall möglich ist".

Bund und Länder beschließen massive Corona-Einschränkungen

Donnerstag, 29. Oktober, 09.14 Uhr: Auch Deutschland will der Corona-Pandemie erneut mit drastischen Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens Einhalt gebieten. Bund und Länder beschlossen am Mittwoch in Berlin ein Paket mit Maßnahmen, die denen im Frühjahr ähneln. Gastronomie, Kultur- und Freizeiteinrichtungen sollen schließen. Den Bürgern werden Kontaktbeschränkungen auferlegt. Es sei "ein schwerer Tag", weil alle wüssten, "was wir den Menschen zumuten", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach den Beratungen. Schulen und Kindertagesstätten sowie der Einzelhandel sollen diesmal aber geöffnet bleiben.

Jetzt müsse gehandelt werden, um eine "akute nationale Gesundheitsnotlage" zu vermeiden, zitierte Merkel aus dem Beschlusspapier. Die Kurve der Infektionszahlen müsse wieder abflachen.Die Maßnahmen sollen schon ab kommenden Montag (2. November) gelten und für die Dauer des ganzen Monats Bestand haben. In der Zeit dürfen dann den Verabredungen zufolge nur noch Angehörige des eigenen Hausstandes und eines weiteren privat oder in der Öffentlichkeit zusammenkommen, maximal aber zehn Personen. Auf nicht unbedingt notwendige Reisen soll verzichtet werden. Übernachtungen würden nur noch für notwendige und nicht für touristische Aufenthalte angeboten.

Eine "außerordentliche Wirtschaftshilfe" soll betroffenen Betrieben durch die Krise helfen. Die einzelnen Beschränkungen müssen die Bundesländer jeweils einzeln umsetzen. Thüringen gab bei der Ministerpräsidentenkonferenz zu Protokoll, dass dort der Landtag in die Entscheidung eingebunden werden soll.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte, die Einschränkungen für Gastronomie und den Freizeitbereich seien auch nötig, um Schulen und Kitas geöffnet zu halten. Um dies beizubehalten werde man "alles tun". Während der Schließung von Betreuungseinrichtungen im Frühjahr seien Gewaltübergriffe gegen Frauen und Kinder dramatisch nach oben gegangen. Dies dürfe nicht wieder passieren.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) unterstrich, dass angesichts der dramatisch gestiegenen Zahlen jetzt gehandelt werden müsse. "Je länger wir warten, desto schwieriger wird es", sagte er. Das Robert Koch-Institut meldete am Mittwoch einen neuen Rekordwert täglicher Neuinfektionen. Er lag bei knapp 15.000. Vielerorts wird die Grenze von 50 Neuinfektionen in einer Woche pro 100.000 Einwohner überschritten. Ab dieser Grenze können Gesundheitsämter nicht mehr alle Infektionsketten nachverfolgen, und es droht die Gefahr, dass sich das Virus unkontrolliert ausbreitet.

Das Beschlusspapier unterstreicht zudem, dass die harten Maßnahmen jetzt dabei helfen sollen, dass in der Weihnachtszeit "keine weitreichenden Beschränkungen im Hinblick auf persönliche Kontakte und wirtschaftliche Tätigkeit erforderlich sind". Familien und Freunde sollen sich dann auch unter Corona-Bedingungen wieder treffen können.

Die Maßnahmen sehen keine Verschärfung der Auflagen für Gottesdienste vor, die die Religionsgemeinschaften im Frühjahr mit den zuständigen Regierungen und Behörden vereinbart hatten. Merkel sagte, die Hygieneregeln müssten weiter eingehalten werden. Ein Verbot von Gottesdiensten sei den Regierungschefs aber nicht angemessen erschienen. Am Donnerstag wird die Kanzlerin im Bundestag eine Regierungserklärung zu den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie abhalten.

Staatsregierung hat kaum Informationen über typische Infektionsherde

Mittwoch, 28. Oktober, 08.23 Uhr: Die bayerische Staatsregierung hat nach eigener Auskunft kaum gesicherte Informationen über typische Corona-Ansteckungsorte. "Eine eindeutige Aufklärung der eigenen Infektionsumstände ist für viele Einzelfälle nicht möglich", teilte das Gesundheitsministerium auf eine Anfrage der Grünen-Landtagsfraktion mit, wie die "Augsburger Allgemeine" (Mittwoch) unter Berufung auf das Schreiben berichtete. Demnach würden keine Daten systematisch ausgewertet, ob sich Infizierte in einem der Bereiche Gastronomie, Nachtleben, Arbeitsplatz, Schule, Kultur, Kita, private Feiern oder Sport angesteckt haben.

Prinzipiell würden die Daten zwar erfasst: "Der wahrscheinliche Infektionsort wird erhoben und in die Meldesoftware eingegeben", heißt es in der Antwort. Allerdings übermittelten die Gesundheitsämter entsprechend den Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes lediglich Infektionen in bestimmten Einrichtungen, darunter Gemeinschafts- und medizinische Einrichtungen, Heime oder Gemeinschaftsunterkünfte. Bislang könne die Einrichtungsart nicht differenziert werden, so das Ministerium. Es sei "ein Update der Meldesoftware geplant, das eine genauere Differenzierung der Einrichtungen in Kürze möglich machen soll". Da zudem in rund der Hälfte der Fälle Angaben fehlten, sei vorsichtig zu interpretieren, welche Anteile die "Fälle mit einer Betreuung, Unterbringung oder Tätigkeit in den einzelnen Einrichtungen" hätten.

Berühmter Nürnberger Christkindlesmarkt jetzt abgesagt

Dienstag, 27. Oktober, 08.56 Uhr: Nürnberg sagt nun doch seinen weltbekannten Christkindlesmarkt wegen der Corona-Pandemie ab. Angesichts der schnell steigenden Corona-Fallzahlen habe man diese Entscheidung getroffen, teilte die Stadt am Montag mit. Es sei davon auszugehen, dass noch in nächster Zeit in Nürnberg der Sieben-Tage-Schwellenwert auf über 100 steige und die Corona-Ampel auf dunkelrot umspringe, erklärte Oberbürgermeister Marcus König (CSU). "Vor diesem Hintergrund halten wir es für das falsche Signal, den Christkindlesmarkt zu veranstalten." Man könne eine zusätzliche Ansammlung von vielen Tausend Menschen in der Innenstadt nicht verantworten.

Das Marktamt hatte zuvor mit den Schaustellerverbänden und den Marktkaufleuten einen dezentralen Christkindlesmarkt mit einem strengen Hygiene-Konzept für die Corona-Zeit entwickelt. Der Markt hätte auf insgesamt vier Plätzen in der Altstadt stattfinden sollen. "Lieber jetzt die Notbremse ziehen, als erst ein paar Tage vor Beginn", sagte Wirtschaftsreferent Michael Fraas laut Mitteilung.

"Uns fällt diese Entscheidung sehr schwer", sagte Oberbürgermeister Marcus König (CSU). Eine Adventszeit ohne den Prolog des Christkinds und ohne das "Städtlein aus Holz und Tuch" auf dem Hauptmarkt sei für die Nürnberger und ihre Besucher nur schwer vorstellbar. Die Stadt Nürnberg überlege nun, welche Rolle das Christkind als Botschafter der Stadt in der Adventszeit übernehmen könne, hieß es.

Der Nürnberger Christkindlesmarkt mit seinen mehr als 180 Buden mit ihren rot-weißen Stoffdächern gehört zu den ältesten Weihnachtsmärkten in Deutschland. 1628 wurde er als "Kindles-Marck" erstmals schriftlich erwähnt. In den vergangenen Jahren zog der Markt im Advent über zwei Millionen Besucher an. 

