Synodale in Bayern
Synodale Cornelia Treml will Bindeglied sein zwischen Synode und Gemeinde. Warum sie sich für kirchliche Immobilien interessiert, erläutert sie im Sonntagsblatt-Interview.
Cornelia Treml
Cornelia Treml ist Mitglied der bayerischen evangelischen Landessynode.

Cornelia Treml ist Mitglied der bayerischen Landessynode. Die 34-Jährige arbeitet in Weiden in der Oberpfalz als Mittelschullehrerin. Im Sonntagsblatt-Interview erzählt sie, worauf es ihr ankommt.

Was möchten Sie in den nächsten sechs Jahren erreichen als Synodale?

Treml: In meinem Dekanat gibt es – wie überall in unserer bayerischen Landeskirche – Kirchengemeinden, Vereine, Verbände und Einrichtungen, die ein vielfältiges Angebot machen und in denen Menschen ein liebevolles Miteinander erleben. Ich möchte ein verlässliches Bindeglied sein, den Herausforderungen eines kirchenleitenden Amtes und den Bedürfnissen vor Ort gerecht werden und in beide Richtungen wirksam kommunizieren. Konkret bedeutet das für mich vor Ort begründen zu können, warum gewisse Entscheidungen getroffen wurden, und in der Synode die Perspektiven aus meinem Dekanat wirksam einzubringen.

Woran arbeiten Sie gerade im Kirchenvorstand?

In unserem Kirchenvorstand beschäftigt uns neben dem Tagesgeschäft derzeit natürlich der Prozess der Landesstellenplanung. Zur Auseinandersetzung mit dem Thema gab es einen Fragebogen, der dekanatsweit bearbeitet wurde. Dadurch haben wir uns intensiv Zeit genommen, unser ganzes Gemeindeleben zusammenzutragen und uns zu überlegen, was uns für die Zukunft besonders wichtig ist. Wichtig sind für uns das gottesdienstliche Leben, Kinder- und Jugendarbeit, Kirchenmusik, Kasualien, Religionsunterricht und Konfirmandenarbeit.

Zudem wollen wir eine Öffentlichkeitsarbeit entwickeln, die mehr Menschen erreicht als "nur" die Kerngemeinde. Mit unserer eigenen Prioritätenliste im Hinterkopf erarbeiten wir zusammen mit den Kirchengemeinden in der Region ein Konzept für unsere zukünftige Zusammenarbeit. Wir werden uns überlegen, was wir künftig miteinander gestalten können und wollen, z.B. gemeinsame Predigtplanbesprechungen, Veranstaltungen und Konfirmandenarbeit.

Daneben beschäftigen uns natürlich unsere Immobilien. Unser Pfarrhaus in Plößberg wird demnächst umgebaut, ins Erdgeschoss kommt ein neuer Gemeindesaal. Das Gemeindehaus nebenan und ein Teil des Pfarrgartens wurden an die Kommune für die Erweiterung der Kinderkrippe verkauft. Für den Kirchenvorstand bedeutete das, eine Zwischenlösung für das Pfarramt zu suchen und demnächst natürlich auch den Umzug in die vorübergehend angemieteten Räume.

Welche Themen bewegen Sie persönlich - und warum?

Treml: Ich wünsche mir, dass in unserer Kirche so viel Zeit wie irgendwie möglich in Gottesdienste, Verkündigung und Seelsorge fließen. Deshalb finde ich alle Themen spannend, bei denen Prozesse vereinfacht werden und Ballast abgebaut wird. Insofern beschäftigte mich zunächst die Kirchengemeinde-Bauverordnung und die Verfahren von der Planung einer Baumaßnahme bis hin zur kirchenaufsichtlichen Genehmigung. Denn es macht in der täglichen Arbeit in einer "steinreichen" Region wie der Oberpfalz einen Unterschied, wenn Baumaßnahmen mit wenig Reibungsverlusten geplant und durchgeführt werden können.

