28.07.2019
Evangelische Morgenfeier

Predigt: Ecksteine und andere Gewissheiten (1. Petrus 2, 2-10)

Mit dieser Predigt verabschiedet sich die Rosenheimer Dekanin Hanna Wirth als Sprecherin der Evangelischen Morgenfeiern.
Ecksteine an der Dorfkirche in Grunow
Ecksteine an der Evangelischen Dorfkirche in Grunow/Brandenburg

Ecksteine in Kirchen

In Norddeutschland und Skandinavien kann man sie noch manchmal sehen: Kirchen aus groben scheinbar unbehauenen Steinen. Nur in dieser Gegend gibt es solche Steine, Überbleibsel aus der Eiszeit, von Gletschern hergeschoben. Darum nennt man sie auch "Geschiebe". Das Wasser der Gletscher hat sie glatt geschliffen. Die Steine, die man meist auf dem Feld fand, eigneten sich sehr gut zum Bauen. Da sie nicht regelmäßig waren, brauchten solche Mauern zusätzliche Stabilität. Die erhielten sie von den Ecksteinen:  längliche Feldsteine, die an der Ecke der Mauer abwechselnd nach rechts oder links verlegt wurden. So gaben sie Stabilität. Es waren wichtige Steine, man gab sich besondere Mühe mit ihnen: sie mussten passen. Manchmal setzte man farbige Steine dafür ein. Ein besonders schönes Beispiel findet sich in der Märkischen Schweiz in Brandenburg: die evangelische Dorfkirche von Grunow. Idyllisch mitten im Grünen gelegen, viele Bäume geben Schatten. Die Ecksteine dieser Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert sind fast einmalig, es sind Schachbrettsteine. Durch Schaben und Kratzen an den Steinen, kommen wechselnde Farbtiefen zutage. So sehen die Steine aus wie ein Schachbrett mit blauen und hellblauen oder roten und hellroten Feldern.

So wichtig waren die Ecksteine, dass ihnen die Bauleute besonders viel Aufmerksamkeit schenkten. Sie wussten: von diesen Steinen hängt das Überleben der Kirche ab. Viele Jahre später wurde Grunow verwüstet. Die Kirche jedoch blieb stehen. Verschont oder getragen von ihren Ecksteinen? Heute steht sie immer noch, nun ganz allein, denn das Dorf Grunow wurde in einiger Entfernung neu angesiedelt.

Was trägt, was gibt Sicherheit? In einem Gebäude, in der Gesellschaft, im persönlichen Leben.

So viele Menschen suchen heute nach Sicherheit. Sie haben Angst vor Einbrechern oder Überfällen – dabei ist die Rate der Kriminalität deutlich gesunken. Sie haben Angst vor Veränderung, als wäre das Leben, das wir heute führen, eine Garantie dafür, dass diese Erde bleibt und bewohnbar bleibt. Und als wäre das, wie es früher war, schon das Paradies für alle. Der Soziologe Alain Ehrenberg spricht vom "erschöpften Selbst in einer erschöpften Gesellschaft". Erschöpft von Umzügen, von langen Wegen zur Arbeit, von Druck bereits in der Grundschule, von steigenden Kirchenaustritten, von Scheidungen, von Krankheiten. Viele erschöpft das so, laut Ehrenberg, dass sie sich nicht mehr sicher fühlen. Wo bleibt das Verlässliche?

Vor zehn Jahren ging in Deutschland ein Lied durch alle Sender von der Band Silbermond: "Ein kleines bisschen Sicherheit". Mich berührt es, weil es dieses Gefühl aufnimmt. Worauf kann ich mich verlassen? Gilt dein Wort, das du mir gestern gabst, morgen noch? Was kannst du mir geben, was in dieser Welt, in der nichts sicher scheint, ein bisschen Halt gibt? Und wenn die Welt den Verstand verliert – bleibt das, was du sagst?

Der Eckstein erregt Anstoß

Ein Liebeslied, das Fragen stellt, wie sie viele Liebespaare kennen.

Ich finde diese Fragen auch im Glauben wieder: mein Glaube an Gott ist auch eine Liebesgeschichte. Ich glaube seinem Wort und kann es gleichzeitig nur schwer glauben, frage nach, suche nach Vergewisserung.