Politiker halten Kontaktverbote an Heiligabend für möglich

Montag, 26. Oktober, 09.23 Uhr: Sollten die Corona-Infektionszahlen weiter ansteigen, werden Familien an Heiligabend wohl nicht wie gewohnt zusammen feiern können. Davor warnen Politiker aus Bund und Ländern, wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS) berichtet. Das Fest werde sich in diesem Fall "in einem engeren Rahmen abspielen müssen", sagte der hessische Staatskanzleichef Axel Wintermeyer. Die Menschen "sollten wo immer möglich Kontakte reduzieren, auf Reisen verzichten, auf alles, was vermeidbar ist". Auch aus anderen Bundesländern und von den Kommunen kamen eher pessimistische Einschätzungen. Die Kirchen fordern, alte Menschen gerade an Weihnachten nicht alleine zu lassen.

Der Leiter des niedersächsischen Krisenstabes, Heiger Scholz, sagte der FAS: "Ich werde immer skeptischer, was an Weihnachten gehen wird und was nicht." Aus Sicht von Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, drohen "letztlich Einschränkungen in einem Bereich, der uns seelisch weh tun wird". Der Staatskanzleichef des Saarlandes, Henrik Eitel, sagte: "Schlimmstenfalls werden Familien ihre Besuche an den Weihnachtsfeiertagen aufteilen müssen."

Der Pflegebeautragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, und Kirchenvertreter sorgen sich vor allem um die Älteren. "Es darf nicht noch einmal eine Totalisolation der Pflegebedürftigen in unserer Gesellschaft geben", sagte Westerfellhaus. Der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, sagte, gerade an den Festtagen sei es wichtig "für alte Menschen, Kontakt zu ihren Kindern und Enkelkindern zu haben. Das Gefühl zu haben, noch zu einer Familie zu gehören in einer solch emotional dichten Zeit."

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, warnte davor, Ältere an Weihnachten allein zu lassen. "Wir müssen die Balance finden in den Altenheimen", sagte er: "Mit zunehmendem Wissen über die Ansteckungswege haben wir alle gelernt, dass einige Maßnahmen zu Beginn der Pandemie in mancher Hinsicht überzogen waren."

Mehr als 10.000 Covid-19-Todesfälle in Deutschland

Sonntag, 25. Oktober, 11.01 Uhr: In Deutschland sind inzwischen mehr als 10.000 Menschen an oder mit dem Coronavirus gestorben. Das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin meldete am Samstag einen Anstieg der Covid-19-Todesfälle auf 10.003. Das waren 49 mehr als am Vortag. 14.714 Menschen haben sich den Angaben zufolge neu mit dem Virus infiziert, am Freitag waren es 11.242. Das RKI wies darauf hin, dass die Differenz zum Vortrag deshalb so stark sei, weil am Donnerstag aufgrund eines Serverausfalls nicht alle Daten von den Gesundheitsämtern übermittelt werden konnten und daher nachgemeldet wurden.

Bayern führt vierte Corona-Stufe ein

Donnerstag, 22. Oktober, 14.51 Uhr: Bayern führt eine vierte Corona-Stufe ein. In Kommunen, die die Sieben-Tage-Inzidenz von 100 überschritten haben, sollen noch mal verschärfte Schutzmaßnahmen greifen, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch in seiner Regierungserklärung im Landtag. Die vor einer Woche vom bayerischen Kabinett beschlossene "Corona-Ampel" soll demnach um die Stufe "dunkelrot" ergänzt werden. In Gebieten mit einem Inzidenzwert über 100 werden sämtliche Veranstaltungen - außer Gottesdienste und Demonstrationen - auf maximal 50 Teilnehmer limitiert, zudem gilt dort eine Sperrstunde von 21 Uhr.

München hebt Maskenpflicht für Grundschüler trotz hoher Inzidenz auf

Mittwoch, 21. Oktober, 08.17 Uhr: Die Landeshauptstadt München hebt die Maskenpflicht im Unterricht für Grundschüler ab diesem Mittwoch (21.10.) trotz hohen Inzidenzwerts auf. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) erklärte diese Entscheidung am Dienstagabend damit, dass das Infektionsgeschehen in Grundschulklassen "sehr gering" sei: Diese machten nur fünf Prozent der aktuell 83 geschlossenen Schulklassen aus. "Grundschüler sind keine Infektionstreiber", sagte Reiter. Darum habe er entschieden, die Maskenpflicht aufzuheben, "um die Einschränkungen gerade für die jüngsten Schülerinnen und Schüler durch das Tragen von Masken so gering wie irgend möglich zu halten".

Die bayerische Staatsregierung hatte am 16. Oktober eine "Corona-Ampel" beschlossen, gemäß derer in Kommunen ab einer Sieben-Tages-Inzidenz von über 50 die Maskenpflicht am Platz für Schüler aller Jahrgangsstufen gilt. In der entsprechenden Infektionsschutzmaßnahmen-Verordnung sei jedoch eine abweichende Regelung in begründeten Einzelfällen möglich, teilte die Stadt mit. Davon mache sie nun Gebrauch. München verzeichnete am Dienstag laut Robert-Koch-Institut 72,8 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Der 50er-Grenzwert ist dort seit 12. Oktober überschritten.

Der Betrieb an Münchner Schulen und Kitas mit insgesamt rund 5.000 Schulklassen und rund 3.000 Kitagruppen richte sich nach einem Stufenplan mit drei Phasen, hieß es weiter. Welche Stufe aktuell gilt, entscheide das städtische Gesundheitsreferat je nach Infektionsgeschehen in Absprache mit dem Bildungsreferat und der staatlichen Schulaufsicht. Es gebe "keinen Automatismus", wonach ab einem bestimmten Inzidenzwert sofort die nächste Stufe eingeleitet wird. Aktuell gelte weiterhin Stufe "gelb".

Dies bedeute, dass in München die Maskenpflicht im Unterricht ab der fünften Klasse erhalten bleibt, soweit dort der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. An den Grundschulen und den Grundstufen der Förderzentren jedoch müsse am Platz keine Mund-Nasen-Bedeckung mehr getragen werden. Auf den Gängen und Gemeinschaftsflächen hingegen gilt auch dort weiterhin Maskenpflicht.

Dienstag, 20. Oktober, 10.42 Uhr: Der Berchtesgadener Landrat Bernhard Kern (CSU) hat die drastischen Beschränkungen in seinem Landkreis wegen der enorm hohen Corona-Infektionszahlen erläutert und verteidigt. Die Maßnahmen seien "sehr nötig", sagte er dem Radiosender Bayern2 am Dienstag. Ab 14 Uhr an diesem Tag gilt im Berchtesgadener Land faktisch ein Lockdown mit Ausgangsbeschränkungen, Schulen und Kitas haben geschlossen, das öffentliche Leben wird weitgehend lahmgelegt. Kern sagte: "Wir stehen in engster Verbindung mit dem Klinikum in Bad Reichenhall. Und man merkt ganz klar, dass die Zahlen im Krankenhaus steigen."

Mit Blick auf die anstehenden Herbstferien in Bayern sagte Kern dem Radiosender, für Tourismus und Wirtschaft sei das "natürlich ein ganz extrem einschneidender Schnitt". Die Herbstferien würden nicht so werden, wie man sich das gewünscht habe. Aber nun sei es "das Wichtigste, dass wir die Gesundheit in den Vordergrund stellen". Er wolle zudem "Weihnachten und die anstehende Adventszeit so erleben, wie wir es uns eigentlich wünschen." Die Einschränkungen seien auch nötig, damit man spätestens nach den Ferien wieder "einigermaßen normale Umstände" für die Schülerinnen und Schüler habe.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sagte, sie unterstütze die ab Dienstag 14 Uhr geltende Ausgangsbeschränkung: "Schnell steigende Corona-Zahlen ohne offensichtliche klare Infektionsherde erfordern ein schnelles Durchgreifen." Bei derartigen Werten sei eine Kontaktnachverfolgung nur noch schwer möglich und eine Herausforderung. Die von Landrat Kern bekanntgegebenen Maßnahmen seien "der richtige Weg". Bei solchen Infektionszahlen müsse "die Notbremse gezogen" werden. Die Maßnahmen seien zwar einschneidend: "Aber was jetzt zählt, ist Entschlossenheit."

