"Am Anfang war ich in allem, was lebendig ist. Und alles, woraus das Leben ist, war in mir. Es gab nichts, wo ich nicht war. Ich war überall zuhause. Ich kannte auch keine Zeit, die ich in ein Davor oder Danach hätte einteilen können. Und was eine Grenze war, wusste ich nicht. Ich war das Leben. Ich war mir selbst genug. 

Bis… ja, bis ich die Stimme hörte. Die trennte mich plötzlich von etwas, was bis dahin ein beweglicher Teil von mir gewesen war. Ich bin das Wasser allen Lebens – und auf einmal war da eine Feste, an die meine Wellen schlugen. Ich konnte das Ufer berühren. Was jenseits des Ufers war, war ein anderes als ich selbst. Obwohl immer noch genügend von mir auch in dem fließen konnte, was fest war. Doch die göttliche Stimme trennte mich, das Wasser, vom Festen. Danach wurde alles anders."

Wenn Wasser erzählen könnte

Stellen Sie sich vor, das Wasser allen Lebens könnte aus seiner Autobiografie erzählen. Es könnte selbst seine Geschichte erzählen. Es nähme uns mit an Orte, die kein Mensch erreichen könnte. Höchstens in Gedanken, mit unserer Vorstellungskraft. 

"Ich kann", erzählt das Wasser, "mit allem Wasser ins Gespräch kommen, das es gibt - auf und unter der Erde. Und das herabregnet. Ich kann mich mit allen Formen von mir selbst austauschen und mitteilen. Wir sind durch ein sichtbares, aber noch mehr unsichtbares Kapillarsystem miteinander verbunden. Tief unter der Erde Südamerikas befindet sich zum Beispiel das Guarani-Reservoir.

Es erstreckt sich unterhalb der Fläche von Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay. Es ist riesig. Zweihundert Jahre lang könnte es allein Menschen mit Wasser versorgen. Aber niemand kann es anzapfen, denn es ist zu tief. Niemand darf Wasser besitzen. Ich gehöre niemandem. 

Ich höre auch das Wasser, das die Berge herabfließt. Auch das Eis der Gletscher an Nord- und Südpol, im hohen Gebirge teilt mit mir, was es erlebt. Die großen Ozeane erzählen. Genauso jede Pfütze, bis die Sonne sie in Feuchtigkeit verwandelt, die nach oben in die höchste Höhe des Himmels steigt und von dort als Regen zurückfällt in den Kreislauf allen Wassers. In mich."

Wenn das Wasser selbst erzählt… Mich hat die Vorstellung gereizt zu hören, was das Wasser denkt, befürchtet und erhofft. Ich bedaure es, dass es nur mit sich selbst ins Gespräch kommen kann, nicht aber mit anderen Lebewesen dieser Erde. Denn was geht dabei alles verloren, weil wir Menschen es nicht erfahren? Wichtiges, was unsere Sichtweise verändern könnte. Über die Dinge des Lebens. Über uns als menschliche Wesen, die zu fast 70 Prozent ebenfalls aus Wasser bestehen. Das Wasser kann uns aber die Geschichte erzählen, die es mit der Stimme verbindet, der es begegnet. Anfangs und danach immer wieder.  

"Die göttliche Stimme", sagt das Wasser, "habe ich nie mehr vergessen. Sie klingt manchmal noch in mir, ein Echo. Wenn ich ihr begegne, erkenne ich sie wieder. Seit ich sie gehört habe, kann ich die Worte der Menschen verstehen. Ich begreife, was sie sagen, aber ich kann nicht mit ihnen sprechen. Ich kann nur hören und schauen.

Paradies Eden: Wie das Wasser uns die Schöpfung offenbart

Das zweite Mal, dass ich die Stimme hörte, war im Paradiesgarten, in Eden. Ein Garten hat äußere Grenzen. Anfangs habe ich mich dort eingesperrt gefühlt. Ich stieg in seinem Inneren auf wie aus einer Quelle":

Und es geht aus von Eden ein Strom, den Garten zu bewässern, und teilt sich von da in vier Hauptarme. Der erste heißt Pischon, der fließt um das ganze Land Hawila und dort findet man Gold; und das Gold des Landes ist kostbar. Auch findet man da Bedolachharz und den Edelstein Schoham. Der zweite Strom heißt Gihon, der fließt um das ganze Land Kusch. Der dritte Strom heißt Tigris, der fließt östlich von Assyrien. Der vierte Strom ist der Euphrat. (Gen. 2, 10 – 14)

