In der nördlichen Oberpfalz schwingen zum ersten Mal zwei Frauen als Prinzessinnenpaar das Zepter. Sandra II. und Stephanie I. führen für die Faschingsgesellschaft Plößberg (Kreis Tirschenreuth) durch die Narrenzeit.

Die beiden Regentinnen sind "in den Fasching verliebt", wie sie sagen. Sie lernten sich auch auf einem Faschingsball kennen. Das war 2016 auf dem Lumpenball in Neustadt, erzählt Sandra Hopf. Sie sei damals als Pirat und Stephanie als schwarzer Kater verkleidet gewesen. Seit acht Jahren sind die beiden Frauen jetzt ein Paar und seit 2021 verheiratet.

Faschingsprinzessinnen sind im Dorf fest verankert

"Die Faschingsgesellschaft hat gemeint, das würde gut zu uns passen, weil wir beide für den Fasching sind", sagt Stephanie Busl (40). Mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, ein Dorf zu repräsentieren und "nahe am Volk zu sein", ist nicht jedermanns Sache. Sandra Hopf (34) wusste, was auf sie zukommt:

"Ich bin von klein auf in der Faschingsgesellschaft aktiv, in der Kinder-, dann Prinzen- und Jugendgarde, war selbst schon kleine Faschingsprinzessin und helfe auch sonst immer im Hintergrund mit."

Ohne den Fasching und das närrische Treiben zu mögen, "hätte das wenig Sinn", sagt Sandra.

Die beiden Frauen sind im Dorf fest verankert - privat und beruflich. Sie sind kommunikativ und in Vereinen aktiv. Sandras Eltern betreiben eine Bäckerei im Ort, Stephanies Eltern eine Physiotherapie-Praxis, in der sie selbst mitarbeitet. Das hat auch die Eltern überzeugt. "Es ist eine positive Resonanz, dass sie das öffentlich machen und auch vertreten", sagt Sandras Mutter Heidi Hopf.

Faschingsgesellschaft steht hinter der doppelten Prinzessin

Auch die Faschingsgesellschaft steht hinter den beiden Prinzessinnen. "In der heutigen Zeit sollte nichts mehr dagegen sprechen", sagt Bettina Krapfl, die erste Vorsitzende der Faschingsgesellschaft. Sie hatte Sandra Hopf gleich auf ihrer Liste, "weil sie auch schon Kinderprinzessin und Gardetänzerin war", erzählt sie.

"Wir wollen für unser Prinzenpaar vorzugsweise Leute mit Bezug zum Fasching, die die Traditionen kennen und im Ort gut bekannt sind."

Nach einem Treffen mit den beiden Frauen habe das Faschingspaar festgestanden. "Das Feedback ist komplett positiv."

Ob ein Prinzenpaar anders-, gegen- oder gleichgeschlechtlich ist, spielt im ländlichen Plößberg keine Rolle. Deshalb halten sich die beiden Frauen auch "nicht für besonders mutig", damit an die Öffentlichkeit zu gehen: "Wir wollen auch nicht speziell die LGBTQ-Leute ansprechen", sagt Stephanie Busl: "Wir machen das für unseren Verein, fühlen uns geehrt, dass der uns gefragt hat, und wir machen das gern."

Faschingssaison schon in der heißen Phase

Inzwischen ist die Faschingssaison bereits in der heißen Phase. Den Heimball mit Inthronisation haben sie schon hinter sich. Das sei sehr aufregend gewesen. "Jeder war so ein bisschen angespannt, aber es hat alles super geklappt", sagt Stephanie. Sie mussten eine Rede schreiben, haben mit dem Kinderprinzenpaar einen Eröffnungswalzer als kleine Choreografie einstudiert.

"Wir haben die Show von der Bühne aus betrachtet - und durften dabei gut aussehen, lächeln und klatschen", sagt Sandra.

Beide Prinzessinnen tragen ein ozeanblaues Faschingskleid. Sandra hat zwar eine schwarze Anzug-Leggings dazu an, "die ist aber mit einer Schleppe drapiert, sodass es von hinten aussieht, als hätten wir beide ein Kleid an", sagt Stephanie. Sogar Kinderprinz Felix ist begeistert von den Damen: "Ich bin der einzige Prinz, der drei Prinzessinnen hat."

Je länger der Fasching dauert, desto mehr fliegen dem Paar die Sympathien zu. Der evangelische Pfarrer Klaus Weber sagt: "Das ist total genial". Wenn so etwas "in die dörfliche Tiefenstruktur eintaucht, bedeutet es, dass es normal geworden ist".

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