Im Berchtesgadener Land dürfen die Menschen ihre Wohnung nur noch aus triftigen Gründen verlassen. Schulen und Kitas müssen schließen, Restaurants dürfen Essen nur noch zum Mitnehmen anbieten. Die Maßnahmen gelten zunächst bis zum 2. November. Unterdessen sinken die Werte der Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis wieder. Das Robert-Koch-Institut meldete am Dienstag auf seiner Internetseite einen Wert von 236,0. Tags zuvor war er noch bei über 250 Infizierten binnen sieben Tagen gewesen.

Corona-Regeln: Politik appelliert an die Vernunft der Bürger

Montag, 19. Oktober, 08.14 Uhr: Die Bundesregierung hat zur Vernunft im Umgang mit den steigenden Zahlen der Corona-Neuinfektionen aufgerufen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) appellierte an die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger, sich an die verschärften Regeln zur Kontaktbeschränkung zu halten. "Wir müssen jetzt alles tun, damit das Virus sich nicht unkontrolliert ausbreitet", sagte sie in ihrem Video-Podcast. Sie riet, auf jede Reise und jede Feier zu verzichten, die nicht unbedingt notwendig seien.

Ob ein erneuter "Lockdown" abgewendet werden könne, hänge von der Bevölkerung ab, sagte der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. Die Frage sei, ob es gelinge, einen ausreichend großen Teil der Bevölkerung davon zu überzeugen, zur Eindämmung der Corona-Pandemie die Kontakte einzuschränken, sagte er der "Funke Mediengruppe" am Sonntag. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar im Auftrag der "Bild am Sonntag" sind 68 Prozent der Deutschen mit dem Corona-Management der Bundesregierung zufrieden.

Der Deutsche Städtetag forderte eine schnelle Verfügbarkeit von Bundeswehrsoldaten und anderen Helfern zur Kontaktnachverfolgung von Corona-Infizierten. "Der Personalbedarf ist immens und steigt rasant mit den Infektionszahlen. Dass er fünfstellig sein kann, halten wir für realistisch", sagte der Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Montag). Von einem Bedarf von mehr als 10.000 weiteren Helfern geht auch das Kanzleramt aus.

Die Bundeswehr hatte bereits 5.000 kurzfristig verfügbare und weitere 10.000 binnen 30 Tagen einsatzbereite Soldatinnen und Soldaten zur Corona-Amtshilfe abgestellt. "Wir schauen auch über die Bundeswehr hinaus, ob wir weitere Personalreserven in der Bundesregierung und nachgeordneten Behörden mobilisieren können", sagte Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) der "Rheinischen Post". Er brachte auch die Idee eines Staatsakts für Corona-Opfer am Ende der Pandemie wieder ins Gespräch.

Nach Meinung der evangelischen Theologin Margot Käßmann sollte eine erneute Beschränkung der Personenzahl bei Trauerfeiern vermieden werden. "Taufen, Konfirmationen, Trauungen lassen sich nachholen. Eine Beerdigung nicht", schrieb sie in der "Bild am Sonntag".

Bayern weitet Maskenpflicht deutlich aus

14.08 Uhr: Die Maskenpflicht zur Eindämmung der Corona-Pandemie wird in Bayern deutlich ausgeweitet. In Regionen mit einem Sieben-Tages-Inzidenzwert ab 35 müssen Schüler ab der fünften Klasse nun auch im Unterricht eine Maske tragen, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Donnerstag nach der Kabinettssitzung in München sagte. Ab einer Inzidenz von 50 gilt dies zudem für Grundschüler - auch in der Nachmittagsbetreuung. Die Maskenpflicht ab Inzidenz 35 gilt zudem für Studierende in der Vorlesung sowie auf allen stark frequentierten Plätzen und Passagen, in öffentlichen Gebäuden und Hochhäusern. Am Arbeitsplatz müsse dort ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden, wo kein Mindestabstand möglich ist.

Zudem wurde eine Sperrstunde von 23 Uhr (ab Inzidenz 35) beziehungsweise 22 Uhr (ab Inzidenz 50) beschlossen. Diese Maßnahme geht über das hinaus, was die Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwochabend in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beschlossen hat. Auch Tankstellen dürfen nicht über diese jeweiligen Uhrzeiten hinaus Alkohol verkaufen. Für private Feiern gelten die Grenzen von zehn Personen zu Hause ebenso wie in öffentlichen Räumen (ab Inzidenz 35) beziehungsweise fünf Personen oder die Mitglieder zweier Hausstände (ab Inzidenz 50).

Weltärztepräsident erwartet 10.000 Corona-Neuinfektionen täglich

Samstag, 17. Oktober, 11.52 Uhr: Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery rechnet damit, dass trotz der aktuell beschlossenen Maßnahmen die Zahl der Corona-Neuinfektionen in wenigen Tagen eine weitere Rekordmarke erreicht. "Auch in Deutschland wird die Zahl der Neuinfektionen in der kommenden Woche voraussichtlich die Grenze von 10.000 überschreiten", sagte Montgomery der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Samstag). Daran könnten auch die jetzt getroffenen Maßnahmen wenig ändern, weil die sich erst "in frühestens fünf bis zehn Tagen auswirken", sagte der Präsident des Weltärztebundes.

Nach Ansicht des SPD-Fraktionsvize und Epidemiologen Karl Lauterbach ist bei einem weiteren Anstieg der Fallzahlen die Versorgung schwerer Corona-Fälle gefährdet. Bei einem weiteren dauerhaften Anstieg der Fallzahlen reichten die Krankenhauskapazitäten nicht aus, um die schweren Fälle angemessen zu behandeln, sagte Lauterbach der Zeitung. "Bei täglich 10.000 Fällen ist spätestens in zwei Monaten der Punkt erreicht, bei dem zu wenige Intensivbetten für die Corona-Patienten bereitstehen", warnte Lauterbach. Der Gesundheitsexperte plädierte dafür, erst einmal die aktuell beschlossenen Maßnahmen wirken zu lassen. "Ob sie wirklich ausreichen, ist aber fraglich", sagte er.

Landeskirche setzt auf bewährte Vorsichtsmaßnahmen für Gottesdienste

14.24 Uhr: Wegen der vermehrten Corona-Infektionen im Freistaat will die evangelische Landeskirche keine neue Empfehlung für Gottesdienste an die Gemeinden herausgeben. Die Lage sei in den Landkreisen und Ortschaften sehr unterschiedlich, sagte ein Kirchensprecher dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Freitag. Man sei sicher, dass die "Verantwortlichen in den Kirchengemeinden sorgsam vorgehen werden". Die Sicherheitskonzepte für die Kirchenräume hätten bisher sehr gut getragen, erläuterte der Sprecher.

Auch beim evangelischen Dekanat Nürnberg hieß es, die Kirchengemeinden hätten seit langem ausgefeilte Hygienekonzepte, die klar regelten, wo Menschen sitzen dürfen, dass Abstand gehalten wird und Masken getragen werden.

An diesem Wochenende finden in einigen bayerischen Gemeinden noch Konfirmationen statt, die vom Frühjahr auf den Herbst verschoben worden waren. Viele Gemeinden haben die Konfirmanden in kleine Gruppen aufgeteilt und hielten so die Anzahl an Personen klein, teilte das Dekanat Nürnberg mit. Es würden mehrere Gottesdienste nacheinander mit Pausen dazwischen stattfinden, in denen gelüftet oder desinfiziert werden könne. "Die feiernden Familien sind bekannt, so dass im Ernstfall jede einzelne Person, die im Gottesdienst anwesend war, nachvollzogen werden kann".

Für die feiernden Familien werde es anschließend aber komplizierter, räumt die Sprecherin des Dekanats ein. Sie müssten ihre Familienfeiern nach den Gottesdiensten selbst anpassen, hieß es aus der Landeskirche. Wer unsicher sei, was die Vorgaben seien, sollte sich an die örtlichen Gesundheitsämter wenden.

Am Freitag hatte das Robert-Koch-Institut zum zweiten Mal einen Rekordwert bei den Neuinfektionen gemeldet. Mit 7334 lag der Wert deutschlandweit so hoch wie nie zuvor.

