31.05.2018
Trotz Streit um "Avenidas"

Lyriker Eugen Gomringer erhält Kunstpreis des Landkreises Hof

Der Dichter Eugen Gomringer bekommt Samstag (2.6.) den Kunstpreis des Landkreises Hof verliehen. Und an einer Hausfassade seiner Wahlheimatstadt Rehau wird das Gedicht "Avenidas" enthüllt - ein Text des gebürtigen Bolivianers, über den in den vergangenen Monaten scharf diskutiert wurde.
Rehauer Hausfassade mit dem Gedicht "Avenidas"
So soll die Hausfassade am Maxplatz neben dem Alten Rathaus in Rehau mit dem Gedicht "Avenidas" aussehen.

Eine doppelte Ehrung erfährt der Dichter Eugen Gomringer in seiner oberfränkischen Wahlheimatstadt Rehau (Landkreis Hof). Am Samstag (2.6.) wird an einer Hausfassade im Stadtzentrum sein Gedicht "Avenidas" enthüllt - um das in den vergangenen Monaten eine scharfe öffentliche Debatte geführt worden war.

Am selben Tag nimmt Gomringer im Kunsthaus Rehau den diesjährigen Kunstpreis des Landkreises Hof entgegen: Mit der Auszeichnung, die mit 2.500 Euro dotiert ist, werde das Lebenswerk eines der bedeutendsten Lyrikers und Kunstkenners der Gegenwart gewürdigt, heißt es in einer Mitteilung des Hofer Landratsamts.

Eugen Gomringer, Sohn eines Schweizers und einer Bolivianerin, war von 1977 bis 1990 Professor für Theorie der Ästhetik an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Seit 1976 lebt er in Rehau und gründete dort im Jahr 2000 das Institut für Konstruktive Kunst und Konkrete Poesie (IKKP). Der heute 93-Jährige gilt als Begründer der Konkreten Poesie, bei der die visuelle Gestaltung der Texte wesentliches Element einer Dichtung ist.

Streit um Gedicht "Avenidas" ("Alleen")

Eine frühe Schöpfung dieser Form ist das 1951 entstandene Gedicht in spanischer Sprache "Avenidas" ("Alleen"), das seit 2011 eine Hauswand der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin geschmückt hatte. Die deutsche Übersetzung lautet: "Alleen / Alleen und Blumen / Blumen / Blumen und Frauen / Alleen / Alleen und Frauen / Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer"

Im vergangenen Jahr entzündete sich an dem Text eine heftige Auseinandersetzung um die Freiheit von Kunst, die bundesweit für Aufsehen sorgte. Der Allgemeine Studierendenausschuss wertete das Gedicht als Ausdruck von Sexismus, weil darin angeblich Frauen zum Objekt männlicher Bewunderung degradiert würden. Während der Autor selbst von einem "absurden Vorwurf" sprach, entschloss sich der Akademische Senat, das Gomringer-Gedicht übermalen zu lassen und durch einen anderen Text zu ersetzen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) bezeichnete diesen Schritt als einen "erschreckenden Akt der Kulturbarbarei".

Gomringer bereits mit Kulturpreis der Stadt Rehau geehrt

Unmittelbar nach der Entscheidung in Berlin sprach sich der Rehauer Stadtrat noch Ende Januar dafür aus, dem Gedicht "Avenidas" einen Platz im öffentlichen Raum zur Verfügung stellen. Damit wolle die Stadt ihre Weltoffenheit zum Ausdruck bringen, hieß es aus dem Rathaus nach dem Stadtratsbeschluss: "In Rehau wird das Gedicht nicht als sexistisch beurteilt, wohlwissend, dass es immer mehrere Interpretationsmöglichkeiten für dasselbe Gedicht gibt." Den Kulturpreis der Stadt Rehau hatte Gomringer bereits 1997 erhalten.

Der Dichter war auch an der Kunstaktion "12[W]Orte" beteiligt, die 2014 im Kirchenkreis Bayreuth gestartet wurde. Im Rahmen der Lutherdekade hatten zwölf Künstlerinnen und Künstler zu zwölf ausgewählten Bibelworten neue Werke geschaffen, die für ein Jahr in zwölf Gemeinden zu sehen waren. Gomringers Beitrag waren Textprojektionen zur Weihnachtsgeschichte nach dem Lukasevangelium in der Kulmbacher Kreuzkirche: Biblischen Zitaten stellte er Gegenwartstexte gegenüber. Ergänzt wurden sie durch die Skulptur "Trinitas" von Ingo Glass, eine charakeristische Plastik Konkreter Kunst aus strengen geometrischen Formen.

 

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