23.08.2019
Live in Nürnberg

Albert Hammond: Die gute Botschaft der Musik

Rein vom Alter (75) und der ersten Jahre seines musikalischen Wirkens her, würde Albert Hammond wunderbar zu den Vertretern des "Summer of Love" und der Hippie-Zeit passen. Indes: Ein Hippie war der britische Hit-Produzent eigentlich nie so recht. Dafür hat er eine schier unerschöpfliche Liste an Evergreens geschaffen, die sonnige Laune verbreiten. Wie am Donnerstag beim Konzert im Nürnberger Serenadenhof, wo Hammond auftrat, für den alles eigentlich im Kirchenchor begann.
albert hammond
Albert Hammond bei seinem Konzert im Serenadenhof Nürnberg am 22. August 2019.

Singen in der Kirche als Start einer Pop-Karriere – das kennt man eher von schwarzen Musikern wie Ray Charles oder Mahalia Jackson, die im Gospel-Chor ihrer Gemeinde ihre ersten musikalischen Gehversuche unternahmen. Oder, um bei einem Beispiel aus Deutschland zu bleiben, von Musikern wie Dieter Falk. Kirche als Entwicklungsumfeld scheint auch Albert Hammond gut getan zu haben: Seine Lieder wie "It never rains in southern california" oder "I´m a train" aus den 70ern kennt heute noch jeder.

Dass er auch Starships "Nothings gonna stop uns now" oder Whitney Houstons "One moment in time" und "The Air that I breathe" von den Hollies geschrieben hat, wissen die Wenigstens. Die Besucher im gut gefüllten Serenadenhof nun schon, den der bestens gelaunte Musiker knapp zwei Stunden ein Hit-Feuerwerk präsentierte. "Ach, das ist auch von ihm?" hörte man manchen Zuhörer verdutzt sagen, als beispielsweise das für Tina Turner geschriebene "I don´t wanna lose you" oder das von Joe Cocker interpretierte "Don´t you love me anymore" intoniert wurden. Und mit seiner positiven Ausstrahlung dann doch in einer Reihe mit gleichaltrigen Leuten wie Graham Nash steht, der erst vier Wochen vorher hier stand und der auch in der Woodstock-Ausstellung des Concertbüro Franken zu hören ist, die derzeit in der Nürnberger Egidienkirche zu sehen ist.

Umwelthemen früh angesprochen

Von den Hippies beziehungsweise dieser Zeit kann man bei Albert Hammond immerhin die offenherzige Lebenseinstellung der Generation sehen. Seine Drei-Minuten-Popklassiker brachte der immer noch kernig da stehende Sänger mit einem breiten Dauerlächeln dar und ließ die Freude am Musikspielen und Singen echt wirken. Im Übrigen war Hammond auch Vorreiter kritischer Umweltthemen, wie 1972 in "Down by the river" besungen, das sich mit der Verschmutzung der Meere auseinandersetzte und das sich natürlich in den Hit-Reigen einreihte. In seiner Anmoderation dieses Gassenhauers kamen dann auch kritische Töne zum Vorschein - schließlich scheint sich in den vergangenen fast 50 Jahren die Welt in dieser Hinsicht nicht zum besseren geändert haben.

Wenn Hammond dann die Geschichte eines 99-jährigen Mannes erzählt, dessen Lebensweisheit sich darauf reduzieren lässt zu bekennen, für jeden geschenkten Tag dankbar zu sein, dann ist das kein Kitsch bei am agilen Singer-Songwriter und Musikproduzenten. Man nimmt ihm diese Einstellung absolut ab. Hammond ist ein glücklich gebliebenes Kind einer – vielleicht – besseren Zeit. Das immer noch gerne auf der Bühne steht. Denn: Wenn Albert Hammond heute das Radio anmacht und eine Weile durch die Sender streift, dann bleibt er sicher bald an einem seiner Songs hängen und verdient durch die Tantiemen beim Zuhören alleine schon Geld. Wenn so einer mit 75 immer noch regelmäßig tourt und dabei gute Laune verbreitet - dann ist das wohl ein Überzeugungstäter.