Beim ersten Treffen der Synodalen wurden wir in den PuK-Prozess hineingeholt. Die Grundaufgaben und die strategischen Ziele begeistern mich. Viele sagen, sie arbeiten schon immer nach der PuK-Logik. Das glaube ich auch. Dennoch finde ich es gut, dass die ELKB das Thema oben auf die Agenda setzt, dass wir uns immer wieder bewusst machen, was bzw. wer die Mitte all unserer Veranstaltungen, Gruppen, Aufträge, unserer Personalpolitik, Immobilien und Finanzen ist.

Es geht um Christus, die menschgewordene Liebe Gottes. Mit diesem Bewusstsein im Herzen fällt es leichter sich von etwas zu lösen, das seine beste Zeit hinter sich hat, ob das nun eine Immobilie ist oder die evangelische Krabbelgruppe, weil es nicht genug Teilnehmende gibt. Das bedeutet aber nicht, dass wir die Kirche "niederwirtschaften", sondern dass wieder neue Ressourcen entstehen, die den Blick in eine neue Richtung lenken. Wenn kein Frauenkreis mehr nachgefragt wird, ist das vielleicht der Startschuss für eine Reihe mit abendlichen Glaubenskursen in der Region, zu denen viele Menschen eingeladen werden. Wenn ein altes Gemeindehaus verkauft wird, findet das evangelische Angebot vielleicht eine neue Heimat und neue Netzwerke im Sportheim, der Schule oder im Gemeindesaal.

Wie bewerten Sie das Thema "Digitalisierung" im Bereich von Kirche und Diakonie?

Treml: Digitalisierung ist kein Thema, das verhandelbar ist. Jedes Unternehmen braucht eine geeignete Software, Personal, das im Umgang mit der Software geschult ist, und klar geregelte Verantwortung bei Problemen, Wartung und Reparatur. Ich wünsche mir, dass alle Haupt- und Ehrenamtlichen in unserer Kirche hier optimal beraten und ausgestattet werden. Vor den Personen, die den Digitalisierungsprozess in der ELKB steuern, habe ich größten Respekt, denn das ist eine riesige Aufgabe, die nie abgeschlossen sein wird. Für mich hat dieses Thema also einen hohen Wert.

Es dauert nicht mehr lange, dann wird Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit aber auch Kommunikation zwischen Haupt- wie Ehrenamtlichen zum größten Teil digital ablaufen. Jugendliche informieren sich kaum noch über die Tageszeitung. Auch ich gehöre zu den Menschen, die in ihrer Wohnung keinen festen Ort mehr für einen gedruckten Gemeindegruß haben und Papier zum großen Teil schnell entsorgen. Ich schätze es sehr, wenn die Digitalisierung Prozesse vereinfacht. Wenn wir dann auch noch vor Ort bei Softwarelösungen kooperieren und die Kirche Arbeitsplätze einheitlich ausstattet, gewinnen alle.

Und Social Media?

Kirche und Social Media ist nicht mein Spezialgebiet. Natürlich ist das Internet als sozialer Raum auch ein Ort für Verkündigung und Seelsorge. Gleichzeitig verunsichert mich der schmale Grat zwischen froher Botschaft und Eitelkeit. Deshalb traue ich mich an dieses Feld nicht ran. Ich bin aber sehr begeistert von Konsynodalen und vielen anderen Personen in der ELKB, die in sozialen Netzwerken immer wieder geistliche Impulse setzen, Bildungsarbeit leisten, den Glauben ins Gespräch bringen, auf das ein oder andere gottesdienstliche Angebot hinweisen und vieles mehr. Ich selbst habe auf Facebook und Instagram etliche Personen abonniert und nutze auch die Facebookseiten der ELKB, der Evangelischen Jugend in Bayern, aber auch Seiten aus meinem Dekanat, um mich zu informieren.
 

Cornelia Treml

Cornelia Treml ist Mitglied der bayerischen Landessynode.

Evangelische Synodale in Bayern

Wer sind eigentlich die 108 Personen, die zur Landessynode der evangelischen Kirche in Bayern gehören? In unserer Sonntagsblatt-Reihe stellen wir die Synodalen vor. Wir sprechen mit den Mitgliedern der Landessynode -  über Kirche, Glaube, Religion und natürlich die Aufgaben, Ziele und Projekte der Landessynode.

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