"Die Menschen sind seltsame Wesen. Sie müssen allem Namen geben, als hätten sie Macht auch über mich, das Wasser. Pischon und Gihon, die Namen erzählen vom Springen und Sprudeln, vom Hervorquellen. Eines Tages saßen zwei Menschenkinder, Adam und Eva, am Fluss und unterhielten sich. Adam war aufgeregt. Ich spürte die Hand von Eva, wie sie aus mir schöpfte und die Tropfen aus ihrer Hand rinnen ließ. Es beschäftigte beide sehr, warum sie zwar alle Früchte essen dürfen, aber nicht von jenem einen Baum in der Mitte des Gartens. All die Schätze, die den Garten erfüllen – und sie beschäftigen sich mit dem, was sie nicht haben dürfen. Mit ihren Begehrlichkeiten. 

Kurz darauf hörte ich am Abend eine Stimme: ‚Adam, wo bist du? Wo seid ihr?‘ Und ich wusste sofort: Das ist die, an die ich mich erinnere. Was dann geschah, ließ mich fast erstarren. So wie mein ‚Bruder Eis‘, wenn ihm im Winter bitterkalt wird. Die beiden hätten doch einfach sagen können, was ihnen passiert war, was sie getan hatten. Die Stimme klang freundlich, sie hätte es verstanden. Auch verziehen. Neuanfang möglich! Wer wüsste das besser als ich, die Quelle, die immer einen Weg findet. Dieses Vertrauen verlässt mich nie. Aber Adam und Eva, wie alle Menschenkinder, folgten ihrer Angst, gaben ihr Macht. Ich hörte das Tor des Gartens zufallen. Der Knall war bis zum Fluss laut zu hören. 

Von diesen beiden, wie sie in allen Menschenkindern leben, sah und hörte ich. Auch Schreckliches. Ich konnte fühlen, wie das Blut des erschlagenen Bruders sich vermischte mit meiner Feuchtigkeit im Boden, in dem es versickerte. Das Wasser im Körper des Brudermörders erzählte mir, wie die Angst in ihm würgte, als er eifersüchtig, neidisch war. Und noch einmal die Angst, als er sah, was er getan hatte. Wieder die Angst, die Böses hervorquellen lässt. Wie eine todbringende Spiegelung von allem, was durch mich lebendig wird." 

Sintflut und große Fluten: Was wir aus biblischen Geschichten lernen

"Schrecklich war auch die große Flut. Ich tat Dinge, die ich nicht tun wollte. Ich – das Wasser des Lebens – brachte den vielfachen Tod. Ich hörte jene Stimme, die vom Vertilgen der Menschen von der Erde sprach, dass es sie reute, dass sie die Menschen gemacht hatte. Ich verstand die Stimme nicht. Zum ersten Mal war sie mir komplett fremd. War ich dennoch ihr Werkzeug? Ich tat, was ich tat. Es war, wie schon oft in der Geschichte der Erde, der Menschheit: Zerstörung und Neuanfang. Ich war dabei. Und doch: Da war diese Nussschale, die Arche des Noah. Und ich weiß nicht mehr weiß, ob ich sie mit meinen hohen Wellen beinahe erschlagen oder doch getragen habe."
Zu siebzig Prozent sind wir Wasser, fast
Wie das Meer, und ebenso tief und gefährlich sind wir,
Magnetisch und mordend, blendend
Und schwarz, und im tiefsten Grund
Nichts als ein paar seltene, dumme Fische.[1]        

Mich beschäftigen die heutigen großen Fluten. Die ohne Wasser. Die Geldströme, die Flutwellen der Finanzmacht. Schon das Wort ‚Einfluss‘ erinnert an Flusswasser. Wie ein reißender Fluss, der über seine Ufer tritt und das Land flutet, der keine Rücksicht nimmt. Einflussnahme eben. Oder der ständig fließende Quell von Missverständnissen zwischen Menschen im Alltag und in den sozialen Medien. Bilderfluten und Influencer, die den Meinungsfluss kontrollieren, die Kaufströme leiten möchten. Es ist schwer, diesen Stimmen zu widerstehen. Noch schwerer, sie zu unterscheiden.

Das Wasser des Lebens hört auf die göttliche Stimme, die unterscheidet. Schon bei der Schöpfung unterscheidet sie Tag und Nacht, trennt das Feste vom Flüssigen, zieht eine Grenze zwischen Werktag und Ruhetag. – Ich suche und finde diese Stimme im Wort Gottes. Ich lausche hinein und versuche zu verstehen. Sein Wort hilft mir, zu unterscheiden, standzuhalten. Manchmal bleibt mir Gottes Wort fremd. Wie jene dunkle Welt unter der Wasseroberfläche des Ozeans mir verborgen bleibt.  Ich will da vom Wasser lernen. 

