Immaterielles Kulturerbe
In regelmäßigen Abständen treffen sich die Länder und der internationale UNESCO-Ausschuss für Immaterielles Kulturerbe, um darüber zu diskutieren, welche Bräuche und Traditionen sich für die Aufnahme in die offizielle Liste Immateriellen Kulturerbes eignen. Unser Newsticker informiert über aktuelle Entwicklungen und Neuigkeiten zur UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes.
Newsticker Immaterielles Kulturerbe
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Industriekultur-Welterbestätten planen Dachorganisation

Freitag, 15. Oktober 2021: Die sieben deutschen Unesco-Welterbestätten der Industriekultur wollen künftig enger zusammenarbeiten und eine Dachorganisation "Welterbe Industriekultur" gründen. Diese solle zur Plattform für den Wissensaustausch werden und den Aufbau eines gemeinsamen Images unterstützen, kündigten die beteiligten Welterbestätten am Freitag in Essen an. Die Dachorganisation könne in Form einer Stiftung gegründet werden, notwendig sei aber eine finanzielle Förderung durch den Bund.

Zu den Welterbestätten der Industriekultur in Deutschland gehören das das Augsburger Wassermanagement-System, das Erzbergwerk Rammelsberg im Harz, die Völklinger Hütte, der Industriekomplex Zeche Zollverein, das Fagus-Werk in Alfeld, die Hamburger Speicherstadt, sowie die Montanregion Erzgebirge/Krusnohorí.

Die Höhe der Unterstützung durch den Bund müsse dabei deutlich erhöht werden und sollte sich an der Summe für die Stiftung Schlösser und Gärten orientieren, forderten die Welterbestätten. Für die mitteldeutsche Schlösser- und Kulturlandschaft hatte der Bund im Sommer 400 Millionen Euro Zuschüsse beschlossen. Dagegen seien nur 50 Millionen Euro für die Industriekultur bewilligt worden.

Thüringen will fünfte Weltkulturerbe-Stätte

Freitag, 8. Oktober 2021: Thüringen will zu seinen vier bestehenden Welterbe-Stätten einen fünften Titel erringen. Nach Bauhaus und Klassischem Weimar, der Wartburg sowie den "Alten Buchenwäldern" des Hainichs will der Freistaat seine früheren Residenzen im Verbund zum Unesco-Welterbe führen, kündigte Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) am Donnerstag in Erfurt an. Ziel sei es, in die sogenannte Tentativliste aufgenommen zu werden, die ab 2025 als Grundlage für den jährlichen deutschen Vorschlag beim Welterbe-Komitee dient.

Im Mittelpunkt des Antrags bei der Kulturministerkonferenz stünden neun bis 1918 über Jahrhunderte als Regierungssitze genutzte Residenzschlösser in acht Thüringer Städten. Zu den ausgewählten Gebäuden und Anlagen zählt neben acht Anlagen im Gebiet des heutigen Thüringen auch das Schloss Ehrenburg im bayerischen Coburg (Herzöge von Sachsen-Coburg). Hintergrund für die Einbeziehung der Franken ist die lange Zugehörigkeit Coburgs zu Gotha. Sie endete 1919 mit der Abdankung der Fürsten, als sich eine Mehrheit der Bürger für den Wechsel nach Bayern aussprach.

Es sei die "Mindermächtigkeit" der früheren Reichsfürsten auf dem Gebiet des heutigen Thüringens gewesen, die für die geradezu sprichwörtliche Kleinstaaterei in der Region sorgte. Für Kriege zu schwach, wetteiferten die Herrscher über Jahrhunderte auf architektonischem oder musischem Terrain. Jeder Fürst unterhielt sein Orchester und Theater, ihre Schlösser sollten nach außen von ihrer Wichtigkeit zeugen. Diese Dichte an Politik und Kultur macht aus Sicht der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten den Charme der Bewerbung aus.