So suchte auch die junge Gemeinde in Kleinasien, der heutigen Türkei, vor knapp 2000 Jahren. Mit der Thora im Herzen, mit der Sehnsucht nach Gottes Gerechtigkeit, suchen die Juden Kleinasiens nach Halt und Zukunft im Leben und sind davon überzeugt, dass Jesus der von Gott Gesandte ist. Was sie von ihm hören, damit lässt sich leben. Es sind nicht viele: kleine Gemeinden zerstreut im ganzen großen Land – und mit einem Mal sind sie Außenseiter. In ihrer Umwelt kommen sie in Verruf, als Traumtänzer, die einem Gekreuzigten nachfolgen, als Naivlinge, die an die Auferstehung glauben, als weltfremde, die sich auf Gott und sein Wort verlassen oder als Verräter des römischen Kaisers. Die Kritik von außen dringt nach innen, sie macht sich breit, sie verunsichert: Haben die nicht recht, die sagen:

Was wollt ihr denn mit eurem Christus? In der Welt gelten andere Maßstäbe. Seid mal realistisch. Aus dem Verruf werden nach und nach Verfolgungen, handgreiflich, tödlich. Die Kaiser Nero und Diokletian treiben in den ersten Jahrhunderten ihr grausames Spiel mit den Christen.

In ihre ratlose Situation erhalten die Gemeinden in Kleinasien einen Brief im Namen des Apostels Petrus. Er erklärt und gibt Rat:

Wie Neugeborene nach Milch verlangen, so sollt auch ihr nach Milch, nach unverfälschten Worten, verlangen. Solche Nahrung soll euch stark machen, damit ihr Heil und Rettung erfahrt. Ihr habt doch geschmeckt, dass Gott freundlich ist.
Wenn ihr zu dem lebenden Stein kommt, den die Menschen weggeworfen haben, der vor Gott aber auserwählt und wertvoll ist, 5werdet ihr selbst wie lebendige Steine. Mit euch wird ein Haus gebaut, das die Geistkraft selbst zusammenhält. Ihr werdet zu einer heiligen Priesterschaft, damit ihr Gaben darbringt, die die Geistkraft wirkt, die Gott gefallen, weil sie im Vertrauen auf Jesus Christus dargebracht wurden. Deswegen heißt es in der Schrift: Siehe, ich setze in Zion einen Eckstein, erwählt und wertvoll, und wer ihm vertraut, wird nicht verloren gehen. Ihr vertraut ihm, für euch ist er das Wertvollste. Für die aber, die ihm nicht vertrauen, ist er der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der zum Eckstein geworden ist, ein Stein, an dem sie sich stoßen, und ein Fels, der Anlass gibt, sich zu ärgern. Der Eckstein Jesus Christus. ( 1. Petrus 2, 2-10, Bibel in gerechter Sprache)

Der Briefschreiber sieht die Ängste seiner Gemeinde: Ihr seid noch Kinder im Glauben. Ihr müsst noch wachsen wie die Säuglinge. Und was ihr dazu braucht, findet ihr im Wort Gottes. Ja, die anderen verstehen euch nicht. Er findet das schöne alte Bild vom Eckstein. Schon in Psalm 118 ist davon die Rede. Doch kaum freut man sich und sieht eine schöne alte Kirche vor Augen oder ein Haus mit einem schönen sichtbaren, kostbaren Eckstein, bricht das Bild. Ein Stein, den die Bauleute weggeworfen haben. In einem Halbsatz ist die Passionsgeschichte Jesu zusammengefasst.

Jesus, so sagt der 1.Petrusbrief, war solch ein Stein. Die damaligen Religionsführer musterten ihn aus. Der stört, den brauchen wir nicht. Er muss weg. Doch seine Botschaft der Liebe konnte der Tod nicht töten. Sie verbreitete sich in Windeseile in Israel und weit darüber hinaus, in der ganzen damals bekannten Welt. Bis heute. Heute ist das Christentum weltweit die größte Religion in verschiedenen Konfessionen. Der "Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist tatsächlich zum Eckstein geworden."

Und dieser Stein, der zum Eckstein wurde, wird vielen zum Anstoß - damals als Jesus verurteilt wurde, aber auch noch heute.