Corona-Ausbruch in Gandersheimer Bibelschule: 125 Infizierte

Freitag, 16. Oktober, 07.57 Uhr: Nach einem Corona-Ausbruch im Glaubenszentrum Bad Gandersheim sind derzeit 125 Personen infiziert. Insgesamt seien 252 Personen getestet worden, sagte eine Sprecherin des niedersächsischen Landkreises Northeim am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Glaubenszentrum Bad Gandersheim umfasst eine freikirchliche konfessionsübergreifende Bibelschule und ein Konferenzzentrum.

Über den Ursprung des Ausbruchs hat der Landkreis nach eigenen Angaben noch keine validen Erkenntnisse, lediglich die Vermutung, dass das Virus beim gemeinsamen Singen übertragen wurde, sagte die Sprecherin. Bei den Infizierten handele es sich um Mitarbeiter, Gäste und "Personen, die auf dem Gelände agieren".

Bislang gebe es keine Krankenhauseinweisung, sondern zunächst Verläufe mit den üblichen Krankheitssymptomen. Alle Infizierten befänden sich in Quarantäne. Das Gesundheitsamt arbeite "mit Hochdruck" an der Nachverfolgung der Kontaktpersonen.

In einer Pressemitteilung des Glaubenzentrums heißt es, am vergangenen Wochenende sei bekanntgeworden, "dass im Umfeld der Bibelschule durch einen Außenkontakt eine positive PCR-Testung aufgetreten ist". Die betroffene Person lebe nicht auf dem Gelände der Bibelschule. Dennoch sei das Gesundheitsamt umgehend informiert und eine Großtestung vereinbart worden.

Von Beginn des Schulregelbetriebs ab dem 19. September sei das strenge Hygienekonzept im Glaubenszentrum genauestens eingehalten worden, hieß es.

Coronavirus: RKI meldet so viele Neuinfektionen in Deutschland wie noch nie

Donnerstag, 15. Oktober, 08.05 Uhr: Das Robert-Koch-Institut in Berlin hat am Donnerstagmorgen einen Rekordwert an Neuinfizierten mit dem Coronavirus in Deutschland gemeldet. Mit 6638 Neuinfizierten liegt der Wert höher als die bisherige Spitze von 6300, die Ende März erreicht worden war. Der direkte Vergleich ist jedoch schwierig, da im Frühjahr vergleichsweise weniger getestet wurde.

Ethikrats-Vorsitzende erwartet keine allgemeine Corona-Impfpflicht

Mittwoch, 14. Oktober, 08.17 Uhr: Die Münchner Medizinethikerin und Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx, hält eine allgemeine Corona-Impfpflicht in Deutschland für ausgeschlossen.

"Da bin ich mir sicher", sagte die Wissenschaftlerin von der Technischen Universität München (TUM) der "Augsburger Allgemeinen". Sie könne sich lediglich eine eng berufsbezogene Impfvorgaben vorstellen, wie der Ethikrat sie in einer früheren Stellungnahme zur Masernimpfung bereits geäußert hatte.

Buyx lehnt zudem die Einführung einer Immunitätsbescheinigung ab, die Menschen bekommen könnten, die nach einer Covid-19-Infektion wieder genesen sind: "Wir sagen einhellig: Niemand weiß momentan genau, wie lange eine Immunität gegen Covid anhält und wie man die dauerhaft nachweisen könnte. Darum lehnen wir das ab."

Eine solche Bescheinigung mit solchen Folgen für die betroffenen könne einer Diskriminierung gleichkommen, betonte die Medzinethikerin.

CSU-General warnt vor "Kontrollverlust" im Kampf gegen Corona

Dienstag, 13. Oktober, 08.52 Uhr: Wegen der momentan steigenden Corona-Infektionszahlen hat CSU-Generalsekretär Markus Blume die Regierungschefs der Länder vor einem Kontrollverlust in der Pandemie gewarnt. "Wir haben nur noch ein ganz schmales Zeitfenster, in dem wir es schaffen können, mit sehr verbindlichen Maßnahmen einen neuerlichen Lockdown zu vermeiden", sagte Blume der "Augsburger Allgemeinen". Ob man dies hinbekomme, entscheide sich an diesem Mittwoch (14. Oktober) bei der Ministerpräsidentenkonferenz. Er könne nur hoffen, dass jetzt sämtliche politische Entscheidungsträger "den Schlag gehört" haben.

Mit Blick auf die vor allem in den Großstädten stark gestiegenen Infektionszahlen forderte er die entsprechenden Regierungschefs auf, ihre Widerstände gegen Beherbergungsverbote mehrerer Bundesländer aufzugeben: "Wir müssen sicherstellen, dass Infektionscluster vor Ort begrenzt bleiben, damit wir nicht in ein Infektionsgeschehen mit exponentieller Wirkung geraten", sagte Blume. Sollte das nicht klappen, rede man nicht mehr über Beherbergungsverbote, sondern müsse wieder an Reisebeschränkungen denken. Man sei jetzt in einer ganz entscheidenden Phase: "Deutschland steht am Scheideweg."

Blume forderte auch mehr bundesweite Regelungen: "Wir brauchen bei steigenden Infektionszahlen mehr Maske im öffentlichen Raum, nicht nur im Öffentlichen Nahverkehr. Eine Maskenpflicht muss überall gelten, wo Abstand nicht gewahrt werden kann." Zudem brauche es einheitliche Quarantäne-Regeln, wenn Menschen aus Risikogebieten kommen. Zudem brauche es einheitliche Regeln bei Veranstaltungen, Alkohol, Partys und mit Kontaktbeschränkungen. "Wir sind bisher gut durch die Krise gekommen, aber wir laufen Gefahr, die Kontrolle über das Virus wieder zu verlieren", warnte er.

Ifo-Institut: Steigende Corona-Fallzahlen auch wegen mehr Tests

17.58 Uhr: Die steigende Zahl der bestätigten Corona-Fälle in Deutschland ist nach Berechnungen des Münchner ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung nicht nur auf mehr Ansteckungen zurückzuführen, sondern auch auf zusätzliche Tests. "Die Zahlen vom Oktober können nicht direkt mit denen vom April verglichen werden", sagte ifo-Präsident Clemens Fuest laut einer Mitteilung seines Instituts vom Montag. Entscheidungsträger in der Politik und Akteure des Wirtschaftslebens sollten deshalb weder mit zu rigiden Beschränkungen noch mit zu laxen Maßnahmen auf die Lage reagieren, erläuterte er: "Wir brauchen Beschränkungen, die wirtschaftliche Aktivität ermöglichen, statt sie zu verhindern."

Das Infektionsgeschehen verschärfe sich tatsächlich, betonte Fuest: "Allerdings nicht so sehr, wie ein direkter Vergleich der Neuinfektionen heute und während der ersten Welle vermuten lässt." Wäre im April so viel getestet worden wie heute, wären damals auf dem Höhepunkt der ersten Welle gut 10.000 Fälle mehr entdeckt worden, heißt es in einem Aufsatz des ifo-Instituts: "Eine Maskenpflicht und zusätzliche Tests ermöglichen den Bürgern Aktivitäten, die sonst dem Gesundheitsschutz zum Opfer fielen: Kinder können zur Schule gehen und Kunden in Geschäfte kommen." Es bestehe daher kein wirklicher Konflikt zwischen gesundheits- und wirtschaftspolitischen Anliegen, sagte Fuest.

Die bundesweiten Infektionszahlen waren in den vergangenen Tagen stark gestiegen, zuletzt auf deutlich mehr als 3.000 Neuinfektionen pro Tag. In zahlreichen großen Städten wie auch München wurde der Inzidenzwert von mehr als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen überschritten. 

Dekan Wilde: Kirche muss nach kreativen Lösungen suchen

Montag, 12. Oktober, 08.52 Uhr: Nach Ansicht des neuen evangelischen Passauer Dekans Jochen Wilde stehen die Menschen an der Schwelle zu einer neuen Zeit. Corona habe sie "wie ein Brandbeschleuniger" in ein Vorher und Nachher eingeteilt, sagte Wilde in seiner Antrittspredigt in der Matthäuskirche am Samstag laut Manuskript. In das Klagelied über die Zukunft der Kirchen will er nicht einstimmen: "Wir müssen nicht wie das Kaninchen vor der Schlange in Schockstarre verfallen." In Gemeinden, kirchlichen Einrichtungen und sozialen Diensten, erlebe er "sehr viel an Licht und Lebendigkeit". Dort geschehe Segensreiches an ganz unterschiedlichen Stellen, "wenn auch nicht immer im Licht der Öffentlichkeit".

