Evangelische Kirchen in Bayern
Kirchenburgen und Wehrkirchen sollten die Gläubigen vor Fremden schützen. Doch worin unterscheiden sie sich? Wir erklären die Begriffe und stellen Kirchenburgen in Bayern vor.
Kirchenburgen und Wehrkirchen in Bayern
Kirchenburgen und Wehrkirchen in Bayern.

Kirchenburgen und Wehrkirchen gibt es in ganz Europa. Sie dienten in den vergangenen Jahrhunderten dem Schutz der Gläubigen. Oft wurden die Kirchen in erhöhter Lage errichtet und mit festen Steinmauern umgeben. Gelegentlich verfügten die Gebäude auch über mehrere Stockwerke mit einer festen Wehrplatte, sogar Schießscharten gab es.

Eine der berühmtesten Wehrkirchen ist den meisten Menschen bekannt: Der Mont-Saint-Michel in der Normandie. Ähnlich trutzige Sakralbauwerke kennt man aus  Kärnten und in der Steiermark. Eine wahre Hochburg mit 160 Kirchenburgen ist Siebenbürgen; sieben rumänische Anlagen sind sogar UNESCO-Weltkulturerbe. Doch auch die Rundkapellen in Böhmen und Polen, die Kirchen in Skandinavien und Italien wären aufzuzählen.

Kirchenburgen in Bayern

Besonders viele Kirchenburgen und Wehrkirchen befinden sich in Bayern.  Hier werden rund 62 Kirchenburgen gezählt. Davon liegen allein 16 im Kitzinger Land. Der Mönchsondheimer Historiker Hüßner sieht in diesem Landkreis sogar "über 30 nachgewiesenen Kirchenburgen, und selbst hier gibt es noch eine gewisse Dunkelziffer". – Nun, der konservativen Zählweise zufolge stehen weitere elf Festungsgotteshäuser im Landkreis Rhön-Grabfeld und jeweils acht in den Kreisen Ansbach und Schweinfurt.

Befestigt wurden die Gotteshäuser meist in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, als die "Türkenangst" in Europa umging, wenn nicht schon einige Jahrzehnte zuvor in der Zeit der Hussitenkriege.

Nicht nur Menschen fanden hinter der Umfriedung ihrer Kirchen Schutz. Auch ihr Hab und Gut konnten sie hier in Sicherheit bringen – vor allem die Ernte und das Saatgut fürs kommende Jahr. Dafür bauten sie Scheunen aus Steinen, was in der Fachwerkepoche eine echte Besonderheit war, die sogenannten Gaden.

Kirchenburg in Ostheim von der Rhön

Ostheim v. d. Rhön (Dekanat Bad Neustadt) brachte es auf 72 solcher Gaden. Die Stadt schmückt sich mit den Adjektiven, sie habe "die größte und am besten erhaltene Kirchenburg Deutschlands".  Die Kirchenburg in Ostheim wurde 1410 erstmals urkundlich erwähnt verfügt über fünf Türme, sechs Bastionen und einen doppelten Bering. Innerhalb der Burg steht die im Renaissancestil erbaute Kirche St. Michael.

Gaden von Gochsheim

Wehrummauert, mit Notunterkünften und besonders dicken Kirchenwänden – aus wenigen Standardelementen entstanden sehr verschiedene Ensembles. Man drücke sich beispielsweise einmal zwischen den Gaden von Gochsheim (Dekanat Schweinfurt) entlang und man gewinnt einen starken physischen Eindruck von der Klaustrophobie, die die Schutzsuchenden beim lärmenden Ansturm äußerer Feinde gepackt haben muss. Andererseits Ostheim: fünf Türme, sechs Bastionen, eine doppelte Wehrmauer weitläufig um die seinerzeit hochmoderne Renaissancekirche, da kann man sich vorstellen, wie zumindest in Friedenszeiten Besitzer- oder zumindest Bewohnerstolz die Brust der Ostheimer schwellen ließ.

Kirchenburg in Hüttenheim

Nochmal ganz anders Hüttenheim: Man fühlt sich wie auf einem sehr gepflegten Bauernhof und würde sich nicht wundern, wenn plötzlich eins der vielen runden Holztore öffnete und ein Traktor heraustuckerte. Tatsächlich wird hier jährlich ein Weinfest gefeiert. Der zuständige Dekan Ivo Huber hält selbst Gottesdienste in einer Kirchenburg, in Markt Einersheim. So weiß er, dass die denkmalgeschützten Erbschaften "große Lasten mit großen Chancen sind, wenn es gelingt, das historische Umfeld zu beleben".

