17.03.2019
Kirche & Fundraising

Landesbischof Bedford-Strohm über Fundraising und Benefizdinners

Landesbischof als Special Guest: Als Spendensammler für die Notfallseelsorge Rosenheim betätigt sich Heinrich Bedford-Strohm am 11. April. Über das Verhältnis von Kirche und Wohlstand und neue Wege beim Fundraising spricht er mit sonntagsblatt.de.
Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm
Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Herr Landesbischof, man hat manchmal den Eindruck, dass sich hierzulande die evangelische Kirche in ihrer Funktion als Anwältin der Schwachen im Umgang mit wohlhabenden und reichen Menschen schwer tut. Würden Sie das bestätigen?

Heinrich Bedford-Strohm: Nein, das kann ich nicht bestätigen. Ich bin bei vielen Anlässen mit Menschen im Gespräch, die man als wohlhabend oder auch als reich bezeichnen würde. Und ich habe dabei viele sehr gute Begegnungen. Wenn ich meinen Terminkalender anschaue, dann stehen da eher zu wenige Termine mit Menschen drin, die in Armut leben. Die laden mich nämlich eher selten ein, weil sie gar nicht denken, dass ich komme. Wenn ich eine solche Einladung bekomme, versuche ich immer, sie wahrzunehmen.

Sie sind am 11. April Redner bei einem Benefiz-Dinner für die Notfallseelsorge Rosenheim in Sternerestaurant der Residenz Winkler. Warum haben Sie sich entschlossen, an dem Abend dabei zu sein?

Heinrich Bedford-Strohm: Ich möchte die Notfallseelsorge unterstützen. Und ich möchte mit neuen Formaten Erfahrungen machen, die jenseits der klassischen Finanzierungsquellen der Kirche neue Wege gehen.

Lässt die bayerische Landeskirche Menschen, die sehr große Summen Kirchensteuer zahlen, zu leicht ziehen?

Heinrich Bedford-Strohm: Wir lassen niemanden ziehen. Wir sind sehr dankbar, wenn Menschen, die mit viel Wohlstand gesegnet sind, auch die Kirche daran teilhaben lassen. Denn mit diesem Geld können wir viel Segensreiches tun. Wir versuchen, die Dankbarkeit dafür immer wieder zum Ausdruck zu bringen und möglichst gut darüber informieren, wie wir verantwortlich mit dem uns anvertrauten Geld umgehen.

Sollte die Kirche solche Veranstaltungen häufiger machen, um Firmenchefs u.a. wieder stärker zu binden – und somit genug Spenden für die inhaltliche Arbeit zu generieren?

Heinrich Bedford-Strohm: Solche Veranstaltungen sind nur eine Möglichkeit dazu. Mit anderen haben wir schon gute Erfahrungen gemacht. Ich lade zum Beispiel regelmäßig evangelische Unternehmerinnen und Unternehmer zu einem Treffen in die Evangelische Akademie Tutzing ein. Am Wichtigsten ist sicher, dass in den Gemeinden vor Ort gerade auch die Gemeindeglieder, die an irgendeiner Stelle in der Wirtschaft Leitungsverantwortung tragen, in ihren Kompetenzen wahrgenommen und ins Gemeindeleben einbezogen werden

Ihre Doktorarbeit trug den Titel "Vorrang für die Armen". Schließt das die Nähe der Kirche zum "Geld" aus?

Heinrich Bedford-Strohm: Keineswegs. In meiner Doktorarbeit zitiere ich auch ein Wort des brasilianischen Kardinals und Befreiungstheologen Alfonso Lorscheider. Auf die Frage, ob er denn auch zu den Reichen gehe, antwortete er: Natürlich gehen wir zu den Reichen. Aber wenn wir zu den Reichen gehen, kommen wir von den Armen. Diesen Satz mache ich mir zu Eigen. Einen christlichen Glauben ohne besondere Verpflichtung für die Armen kann ich mir nicht vorstellen.

Veranstaltungs-Tipp

Benefiz-Dinner für Notfallseelsorge

Karten für das Benefiz-Dinner mit Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm am Donnerstag, 11. April, um 19 Uhr in der Residenz Winkler in Aschau kosten 150 Euro. Der Eintritt deckt die Kosten für Menü und Programm. Um eine Spende für die Notfallseelsorge wird gebeten. Infos: www.kirchentraeume.de

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