Münchner Olympiapark könnte Weltkulturerbe werden

Freitag, 24. September 2021: Der Freistaat Bayern will neben dem Nürnberger Justizpalast mit seinem Saal 600 auch den Münchner Olympiapark für das UNESCO-Welterbe vorschlagen. Der bayerische Ministerrat habe letzte Woche entschieden, die beiden Stätten für die deutsche Vorschlagsliste einzureichen, teilte Kunstminister Bernd Sibler (CSU) am Freitag mit. Zur Auswahl des Olympiaparks habe ein Expertengremium geraten, das für die Sportstätten von 1972 gute Erfolgsaussichten sehe, teilte das bayerische Kunstministerium mit.

Der Olympiapark stehe für den Sieg einer neuen demokratischen Gesellschaftsordnung im Nachkriegsdeutschland, erklärte Sibler. Errichtet worden sei die Anlage auf einem Trümmerberg des Zweiten Weltkriegs, auf dem bis heute der zivilen Opfer des Krieges gedacht werde. „Sie verkörpert mit ihrer modernen, alles verbindenden Architektur den olympischen Gedanken von Frieden und Gemeinschaft.“ Zugleich sei sie auch Mahnstätte für ein menschenverachtendes Attentat. Am 5. September 1972 nahmen Mitglieder der palästinensischen Terrororganisation „Schwarzer September“ im Olympischen Dorf mehrere israelische Sportler als Geiseln. Die Befreiungsaktion scheiterte, elf israelische Athleten und ein bayerischer Polizist starben.

Bereits seit dem vergangenen Jahr stand fest, dass Bayern zur Vorschlagsliste den Justizpalast Nürnberg hinzufügen will. Justizminister Georg Eisenreich (CSU) erklärte, im Saal 600 des Nürnberger Justizpalasts habe die Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess stattgefunden. Erstmals in der Geschichte mussten sich führende Vertreter eines Staates für ihre Verbrechen gegen den Frieden und die Menschlichkeit vor einem internationalen Gericht verantworten. Der Saal 600 mahne alle, „dass Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschenrechte nicht selbstverständlich sind, sondern Tag für Tag verteidigt werden müssen“, betonte Eisenreich.

Bis 31. Oktober soll jedes Bundesland zwei Vorschläge für die deutsche Liste des UNESCO-Weltkulturerbes einreichen. Die Kultusministerkonferenz (KMK) will im Anschluss entscheiden, welche Vorschläge an die UNESCO weitergeleitet werden.

Christliche Friedhöfe unter dem Dach des Immateriellen Kulturerbes

Freitag, 3. September 2021: Die evangelische und katholische Kirche betonen den Wert der Friedhofskultur für die Gesellschaft. Gemeinsam würdigen die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) die christlichen Friedhöfe als tragende Säulen des Immateriellen Kulturerbes "Friedhofskultur in Deutschland". Es gelte, diese Kulturräume im Sinne der UNESCO-Auszeichnung zu pflegen und weiterzuentwickeln. So sollen in diesem Jahr die kommenden Trauer- und Gedenktage auch im Zeichen des Immateriellen Kulturerbes stehen.
 
Gemeinsam mit dem Kuratorium Immaterielles Erbe Friedhofskultur haben die Kirchen heute (2. September 2021) in Berlin eine aktuelle Broschüre mit dem Titel "Christliche Friedhöfe unter dem Dach des Immateriellen Kulturerbes" sowie eine Ausstellung zum Thema vorgestellt. Thematisiert werden nicht nur die vielseitigen Facetten dieses Kulturerbes – zum Beispiel in sozialer, historischer oder künstlerischer Sicht –, sondern vor allem auch die Bedeutung des Kulturraums Friedhof für Christinnen und Christen.
 
Der Vorsitzende des Rates der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, bezeichnete die Friedhöfe als "unverzichtbare Orte des menschlichen Lebens", die zugleich "bedeutende Kulturorte" seien. Die evangelische Kirche wolle "das Ihre tun, um gute, heilsame und schöne Traditionen zu bewahren und zugleich neue Wege der Trauer- und Gedenkkultur zu eröffnen, damit das Kult- und Kulturgut Friedhof eine gute Zukunft hat".
 

