Radfahren
Im Rodachtal führt eine Fahrradtour zu den Drehorten des Kinofilms "Luther“, der die Lebensgeschichte des Reformators erzählt. Auch tatsächliche historische Stätten liegen an der Strecke.
Radfahrer auf Fahrradtour

Radtour im Rodachtal: Station in SESSLACH

Die grüne Böschung an der Brücke der Rodach ist ein malerischer Ort für ein Picknick. Und der Schauplatz für großes Kino. Denn auf der Rodachbrücke wurde eine der wichtigsten Szenen aus dem deutsch-amerikanischen Historienfilm "Luther" aus dem Jahr 2003 gedreht – nämlich der Augenblick, als Martin Luther über die 95 Thesen und den Ablasshandel spricht. Das mittelalterliche Städtchen Seßlach zwischen Bamberg und Coburg mit seinen schmalen Gässchen und der Stadtmauer gilt als "Kleinod des Coburger Landes".

Es gehört zu einer Reihe von Ortschaften in Oberfranken, die als Szenerie für den Lutherfilm dienten. In Seßlach war nicht nur die Brücke, sondern auch die Burganlage Kulisse: In einer dramatischen Szene verbrennt Luther (gespielt von Joseph Fiennes) dort die Bannandrohungsbulle, mit der ihm der damalige Papst Leo X. in Rom mit dem Ausschluss aus der Kirche drohte.

Warum sich die Radtour durchs Rodachtal lohnt

Wer den Spuren des Reformators, der von 1483 bis 1546 lebte, folgen möchte, kann viele Reiserouten wählen: Der Lutherweg führt durch mehrere Bundesländer, allein hundert Kilometer durch Bayern. Es gibt etliche Museen und Gedenkstätten, die an den Theologen erinnern, dazu Luther-Radwege, Pilgerstrecken und Städtetouren aller Art.

Weniger bekannt, aber landschaftlich ungemein reizvoll ist die Radtour durch das Rodachtal. Bei der Rundfahrt können historische Orte ebenso wie Originalschauplätze des Lutherfilms besucht werden. Die Radwege führen über sanfte Hügel zu Burgen und mittelalterlichen Städten in Thüringen und Franken.

Die Landkreise Coburg in Bayern, Hildburghausen und Sonneberg in Thüringen gehörten früher zum Herrschaftsbereich der Wettiner. Beim Kurfürsten Friedrich dem Weisen (1463-1525) und seinem Bruder Johann dem Beständigen (1468-1532) fielen die Ideen Martin Luthers auf fruchtbaren Boden: 1524 führte der Coburger Stadtrat eine evangelische Gottesdienstordnung ein.

Radtour im Rodachtal: Station in BAD RODACH

1529 trafen sich im Chorraum der Johanneskirche im oberfränkischen Bad Rodach evangelische Diplomaten, Räte und Vertreter der Reichsstände. Gemeinsam schlossen sie ein Bündnis, den sogenannten "Rodacher Abschied", der besagte, dass sich die Fürstentümer im Falle eines Angriffs von katholischer Seite gegenseitig beistehen wollten. Bad Rodach liegt zwar nicht direkt auf der Fahrradroute, ist aber nur 23 Kilometer nördlich von Seßlach entfernt und einen Abstecher wert.

Radtour im Rodachtal: Station in UMMERSTADT

Eine ganz andere Geschichte erzählt das thüringische Ummerstadt. Weil die Ortschaft zu DDR-Zeiten fast vollständig von der Grenzmauer umschlossen war, verödete das Dorf und galt in den 1980er-Jahren als "kleinste Stadt der DDR". Bis zur Wende blieben die meisten Fachwerkhäuser unberührt.

Inzwischen bilden die sorgfältig renovierten Straßen mit Pflastersteinen und Brunnen ein pittoreskes Fotomotiv – und eben auch eine Filmkulisse. Im Lutherfilm steht der Ort für Jüterbog und Wittenberg, wichtige Stationen in Luthers Werdegang.

Radtour im Rodachtal: Station in HELDBURG

Knapp zehn Kilometer entfernt befindet sich die evangelische Pfarrkirche von Heldburg. Für den Film wurde der Kirchenraum mit Tausenden von Kerzen beleuchtet. In der düsteren Szenerie zieht der dominikanische Ablassprediger Johann Tetzel (gespielt von Alfred Molina) den verängstigten Menschen das Geld aus der Tasche mit dem Versprechen, die Spende erspare ihnen ein paar Jahre Fegefeuer.

Radtour im Rodachtal: Station in AHORN

Weiter geht es zum romantischen Schloss Hohenstein bei Ahorn im Landkreis Coburg. Dort wurden die Filmszenen der Hochzeit von Luther und Katharina von Bora (gespielt von Claire Cox) gedreht. Der Landschaftsgarten und die historische Treppe dienen bis heute als Kulisse für Hochzeitsfotos.

Radtour im Rodachtal: Station in COBURG

Mit dem Fahrrad muss schon gehörig gestrampelt werden, um auf die Veste Coburg zu gelangen. Hier dienten die Burghöfe, der Treppenaufgang und der Bulgarenturm der Burg als Kulisse für den Lutherfilm. Auf der Veste Coburg verschmelzen Film und Realität: Martin Luther lebte 1530 fünfeinhalb Monate auf der Veste. In den Wohnräumen, die heute besichtigt werden können, verfasste er wichtige reformatorische Schriften und übersetzte Teile der Bibel.

Lohnenswert ist auch der Besuch der Coburger Morizkirche. Hier predigte Luther vor dem Kurfürsten, seinem Gefolge und den Bürgern. Die Kanzel, von der er sprach, ist zwar nicht mehr vorhanden, doch erinnert eine Büste an die historische Begebenheit.

Wer nach so viel Kultur und Geschichte hungrig und müde geworden ist, kann sich in einem der Landgasthöfe erholen. Dort gibt es Spezialitäten wie den "Luthertopf" oder "Nonnenpfürzchen".

Luther-Radweg im Rodachtal

Die Fahrradtour im Rodachtal kann als eine Tour oder in zwei Schleifen gefahren werden, die jeweils knapp 40 Kilometer lang sind. Einen detaillierten Streckenverlauf und weitere Informationen finden Sie hier.

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