25.03.2017
Messe "Global Learning"

Fairer Handel beginnt vor der Haustüre

"Nürnberg ist Fairtrade-Stadt" – das klingt gut. Aber was bedeutet das Siegel, das Nürnberg seit 2010 trägt? Ein Zusammenschluss aus regionalen sowie kirchlichen Einrichtungen für Nachhaltigkeit versucht auf der Schulmesse "Global Learning", fairen Handel für Jugendliche erlebbar zu machen.
Robert Weber (rechts) und Frank Braun sprechen mit Jugendlichen über Fairtrade
Robert Weber (rechts) und Frank Braun erklären bei »Global Learning« in Nürnberg den Schülern den Unterschied zwischen einem fair produzierten Fußball und einem aus Pakistan, für dessen Herstellung Arbeiter unterbezahlt schuften.

Nürnberg ist wie alle anderen deutschen Großstädte auch eine Metropole des Konsums. Gerade in der Altstadt finden sich die großen Namen der Textilindustrie ebenso wie Gastronomie-Ketten. "Und dennoch kann man in dem ganzen Konsum Inseln entdecken, auf denen auf fair erstellte und gehandelte Waren geachtet wird", sagt Caren Rehm von "Mission EineWelt", einer Einrichtung für Partnerschaft, Entwicklung und Mission der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und Mit-Organisatorin der Messe "Global Learning", die zum dritten Mal im Caritas-Pirckheimer-Haus stattfand.

In 17 Workshops sowie konsumkritischen Stadtführungen erlebten rund 600 Schüler der 8. bis 10. Jahrgangsstufe aus Mittelfranken anhand mehrerer Beispiele, wie Globalisierung und nachhaltiger Konsum vor der eigenen Haustüre stattfinden können. Fairer Handel, das bedeutet kontrollierter Handel, bei dem die Erzeugerpreise für die gehandelten Produkte über dem jeweiligen Weltmarktpreis angesetzt werden. Damit soll den Produzenten ein höheres und verlässlicheres Einkommen als im herkömmlichen Handel ermöglicht werden. In der Produktion sollen außerdem internationale Umwelt- und Sozialstandards eingehalten werden.

Jugendliche für künftige Einkäufe sensibilisieren

Bei den Exkursionen von "Global Learning" wurden Geschäfte gezeigt, in denen fair eingekauft werden kann. Beispiele sind in Nürnberg der Textil-Händler "Glore" oder der Lebensmittelladen "Vinity´s". Sie tragen auch den Fairhandelsaufkleber, den die Steuerungsgruppe für Läden ins Leben gerufen hat, die sich fairen Standards verpflichtet fühlen. Besucht wurden aber auch Marken wie H&M. "Eine Gruppe fragte nach, woher die Kleidung stammt und unter welchen Bedingungen diese produziert wird. Die Schüler wurden auf die Geschäftsleitung verwiesen. Aus Zeitgründen kam das Gespräch leider nicht mehr zustande", erklärt Rehm. Wichtig sei aber, dass die Jugendlichen für ihr künftiges Kaufverhalten sensibilisiert werden.

Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly brachte ein Beispiel aus der Nürnberger Partnerstadt in Nicaragua mit, wo der Regenwald abgeholzt wird, um Flächen für den günstigen Anbau von Waren für die vorwiegend westliche Welt zu schaffen: Dort wird seit einigen Jahren der Wald wieder kultiviert, um die schattenliebende Kakao-Pflanze anzubauen – deren Frucht dann als fair gehandeltes Heißgetränk auch in deutschen Tassen landet.

"Kritischer Konsum": Fußbälle aus Pakistan

Dass 80 Prozent aller Fußbälle weltweit aus Pakistan stammen, wo 40.000 Menschen jährlich rund 40 Millionen Bälle von Hand herstellen, das erstaunte die Schüler. "Die Menschen arbeiten für einen wahren Hungerlohn", erklärte Frank Braun von Bluepingu. Wie es auch anders geht, zeigt der Nürnberger Unternehmer Robert Weber, der sich auf Fairtrade-Fußbälle spezialisiert hat: Seine Bälle stammen nur aus Fabriken, die von Transfair zertifiziert sind. Wenn Weber Fußbälle in Auftrag gibt, gibt er den Produzenten 15 Prozent Aufschlag auf den durchschnittlichen Marktpreis. Das Geld kommt direkt den Arbeitern zugute. "Der Ball kostet dann auch nicht mehr als ein vergleichbares Modell einer großen Marke", sagt Weber.

Das sieht Fenja Lüders, Brotbotschafterin bei der Diakonie in Nürnberg genauso. "Kritischer Konsum" war ihr Thema im Workshop. "Fast jeder hat doch ein Smartphone, oder?", fragte sie die Schüler. Natürlich, das hat mittlerweile nahezu jeder Teenager in der Tasche. "Fragt den Händler des Telefons ebenso wie den Textilverkäufer, woher das Produkt eigentlich stammt, und wenn dahinter ungerechte Arbeitsbedingungen stecken, kauft was anderes", empfahl sie.

Was beim Handy vielleicht noch etwas kompliziert scheint, konnten die Jugendlichen anhand des Beispiels Lebensmittel mit einem Verhaltenstipp nachvollziehen: Besser beim heimischen Bio-Metzger kaufen als im Discounter. Fairer Konsum kann auch einfach sein.

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