Donaulimes ist Weltkulturerbe

Freitag, 30. Juli 2021: Die UNESCO hat den Donaulimes zum Weltkulturerbe erklärt. Die historische Grenze des Römischen Reiches sei damit auf gemeinsamen Vorschlag von Deutschland, Österreich und der Slowakei in die Welterbeliste eingetragen worden, teilte die Deutsche UNESCO-Kommission am Freitag mit. Ungarn war kurz zuvor unerwartet aus dem gemeinsamen Verfahren ausgestiegen.

Mit der Aufnahme dieser Stätten spreche die UNESCO den Grenzen des Römischen Reiches in seinem westlichen Teil einen "außergewöhnlichen universellen Wert" zu, sagte der bayerische Kunstminister Bernd Sibler (CSU) am Freitag laut Mitteilung: "Ich bin stolz auf diese großartige Auszeichnung. Der Donaulimes ist die erste Welterbestätte, deren deutsche Anteile überwiegend in Niederbayern liegen."

Der "Donaulimes" bezeichnet den Teil der römischen Militärgrenze entlang der Donau. An ihr befinden sich zahlreiche ehemalige Türme, Kastelle und Zivilsiedlungen. In Bayern erstreckt sich diese historische Grenzlinie von Bad Gögging im Landkreis Kelheim über Regensburg und Straubing bis nach Passau. Der eingetragene Abschnitt des Donaulimes verläuft über 600 Kilometer von Niederbayern über Österreich bis in die Slowakei.

Bad Kissingen ist Weltkulturerbe: Reaktionen

Sonntag, 25. Juli 2021: Man gehöre jetzt in die "Champions-League der öffentlich wahrnehmbaren deutschen Städte", freute sich der Bad Kissinger Oberbürgermeister Dirk Vogel in einem Video. Als Teil der "Great Spas of Europe" haben die Bad Kissinger nun den Titel Weltkulturerbe. Mit diesem Titel seien Chancen und Verantwortung verbunden. man wolle nicht zum Museum werden, "sondern gelebte Geschichte mit Anspruch sein", sagte Vogel.

Das UNESCO-Welterbekomitee hat am Samstag bedeutende Kurstädte Europas zum Welterbe erklärt. Zu den elf ausgezeichneten Orten in sieben Ländern zählen die drei deutschen Bäder Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen. Ihre geschlossenen architektonischen Ensembles zeugten bis heute von der Bäderkultur, hieß es. Der Antrag war seit 2011 gemeinsam von Deutschland zusammen mit Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich und Tschechien eingereicht worden.

Die Tradition der Kur habe sich in Europa auf besondere Art herausgebildet, stellte die UNESCO-Welterbe-Kommission fest. Rund um Heilquellen sei die Kurstadt als ein eigener städtebaulicher Typus, entstanden. Die Hochzeit der Bäderkultur sei zwischen 1700 und den 1930er Jahren gewesen. Rund um die Heilquellen seien exklusive Kurgebiete angelegt worden. Quer durch Europa entstanden rund 1.500 größere und kleinere Kurorte mit Trinkhallen, Kurhäusern, Kolonnaden, Grand Hotels, Villen und Sakralbauten. In Theatern und Casinos, Kurgärten und Parks kamen die Gäste zusammen.

Für diese Epoche stünden bis heute die Kurstädte von Spa in Belgien, das französische Vichy, Bath im Westen Englands, Montecatini in der Toskana, Baden bei Wien, Karlovy Vary, Frantiskovy Lázne und Mariánské Lázne in Böhmen, Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen. Bad Kissingen gelte als "Musterbad für die Zeit des Beginns des 20. Jahrhunderts", erklärte der Kissinger Kulturreferent Peter Weidisch auf der Homepage der Stadt.

"Die Idee, die die Menschen im späten 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert von Wellness und Spa hatten, ist in Bad Kissingen noch heute erlebbar", erklärte Generalkonservator Mathias Pfeil, Leiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege in einer Mitteilung. Bad Kissingen sei nun Teil eines Welterbes, das so viele Städte europaweit verbinde. "Mit seiner mondänen Architektur von Max Littmann und von Friedrich von Gärtner gehört Bad Kissingen eindeutig zu diesen klangvollen Namen". "Bayerns Kunst- und Wissenschaftsminister Bernd Sibler erklärte, in Bayern gebe es mit Bad Kissingen nun neun Welterbestätten. Als Teil der bedeutenden Kurstädte Europas versinnbildliche Bad Kissingen "den europäischen Gedanken der Gemeinschaft und des Zusammenhalts".