Kirche ist dem 60-jährigen Dekan zufolge gefordert, Prioritäten zu setzen, ihr Profil zu schärfen und "nach klugen und kreativen Lösungen Ausschau zu halten". Dabei dürfe Kirche "auch mehr von der Jugend lernen". Im Dekanat Passau, in dem die Protestanten in der Minderheit sind, wünsche er sich mehr Kooperation und Vernetzung mit der katholischen Kirche: "Lassen Sie uns doch in der Ökumene - gerade in diesen Tagen - die Glaubensunterschiede so weit es geht hinten anstellen." Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass in Passau, das selbst an einer Grenze liege, die Menschen "eine besondere Sensibilität, eine besondere Empathie für Grenzgänger jeder Art" haben.

Der Regensburger Regionalbischof Klaus Stiegler überreichte Wilde im Gottesdienst das Amtskreuz und erteilte ihm den kirchlichen Segen. Wilde ist Nachfolger von Wolfgang Bub, der im April in den Ruhestand gegangen ist. Zum Dekanat Passau gehören 16 Kirchengemeinden mit 28.000 Gemeindegliedern in den drei Landkreisen Passau, Freyung-Grafenau und Rottal-Inn sowie der Stadt Passau. 

Donnerstag, 8. Oktober, 10.57 Uhr: Die Zustimmung unter den bayerischen Bürgern zum Corona-Krisenmanagement der Staatsregierung bleibt sehr hoch: Fast vier von fünf Wahlberechtigten (79 Prozent) bewerten das politische Handeln im Freistaat in der Pandemie positiv. Nur jeder Fünfte hingegen sieht es kritisch, wie der "BR-BayernTrend" am Mittwoch in München ergab. Allerdings fiel der Rückhalt leicht: Im Juli standen noch 87 Prozent voll dahinter. Auch rückblickend beurteilen 75 Prozent die bisherige Corona-Politik in Bayern seit Ausbruch der Pandemie als angemessen. 17 Prozent bewerten sie als übertrieben, und sieben Prozent hätten sich weitergehende Maßnahmen gewünscht.

Auch mit der Informationspolitik von Behörden und staatlichen Stellen zeigen sich 68 Prozent der Befragten zufrieden, 29 Prozent sind unzufrieden. Die vorübergehende Ausweitung der Maskenpflicht auf belebte öffentliche Plätze geht für 76 Prozent der Bayern grundsätzlich in die richtige, für 22 Prozent in die falsche Richtung.

Ungeachtet der hohen Zustimmung zur Corona-Politik sieht die Hälfte (50 Prozent) der Bayern wegen der Pandemie den sozialen Zusammenhalt bedroht. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Generationen: Während sich 55 Prozent der Ab-65-Jährigen sehr große oder große Sorgen um den sozialen Zusammenhalt machen, sind es bei den 18- bis 39-Jährigen lediglich 41 Prozent.

Die Angst vor Ansteckung ist leicht gestiegen: 29 Prozent der Befragten fürchten, dass sie selbst oder Familienmitglieder sich mit SARS-CoV-2 infizieren könnten; im Juli waren es 27 Prozent.

Die Sorgen um die Wirtschaft bleiben: 55 Prozent der Bayern äußern große bis sehr große Furcht, dass sich wegen der Pandemie die Wirtschaftslage im Freistaat verschlechtern könnte; im Juli waren es 60 Prozent. Geringer ist die Sorge um die eigene ökonomische Situation: Ähnlich wie im Juli sorgen sich aktuell 20 Prozent um ihr eigenes Auskommen - zwölf Prozent der älteren Bayern, aber 24 Prozent der 40- bis 64-Jährigen.

Die Christsozialen büßen an Unterstützung ein: Wäre in Bayern am kommenden Sonntag Landtagswahl, käme die CSU auf 45 Prozent Wähleranteil und könnte damit knapp die absolute Mehrheit erreichen; im Juli waren es noch 49 Prozent. Die Grünen kämen aktuell auf 21 Prozent (plus ein Prozentpunkt), die Freien Wähler auf sieben Prozent (plus zwei Prozentpunkte), SPD und AfD auf jeweils acht Prozent (jeweils plus ein Prozentpunkt). Den anderen Parteien, darunter FDP und Linke, bliebe der Einzug in den Landtag verwehrt (jeweils drei Prozent).

Für die repräsentative Umfrage wurden von Infratest dimap von 30. September bis 5. Oktober insgesamt 1.001 Wahlberechtigte in Bayern telefonisch interviewt.

Mediziner: Kein falsches Heroentum - bei Erkältung zu Hause bleiben

Mittwoch, 7. Oktober, 11.23 Uhr: Die Hausärzte in Bayern appellieren in der Corona-Pandemie an die Arbeitnehmer, nicht erkältet ins Büro zu gehen. "Dieses Heroentum, dass man erkrankt arbeitet, kann ich überhaupt nicht empfehlen", sagte der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbands, Markus Beier, am Mittwoch dem Radiosender Bayern2. Selbst wenn damit keine Covid-19-Infektionen weitergetragen würden, werde das allgemeine Infektgeschehen damit angeheizt. "Das ist absolut nicht nötig."

Beier sagte weiter, dass er mit gemischten Gefühlen in die Erkältungssaison gehe. Es sei verständlich, dass sich viele ein Stück mehr Normalität wünschen, "aber man sollte es wirklich nicht übertreiben". Er empfehle weiterhin, die AHA-Regeln einzuhalten (Abstand halten, Hygiene beachten, Atemschutzmaske tragen) und diese um ein "L" für Lüften zu ergänzen.

Im April und Mai habe man als Gesellschaft hier noch eine gewisse Stringenz gehalten, "die sich jetzt teilweise auflöst", bedauerte Beier. Das könnte problematisch werden. Grundsätzlich empfiehlt er: Wer Husten, Halsschmerzen oder Fieber habe - also typische Corona-Symptome -, solle sich zunächst telefonisch an seinen Hausarzt wenden. Dieser könne im Einzelfall entscheiden, ob man nur zu Hause bleiben und sich selber isolieren solle, oder ob auch ein Corona-Test nötig ist.

Bischöfe: Alle sollen Weihnachtsgottesdienste besuchen können

Montag, 5. Oktober, 15.26 Uhr: Die Erzbischöfe und Bischöfe der Freisinger Bischofskonferenz haben die katholischen Gemeinden zur Kreativität an den besonderen Festen und Feiertagen zwischen Allerheiligen und Weihnachten aufgerufen. Gerade an Weihnachten soll niemand ausgeschlossen werden, der einen Gottesdienst besuchen will, heißt es in einer in München veröffentlichten Erklärung der Freisinger Bischofskonferenz.

Weil man angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie nicht damit rechnen könne, dass die Abstands- und Hygieneregeln sich ändern, sollten etwa für Gottesdienste im Freien die technischen Möglichkeiten voll ausgeschöpft werden, heißt es in der gemeinsamen Erklärung.

In ihrem Papier gehen die Bischöfe und Erzbischöfe auch auf die Einschränkungen der kirchlichen Jugendarbeit seit Ausbruch der Pandemie ein. Für viele Kinder und Jugendliche seien die durch das Virus ausgelösten Einschränkungen besonders hart: "Ihr Leben, ihre sozialen Kontakte hat die Pandemie massiv eingeschränkt."

Soziale Unterschiede hätten sich durch die Pandemie verstärkt. Es bestehe die Sorge, dass sozial Schwächere weiter abgehängt werden, weil ihnen etwa wegen mangelnder technischer digitaler Ausrüstung die Teilhabe fehlt. Die Kinder- und Jugendhilfe der Caritas habe in dieser Zeit neue Wege beschritten, um weiter Kontakt zu den Betroffenen zu halten.