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

Hippies und Religion

Nürnberger Egidienkirche - Ausstellung zu "Woodstock"
Autor
Was haben Hippies und eine evangelische Kirche gemeinsam? Sehr viel, glaubt jedenfalls Elliott Landy. Der 77-jährige US-Amerikaner war im Jahr 1969 mit der Kamera live dabei, als vom 15. bis 17. August das Open-Air-Musikfestival "Woodstock" stattgefunden hat. Pünktlich zum 50-Jährigen des Ereignisses hat der Fotograf nun eine Ausstellung konzipiert. In der Nürnberger Egidienkirche wird sie vom 16. August bis 9. Oktober zu sehen sein.

Bücher

Paul McCartney
Autor
Paul McCartney schreibt ein Buch über Klima- und Tierschutz. Die Kurzformel "Less meat, less heat" (zu Deutsch: weniger Fleisch, weniger Erwärmung) soll ein "Rezept für unseren Planeten" sein, wie der Untertitel des im Claudius-Verlag erschienenen Werks vermitteln will. Reiht sich der Ex-Beatle da in die Riege der Promis ein, die auf den Wohltätigkeitstrip geraten sind? Mitnichten. McCartneys Werk spiegelt die in über 40 Jahren gereiften Überzeugungen des britischen Musikers wider, deren Wurzeln im Ende der größten Band der Welt zu finden sind.

Musik & Glaube

Billy Joel
Autor
Ob Billy Joel am 9. Mai auch mal ein bisschen an Nürnberg denkt? Der US-amerikanische Megastar wird an diesem Tag 70 Jahre alt. Und auch wenn der in der Bronx aufgewachsene jüdische Sänger, Pianist und Songwriter dann vielleicht eher seine Karriere als seine Familiengeschichte Revue passieren lässt – hat sie Joel nie losgelassen. Die Wurzeln Joels lassen sich bis ins frühe 19. Jahrhundert in Mittelfranken nachweisen. Am Schicksal der Familie spiegelt sich die traurige Geschichte der Juden im frühen 20. Jahrhundert in Deutschland wider. In Nürnberg, Ansbach und Colmberg sind die Spuren der Joels immer noch sichtbar.

Interview

Dieter Nuhr - Wenn man keine Ahnung hat: einfach mal Fresse halten.
Autor
Kabarettist Dieter Nuhr hat ein neues Buch geschrieben, das auf den ersten Blick eigentlich nichts zum Lachen, sondern ein "Leitfaden für das Überleben in hysterischen Zeiten" sein soll. Wer aber den 59-Jährigen kennt, weiß, dass sich in seine Alltagsbetrachtungen regelmäßig kritische Töne und Appelle an die "Vernunft" mischen. Warum "Gut für dich!" ein Herzensanliegen des aus Nordrhein-Westfalen stammenden Künstlers ist, verrät er im Interview.

Kultur in Nürnberg

Herman van Veen
Autor
Wenn ein 74-Jähriger auf der Bühne Hüftprobleme vortäuscht, von der fehlenden Medizin gegen Einsamkeit im Alter singt, im nächsten Moment aber traumtänzerische Pirouetten dreht und am Klavier clowneske Slapstick-Einlagen abfeuert - dann war wohl wieder mal Herman van Veen in der Stadt. Der niederländische Komponist, Maler, Sänger, Clown, Violinist, Gitarrist und vor allem tiefgründige Entertainer verzauberte bei seinem Konzert in Nürnberg. Und bot dabei sowohl Nahrung für die Lachmuskeln als auch fürs Herz.

Fränkische Mundart

Johann Müller
Autor
Launige Alltagsbetrachtungen aus dem Steigerwald, verklärte Verse über die verloren gegangene Unbekümmertheit der Jugend und bissige bis nachdenkliche Analysen des Zwischenmenschlichen - all dies gehört seit Jahren zur "Gschicht" von Liedermacher Johann Müller. Und seit zwei Jahren eben auch Depression und Burn out, von denen der 57-Jährige bei seinem ersten Konzert nach langer Krankheitspause in Gnodtstadt freimütig erzählte.
Sonntagsblatt