Das UNESCO-Welterbekomitee tagt noch bis 31. Juli. Es entscheide in der Regel jährlich über die Einschreibung neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste und befasse sich mit dem Erhaltungszustand eingeschriebener Stätten, hieß es. Auf der Liste des UNESCO-Welterbes stehen mehr als 1.120 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern.

Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen sind Weltkulturerbe

Samstag, 24. Juli 2021: Das UNESCO-Welterbekomitee hat bedeutende Kurstädte Europas zum Welterbe erklärt. Zu den elf ausgezeichneten Orten in sieben Ländern zählen die drei deutschen Bäder Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen, teilte die Deutsche UNESCO-Kommission mit. Ihre geschlossenen architektonischen Ensembles zeugten bis heute von der Bäderkultur, hieß es. Der Antrag sei von Deutschland zusammen mit Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich und Tschechien eingereicht worden.

Die Tradition der Kur habe sich in Europa auf besondere Art herausgebildet, heißt es in der Mitteilung. Rund um Heilquellen sei die Kurstadt als ein eigener städtebaulicher Typus, entstanden. Die Hochzeit der Bäderkultur sei zwischen 1700 und den 1930er Jahren gewesen. Rund um die Heilquellen seien exklusive Kurgebiete angelegt worden. Quer durch Europa entstanden rund 1.500 größere und kleinere Kurorte mit Trinkhallen, Kurhäusern, Kolonnaden, Grand Hotels, Villen und Sakralbauten. In Theatern und Casinos, Kurgärten und Parks kamen die Gäste zusammen.

Für diese Epoche stünden bis heute die Kurstädte von Spa in Belgien, das französische Vichy, Bath im Westen Englands, Montecatini in der Toskana, Baden bei Wien, Karlovy Vary, Frantiskovy Lázne und Mariánské Lázne in Böhmen, Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen, so das Welterbekomitee.

Bayerns Kunst- und Wissenschaftsminister Bernd Sibler erklärte am Samstag, in Bayern gebe es mit Bad Kissingen nun neun Welterbestätten. Als Teil der bedeutenden Kurstädte Europas versinnbildliche Bad Kissingen "den europäischen Gedanken der Gemeinschaft und des Zusammenhalts".

Das UNESCO-Welterbekomitee tagt noch bis 31. Juli. Es entscheide in der Regel jährlich über die Einschreibung neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste und befasse sich mit dem Erhaltungszustand eingeschriebener Stätten, hieß es. Auf der Liste des UNESCO-Welterbes stehen mehr als 1.120 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern.

 

Unesco-Welterbekomitee entscheidet über Neuaufnahmen - Fünf Vorschläge für Welterbestätten in Deutschland

6. Juli 2021: Das Unesco-Welterbekomitee berät bei seiner Online-Sitzung vom 16. bis 31. Juli über die Aufnahme neuer Kultur- und Naturerbestätten. Für die Unesco-Liste sind weltweit mehr als 40 Stätten nominiert, darunter die Regenwälder und Feuchtgebiete der Region Kolchis in Georgien, die Bergbaulandschaft von Roșia Montană in Rumänien und das Anwesen des Landschaftsarchitekten Roberto Burle Marx in Rio de Janeiro, Brasilien.

Deutschland ist an fünf Nominierungen beteiligt:

• Bedeutende Kurstädte Europas (gemeinsamer Antrag mit Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich und Tschechien)

• Grenzen des Römischen Reiches – Donaulimes (westliches Segment) (gemeinsamer Antrag mit Österreich, der Slowakei und Ungarn)

• Grenzen des Römischen Reiches – Niedergermanischer Limes (gemeinsamer Antrag mit den Niederlanden)

• Mathildenhöhe Darmstadt

• SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz

Das Welterbekomitee wird den Erhaltungszustand von 258 Welterbestätten prüfen, insbesondere der 53 Stätten, die zurzeit auf der Liste des gefährdeten Welterbes verzeichnet sind. Sie sind etwa durch bewaffnete Konflikte, den Klimawandel, Naturkatastrophen oder Baumaßnahmen bedroht. Neben Einzelmaßnahmen wird das Komitee über Programme und internationale Finanzierungsprojekte beraten, mit denen Staaten beim Schutz und Erhalt ihrer Welterbestätten unterstützt werden sollen.