Zur Freisinger Bischofskonferenz gehören die beiden bayerischen Erzbistümer Bamberg sowie München und Freising. Außerdem zählen die bayerischen Bistümer Würzburg, Eichstätt, Augsburg, Regensburg und Passau sowie das Bistum Speyer in der Pfalz dazu.

Über zwei Millionen Kontrollen zu Corona

Samstag, 4. Oktober, 10.28 Uhr: Für eine Akzeptanz der polizeilichen Corona-Kontrollen wirbt Landtagsvizepräsident Markus Rinderspacher (SPD) Denn die Überwachung der Bestimmungen diene der Eindämmung des Pandemie, sagte Rinderspacher. Wie eine parlamentarische Anfrage ergeben habe, sei es in Bayern vom 21. März bis zum 20. September zu über zwei Millionen Kontrollen der Polizei zur Überwachung der Corona-Bestimmungen gekommen. Davon seien lediglich bei 147 Kontrollen "Widerstandshandlungen" registriert worden.

Neue Regeln und Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie

Mittwoch, 30. September, 09.39 Uhr: Bund und Länder haben angesichts steigender Corona-Infektionszahlen weitere Beschränkungen und Handlungsempfehlungen zur Bekämpfung der Pandemie vereinbart. Ein umfassendes Herunterfahren des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft wie im Frühjahr soll mit einer erweiterten "Hotspot"-Strategie verhindert werden. Die am Dienstag in Berlin vorgestellten Beschlüsse von AHA bis Urlaub:

* AHA-REGELN: Zu den bisherigen "AHA"-Regeln - 1,5 Meter Abstand halten, Hygiene, Alltagsmasken tragen - kommen zwei Buchstaben hinzu: Das "C", als Aufforderung, die Corona-Warn-App zu nutzen und das "L" fürs regelmäßige Lüften.

* BELÜFTUNG: Regelmäßiges Stoßlüften in allen privaten und öffentlichen Räumen könne die Gefahr der Ansteckung erheblich verringern, heißt es in dem Bund-Länder-Papier. Auch eine CO2-Messung in geschlossenen Räumen wird empfohlen, damit das Lüften nicht vergessen wird. Ein 500-Millionen-Euro-Förderprogramm unterstützt in diesem und im nächsten Jahr die Umrüstung von Belüftungsanlagen in öffentlichen Gebäuden - unter anderem in Schulen.

* FEIERN: Wenn Städte und Landkreise zu Corona-"Hotspots" werden, soll es Obergrenzen für Familienfeiern und andere Feste geben. Wenn es mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gibt, dürfen in öffentlichen oder angemieteten Räumen nicht mehr als 25 Menschen zusammenkommen. Im Privaten wird dann dringlich empfohlen, maximal mit zehn Personen zu feiern. Wenn wiederum die Sieben-Tages-Inzidenz von 35 überschritten ist, sollen höchstens 50 Personen in öffentlichen oder angemieteten Räumen an Festen teilnehmen. In privaten Räumen sollen es dann nicht mehr als 25 sein.

* GASTRONOMIE: Wer in Restaurants und Cafés falsche Kontaktdaten auf die Gästelisten schreibt, muss mit einem Bußgeld von mindestens 50 Euro rechnen. Gaststättenbetreiber werden zu "Plausibilitätskontrollen" aufgefordert - sie müssen also überprüfen, ob die Gäste korrekte Angaben machen. Gegebenenfalls könnten in der Gastronomie zeitlich begrenzte Ausschankverbote für Alkohol erlassen werden.

* GESUNDHEITSDIENST: Der öffentliche Gesundheitsdienst wird mit vier Milliarden Euro gefördert. Die Gelder stellt der Bund bis 2026 zur Verfügung. Damit sollen bei den Ländern bis zu 5.000 neue Stellen geschaffen werden und die Digitalisierung in den Gesundheitsämtern vorangetrieben werden.

* URLAUB: Mit Blick auf die beginnenden Herbstferien appellieren die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen, auf Reisen in Risikogebiete zu verzichten.

Münchner Motettenchor gibt erstes Konzert nach der Corona-Pause

Montag, 28. September, 16.36 Uhr: Der Münchner Motettenchor beendet mit einem Konzert die Corona-Pause. Am Samstag (3. Oktober) führt der Chor die "Petite Messe solennelle" von Gioachino Rossini in der Münchner Matthäuskirche auf. Damit angesichts der Corona-Beschränkungen möglichst viele Besucher kommen können, wird das Werk am Nachmittag und am Abend von zwei verschiedenen Formationen mit jeweils 30 Sängerinnen und Sängern aufgeführt, wie der Motettenchor mitteilte. Identisch bei beiden Aufführungen sei nur das Solistenquartett mit Talia Or (Sopran), Marlene Lichtenberg (Alt), Gyula Rab (Tenor) und Nikolay Borchev (Bass) von der Bayerischen Staatsoper. Den coronabedingten Einschränkungen komme entgegen, dass Rossinis Messe nicht von einem Orchester, sondern nur von zwei Klavieren und einem Harmonium begleitet wird.

Mit dem Konzert eröffnet der Motettenchor sein 60. Jubiläumsjahr. Das für den 28. Juni geplante dreifache Jubiläumskonzert im Gasteig mit den Münchner Symphonikern zu ihrem 77-jährigen Bestehen und zum 70. Geburtstag des Komponisten Enjott Schneider fiel den Corona-Beschränkungen zum Opfer. Der Münchner Motettenchor hatte seinen ersten öffentlichen Auftritt am 14. Dezember 1960. Unter der Leitung seines Gründers Hans Rudolf Zöbeley (1931-2007), der auch Kantor an St. Matthäus war, entwickelte sich der Chor kontinuierlich zu einem der führenden Ensembles in München. Zu einem musikalischen Markenzeichen des Chores wurden die Carmina Burana von Carl Orff. Zu dem Konzert zum 100. Geburtstag Orffs auf dem Münchner Marienplatz kamen im Juli 1995 über 10.000 Menschen. Neben traditionellen Werken wendet sich der Chor auch immer wieder der modernen zeitgenössischen Musik zu.

Ärzte warnen vor Anstieg der Corona-Todesfälle

Sonntag, 27. September, 14.39 Uhr. Ärztevertreter rechnen damit, dass die Zahl der Corona-Toten in Deutschland in den kommenden Wochen weiter steigen wird. Die aktuell zunehmende Zahl der Covid-19-Toten spiegele zeitversetzt das steigende Infektionsgeschehen der vergangenen Wochen wider, sagte Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), den Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe (Samstag). Von der Erstinfektion bis zu einer schweren Erkrankung dauere es in der Regel zehn bis 14 Tage, die durchschnittliche Zeit auf der Intensivstation betrage 21 bis 24 Tage. Das bedeute, dass sich viele der Menschen, die jetzt sterben, vor mehr als fünf Wochen angesteckt hätten, erklärte Janssens.

Der Mediziner rechnet nach eigenen Worten aber nicht mit einer erneut dramatischen Entwicklung wie im Frühjahr. "Die Intensivmediziner wissen heute viel mehr über erfolgreiche Behandlungsmöglichkeiten und können medikamentös gezielter eingreifen", sagte er. Zudem habe das Land gelernt, die besonders gefährdeten Gruppen, die Alten und Kranken, besser zu schützen.

Zur traurigen Bilanz der Pandemie gehörten aber nicht nur die unmittelbaren Todesfälle, fügte Janssens hinzu: "Neben den Menschen, die an und mit dem Corona-Virus sterben, dürfen wir aber nicht diejenigen vergessen, die weiterhin sterben, weil sie sich aus Angst vor Ansteckung nicht in Praxen und Kliniken trauen." Die Gesamtzahl der indirekten Toten werde man erst Jahre später beziffern können, wenn sämtliche Spätfolgen der Pandemie abschätzbar seien.

