Kirchenasyl

Taliban

Menschen auf einem Markt in Kabul
Viele Menschen in Afghanistan sind nach der erneuten Machtübernahme der Taliban verzweifelt. Stephan Theo Reichel, Vorsitzender von "matteo – Kirche und Asyl e.V." berichtet im Gespräch mit sonntagsblatt.de von Hilferufen, die ihn sowohl aus Deutschland als auch auch Afghanistan erreichen - und stellt klare Forderungen an die Politik.

Geflüchtete

Ist Kirchenasyl überhaupt ein aktuelles Thema? Ist es! Sonntagsblatt.de hat mit dem evangelischen Pfarrer-Ehepaar Susanne Wittmann-Schlechtweg und Andreas Schlechtweg über die Kirchenasyle gesprochen, die sie in ihrer Gemeinde gewährt haben.

Geflüchtete

Kirchenasyl für abgelehnte Asylbewerber führt für die Betroffenen nur selten zu einem Bleiberecht in Deutschland. Der Beauftrage für Kirchenasyl der bayerischen Landeskirche, Diakon Thomas Schmitt, erklärt im Sonntagsblatt-Interview, warum das Kirchenasyl aus seiner Sicht dennoch wichtig und richtig ist – und welche Kriterien dafür gelten.

Kirchenasyl in Marktredwitz

Kirchenasyl in Oberfranken
Man muss das Thema historisch sehen: Die Kirche hat schon immer Verfolgten Schutz gewährt. In manchen alten Filmen klopft jemand an der Kirchentür, der Pfarrer macht auf, lässt ihn rein und die Verfolger müssen draußen bleiben. So einfach ist das natürlich nicht mit dem Kirchenasyl, aber aus dieser Schutztradition entwickelte sich eine Praxis, die dann eingreift, wenn Abschiebung in Gefahrensituationen droht.

Immenstadt

Hammer Gericht Urteil Justiz
Das Verfahren gegen den Immenstädter evangelischen Pfarrer Ulrich Gampert wegen der Gewährung von Kirchenasyl ist eingestellt. Es gebe lediglich eine geringe Schuld, begründete die Vorsitzende Richterin Brigitte Gramatte-Dresse des Amtsgerichts Sonthofen ihre Entscheidung. Gampert muss jedoch eine Geldbuße von 3.000 Euro an das gemeinnützige "Haus International" in Kempten zahlen, das sich unter anderem um Flüchtlinge kümmert.

Kirchenasyl

Justitia ist die Göttin der Gerechtigkeit
Der Immenstädter Ulrich Gampert ist nach Angaben der bayerischen Landeskirche der erste Pfarrer in Bayern, der rechtlich belangt wird, weil er ein Kirchenasyl gewährt hat. Wegen "Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt" soll er 4.000 Euro Strafe zahlen. Nun steht der Termin für die öffentliche Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Sonthofen fest.

Kommentar

Kirchenasyl
Für viele Flüchtlinge ist das Kirchenasyl der allerletzte Versuch, eine drohende Abschiebung abzuwenden. Derzeit gibt es nach Angaben der bayerischen Landeskirche 33 Kirchenasyle in evangelischen Kirchengemeinden in Bayern. Jedoch steht Kirchenasyl juristisch auf wackeligen Beinen, wie der jüngste Fall von Pfarrer Gampert aus Immenstadt zeigt.

Pfarrer wird "kriminalisiert"

Weil der Immenstädter Pfarrer Ulrich Gampert in seiner evangelischen Gemeinde einem jungen Afghanen Kirchenasyl gewährte, hat ihm das Amtsgericht Sonthofen einen Strafbefehl über 4.000 Euro zugestellt. Der Pfarrer habe damit "Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt" einer Person in Deutschland geleistet. Oberkirchenrat Michael Martin, in der bayerischen Landeskirche für Asylfragen zuständig, sieht eine neue juristische Dimension im Umgang der Behörden mit dem Kirchenasyl.

Strafbefehl

So fühlt sich Sozialpolitik in Deutschland oft an: weniger gerecht als blind und ungerecht.
Erstmals hat ein bayerischer Pfarrer einen Strafbefehl erhalten, weil er einem Flüchtling Kirchenasyl gewährt hatte. Ulrich Gampert, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Immenstadt, soll demnach wegen "Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt" 4.000 Euro Strafe zahlen.

"Kirche in Bayern"

Für viele Flüchtlinge ist das Kirchenasyl der allerletzte Versuch, eine drohende Abschiebung abzuwenden. Als humanitäre Notlösung werden sie in den Räumlichkeiten einer Kirchengemeinde so lange untergebracht, bis sie eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Die Geschichte eines jungen Syrers, der versucht in Deutschland Fuß zu fassen.

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