Die Christenverfolgungen haben nie aufgehört. Weltweit werden Christen verfolgt. Bei uns in Europa auf den ersten Blick nicht.. Oft ist es aber nur das nachsichtige Lächeln, das aussagen will: "Du wirst auch noch vernünftig" oder "Träum weiter". Oder empört: "Und wer soll das alles zahlen?" Ich denke an eine Situation vor fünf Jahren, als die vielen geflüchteten Menschen hier ankamen. Im Gespräch mit einem Politiker sagte mir der: "Das geht nicht." Ich widersprach: "Doch, das geht, wir brauchen dazu aber Gottvertrauen." "Nein, Frau Wirth", antwortete er mir "jetzt reicht kein Gottvertrauen mehr, jetzt brauchen wir Vernunft und Verstand." Vernunft und Verstand über Gottvertrauen setzen? Ich habe es immer umgekehrt gesehen. Das Gespräch war beendet. Er konnte mit mir nichts anfangen.

Doch längst bleibt es nicht bei Meinungsverschiedenheiten. Bei Vorwürfen, Schmähungen und Spott, denen Journalistinnen, Politiker, und viele viele Menschen sich ausgesetzt sehen.

Vor sieben Wochen wurde Walter Lübcke, Regierungspräsident von Kassel, ermordet. Der Mann, der seit 2015 dafür eintrat, geflüchtete Menschen aufzunehmen. Für ihn war das selbstverständlich und er freute sich über jeden Erfolg in dieser herausfordernden Zeit. Walter Lübcke war bewusster evangelischer Christ. Als sein "inneres Geländer" im Leben, erzählte Bischof Martin Hein bei der Trauerfeier, bezeichnete Lübcke Nächstenliebe und Wahrhaftigkeit. Ihm wurde das zum Verhängnis. Er wurde aus der rechten Szene als "Volksverräter" verunglimpft, Morddrohungen häuften sich. Und nach Lübcke sind weitere Personen aus dem politischen Umfeld gefährdet. Von rechtsextremistischen Gruppen gibt es mindestens eine sog. Feindes-Liste mit tausenden von Namen. Darauf stehen Namen von Politikern, harmlose katholische und evangelische Landräte oder Bürgermeister. Auch Walter Lübcke wurde darauf geführt. Man muss es beim Namen nennen: In Europa führt die Neonaziszene die Christenverfolgung wieder ein.  Für die, die Christus nicht vertrauen, ist er der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der zum Eckstein geworden ist, ein Stein, an dem sie sich stoßen, und ein Fels, der Anlass gibt, sich zu ärgern. Der Eckstein Jesus Christus.

Das Haus, das Gottes Geist zusammenhält

In Diskussionen erlebe ich immer wieder, dass Menschen Anstoß nehmen an meiner Hoffnung und meinem Gottvertrauen. Das macht mich nachdenklich. Haben diese Gesprächspartner nicht doch ein kleines bisschen recht? Bin ich mit meinem Glauben zu naiv? Angesichts der drängenden Probleme der Welt, Klimawandel, Ausbeutung der Natur in vielen Ländern, Aussterben von Insekten, Fischen und vielen anderen Tieren – hilft da der Glaube? Ich glaube ja. Der Glaube, den ich an Jesus Christus sehe und den ich gelernt habe von meinen Eltern und anderen, der macht ja nicht blind. Der gebraucht die Vernunft – was für eine enorme Gabe, die wir Menschen da haben: Verstand, Intelligenz, klares Denken und Liebe. Aber es bleibt ja nicht dabei. Ich kenne meine Grenzen, weiß, wie schnell ich an sie stoße, wie schnell ich verunsichert bin und ratlos. Dann kann ich nur noch sagen: jetzt bin ich am Ende mit meinem Latein, jetzt kann wirklich nur noch Gott helfen.

Von Martin Luther wird folgendes berichtet: er litt unter großen Zweifeln. Tod und Teufel machten ihm Angst. Sie drohten, Gewalt über sein Leben zu erhalten und seinen Glauben zu ersticken. In solchen Situationen soll er sich immer wieder vorgesagt haben: "Ich bin getauft". Darin lag für ihn Vergewisserung: Du bist Gottes Kind, kein Kind des Zufalls. Du bist nicht allein, Gott ist an deiner Seite. Wenn deine Kraft am Ende ist, Gott hat noch viel Kraft für dich.

Luther konnte sich nicht genug daran freuen. Gott will ihn. Er kann ihn brauchen.

