Synodale in Bayern
Gesine Clotz engagiert sich ehrenamtlich in Gemeinde, Dekanat und Synode. Im Sonntagsblatt-Interview erzählt sie, warum die Kirchenmusik für sie eine besondere Freude bedeutet - und wie die bayerische evangelische Landeskirche sich künftig digital aufstellen sollte.
Gesine Clotz ist Synodale der bayerischen evangelischen Landeskirche.

Gesine Clotz ist Schulleiterin einer Grundschule - und ist eine der Synodalen der bayerischen evangelischen Landeskirche. Im Sonntagsblatt-Interview erzählt sie, was sie an dem Amt interessiert - und wofür sie sich gerne engagiert.

Welches aktuelle Thema beschäftigt Sie als Synodalin?

Auf den ganz verschiedenen Ebenen meiner ehrenamtlichen Tätigkeit (Kirchenvorstand, Prodekanat, Dekanat und Landessynode) beschäftigt mich sehr die Landesstellenplanung mit all ihren Facetten der Auswirkungen für die Zukunft unserer Kirche. An vielen Punkten sollten wir neu und mutig denken und ausprobieren, wie wir Gemeindeglieder – auch außerhalb der Kerngemeinde - erreichen, wie wir unser Personal (Haupt- und Ehrenamtliche) so einsetzen, dass es im guten Kontakt mit den Menschen im Sozialraum sein kann und wie wir die frohe Botschaft zu möglichst Vielen bringen.

Eine ganz besondere Chance sehe ich in der Kirchenmusik, die für Viele einen Bezug zu Kirche und Gemeinde herstellt. Hier können die inhaltliche Aussage und die Freude an der Musik verbunden und Gemeinschaft erlebt werden.

Was reizt Sie am Amt der Synodalin?

Es reizt mich, bessere Einblicke zu erhalten in die Strukturen der Landeskirche, den Blick zu weiten über die Kirchengemeinde und das eigene Dekanat hinaus, viele interessante und reflektierte Menschen kennenzulernen, denen die Zukunft unserer Kirche am Herzen liegt und mich mit ihnen auszutauschen. So können wir voneinander und miteinander lernen, Lösungen finden und unsere Kirche in diesen schwierigen Zeiten voranbringen. In dieser Synode ist ein großer Schatz an verschiedensten Kompetenzen und Erfahrungen vorhanden, den man nutzen sollte, um fundierte Entscheidungen treffen zu können.

Wo muss Kirche besser werden?

Wie erreichen wir Menschen, die sich nicht sofort von unseren Angeboten ansprechen lassen, die nicht regelmäßig in den Gottesdienst gehen? Wo kommen z. B. die Menschen im mittleren Alter ohne Kinder, die Singles oder diejenigen, die nicht intensiv kirchlich bzw. religiös sozialisiert wurden und darum oft mit einem "normalen" Gottesdienst wenig anfangen können, in unseren Gemeinden vor? Mit welcher Sprache sprechen wir diese Menschen an?

Wie bewerten Sie das Thema "Digitalisierung" im Bereich von Kirche und Diakonie?

In der Coronazeit haben wir schnell gelernt, wie vorteilhaft der Austausch in Videokonferen­zen sein kann. Die digitalen Sitzungen der Landessynode waren gut organisiert und der informelle Austausch in den Breakoutrooms am Abend hat mir Menschen nahe gebracht, die ich vorher noch nicht kannte. Diesen vereinfachten Austausch mit Personen aus ganz Bayern sollten wir in Zukunft weiter nutzen. Damit können wir sorgsam mit den finanziellen Ressourcen der Kirche und den zeitlichen der Synodalen umgehen. Trotzdem ist der persönliche Austausch nicht ganz zu ersetzen und wir benötigen auch Möglichkeiten uns in Präsenz zu treffen.

Bei allen weiteren Veranstaltungen und Gottesdiensten der Kirche lohnt sich ein differen­zierter Blick auf den Nutzen aber auch die Nachteile digitaler Angebote. Es wäre schade, wenn die Menschen in Zukunft die Gemeinschaft im Gottesdienst nicht mehr erleben wollen, da dann viel Potenzial für die Lebendigkeit und die Entwicklung einer Gemeinde und unserer Kirche verloren geht. Allerdings erreichen wir manche Menschen gerade durch die digitalen Veranstaltungen und es ist ein Austausch in einem viel größeren Kreis möglich.

Gesine Clotz

Gesine Clotz nimmt als Synodale regelmäßig an den Synodaltagungen teil. Sie ist  Vertrauensfrau im Kirchenvorstand der Michaelskirchengemeinde Ottobrunn Neubiberg Hohenbrunn und sitzt im Präsidium der Prodekanatssynode in München-Südost.

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