Kirchenburgmuseum Mönchsondheim

In der Nachbarschaft gelang das auch: Mönchsondheim (Dekanat Kitzingen) überrascht mit viel Fachwerk, wo es doch gerade ein Kennzeichen der Wehrhaftigkeit ist, dass die Kirchenbefestiger mit solidem Stein arbeiteten, nicht in der leichten Ständerbauweise. Das Kirchenburgmuseum widmet sich der "Geschichte und Bedeutung" von Kirchenburgen. Auch aus gartenkultureller Sicht sind die Kirchenburgen als Umfassung der Kirchhöfe und als Speicherort der Produkte aus Feld und Garten interessant. Die Dörfer um die Kirchenburg sind häufig ländlich geprägt und noch heute von reich bebauten bäuerlichen Nutzgärten umgeben. Das Kirchenburgmuseum Mönchsondheim zeigt bäuerliche Kräuter und Nutzpflanzen der Region.

Kirchenburg St. Johannis in Burgbernheim

Die Kirchenburg in Burgbernheim ist gewaltig - zu ihr gehören Torhaus, Seilersturm und Friedhofsmauer.  Der erste Kirchenbau aus dem Jahre 755 wurde um 800 wieder zerstört. 1102 wurde eine romanische Kirche errichtet, um 1443 dann mit einem gotischen Chor erweitert. Das Langhaus wurde 1874/76 durch einen neugotischen Bau ersetzt. Zuletzt wurde die Kirche von 1967 bis 1971 grundlegend renoviert. Weiterführende Informationen zur St. Johanniskirche in Burgbernheim gibt es unter diesem Link.

Kirchenburg St. Johannis in Burgbernheim
Kirchenburg St. Johannis in Burgbernheim
Kirchenburg St. Johannis in Burgbernheim
Kirchenburg St. Johannis in Burgbernheim
Kirchenburg St. Johannis in Burgbernheim
Kirchenburg St. Johannis in Burgbernheim

Worin unterscheiden sich Wehrkirche und eine Kirchenburg?

Wehrkirche

Als Wehrkirche wird eine Kirche bezeichnet, die stark befestigt wurde - etwa mit einem gemauerten Gang, einer besonders dicken Mauer oder einem monumentalen Turm. Häufig sind die Wehrkirchen erhöht oder befinden sich auf einem Hügel, damit die Feinde aus großer Entfernung entdeckt werden können.

Kirchenburg

Die Kirchenburg ist eher eine ganze Anlage. Das Kirchengebäude wird umringt von einer starken Mauer, die vor Eindringlingen schützen soll. Oft sind die Kirche und auch die Friedhofsmauern besonders befestigt.

Kirchenburgen und Wehrkirchen in Bayern

Themen-Fahrradweg "Kirchenburgen-Tour"

Der Themen-Fahrradweg "Kirchenburgen-Tour" startet an der Kirchenburg Mönchsondheim, deren Museum über die Verteidigungs-Gotteshäuser anschaulich unterrichtet. Acht weitere solcher Anlagen lassen sich auf dem rund 50 Kilometer langen Parcours besuchen. Die Strecke führt zunächst nach Markt Herrnsheim, Hüttenheim, Seinsheim, dann über Tiefenstockheim, Willanzheim, Kleinlangheim und Wiesenbronn zum Dekanatssitz Markt Einersheim. Einige Teilstrecken führen über Schotterpisten. Weil nicht überall jederzeit Wirtshäuser geöffnet haben, sollte der Kirchenburg-Radfreund Proviant einpacken.

Termine zu Kirchenburgen 2021

Am Sonntag, 1. August 2021, um 10.15 Uhr weiht die Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski das Dekanatszentrum in der Kirchenburg Markt Einersheim ein.

Für Mitte August setzt Hüttenheim jährlich ein Weinfest zwischen den Kirchenburg-Gaden an. Heuer fällt die Feier coronabedingt aus. Das Wirtshaus neben dem Gotteshaus bietet dennoch Möglichkeit zur Einkehr.

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