Sie finden trotz großer Bemühungen oftmals nicht genug Personal: In den meisten der 185 Pflegeschulen in Bayern mangelt es an Lehrkräften.

"Dieser Mangel wird sich künftig noch verstärken",

sagt Sandra Schuhmann vom Diakonischen Werk Bayern. Denn zum einen gibt viel zu wenig Lehr-Nachwuchs. Zum anderen treten von den aktuell rund 1.000 unbefristeten Pflegelehrkräften in Voll- oder Teilzeit etliche in kommenden Jahren in Ruhestand. Das Problem ist regional betrachtet unterschiedlich stark ausgeprägt.

Mangel auch, weil Ausbildung lange dauert

Die Pflege ist einer jener Berufe, in dem derzeit Lehrkräfte in einem "fast schon die Ausbildungsqualität gefährdenden Umfang" fehlen, sagt Pankraz Männlein, der Vorsitzende des Verbands der Lehrkräfte an beruflichen Schulen in Bayern. Beunruhigend sei, dass sich der Mangel in den kommenden Jahren verstärken wird. Auch, weil die Ausbildung lange dauert. Entscheidet sich jemand jetzt für den Beruf "Pflegepädagoge", wird er den Schulen wohl frühestens Ende 2031 zur Verfügung stehen. Männlein: "Was machen wir bis dahin?"

Wie negativ sich die Personalnot in Pflegeschulen auswirkt, zeigt sich den Landtagsfraktionen von CSU und Freien Wählern zufolge am bfz in Bayreuth. Hier sei die Pflegeausbildung mangels Personal unterbrochen worden. Im Sommer 2021 habe es "ein wenige Monate dauerndes, internes Besetzungsproblem" bei der Berufsfachschule für Altenpflegehilfe des Bayreuther bfz gegeben, heißt es. Laut Kultusministerium konnte auch an einer Pflegeschule in Schwandorf keine neue Einstiegsklasse gebildet werden.

Zahlreiche Pflegeschulen melden Mangel an Lehrpersonal

In diesem Schuljahr findet der Pflegeschulbetrieb in allen neun bayerischen Pflegeschulen des bfz wieder regulär statt. Klar ist aber: "Hätten wir weiteres Lehrpersonal, könnten wir zusätzliche Ausbildungsklassen anbieten", sagt Annegret Fabry-Dorner, die bfz-Bereichleiterin für Fach- und Berufsfachschulen. Hendrik Ott-Loffhagen, Gesamtschulleiter der Berufsfachschulen der Barmherzigen Brüder in Regensburg, sagt, noch sei an den von ihm geleiteten Pflegeschulen kein Unterricht ausgefallen. Ob das so bleibt, ist ungewiss.

In letzter Zeit hätten "zahlreiche Pflegeschulen" einen Mangel an Lehrpersonal gemeldet, sagt Michael Wittmann, Geschäftsführer der Vereinigung der Pflegenden in Bayern (vdpb). Das Problem sei sowohl in Ballungszentren als auch in ländlichen Gebieten vorhanden. Wittmann berichtet von einem Schulleiter, der im Frühjahr 2022 eine eigene Umfrage gestartet habe: "Jede Pflegeschule, die sich bei ihm zurückmeldete, nannte offene Stellen." Die Nachbesetzung, wurde angegeben, könne bis zu einem Jahr dauern.

An mehreren Stellschrauben drehen

Aus Sicht der Diakonie Bayern müsste an mehreren Stellschrauben gedreht werden, um den Mangel an Pflegelehrkräften zu beheben. So entscheidet die Schulaufsicht, welche Lehrkräfte an Schulen in freier Trägerschaft eingesetzt werden dürfen. Sandra Schuhmann würde sich wünschen, dass die Behörden ihren Handlungsspielraum ausnutzen, um Personalengpässe auszugleichen. Einrichtungen sollten Pflegekräfte zur Weiterqualifizierung motivieren, appelliert die Diakonie-Vorständin "Gesundheit und Teilhabe".

In Bayern müssten Pflegelehrkräfte sehr hohe Hürden nehmen, sagt Fabry-Dorner vom bfz. "Mindestens 50 Prozent des Lehrpersonals einer Schule muss einen Masterabschluss oder eine gleichwertige Qualifikation vorweisen", erläutert sie. Eine "deutlich zu ambitionierte" Vorgabe, findet sie. Denn: Bis vor Kurzem war kein akademischer Grad nötig, um an einer Pflegefachschule zu unterrichten. Das änderte sich 2020. Wer noch keine entsprechende Qualifikation besitzt, muss sich bis Ende 2029 nachqualifizieren.

Zu wenig Angebote für Pflege-Master

Ein weiteres Problem: Es gibt in Bayern zu wenig Angebote, um einen Pflege-Master zu machen, findet der vdpb. Derzeit könnten nur in Fürth, Erlangen, Deggendorf und München entsprechende Abschlüsse erworben werden. Wer sich für ein Studium entscheidet, müsse zudem ganz oder teilweise auf seinen Lohn verzichten. "Dies verursacht häufig finanzielle Schwierigkeiten und hält davon ab, ein Studium zu beginnen", erläutert Wittmann. Finanzielle Anreize zur Aufnahme des Studiums wären wünschenswert.

Die Personalnot betrifft aber nicht nur Berufsfachschulen für Pflege, sagt Astrid Herold-Majumdar von der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften der Hochschule in München:

"Auch Hochschulen sind betroffen."

Um mehr Pflegelehrkräfte zu gewinnen, könnten das Aufstiegs-BAföG ausgeweitet und das Meister-BAföG geöffnet werden.

Kommentare

Diskutiere jetzt mit und verfasse einen Kommentar.

Teile Deine Meinung mit anderen Mitgliedern aus der Sonntagsblatt-Community.

Anmelden