"Ich bin getauft." Mir ist dieses Denken nahe. Gerade wenn ich mich so eingeengt fühle von Unsicherheit, von Zweifeln, wenn ich auf das apodiktische "Das geht nicht." stoße und verzweifeln möchte. Dann hilft mir Luthers Gedanke: Gott stellt uns auf weiten Raum.

Und er stellt uns in eine Gemeinschaft. Mir tut das gut. Etwa in meiner Gemeinde, im Sonntagsgottesdienst, oder auch wenn ich im Ausland oder in einer fremden Stadt einen Gottesdienst besuche. Ich brauche so eine Gemeinde. Die anderen um mich helfen mir, mich zu vergewissern. Ganz besonders genieße ich das am Kirchentag. Weit über 100.000 Menschen bewegen sich da vor wenigen Wochen in Dortmund friedlich, oft auch singend. Da war etwa der U-Bahnhof überfüllt. Mit aller Ruhe sorgen die Ordner dafür, dass nicht alle auf den Bahnsteig drängen. In Ruhe stehen auch alle Wartenden dort. Man kommt ins Gespräch. Und nach wenigen Minuten geht es weiter, langsam, ohne Eile, vergnügt. Auch wenn ich vielleicht nur fünfzig von all den Menschen kenne und wenn das bestimmt auch nicht für alle gilt, so spüre ich doch eine Freiheit, auch eine Verbindung. Und in Vorträgen und Diskussionen spüre ich, dass wir gemeinsam Frieden wollen, Frieden für alle Menschen, ohne Ausgrenzung, ohne Besserwisserei, ohne ängstliches Euro-Rechnen. Schnell redet man dann von einer Familie, die "Kirchentagsfamilie". So weit würde ich nicht gehen. Mir gefällt das Bild besser - vom "Haus, das die Geistkraft zusammenhält". Ich zähle auch die Widerstandskämpfer aus der Zeit des Nationalsozialismus dazu.

Widerstand für Gerechtigkeit und Frieden

Am 20. Juli jährte sich der Tag des Attentats auf Adolf Hitler zum 75. Mal. Ca. 80 Männer aus dem Adel, aus der Kirche, aus dem Militär, aus der Politik, aus der Polizei hatten diesen Angriff vorbereitet. Hitler nannte sie wenige Stunden später "eine ganz kleine Clique ehrgeiziger, gewissenloser und zugleich unvernünftiger, verbrecherisch-dummer Offiziere". Noch viele Jahre nach Ende des Krieges hat man sie so gesehen, mit den Augen dessen, für den alles Christliche und Humane ein Ärgernis war. Sie blieben die Vaterlandsverräter. Doch so klein war die Gruppe mit 80 Aktiven nicht, und hinter ihnen standen noch gut 100 Widerstandskämpfer im ganzen Land, Zivilisten, ganze Familien waren beteiligt, wie etwa die Bonhoeffers. Reserveoffiziere, Berufsoffiziere, unter ihnen Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der das Attentat auslöste. Diese Männer zeigen bei allen Schwächen etwas von dieser Geistkraft, die das Haus der lebendigen Steine zusammenhält. Dieser Geist ist nicht ein Geist der Kleingeistigkeit und der Angst, sondern der Geist der Freiheit, der Gerechtigkeit, des Friedens. Dafür haben diese 200 Männer sich eingesetzt mit ihrem ganzen Leben. Sie sahen klar: hier geschieht nicht nur eine Politik der Verbote und der Ausgrenzung, hier in dieser nationalsozialistischen Politik wird die Menschlichkeit verraten um der Macht von Menschen willen. Dietrich Bonhoeffer sah das so: wenn ein Mensch unter das Auto kommt, ist unsere Aufgabe nicht nur, dass wir dem Verletzten helfen, sondern manchmal auch, dass wir "dem Rad in die Speichen fallen".

Gemeinschaft und Solidarität

45 Jahre nach diesem Attentat gab es wieder Widerstand in Deutschland: den friedlichen Widerstand in der DDR. Ich habe höchsten Respekt vor all diesen aufrechten Menschen, die Menschlichkeit und Frieden mit allen Menschen über ihre eigenen Befindlichkeiten stellen.

