Dauermahnwache in Nürnberg
Globaler Klimastreik zwei Tage vor der Bundestagswahl: Unter dem Motto #AllefürsKlima gehen an diesem Freitag wieder Menschen in ganz Deutschland auf die Straße. Mit dabei sind auch die Aktivist*innen des "Klimacamps" - der Dauermahnwache in Nürnberg.
Klimacamp Nürnberg
Klimacamp Nürnberg

Die globalen Klimastreiks sind lange schon nicht mehr das Einzige, was Fridays For Future auf die Beine stellt. Nur wenige Meter vor dem Rathaus auf dem Sebalder Platz in Nürnberg zum Beispiel hat das "Klimacamp" vor kurzem seinen einjährigen Geburtstag gefeiert. Es ist eine Dauermahnwache von über 20 Nichtregierungsorganisationen. Neben Fridays For Future gehören der Bund Naturschutz, Greenpeace oder Bluepingu dazu.

Klimacamp in Nürnberg: Tag und Nacht besetzt, bei Wind und Wetter

Von Feiern ist bei den Aktivistinnen und Aktivisten vom Klimacamp aber nicht die Rede. Seit über einem Jahr besetzen sie Tag und Nacht, bei Wind und Wetter das Camp. Ihr Slogan: "Wir bleiben, bis ihr handelt."

Sie wollen mit der Dauermahnwache "auf die katastrophale Bedrohung durch den von Menschen verursachten Klimawandel hinweisen" und fordern ein "geschlossenes Handeln von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft".

Erik Stenzel ist seit dem ersten Tag Teil des Klimacamps in Nürnberg. 40 bis 60 Stunden ist er in der Woche dort, um für das Klima zu demonstrieren. Das Klimacamp ist für ihn wie ein unbezahlter Vollzeitjob - nur möglich wegen der Corona-Krise, berichtet er.

"Unsere Motivation ist die Sorge und die Angst"

Als Musiker hatte er die Zeit. Es sei Kräfte zehrend, manche Aktivistinnen und Aktivisten seien ausgebrannt, erzählt er. "Unsere Motivation ist die Sorge und die Angst. Es wäre auch für die Psyche von uns nicht einfach, da wieder auszusteigen, weil du weißt, jeder Tag zählt."

Klimacamp Nürnberg
Klimacamp Nürnberg

Angefangen mit der Idee und Umsetzung der Dauermahnwache hatten Aktivisten und Aktivistinnen in Augsburg im Juli 2020. Schnell sind Städte wie Nürnberg und München nachgezogen. Mittlerweile gibt es zahlreiche Klimacamps in Bayern, zum Beispiel in Erlangen, Bamberg oder Regensburg. Die Camps sind untereinander vernetzt, helfen sich gegenseitig für eine noch größere Reichweite und bauen gemeinsam weitere Klimacamps auf.

Weil sich immer mehr Menschen der Klimabewegung anschließen, haben die Nürnberger das Klimacamp im vergangenen Monat zu einem Klimazirkus erweitert. In einer temporären Mahnwache haben die Aktivistinnen und Aktivisten ihre Zelte nicht nur auf dem Sebalder Platz aufgeschlagen, sondern zusätzlich in verschiedenen weiteren Nürnberger Stadtteilen und somit noch unterschiedlichere Menschen erreicht.

CSU fordert Schließung des Klimacamps

Die CSU in Nürnberg hat in der vergangenen Woche aber gefordert, das Klimacamp auf dem Sebalder Platz zu beenden. Der Platz werde für Veranstaltungen wie den Christkindlesmarkt gebraucht, hieß es. Die Botschaft der Klimaschützer sei "durchkommuniziert", teilte die Partei mit. Außerdem sei die Politik den Forderungen nachgekommen: zum Beispiel mit der Einführung eines 365-Euro-Tickets für Schülerinnen und Schüler.

Klimaaktivist*innen sehen kaum Fortschritte in der Klimapolitik

Das sehen die Aktivistinnen und Aktivisten anders. Ihrer Meinung nach habe es in der Klimapolitik im letzten Jahr kaum Fortschritte gegeben. In einem 12-Punkte-Programm haben die Klimaschützer ihre Forderungen zusammengefasst. Darunter die Einführung eines 365-Euro-Tickets für alle, der Ausbaustopp des Frankenschnellwegs oder eine autofreie Innenstadt.

Sie werden sich gegen die Auflösung des Camps wehren, so Erik Stenzel. Sie wären aber auch bereit, die Hälfte ihrer Fläche für die Dauer des Christkindlesmarkts abzugeben.

Das Ende des Klimacamps sehen die Aktivistinnen und Aktivisten erst, wenn Klimapolitik nach ihren Vorstellungen betrieben wird, und sie das Ziel erreichen: die Klimaneutralität von Nürnberg bis 2030. Denn Erik Stenzel findet: Nürnberg müsse als zweitgrößte Stadt Bayerns mit gutem Beispiel vorangehen, "damit die Siebenjährigen auch in 70 Jahren noch ein schönes Leben in Bayern haben können."

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