Fotoausstellung "Der Herde folgen. Mit dem Schäfer unterwegs" in Coburg

7. April 2021: 240 Fotografien von Cordula Kelle Dingel werden bis 4. Juli in der Alten Schäferei Coburg ausgestellt. Die Fotografin begleitete den Schäfer und seine Herde aus Thüringen über vier Jahre hinweg. Die Bilder zeigen den Lebensalltag, egal bei welchem Wetter oder zu welcher Jahreszeit. Was Menschen motiviert, den unbequemen Beruf zu ergreifen und auszuüben, das beschäftigte Kelle Dingel. Sie war dabei aber nicht nur Beobachterin, sondern lernte die intensive Beziehung zwischen Mensch und Tier hautnah kennen. 

Einige der Fotografien sind auch Teil der Wanderausstellung KULTUR.ERBEN, die immaterielles Kulturerbe näher bringt, lebendiges Brauchtum in verschiedenen Lebensbereichen, wie Musik, Sport, Handwerk oder Arbeitsleben. Es sind Ideen und kreative Leistungen, die unmittelbar mit dem Menschen zu tun haben. Auf der Repräsentativen Liste der UNESCO stehen insgesamt 420 Formen des Immateriellen Kulturerbes.

Moderner Tanz als Immaterielles Kulturerbe?

6. April 2021: Die Bundesrepublik hat der UNESCO vorgeschlagen, den Modernen Tanz in Deutschland als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit anzuerkennen. Gemeinsam mit Lettland, Österreich, Polen, Spanien und Tschechien nominiert Deutschland zudem die Flößerei für die internationale Liste des Immateriellen Kulturerbes. Der zuständige Ausschuss der UN-Organisation entscheidet voraussichtlich Ende 2022 über die Anträge.

"In den beiden Nominierungen zeigt sich die ganze Vielfalt des Immateriellen Kulturerbes", betonte die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission Maria Böhmer. "Der Moderne Tanz steht für den kreativen Aufbruch der Goldenen Zwanziger. Bis heute ist er eng mit dem Kampf um Emanzipation und für eine offene, demokratische Gesellschaft verbunden", so Böhmer. "In der Flößerei spiegelt sich unsere Wirtschaftsgeschichte. Ohne die Versorgung mit Floßholz wäre die Entwicklung vieler europäischer Städte nicht denkbar gewesen", schildert Böhmer. "Handwerk und darstellende Kunst prägen unsere Gesellschaft. Ich freue mich, dass die UNESCO nun über die beiden Vorschläge entscheiden wird."

 

Karpfenteichwirtschaft, Krippenkultur und Wässerwiesen sind Immaterielles Kulturerbe

20. März 2021: Vier weitere Kulturschätze aus Bayern stehen ab sofort im bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Neu hinzugekommen sind die traditionelle Karpfenteichwirtschaft, die Marktredwitzer Krippenkultur, die fränkischen Wässerwiesen und der Erhalt der bauhandwerklichen Praxis der Jurahäuser, wie das bayerische Heimatministerium in München mitteilte. Insgesamt stammen nun 32 von 126 Einträgen des Verzeichnisses aus Bayern. Die Entscheidung für die Neuaufnahmen habe die Kultusministerkonferenz (KMK) am Freitag getroffen.

Die bäuerliche, kleinteilig geprägte Karpfenteichwirtschaft werde im Freistaat seit Jahrhunderten gepflegt, bei der Krippenkultur in Marktredwitz seien seit gut 150 Jahren zwischen Weihnachten und Dreikönig bei rund 50 Familien großflächige Krippenlandschaften mit Tonfiguren zu sehen. Die Bewässerung der Wässerwiesen in Franken im Flussgebiet von Rednitz, Regnitz und Wiesent sei eine seit dem Mittelalter belegte Wiesenbewässerung über Gräben und Wehre. Die Jurahäuser im Altmühljura seien unter anderem geprägt durch eine besondere Dachdeckung aus Kalkstein.

