14.10.2018
Digitale Kirche

Social-Media-Pfarrer Christoph Breit: Kirche muss in Digitalisierung investieren

Fünf Jahre lang hat er die sozialen Medien der bayerischen evangelischen Landeskirche betreut. Im Video-Interview mit Sonntagsblatt.de zieht Pfarrer Christoph Breit Bilanz.

Christoph Breit war der erste "Social-Media-Pfarrer" der bayerischen Landeskirche. Im Mai 2018 endete seine Projektstelle. Sein Fazit: Die bayerische Landeskirche ist im Bereich Social Media auf einem guten Weg, sollte aber dringend weiter in die Digitalisierung investieren.

"Social Media ist eine Haltung, bei der Menschen andere an ihrer Welt und ihrer Lebensweise teilhaben lassen wollen", resümiert Breit seine Arbeit mit Facebook, Twitter und Instagram. Es gelte, dieses Lebensgefühl zum Teil der kirchlichen Arbeit zu machen. Auf dem Facebook-Account der Landeskirche erreichte der Pfarrer mit einem Team aus haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern mit wöchentlich fünf bis 20 Posts nach eigenen Angaben durchschnittlich rund 5.000 Nutzer, zu Spitzenzeiten seien es sogar bis zu 100.000 Nutzer gewesen. Auch neue Formate hat Breit ausprobiert. So wurde unter ihm erstmals das Treffen der Landessynode per Livestream übertragen.

Social-Media-Arbeit: Likes für Ordinationsfotos

Insgesamt habe es auf die Social-Media-Arbeit der Landeskirche viele positiven Reaktionen gegeben. Besonders beliebt seien etwa Fotos von ordinierten Pfarrerinnen und Pfarrern: "Da gibt es ganz viele, die den Ordinierten ihre Segenswünsche übermitteln oder ihnen gratulieren", sagt Breit. Als frustrierend empfand der Pfarrer seine Arbeit, wenn manche Posts in den sozialen Medien überhaupt nicht liefen oder Themen, die der Kirche am Herzen liegen, bösartig kommentiert wurden. So habe es "wüste Kommentare" gegeben wenn sich der Landesbischof zum Thema Geflüchtete äußerte.

Digitale Kirche als neues Arbeitsfeld

Inzwischen betreut Pfarrer Breit die Social-Media-Kanäle der Kirche nur noch mit einer halben Stelle. Hier soll die Arbeit weitergehen, allerdings "mit weniger Kraft als bisher", erklärte Breit. In seiner neuen Projektstelle "#KircheDigital", die er am 1. Juni 2018 angetreten hat und bis Ende 2020 gehen soll, wird sich Breit mit der Frage beschäftigen, wie Kirche im digitalen Raum aussehen kann. "Es geht um die Entwicklung einer multimedialen Kirche mit Online-Seelsorge und digitaler Verkündigung", so der Theologe. Ferner gehe es auch darum, die kirchliche Verwaltung bei der Digitalisierung zu unterstützen.

Social-Media-Aktivitäten der bayerischen Landeskirche

Eine Übersicht aller Kanäle der bayerischen Landeskirche:

Facebook
YouTube
Twitter
Instagram

Der offizielle Kanal von Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm ist diese FacebookSeite. Alle seine Beiträge sind von ihm persönlich verfasst.

ShareFacebookTwitterGoogle+Share

Weitere Artikel zum Thema:

Kirche und Digitalisierung

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat eine stärkere Öffnung der Kirche für junge Menschen und mehr digitale Angebote gefordert. "Kirche ist für junge Menschen weithin nicht mehr relevant", mahnte der bayerische Landesbischof am Sonntag zum Auftakt der EKD-Synode in Bonn. Zugleich hob er die gewachsene Nähe von Protestanten und Katholiken im Jahr des 500. Reformationsjubiläums hervor.