Weihnachtsmärkte sollen größere Abstände haben, Getränke nur in Sektoren

Samstag, 26. September, 19.19 Uhr: Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf die Weihnachts- und Christkindlesmärkte in den großen bayerischen Städten. Komplett abgesagt werden sie zwar nicht, aber wegen geltender Hygieneregeln finden sie überall in veränderter Form statt, wie eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) in fünf Großstädten ergab. Der weltbekannte Nürnberger Christkindlesmarkt soll stattfinden, es stelle sich "nicht die Frage nach dem ob, sondern nach dem wie", sagte ein Sprecher des Marktamtes. Der Markt werde dezentraler aussehen, sprich: Die Stände werden in größeren Abständen und deshalb nicht nur auf dem Hauptmarkt, sondern an diversen Plätzen in der Altstadt aufgestellt.

Auch der Augsburger Christkindlesmarkt soll "luftiger" werden: Die Standreihen auf dem Rathausplatz werden verbreitert, die Zahl der Händler soll aber durch eine Ausweitung der Fläche in die umliegende Innenstadt gleichbleiben. Ein Verbot des Alkoholausschanks sei derzeit nicht geplant, die Abgabe der Getränke an den Glühweinständen aber soll "mit abgegrenzten Sektoren" erfolgen, in denen Abstandsregeln gelten. Auch der Würzburger Weihnachtsmarkt soll stattfinden, er wird ebenfalls über die Innenstadt verteilt. Nur an "peripheren Plätzen" soll es Essen und Trinken geben - und nicht mit Selbstbedienung, sondern mit Bedienung und Kontaktdatenerfassung wie im Restaurant.

In der Landeshauptstadt München ist nach Angaben des Referats für Wirtschaft und Arbeit noch nicht entschieden, ob der Christkindlmarkt stattfinden wird. Aktuell sei das Referat als Organisator und Veranstalter dabei, ein coronataugliches Konzept zu entwickeln. Dies sei aber "noch nicht spruchreif", erläuterte ein Referatssprecher. In Regensburg sei "die Durchführung dezentraler Weihnachtsmärkte" politisch erwünscht, heißt es aus dem Rathaus. Momentan prüfe man, wo und wie dies in der Innenstadt umgesetzt werden kann. Zudem sei derzeit noch nicht klar, welche Auflagen "neben den üblichen Hygieneregeln" angesichts der Infektionszahlen in der Adventszeit gelten.

"Fastnacht in Franken" wegen Corona erstmals keine Live-Sendung

Freitag, 25. September, 11.41 Uhr: Die bekannte TV-Prunksitzung "Fastnacht in Franken" am 5. Februar wird erstmals in ihrer Geschichte nicht live aus Veitshöchheim gesendet. Grund dafür seien die Risiken durch die Corona-Pandemie, sagte der Ehrenpräsident des Fastnacht-Verbandes Franken, Bernhard Schlereth, der Würzburger Tageszeitung "Main-Post" (Freitag). "Stellen Sie sich vor, ein Künstler würde kurz vor der Sendung positiv getestet, dann müssten womöglich auch alle anderen in Quarantäne", erläuterte er. Man überlege gerade, ob man Einzelauftritte zusammenschneide oder sogar einen Gardeauftritt im Rokokogarten Veitshöchheim drehe.

Schlereth, der als künstlerischer Leiter für die Fastnachtssendungen im Bayerischen Fernsehen von Verbandsseite her zuständig ist, sagte der zeitung weiter: "Wir werden machen, was geht." Denkbar sei auch eine Aufzeichnung in den Mainfrankensälen mit deutlich weniger Publikum - und auf jeden Fall ohne die sonst so rege vertretene Politprominenz in den ersten Reihen. "Vielleicht können wir etwas mit Doubles machen", erläuterte Schlereth. Nach einem Treffen mit den Künstlern, die heuer auf der Bühne stehen sollen, sei jedenfalls klar, dass alle hochmotiviert seien und in diesen Zeiten "dankbar für jeden Auftritt" wären.

Trotz Corona: Jeder soll Weihnachtsgottesdienste besuchen können

Donnerstag, 24. September, 14.54 Uhr:  Jeder soll nach dem Willen des bayerischen evangelischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm trotz Corona in diesem Jahr an Weihnachten einen Gottesdienst besuchen können. "Unsere Kirchen sind bei den nötigen Sicherheitsabständen zu eng", sagte Bedford-Strohm am Donnerstag in München:

"Darum gehen wir raus! Das Licht der Weihnacht wird in diesem Jahr auf vielen Wiesen und Plätzen erstrahlen."

Viele der mehr als 1.500 evangelischen Kirchengemeinden im Freistaat planten heuer Weihnachtsgottesdienste an ungewöhnlichen Orten - beispielsweise in der Fußgängerzone oder einer Scheune, erläuterte er.

Solche außergewöhnliche Orte seien nicht nur etwas Besonderes, sondern schlichtweg nötig, weil dicht gedrängte Kirchenbänke an Heiligabend unter Corona-Bedingungen nicht möglich sind, teilte die Landeskirche weiter mit.

Viele Gemeinden planten, den Christbaum nicht in, sondern vor der Kirche für Gottesdienste im Freien aufzustellen. In anderen Gemeinden will man zu mehreren kurzen Gottesdiensten an verschiedenen Orten einladen.

"Vielleicht werden wir lange Unterhosen anziehen müssen", sagte Bedford-Strohm.

Es würden aber sicherlich Gottesdienste, "an die wir uns noch lange erinnern werden".

Söder: Wirtschaft, Schulen und Kitas haben oberste Corona-Priorität

Mittwoch, 23. September, 11.32 Uhr: Die bayerische Staatsregierung setzt im Kampf gegen die Corona-Pandemie weiterhin auf "Eindämmung statt Durchseuchung". Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte am Dienstag nach der Kabinettssitzung in München, man werde die bayerische Strategie beibehalten und nicht auf die schwedische wechseln. Die sich daraus entwickelnden Todeszahlen bei einem Strategiewechsel wären "ethisch, medizinisch und wirtschaftlich" nicht zu verantworten. Es gelte unbedingt einen zweiten Lockdown zu verhindern.

Um dies zu erreichen, soll künftig mehr Maske getragen werden. Regional soll ab einem Schwellenwert bei der 7-Tages-Inzidenz von 35 weiterhin die Maskenpflicht an weiterführenden Schulen gelten, ab 50 auch in Grundschulen. Darüber hinaus sollen die Sperrstunden in den Risikoregionen mit einer Inzidenz über 50 verlängert werden. Auch die Zahl der Gäste bei privaten Feiern wird reduziert: Innen dürfen sich nur noch 25 statt 100 Personen treffen, außen noch 50 statt 200. Zudem werden private Treffen auf zwei Hausstände beschränkt.

Auch die bereits diskutierte Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen soll kommen, sofern dort die Mindestabstände nicht eingehalten werden können. Darüber hinaus wird der Besuch von kritischen Einrichtungen wie Krankenhäusern, Pflegeheimen und Behinderteneinrichtungen auf täglich eine Person beschränkt. Diese Person soll in der Regel aus dem eigenen Hausstand stammen oder ein naher Angehöriger sein. Bei Minderjährigen könnten die Eltern oder Sorgeberechtigten ihre Kinder während festen Besuchszeiten auch gemeinsam besuchen.

Söder kündigte außerdem ein "Lüftungsprogramm" für 50 Millionen Euro für Kitas, Schulen und andere öffentliche Einrichtungen an. Mit technischen Lüftungsanlagen und Luftfiltern lässt sich die Viruslast in Innenräumen nach Angaben von Experten teilweise deutlich senken. Die oberste Priorität der Staatsregierung sei, die Wirtschaft und damit auch die Arbeitsplätze zu erhalten sowie einen Vollbetrieb in Schulen und Kitas zu gewährleisten. Das Freizeitverhalten der Menschen müsse dahinter womöglich etwas zurücktreten.