Über die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis wird alle zwei Jahre in einem mehrstufigen Verfahren entschieden. Solch ein nationales Register ist laut Ministerium eine Verpflichtung aus dem Unesco-Übereinkommen zur Erhaltung Immateriellen Kulturerbes, dem Deutschland 2013 beigetreten ist.

 

Immaterielles Kulturerbe | Daten und Fakten

Was ist die Repräsentative UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit?

Für die "Repräsentative UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit" stehen immer verschiedene Kulturformen zur Wahl. Zu den Vorschlägen zählen beispielsweise die Parfumherstellung in Frankreich, der Parrandas-Karneval in Kuba, das Lawinen-Risikomanagement in Österreich und der Schweiz oder die Reggae-Musik aus Jamaika.

Deutschland hat etwa gemeinsam mit Österreich, Ungarn, Tschechien und der Slowakei die jahrhundertealte Technik der Stoffveredelung, den sogenannten Blaudruck, eingereicht. Die handwerklich-künstlerische Technik wird noch heute von jungen Designern für Mode-Kollektionen in Zusammenarbeit mit Blaudruck-Werkstätten angewandt. Vielleicht ergänzt der Blaudruck schon bald die bisher 399 Formen Immateriellen Kulturerbes auf der UNESCO-Liste aus den Bereichen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Naturwissen und Handwerkstechniken.

Was bedeutet ein Platz auf der UNESCO-Liste für Immaterielles Kulturerbe?

Seit 2003 unterstützt die UNESCO den Schutz, die Dokumentation und den Erhalt dieser Kulturformen aus der ganzen Welt. Aus Deutschland kommen zum Beispiel der Orgelbau und die Orgelmusik, aus Argentinien und Uruguay der Tango. Auch die traditionelle chinesische Medizin oder die italienische Geigenbaukunst sind Teil Immateriellen Kulturerbes.

Nach welchen Kriterien verläuft die Auswahl?

Nach Angaben der UNESCO müssen die Antragsteller nachweisen können, dass ihr vorgeschlagenes Brauchtum tatsächlich noch gelebt und praktiziert wird und somit zur Identität einer Gruppe von Menschen beiträgt. Zudem verpflichten sich die Staaten, zu deren Terrain ein Immaterielles Kulturerbe gehört, es zu fördern und Maßnahmen zu seinem Erhalt zu entwickeln.

Welche Länder sind Teil des UNESCO-Ausschusses zum Immateriellen Kulturerbe?

Bis 2018 sind 178 Staaten dem Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes beigetreten. Aus ihnen wählte die UNESCO-Generalkonferenz ein Komitee aus 24 Staaten: Armenien, Aserbaidschan, China, Dschibuti, Guatemala, Jamaika, Japan, Kamerun, Kasachstan, Kolumbien, Kuba, Kuwait, Libanon, Mauritius, die Niederlande, Österreich, Palästina, die Philippinen, Polen, Sambia, Senegal, Sri Lanka, Togo und Zypern. Sie entscheiden jährlich über die Aufnahme neuer Kulturformen in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes.

Ausstellung leihen: KULTUR.ERBEN

Immaterielles Kulturerbe ist die Form sich auszudrücken - sprachlich, mit Körperbewegungen, in Ritualen oder Gegenständen, die der Mensch mit seinen Händen schafft. Die Leihausstellung KULTUR.ERBEN zeigt 37 Perspektiven auf klassisches und außergewöhnliches Kulturerbe. Von der Glasbläserei zum Eisschwimmen und vom Schafehüten zum Schlangenkult. Die Bilder der deutschen und internationalen Fotografen und Fotografinnen lassen den Betrachter erkennen, wie lebendig immaterielles Kulturerbe ist - und wie sehr es zum Leben jedes einzelnen Menschen gehört.

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Viktualienmarkt München
Das Augsburger Friedensfest, die Agnes-Bernauer-Festspiele Straubing und die Schafhaltung sind seit März 2018 in das Bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Der Münchner Viktualienmarkt zählt schon seit 2017 zum immateriellen Kulturerbe - und die Händler sind stolz darauf.

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