Handwerk
Der Mühlenweg im Steinachtal verbindet elf Wassermühlen, auf dem die Wanderer viel über das uralte Handwerk der Müllersleute lernen können. Auf der idyllischen 16 Kilometer langen Strecke erwartet sie außerdem ein weiteres Highlight.
Holzrad einer Wassermühle

Auf dem Mühlenweg im Steinachtal nordöstlich von Kulmbach finden sie Wanderinnen und Wanderer tatsächlich: idyllische Abgeschiedenheit und Stille. Auf gut 16 Kilometern erstreckt sich der Mühlenweg, der meistbegangene Rundweg im Frankenwald. Dabei muss noch vor rund hundert Jahren einiges los gewesen sein an den Nebenarmen der Steinach: Elf Wassermühlen und ein mit Wasserkraft betriebener Eisenhammer taten ihren Dienst an Rauschlbach, Rehbach, Schlackenmühlbach und Vollaufbach.

Wie die Wassermühlen auf dem Mühlenweg heute genutzt werden

Heute ist keines der Werke mehr funktionstüchtig. Einige Mühlen wurden in den vergangenen Jahrzehnten zu Wohn- oder Gasthäusern umgebaut. In der 1683 erstmals in einer Urkunde erwähnten Kleinrehmühle etwa werden heute Fische gezüchtet. Außerdem ist dort eine Ausflugsgaststätte untergebracht. Der Guttenberger Hammer, der es von Mitte des 14. Jahrhunderts bis in die Nachkriegszeit ermöglichte, große Stücke Eisen zu schmieden, ist heute nur noch ein imposantes Denkmal. In einem Familienbetrieb werden dort in achter Generation jedoch noch immer Garten- und Forst-Werkzeuge hergestellt.

Andere Mühlen sind verlassen und schon lange dem Verfall preisgegeben. Wie die Großrehmühle,
ebenfalls von 1683, die bis nach dem Zweiten Weltkrieg als Getreide- und Sägemühle diente. Mitte der 1950er-Jahre zum Gasthaus umgebaut, hat sie heute nicht mal mehr ein Dach. Doch allein die schiere Größe der Anlage lässt auf eine ruhmreiche Vergangenheit schließen.

Müllerhandwerk ist Unesco-Weltkulturerbe

Sie lässt auch erahnen, wie hart die Arbeit der Müller gewesen sein muss und wie stolz sie auf ihr Handwerk waren, das eines der ältesten der Menschheit ist und seit 2017 zum Immateriellen Unesco-Weltkulturerbe zählt. Über Mühlen, das Müllerhandwerk, die Geschichte der umliegenden Ortschaften sowie Flora und Fauna informieren auch Infotafeln entlang des Weges. Ein grünes Mühlrad auf weißem Grund dient als Wegmarke und führt über den ausgeschilderten Mühlenweg.

Ein guter Startpunkt ist das kleine Dorf Buckenreuth am nördlichen Ende des Rundwegs, wo es auch einen Parkplatz gibt. Wem der fünfstündige Fußmarsch zu lang ist, kann über den Ort Grafengehaig mit seiner malerischen evangelischen Kirche aus dem 15. Jahrhundert abkürzen und die Strecke so ungefähr halbieren. Wer Lust hat, kann nach der Wanderung noch einen Abstecher zur Steinachklamm machen, einem eindrucksvollen Naturdenkmal.

Mühlenweg: wildrotmantische Natur und viel Geschichte

Die Steige des Mühlenwegs sind auch für Kinder gut geeignet, gutes Schuhwerk ist aber Voraussetzung. Immer wieder zeugen alte Feldkreuze, die Schlockenauer Kapelle oder moderne Jesus-Darstellungen von der Volksfrömmigkeit in dieser wildromantischen Region. Und trotz aller Geschichtslektionen bleibt auf dem Mühlenweg viel Raum für Groß und Klein, die Natur zu genießen.

HISTORISCHE MÜHLEN

Wassermühlen prägten die Landschaft in Bayern mit seinen vielen Flüssen und Bächen bis nach dem Zweiten Weltkrieg erheblich. Die mit Wasserrädern betriebenen Anlagen dienten aber nicht nur dazu, aus Getreide Mehl zu mahlen – seit dem Mittelalter entstanden rund 180 Nutzungsarten der Mühlentechnik.

So stampften etwa Papiermühlen alte Lumpen zu Papier, und Sägemühlen
zerkleinerten Baumstämme. Schätzungen des Bayerischen Landesverbands für Mühlenkunde und
Mühlenerhaltung
zufolge mahlten vor dem Ersten Weltkrieg noch rund 5.000 Getreidemühlen in Bayern. Inzwischen sind es nur noch gut 50 Groß- sowie ebenso viele Familienbetriebe.

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