Woher kommt solche Kraft? Woher nehmen sie die Sicherheit, das Angemessene zu tun? Von Dietrich Bonhoeffer und von vielen Menschen in der DDR wissen wir, dass sie diese Sicherheit aus ihrem Glauben an den tragenden Eckstein Jesus Christus nahmen.

Mit Menschen wie ihnen fühle ich mich verbunden im Haus der lebendigen Steine, im Haus, das Gottes Geist zusammenhält. Und ich wünsche mir, dass es in unserem Land einen Feiertag gibt, um ihrer zu gedenken. Um die Erinnerung wach zu halten. Sie sind lebendige Steine am Haus Gottes, das ja viel größer ist, als die verfasste, organisierte Kirche. Aber dazu gehören noch viel mehr: meine Eltern und Großeltern, die diesen Glauben in mich gesät haben, dazu viele weitere Wegbegleiter. Aber auch die Altvorderen: die Psalmbeter, Martin Luther - eine große Gemeinde durch alle 20 Jahrhunderte, ein geistliches Haus aus lebendigen Steinen, auf sicherem Fundament mit schützendem Dach, das allen Wettern trotzt. Ein Haus, das durchlässig ist, das mitten durch die Welt geht.

Getragen vom Eckstein Jesus Christus.

In Berlin gibt es ein "Haus der Demokratie und der Menschenrechte". Das ist was ganz anderes als eine christliche Gemeinde, und doch sehe ich vieles, was ähnlich ist: Das Haus der Demokratie ist ein Projekthaus, das ursprünglich in Berlin am Prenzlauer Berg stand. Mehr als 70 humanistische, links orientierte Gruppen und Nicht-Regierungsorganisationen, die sich für die Menschenrechte einsetzen sind dort eingezogen, unabhängige Gruppen und Bewegungen der Wendezeit. Sie waren sich einig in dem, was sie wollen: Demokratie.

Auch die Demokratie ist so ein Haus: auf den festen Grund der Menschenrechte gebaut, mit der Rechtsstaatlichkeit als schützendes Dach. Und der Eckstein in diesem Haus? Demokratie ist nicht Gleichheit oder Individualismus. Demokratie ist Gemeinschaft in Solidarität. Unser Haus der Demokratie erlebt in dieser Hinsicht zur Zeit viele Stürme. Aber es bleibt ein Haus, das mitten in der Welt steht, in dem Menschen im Miteinander Vergewisserung finden können.

So stelle ich mir Kirche vor. Raum für Menschen, die nach Gott suchen – gleich welcher Konfession. Nicht nur in ihren Kirchenräumen. Nein, als transparentes Haus quer durch alle Kontinente, getragen von einem besonders schönen Eckstein: der Botschaft von Frieden, Liebe und Leben für alle Menschen.

Ein Haus, in dem Menschen einander erzählen, was ihnen hilft, sich auf diesen Eckstein zu verlassen und ihr Lebenshaus darauf zu bauen. Der eine sagt vielleicht wie Luther "Ich bin getauft." Die andere: "mein Konfirmationsspruch". Die Musik von Johann Sebastian Bach, die Freude an der Schöpfung, die Liebe zu den Kindern oder zu den Alten.

Vergewisserungen, die uns tragen - wie der Eckstein das Haus.

Verabschiedung

Acht Jahre durfte ich im Team der Predigerinnen und Prediger der Morgenfeier mitwirken und mit Ihnen, an vielen Sonntagen eine halbe Stunde lang dem Wort Gottes nachsinnen. Heute verabschiede ich mich von Ihnen. Im Herbst beginnt mein Ruhestand. Ich danke für alle Rückmeldungen und wünsche der Morgenfeier weiterhin Gottes reichen Segen.

Evangelische Morgenfeier vom 28.07.2019 mit Dekanin Hanna Wirth, Rosenheim, Thema: Eckstein und andere Gewissheiten (1. Petrus 2, 2-10)

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

Evangelische Morgenfeier

Apostel Paulus
Autor
Ohne den Glauben an Jesus Christus sind wir verloren. Der Glaube an die Botschaft dieses Jesus von Nazareth rettet: vor den Verstrickungen in die Welt, vor der Abwesenheit Gottes, die uns nur auf uns selbst zurückwirft, vor dem Totsein mitten im Leben, vor dem inneren Unfrieden. Paulus nennt das "Zorn Gottes“. Evangelische Morgenfeier von Hanna Wirth, Dekanin in Rosenheim