Hochzeit zu Kana: Wie lebendiges Wasser Wunder möglich macht

"Ich war bei einer Hochzeit dabei, in Kana, im Norden von Israel. Dort war kein Fluss, sie mussten mich in Zisternen auffangen und hatten mich für das Fest abgefüllt in riesige Krüge gegen den großen Durst. Viele Menschen waren da, fröhliche Leute, mit ihrem Lachen und Tanzen. Ich konnte die Glücksenergie der Gäste spüren, der Boden vibrierte von ihren Bewegungen, die Luft war erfüllt von Frohsinn und Albernheit. Dann hieß es: ‚Jesus ist auch dabei.‘ Ich wusste nicht, wer das sein sollte. Dann hörte ich seine Stimme. Und ich wusste: Diese Stimme kennst du." 

Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut.

Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maß. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm.

Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten’s, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. 

"Hej, war das ein Spaß für mich. Ich hörte seine Stimme: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Klar, auf einer Hochzeit, an der diese Stimme dabei ist, kann ich nicht nur als abgestandenes Wasser auftreten, da muss jetzt was passieren. Und so war’s dann auch: Überraschung! Von meiner 'Schwester Wein' hatte ich gelernt, welche Anteile es braucht, um etwas viel Besseres zu sein als lange abgestandenes Zisternenwasser.

Ich habe mich sowas von kringelig gekräuselt, als ich als Wein in den Krügen schwappte. Trotzdem war ich überrascht von meinem durchschlagenden Erfolg. Bester Wein ever! Das Gesicht des Speisemeisters nach dem ersten Schluck – unbeschreiblich! Wo die Stimme dabei ist, ist Lachen und Freude groß. Einfach göttlich." 

Die anderen, die Nörgler, sie waren damals natürlich ebenfalls da: ‚Wie geht denn das? Es gibt keine Wunder. Das ist doch ein alberner Trick.‘ Ihnen würde ich so gerne zurufen: ‚Hört auf die göttliche Stimme und lasst euch überraschen! Wo Jesus dabei ist, sind Dinge möglich, die sich niemand ausdenken kann. Deshalb ist das kleine Wörtlein auch so ein schönes Wort. Jesus war auch dabei, heißt es in der Bibel, beim Fest, beim Lachen, beim Tanzen. Na klar, da, wo etwas Neues beginnt. Wo soll er denn sonst sein? 

Göttliche und menschliche Ökonomie: Was Wasser uns über Versorgung lehrt

Was bedeutet es, wenn wir vom ‚Wasser des Lebens‘ sprechen? Zunächst einmal, dass Wasser – in schönem Latein gesagt – eine conditio humana ist. Eine Lebensbedingung, die allen zur Verfügung steht und die niemand besitzen darf. Alle brauchen es Tag für Tag zum Leben. Es gehört zu unserer menschlichen Identität. Wasser ist nicht dieses oder jenes Lebensmittel, das dem einen schmeckt und dem anderen nicht, das der eine sich leisten kann und andere nicht. Wasser ist 'uns gegeben'. 

Unser Leben mag bedroht sein. Aber da ist eine göttliche Ökonomie, die dafür sorgt, dass wir jeden Tag versorgt bleiben. Der ewige Kreislauf von Meer, Regen, Wasserquelle bleibt. In der Noah-Geschichte verspricht Gott am Schluss: Es soll nicht aufhören, dieser Kreislauf des Lebens (Gen. 8,22). 

Die menschliche Ökonomie wiederum legt Vorräte an. Wir sorgen für Wasserdepots. Bauen Wasserleitungen. Sorgen dafür, dass Quellen nicht versiegen. Stellen Zisternen für Regenwasser auf. Bauen Brunnen. Bereiten Wasser wieder auf. Wasserwerke kontrollieren die Qualität des Wassers. Ich bin dankbar, dass ich in einem Land lebe, an dem ich das normale Leitungswasser aus dem Wasserhahn ohne Furcht trinken kann. 

Jakobsbrunnen: Jesus schenkt lebendiges Wasser für das ewige Leben

Schwierig wird es nur, wenn wir glauben, wir hätten damit die Zukunft und unser Leben im Griff. Darum gibt es noch ein Drittes zwischen der göttlichen und der menschlichen Ökonomie: Wir leben auch von der Hand in den Mund. Überraschend, unerwartet. Nicht nur bei der Hochzeit zu Kana. 

