Wenn sich rund 60 katholische Bischöfe und Weihbischöfe im Würzburger Burkardushaus versammeln, erinnert das in Teilen an eine Papstwahl in Rom. Die Türen schließen sich, beraten und abgestimmt wird intern.
Doch gesucht wird kein Kirchenoberhaupt, sondern der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) – also der Sprecher und Koordinator der katholischen Bischöfe in Deutschland.
Was ist die Bischofskonferenz?
Die Deutsche Bischofskonferenz ist der Zusammenschluss der katholischen Diözesanbischöfe in Deutschland. Hinzu kommen Weihbischöfe und weitere Mitglieder.
Eine Diözese, auch Bistum genannt, ist ein räumlich abgegrenzter Verwaltungsbezirk der katholischen Kirche, der von einem Diözesanbischof geleitet wird. Ein Weihbischof ist dem Weihegrad nach ein Bischof, führt jedoch keine eigene Diözese. Er unterstützt stattdessen einen Diözesanbischof bei dessen Aufgaben und übernimmt dabei bestimmte bischöfliche Funktionen.
Gemeinsam beraten die Bischöfe und Weihbischöfe über pastorale, gesellschaftliche und politische Fragen, stimmen Erklärungen ab und koordinieren kirchliche Positionen.
Der Vorsitzende ist kein "Oberbischof". Er kann nicht in die einzelnen Bistümer hineinregieren. Seine Rolle ähnelt eher der eines Moderators und Repräsentanten. Dennoch prägt er durch Tonlage, Schwerpunktsetzung und öffentliche Kommunikation maßgeblich das Bild der katholischen Kirche in Deutschland. Gerade in Zeiten innerkirchlicher Spannungen und gesellschaftlicher Debatten ist das Amt von erheblicher Bedeutung.
Wie läuft die Wahl ab?
Die Wahl findet während der Frühjahrs-Vollversammlung vom 23. bis 26. Februar 2026 in Würzburg statt. Amtsinhaber Georg Bätzing hat angekündigt, nach sechs Jahren nicht erneut zu kandidieren. Er hätte sich einmal wiederwählen lassen können. In einem Brief an die Mitglieder erklärte er, er habe sich "nach Beratung und reiflicher Überlegung" gegen eine weitere Amtszeit entschieden.
Wahlberechtigt sind die Diözesan- und Weihbischöfe sowie die Diözesanadministratoren. Wählbar sind laut Statut allerdings nur die 25 amtierenden Diözesanbischöfe.
Im ersten Wahlgang schreibt jeder Wahlberechtigte den Namen eines Kandidaten auf einen Zettel – eine Art Stimmungsbild. In den ersten beiden regulären Wahlgängen ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Kommt sie nicht zustande, reicht im dritten Durchgang die einfache Mehrheit.
Anders als im Vatikan gibt es keinen weißen Rauch; das Ergebnis wird in einer Pressekonferenz bekanntgegeben.
Warum gilt die Wahl als richtungsweisend?
Die vergangenen Jahre waren von intensiven Reformdebatten geprägt. Im Zentrum stand der Synodale Weg, ein mehrjähriger Dialogprozess zur Aufarbeitung von Machtstrukturen, Sexualmoral und kirchlicher Leitung als Reaktion auf den Missbrauchsskandal. Eine Mehrheit der deutschen Bischöfe unterstützt die Reformimpulse. Eine kleinere Gruppe lehnt zentrale Vorhaben ab; mehrere (Erz-)Bischöfe zogen sich zeitweise aus dem Prozess zurück.
Bätzing stellte sich deutlich hinter Reformvorschläge und verteidigte den Prozess auch gegenüber kritischen Stimmen aus dem Vatikan. Zugleich hielt er den Gesprächsfaden nach Rom aufrecht. Inzwischen gilt es als vorstellbar, dass der Vatikan einer geplanten Synodalkonferenz – einem dauerhaften Beratungsgremium – zustimmen könnte, sofern die Bischöfe in Würzburg grünes Licht geben.
Die Wahl entscheidet daher mit darüber, wie der Reformkurs weitergeführt und wie das Verhältnis zum Vatikan gestaltet wird. Auch Papst Leo XIV., der das Thema Einheit betont, dürfte die Entwicklung aufmerksam verfolgen.
Wer kommt infrage?
Formell ist der Kreis der Kandidaten groß, realistisch betrachtet aber kleiner. Die Amtszeit beträgt sechs Jahre. Mit 75 Jahren müssen Bischöfe dem Papst ihren Rücktritt anbieten. Gesucht wird daher eher ein Bischof im Alter von Ende 50 oder Anfang 60, mit Leitungserfahrung und möglichst guten Kontakten nach Rom.
Als Favorit gilt der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz (58). Er wird als kommunikativ und vermittelnd beschrieben und steht für einen moderaten Reformkurs. Internationale Erfahrung bringt er unter anderem als Nahost-Beauftragter der Bischofskonferenz mit.
Ebenfalls genannt werden Heiner Wilmer (Hildesheim), Franz Jung (Würzburg), Franz-Josef Overbeck (Essen), Peter Kohlgraf (Mainz), Bertram Meier (Augsburg), Stephan Ackermann (Trier) und Michael Gerber (Fulda). Einige von ihnen verfügen über ausgeprägte Rom-Erfahrung oder waren in vatikanischen Behörden tätig. Andere gelten als gut vernetzt innerhalb der Konferenz oder als Brückenbauer zwischen unterschiedlichen Lagern.
Welche Rolle die Weihbischöfe spielen, ist schwer einzuschätzen. Sie verfügen gemeinsam über mehr Stimmen als die Diözesanbischöfe und könnten damit wahlentscheidend sein.
Mehr als eine Personalfrage
Neben innerkirchlichen Reformfragen steht die katholische Kirche in Deutschland unter weiterem Druck: hohe Austrittszahlen, Vertrauensverlust, sinkende finanzielle Mittel. Zugleich ist das gesellschaftliche Klima rauer geworden. Der Vorsitzende muss daher nicht nur innerkirchlich moderieren, sondern auch politisch auftreten und Position beziehen.
Die Wahl in Würzburg ist damit mehr als eine Personalentscheidung. Sie gibt Aufschluss darüber, welchen Kurs die katholischen Bischöfe in Deutschland einschlagen wollen – im Spannungsfeld zwischen Reform und Einheit, nationaler Eigenständigkeit und weltkirchlicher Einbindung.