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"Frau Religionslehrerin" darf ihre Grundschüler*innen endlich wieder in Präsenz unterrichten. Das Verhalten in der Gemeinschaft muss nach so langer Zeit zuhause von vielen Kindern jedoch erst wieder gelernt werden. Wie gut, dass das Thema Nächstenliebe ohnehin fest im Lehrplan Religion verankert ist. Zwei Tipps, wie Schüler*innen das Miteinander üben können.
Frau Religionslehrerin über Nächstenliebe im Religionsunterricht

Nach langen Wochen voller Distanz und Abstand ist es endlich wieder laut und bunt in der Schule. Ich freue mich sehr, dass ich meine regulären Religionsgruppen wieder nach Stundenplan und in Präsenz unterrichten darf. Sich gemeinsam auf die Spur der biblischen Geschichten und Themen unseres christlichen Lebens machen – das ist es was meine Schüler*innen und ich so sehr lieben und in den letzten Wochen und Monaten vermisst haben.

Die Gemeinschaft muss von vielen Kindern und Jugendlichen nach so langer Zeit zuhause allerdings erst wieder gelernt werden. Wie gehen wir in der Klasse miteinander um? Wie verhalte ich mich gegenüber den anderen Kindern? Welche Regeln gelten in einer Gemeinschaft?

Statt mit der Gruppe eine Liste von 20 Regeln zu besprechen fasse ich unser Miteinander gerne kurz und knapp zusammen:

"Behandle andere so, wie du selbst gerne behandelt werden möchtest."

Aus der Ich-Perspektive zur Wir-Perspektive, die in der Praxis für die meisten Kinder gut greifbar und verständlich ist.

Diese eine Klassenregel für unser gemeinsames Lernen finden wir auch in der Bibel:

"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst"

– auch bekannt als das Doppelgebot der Liebe: Weg vom Egoismus, hin zur Solidarität. Nicht nur an sich selbst denken, sondern den Blick für andere öffnen. Dieser wichtige ethische Glaubensaspekt ist für mich persönlich eine tragende Säule meines christlichen Glaubens und ist auch fest verankert im "Lehrplan Religion" der verschiedenen Schularten und Klassenstufen.

Unsere Schüler*innen sollen die Nächstenliebe, die durch die Bibel und vor allem die Geschichten von und über Jesus begründet werden, als Richtwert für unser Miteinander verstehen. Jesus selbst hat uns vorgelebt, was Nächstenliebe bedeutet: Sich um die Menschen kümmern, die unsere Hilfe und Unterstützung brauchen. Anderen Menschen Zuwendung, Zeit und Freude schenken.

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, die Erzählung von Zachäus, die Legenden von Nikolaus von Myra oder Martin von Tours im Kirchenjahr – immer wieder haben die Geschichten im Religionsunterricht Bezug zur Nächstenliebe. Ich versuche jedoch die Nächstenliebe in meinem Unterricht und unseren Schulalltag auch ganz praktisch einzubauen. So möchte ich an dieser Stelle gerne zwei Ideen empfehlen, um das "Ich-Du-Wir-Gefühl“ im gemeinsamen Lernen zu stärken:

1. Helferkind

Während längerer Arbeitsphasen im Unterricht setze ich gerne sogenannte "Helferkinder" mit ein. Dazu habe ich kleine Schilder vorbereitet, die sich die Kinder auf ihren Platz holen können, wenn sie ihre Aufgaben erledigt haben. Die anderen Mitschüler*innen sehen durch das Schild, wer als Helferkind ansprechbar ist und sie unterstützen kann. Das Gemeinschaftsgefühl, die Empathiefähigkeit und auch das Selbstvertrauen beim Helferkind werden gestärkt und gleichzeitig die Lehrkraft bei der Beantwortung der Fragen entlastet.

2. Das geheime Geschenk

Um das Thema Nächstenliebe zu vertiefen und zu verdeutlichen, leite ich gerne in meiner Religionsgruppe das kleine Projekt "Das geheime Geschenk" an. Dazu werden die Namen aller Kinder auf Zetteln geschrieben und jede*r zieht eine*n Partner*in. Die Namen der gezogenen Paare werden nicht verraten.

Alle haben die  Aufgabe, dem zugelosten Kind eine Woche lang "geheime Geschenke" zu machen: Nette Worte, kleine Hilfsdienste und Nettigkeiten – allerdings Geschenke, die man nicht mit Geld bezahlen kann. Alles an Nächstenliebe ist erlaubt. Am Ende der Woche wird dann in einer großen Runde aufgelöst, welche Kinder zusammengehört haben und welche geheimen Geschenke verteilt wurden.

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