"Ich befand mich in einem Brunnen, als ich über mir die Stimme hörte, jene eine, besondere. Ich war sofort hellwach und lauschte. Sie unterhielt sich mit einer Frau, die Wasser aus dem Brunnen nach oben holen wollte. Die Stimme sagte zu ihr: 'Gib mir zu trinken.' Sie antwortete: 'Du bittest mich, eine Frau, dir zu trinken zu geben? Du, ein Fremder, sprichst mich einfach an?' Dann sagte die Stimme etwas Seltsames: ‚Wenn du wüsstest, mit wem du sprichst, du würdest mich bitten, dir lebendiges Wasser zu geben.‘ 

Moment mal, dachte ich, wovon spricht die Stimme? Spricht sie von mir? Meint sie mich? Die Frau gab zur Antwort: 'Hier ist keine freie Quelle, an der du knien könntest, einfach so. Du hast auch nicht vorgesorgt. Denn du hast nichts mitgebracht, aus dem du schöpfen könntest und der Brunnen ist tief.' Ich war verunsichert: Reden die beiden von verschiedenen Dingen? Warum verstehen sie sich nicht? Die Stimme antwortete ihr:" 

Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt. (Joh. 4,13f.)

"Ja, das stimmt: Als Wasser verstehe ich was vom Leben. Aber ewiges Leben? Was meint die Stimme damit? 

Spricht die Frau zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. (…) Ich weiß, dass der Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen. – Jesus spricht zu ihr: Ich bin’s, der mit dir redet. (Joh. 4, 19. 25f.)

"Ich schaute hoch zum Ausschnitt des Himmels über mir. Und ich sah die beiden Köpfe – die der Frau und die der Stimme – sich über den Brunnenrand neigen und zu mir herunterschauen. Von tief unten gesehen waren ihre Gesichter dicht beieinander. Die beiden waren auf dem Weg, sich zu verstehen. Was die da oben besprachen – das war etwas ganz Neues. Wo diese Stimme auftaucht, geht es anders zu. Da beginnt etwas Neues, das es so bisher nicht gegeben hat. Und ich war sehr gespannt, wohin das Neue führen würde. Was ist das Ziel? Was ist die Quelle des Wassers, das in das ewige Leben quillt? Was ist ewiges Leben?"

Noch einmal hören wir die Stimme, die immer dieselbe Stimme gewesen ist: 

Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. (…) Und ein Engel zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem herniederkommen aus dem Himmel von Gott, die hatte die Herrlichkeit Gottes; ihr Leuchten war gleich dem alleredelsten Stein, einem Jaspis, klar wie Kristall.

(…) Und die Stadt war aus reinem Gold, gleich reinem Glas. (…) und die Straße der Stadt war aus reinem Gold wie durchscheinendes Glas. Und die Stadt braucht keinen Tempel und sie bedarf keiner Sonne noch des Mondes, dass sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie. (Offb. 21, 6. 10f.18.21.22)

Ewiges Leben in der himmlischen Stadt: Die Quelle des Lebens entdecken

Mitten in dieser gläsernen Stadt, so heißt es im letzten Buch der Bibel, fließt ein Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall, breit wie eine Straße. Links und rechts sind Bäume voller Früchte. Und dann heißt es: Wen dürstet, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.

Ich verstehe diese helle Bildsprache so, dass in der ewigen, himmlischen Stadt alles transparent und durchsichtig ist. Und alles – was jemals war, was ist und was sein wird, wirklich alles – miteinander kommunizieren kann. Durchscheinendes Glas. Dann werde ich auch mit dem Wasser sprechen können. Kristallklar. Und es wird mit mir und mit allem reden. 

Wenn ich einmal gestorben bin, dann möchte ich mit allem sprechen, was war und was ist, und ihre Geschichten hören. Um es mit einem fröhlichen Abschiedswort eines meiner Lehrer zu sagen: "Jetzt gehe ich Dinosaurier streicheln." So glaube ich es auch: Mit allen über alles sprechen. Hören. Schauen. Anfassen, streicheln. Und verstehen. Wirklich verstehen. Dabei manchmal weinen, aber noch mehr lachen. Und die Stimme hören. Ich bin gespannt. 


[1] Ben Cami (1920 – 2004) in: Das Meer. Gedichte. Reclam 2005.2014, Seite 111