Zu viel Zeit in den sozialen Medien zu verbringen, hat negative Konsequenzen. Vor allem bei jungen Menschen steigt die durchschnittliche Bildschirmzeit kontinuierlich an. Um dem entgegenzuwirken und die Folgen eines hohen Medienkonsums langfristig zu verhindern, wurde in Australien ein Social-Media-Verbot für Personen unter 16 Jahren eingeführt. Auch in Deutschland wird aus diesem Anlass vermehrt über die Einführung einer solchen Regelung diskutiert.
Seit Ende 2025 müssen die großen Plattformen wie Instagram, TikTok, Snapchat und YouTube in Australien die Konten aller unter 16-Jährigen deaktivieren. Die Kinder und Jugendlichen sollen wieder mehr Kontakte im "echten" Leben knüpfen und ihre Freizeit anders gestalten als nur vor den Bildschirmen. Sie sollen eine Kindheit führen können, in der virale Trends, Kommentare von Fremden und die Anzahl der Likes keine Rolle spielen.
Das Internet und insbesondere die sozialen Medien gelten als unsicherer und unkontrollierbarer Ort für Kinder und Jugendliche. Doch ob ein striktes Verbot helfen kann, sie vor negativen Einflüssen zu schützen, und ob es umsetzbar ist, ist umstritten.
Social Media: Negative Auswirkung auf Gesundheit
Es ist nachgewiesen, dass die Nutzung sozialer Medien negative Auswirkungen auf die Gesundheit hat – vor allem auf die psychische. Jugendliche neigen zu Angst- und Stressgefühlen. Sie lernen früh, sich ständig mit anderen zu vergleichen. Ein Druck lastet auf ihnen, den sie selbst oft gar nicht wahrnehmen.
Ich selbst habe mit 16 Jahren alle sozialen Medien von meinem Handy gelöscht, weil ich gemerkt habe, dass sie mir nicht guttun. Seitdem geht es mir besser. Ich habe mehr Zeit für Aktivitäten, die mir wichtig sind und die außerhalb der virtuellen Welt stattfinden. Zwar ist es im ersten Moment hart, zu wissen, dass ich nicht mehr mitbekomme, was dort passiert, aber ich habe schnell gemerkt, dass diese Inhalte draußen, in der analogen Welt, gar keine Rolle spielen.
Wenn alle meine Freund:innen das Gleiche getan hätten, was ja mit der Einführung eines Verbots zwangsläufig passieren müsste, wäre es vermutlich noch einfacher gewesen, von den Medien Abstand zu nehmen. Themen wie Trends, der neueste Klatsch oder der aktuellste Skandal sind für mich nicht mehr relevant.
Früh zeigen, wie das Internet funktioniert
Cybermobbing, Hass im Netz und böse Kommentare sind Probleme, die sich durch ein solches Verbot zumindest auf einen späteren Zeitpunkt verschieben ließen. Zwar ist es nicht so, dass 16-Jährige unbedingt verantwortungsvoller mit den Medien umgehen könnten. Doch aus der Zeit ohne soziale Medien hätten sie vielleicht gelernt, empathischer miteinander umzugehen und im echten Leben zu kommunizieren. Mit 16 Jahren versteht man auch eher, welche Konsequenzen eigene Beiträge im Internet haben können.
In diesem Zusammenhang wäre eine Medienerziehung notwendig, um jungen Menschen schon früh zu zeigen, wie das Internet funktioniert und welche Gefahren es birgt. Es gibt zwar viele Versuche, Kindern dies klarzumachen, aber bei mir war es jedenfalls nicht wirklich wirksam. Es wäre fahrlässig, Jugendliche ohne jegliche Erfahrung und Erklärung in die sozialen Medien zu entlassen.
Wichtig wäre auch, dass das Verbot wirklich umgesetzt wird. In Australien kann man derzeit beobachten, dass die Konten der Jugendlichen zwar deaktiviert werden, sie aber häufig Wege finden, die Regeln zu umgehen. Größere Geschwister dürfen soziale Medien nutzen oder die Jüngeren nutzen die Ausweise der Älteren, um sich Konten zu erstellen.
Jugendlichen die Entscheidung nicht abnehmen
Die Einführung eines Verbots würde zwar nicht dazu führen, dass Hass und Hetze unter Jugendlichen plötzlich verschwinden und sich die psychische Gesundheit auf einen Schlag verbessert. Doch es ist gut möglich, dass sich Jugendliche aus dem Strudel der sozialen Medien befreien und wieder lernen, ihren Platz im echten Leben einzunehmen und empathisch miteinander umzugehen.
Den Jugendlichen diese Entscheidung abzunehmen, halte ich für riskant. Man sollte versuchen, sie in die Entscheidungen und Prozesse miteinzubinden, damit sie wenigstens die Chance haben, ihre Meinung zu sagen. Dass die Regelungen, so wie sie jetzt in Australien sind, den Konsum junger Menschen nicht wirklich ändern, hätten diese sicher schon vorhersagen können. Um Verständnis für das Problem zu erlangen, muss man die Betroffenen einbinden und ihnen die Problematik aufzeigen. Vor allem dann, wenn sie es selbst nicht als Problem empfinden. Schließlich ist bewiesen, dass der Konsum sozialer Medien krank machen kann und eine große Suchtgefahr birgt.
Um dem ungesunden Medienkonsum und seinen negativen Folgen langfristig und garantiert wirksam entgegenzuwirken, müsste man gesamtgesellschaftlich zusammenarbeiten und noch größere Ziele setzen. Das Problem sind nicht die Plattformen selbst, sondern sie verstärken es nur. Das Problem ist unser Umgang miteinander und dass wir es nicht schaffen, einander mit Toleranz zu begegnen – weder auf offener Straße noch im Internet.