Joachim Pietzcker ist Vorsitzender des Finanzausschusses der bayerischen Landessynode. Als solcher prüft er regelmäßig den Haushalt der evangelischen Kirche. Warum er glaubt, dass die Kirche auch mit weniger Geld ihre Aufgaben gut lösen kann, erläutert er im Sonntagsblatt-Kurzinterview.

 

Welches Thema beschäftigt Sie derzeit besonders als Synodaler?

Ich war in der letzten Synodalperiode Vorsitzender des Finanzausschusses und bin im letzten Jahr erneut in dieses Amt gewählt worden. Dementsprechend liegt mein besonderes Augenmerk auf den Kirchenfinanzen. Ich bin überzeugt davon, dass eine lebendige Kirche mit deutlich weniger Geld auskommen kann – und eben auch muss. In den nächsten Jahren, bis 2030, werden unsere Mittel real nach Abzug der Tarifsteigerungen für unser Personal nicht mehr wachsen, darauf müssen wir uns einstellen.

Welche Themen möchten Sie in der Landessynode besonders vorantreiben?

Der Prozess "Profil und Konzentration" hat bislang noch nicht dazu geführt, das Profil unserer Kirche in genügendem Maße zu schärfen. Wir werden uns nicht mehr alles leisten können, deshalb werden wir daran arbeiten müssen, was wir zukünftig in welcher Intensität vorantreiben möchten. Ich freue mich darauf, hierüber mit allen Synodalen und den übrigen kirchenleitenden Organen nachzudenken. Es geht nicht um Sparen, es geht um Profilierung!

Wo muss Kirche besser werden?

Kirche ist kompliziert! Unsere Entscheidungsstrukturen, unser Kirchenbeamtenrecht, die Art und Weise, wie wir denken, unsere Ansprechbarkeit – es gibt eine Reihe von Bereichen, in denen wir uns einfacher aufstellen könnten, natürlich mit dem Ziel, mehr Menschen für die frohe Botschaft zu begeistern.

Wie schätzen Sie die Zukunft der Kirche ein: Wo stehen wir in zehn Jahren?

Es wird für die Menschen noch weniger selbstverständlich sein, einer verfassten Kirche anzugehören, weil die Bindung an Traditionen immer weiter abnimmt. Aber diejenigen, die sich bewusst für die Taufe und gegen einen Kirchenaustritt entscheiden, sind diejenigen Menschen, die unsere Kirche lebendig halten werden. Ich bin optimistisch: Auch in zehn Jahren wird die Botschaft Jesu Christi nichts von ihrer Kraft verloren haben.

Joachim Pietzcker

Joachim Pietzcker ist Synodaler in der bayerischen evangelischen Landeskirche. Er arbeitet als Geschäftsführer des Oikocredit Förderkreises Bayern e.V. und leitet die Geschäftsstelle in Nürnberg.  Insgesamt sind in dem Förderkreis 4.000 Investoren organisiert, die sich den Zielen von Oikocredit verschrieben haben.