Würzburger Improtheaterfestival soll Corona-kompatibel starten

Dienstag, 22. September, 10.08 Uhr: Die 19. Auflage des Würzburger Improtheater-Festivals findet trotz Corona-Pandemie statt - zumindest nach jetziger Planung. "Es ist ein absolut verrücktes Jahr", sagte Festivalleiterin Lena Försch laut einer Mitteilung vom Montag. Auch bei der Organisation habe man diesmal improvisieren müssen. Von 21. bis 24. Oktober zeige man heuer sieben verschiedene Shows auf diversen Bühnen der Stadt. Manche Shows würden wegen der Hygienevorschriften und der dadurch begrenzten Platzzahl gleich zweimal hintereinander gezeigt, damit möglichst viele Zuschauer kommen können. Zwischen den beiden Shows würden die Sitzplätze desinfiziert und die Säle gut durchgelüftet, hieß es.

Beim Improvisationstheater entsteht "alles im Moment" - es gibt kein Skript oder Drehbuch, keine fest stehenden Dialoge. Je nach Art des Improtheaters kann sich eine dramatische Liebesgeschichte, Gruseliges aus dem Land der Alpträume oder ein Wettstreit um den schönsten Song für Würzburg auf der Bühne entwickeln. Normalerweise kommen zu dem Festival Schauspieler und Zuschauer aus rund einem Dutzend Länder nach Würzburg - wegen der Corona-Pandemie komme das Gros der 60 Darsteller diesmal vor allem aus dem deutschsprachigen Raum. Für mehr Reichweite soll dieses Jahr eine Art Festival-Fernsehsender sorgen, der live von den Bühnen ins Netz streamen soll. 

Söder für Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen

Montag, 21. September, 09.47 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) spricht sich für eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen aus. Er sei sehr dafür, dass man überall dort im öffentlichen Raum eine Maskenpflicht einführe, "wo kein Abstand halten möglich oder gewollt ist", sagte Söder der Radiosender B5 Aktuell. Wenn es klare Regeln gebe, könnten die Ordnungskräfte auch entsprechend reagieren. Seine Sorge mit Blick auf die momentan hohen Infektionszahlen in Würzburg oder München seien nicht in erster Linie professionell organisierte Termine, sondern private Feiern: "Wenn die Vernunft nichts hilft, dann muss gesteuert werden."

Der CSU-Chef betonte, dass ein zweiter Lockdown verhindert werden müsse. Klare Priorität hätten für ihn, dass in den Schulen und Kitas im Freistaat weiter ein Vollbetrieb möglich seien und die Wirtschaft. Söder betonte, dass in München angesichts der Entwicklungen nun geplant sei, das Gesundheitsamt zu verstärken. Die Staatsregierung werde auch die Bundeswehr um Unterstützung bitten, um Infektionsketten besser nachverfolgen zu können. Kritisch sieht Söder zudem den Supercup zwischen dem FC Bayern und dem FC Sevilla in Budapest. Man solle sich gut überlegen, ob man wirklich dorthin fahren wolle.

Erstattung für Corona-Test nach Rückkehr aus Nicht-Risikogebiet endet

Dienstag, 15. September, 08.10 Uhr: Rückkehrer aus Nicht-Risikogebieten müssen einen Corona-Test von Dienstag an selbst bezahlen. Wie das Bundesgesundheitsministerium am Montag in Berlin mitteilte, tritt dann die neue Testverordnung in Kraft, nach der nur noch die Kostenübernahme für die verpflichtenden Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten bestehen bleibt. "Die Pandemie zwingt uns, unsere Strategie ständig der dynamischen Lage anzupassen", erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Für die Urlaubszeit sei es wichtig gewesen, möglichst alle Reisenden auf das Corona-Virus zu testen. "Mit Blick auf Herbst und Winter konzentrieren wir die Tests jetzt wieder stärker aufs Inland", ergänzte Spahn.

Die Test- sowie Quarantänepflicht für Reisende aus Risikogebieten bleibt allerdings bestehen. Die Regeln werden derzeit überarbeitet und sollen ab Oktober gelten. Das Ende der Kostenerstattung für Urlauber aus Nicht-Risikogebieten hatten die Regierungschefs von Bund und Ländern kürzlich beschlossen. Damit entfällt für diese Gruppe auch der Anspruch auf einen Test nach einem Urlaub im Ausland.

Tag des offenen Denkmals fand erstmals überwiegend digital statt

Montag, 14. September, 15.31 Uhr: Der Tag des offenen Denkmals am Sonntag fand in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie erstmals überwiegend digital statt. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Denkmalschutz stellten sich Hunderte Kirchen, Burgen und andere historische Gebäude oder Parks mit digitalen Angeboten auf einer Online-Plattform vor. Mehr als 1.200 Beiträge standen zum Abruf bereit, darunter Filme, digitale Rundgänge, Fotoreihen, Schnitzeljagden, Live-Veranstaltungen und Podcasts. Einige Veranstalter wie etwa Museen boten aber auch vor Ort Führungen unter Corona-Auflagen an, für die meist eine Vorab-Anmeldung erforderlich war.

Die Beiträge auf der Online-Plattform "tag-des-offenen-denkmals.de" sollen noch bis Ende September abrufbar bleiben. Der Tag des offenen Denkmals ist der deutsche Beitrag zu den European Heritage Days und stand in diesem Jahr unter dem Motto "Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Im vergangenen Jahr lockten rund 8.000 Denkmäler in ganz Deutschland mehrere Millionen Besucher an.

Corona-Demo in München - mit Gegendemo

Samstag, 12. September, 17.50 Uhr. Bei einer Corona-Demonstration in München sind nach Polizeiangaben am späten Samstagnachmittag etwa 10.000 Menschen zusammengekommen. Die Kundgebung auf der Theresienwiese sei bis zum frühen Abend "weitestgehend friedlich" verlaufen, wie ein Polizeisprecher dem Sonntagsblatt sagte. Ihren Protestzug zuvor hatten die Veranstalter vorzeitig abgebrochen. Die Polizei hatte den Zug angehalten, weil in der Spitze geschätzt 3.000 statt der angemeldeten 500 Teilnehmer dabei waren und diese nach Polizeiangaben "nur vereinzelt" einen Mund-Nasen-Schutz trugen. Die Beamten waren mit 1.400 Kräften im Einsatz.

Auch auf der Theresienwiese überwachte die Polizei die Einhaltung der Infektionsschutzmaßnahmen, teilweise per Hubschrauber. Der Abstand werde "nicht durchgängig" gewahrt, teilte die Polizei auf Twitter mit. Zudem trügen viele Teilnehmer keine Maske: "Wir werden diese Personen ansprechen, und je nach Sachlage werden sie wegen einer Ordnungswidrigkeit angezeigt", hieß es.

Beim Protestzug vom Odeonsplatz zur Theresienwiese hatte die Polizei die Teilnehmer in Gesprächen und per Lautsprecherdurchsagen aufgefordert, eine Maske zu tragen und den Abstand zu wahren. Nach Auflösung des Zugs auf Höhe der Alten Pinakothek forderten die Initiatoren von "Querdenken 089" die Teilnehmer auf, zur geplanten Versammlung auf der Theresienwiese um 16 Uhr zu kommen. Die Teilnehmerzahl dort war nicht begrenzt, es galten jedoch die Hygienevorgaben wie bei allen öffentlichen Veranstaltungen von mehr als 200 Personen

Der Corona-Demo vorausgegangen waren diverse Umplanungen aufgrund kontroverser Gerichtsurteile. Ursprünglich hatten die Veranstalter 5.000 Teilnehmer auf dem Odeonsplatz und einen Protestzug durch die Innenstadt angemeldet. Die Stadt hatte dies untersagt und war am Freitag vom Verwaltungsgericht bestätigt worden. Demnach war nur eine auf 1.000 Teilnehmer beschränkte Versammlung auf der Theresienwiese und kein Protestzug erlaubt. Am frühen Samstagmorgen hatte der bayerische Verwaltungsgerichtshof entschieden, einen Protestzug mit 500 Teilnehmern zur Theresienwiese und dort eine Versammlung ohne Teilnehmerbegrenzung zuzulassen.

Eine Gegendemonstration von einem Bündnis aus linken Organisationen fand am Nachmittag auf dem Goetheplatz statt. Das Motto: "Solidarität statt rechter Verschwörungswahn".

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