Für gegenseitige Rücksichtnahme, Verständnis und Freundlichkeit zwischen jungen und alten Menschen hat der Vorsitzende des Münchner Seniorenbeirats, Reinhard Bauer, zum Weltaltentag am Mittwoch (1. Oktober) geworben.
"Wir sitzen alle in einem Boot: Mit mehr gegenseitiger Akzeptanz sind viele Probleme lösbar", sagte der 75-Jährige im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Der "Internationale Tag der älteren Menschen" wird seit 1990 am 1. Oktober begangen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) hat für dieses Jahr das Motto "Gemeinsam Ja zum Alter sagen" ausgerufen.
Alterswahrnehmung ist individuell
Ab wann sich jemand alt fühle, sei individuell verschieden, erklärte Bauer: "Für den Seniorenbeirat ist man ab 60 wählbar, aber viele fühlen sich - wie ich - selbst mit 75 Jahren noch nicht alt." Generell könne er für die Landeshauptstadt kein grundsätzliches Akzeptanzproblem für ältere Menschen feststellen:
"Natürlich spürt man in manchen Diskussionen, dass man mit seiner Meinung nicht mehr so gefragt ist", stellte der Ehrenamtliche fest. Andererseits wolle er auch gar nicht mehr überall mitreden: "Bei TikTok muss ich mich nicht anmelden."
Lösungen für den Alltag der Senior:innen
Die Rückmeldungen an den Seniorenbeirat zeigten allerdings zwei Themen, bei denen sich Ältere ausgegrenzt und benachteiligt fühlten: "Dass man heute für jeden Arzt- oder Behördentermin ein Smartphone braucht, ist für manche ein Problem." Staatliche Stellen müssten auch analog einfach erreichbar bleiben.
Außerdem sei es für Seniorinnen und Senioren "wahnsinnig schwierig", ein Bankdarlehen zum Beispiel für eine Wohnungsrenovierung zu bekommen. "Da heißt es gleich: Sie sind zu alt", ärgert sich Bauer. Der Münchner Seniorenbeirat versuche, Verbesserungen bei diesen Themen zu schaffen.
Altersarmut in München: Chancen und Hilfen
Natürlich sei die Bandbreite innerhalb der Gruppe der Senioren mit Blick auf Gesundheit und finanzielle Ausstattung groß. Trotzdem ist Bauer der Ansicht:
"Den Alten ging es noch nie so gut wie heute." Die jetzige Generation der Älteren sei zum Großteil nach dem Krieg geboren, "sie hat Möglichkeiten und Chancen gehabt und gesellschaftlich eine tolle Zeit erlebt".
Das Thema Altersarmut sei auch in München präsent, doch dank einer guten Sozialverwaltung könnten Betroffene verschiedene Hilfsangebote beantragen.
In München lebten zum Stichtag 31. Dezember 2024 laut Statistik 363.941 Menschen über 60 Jahren, das entspricht einem Anteil von 22,7 Prozent der Stadtgesellschaft. Damit liegt die Landeshauptstadt deutlich unter dem bayernweiten Durchschnitt von 28,7 Prozent im Jahr 2023. Bis 2043 könnten die Seniorinnen und Senioren im Freistaat dann 31,2 Prozent der Bevölkerung stellen, so die Staatsregierung in ihrem "Demografieleitfaden".