8.03.2020
Jugendarbeit

Über die Hälfte der Jugendlichen ist nicht an Gott interessiert - woran liegt das?

Junge Leute für Kirche und Glaube zu begeistern wird zunehmend schwieriger. Laut einer bundesweiten Umfrage sind mehr als 50 Prozent der Jugendlichen nicht an Gott interessiert. Erich Flügge hat im Rahmen der Konferenz der bayerischen Hauptberuflichen in der Evangelischen Jugendarbeit in Pappenheim erklärt, was in der kirchlichen Jugendarbeit falsch läuft und wie die Kirche dem entgegen wirken kann.
Jugendliche spielen mit ihren Smartphones

Der Germanist und Politikberater Erich Flügge (Köln) hat der Kirche vorgeworfen, für Jugendliche einen Glauben der Vergangenheit zu organisieren.

"Es ist nicht richtig, mit Jugendlichen Lieder zu Melodien aus den 1980er und 1990er-Jahren zu singen", sagte er bei der Konferenz der bayerischen Hauptberuflichen in der Evangelischen Jugendarbeit in Pappenheim (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen). Außerdem warf er Predigern "pseudosakrales Geschwafel" vor.

Junge Leute würden aus der Kirche "herausgesprochen, herausgesungen, weggeorgelt, verscheucht und fortgenervt", sagte Flügge, der auch katholische Theologie studiert hat. Die Kirche stehe deshalb heute vor einem Scherbenhaufen. Erstmals würden bundesweit in Umfragen mehr als 50 Prozent der Jugendlichen die Frage mit Nein beantworten, ob sie Gott interessiert.

In Flügges Augen bauten die Verantwortlichen beispielsweise eine Gegenwelt zur Normalwelt auf, wenn sie Jugendlichen sagen würden, sie sollten bei Veranstaltungen ihre Smartphones weglegen. Heranwachsende würden heute auch an einem Lagerfeuer lieber ins iPad sehen als in den Funkenflug, erklärte er.

Jugendlichen die Bedeutung des Glaubens nahezubringen, funktioniert nach Flügges Einschätzung auch deshalb nicht gut, weil sie schon von den heutigen Eltern nicht mehr in die Kirchen mitgenommen werden. Der Erstkontakt für junge Leute mit Kirche müsse ein emotionales Geschehen sein, erklärte Flügge.

Er schlug daher vor, dass die Kirche für alle 35.000 Buben und Mädchen, die in Bayern in der achten Jahrgangsstufe den evangelischen Religionsunterricht besuchten, ein einwöchiges Event organisiert: Dort könnten sie selbst eine Kirche zimmern und zu den Gottesdiensten die eigene Musik komponieren.

Das könnte ein Initialmoment sein. "Eine Sache, die Spaß macht, kann sie ins Religiöse reinziehen", zeigte sich Flügge zuversichtlich.

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

Social-Media-Aktion

#ejunterwegs – Social-Media-Aktion von sonntagsblatt.de
Autor
Die Lindauer Jugendkirche muss auf eine Insel im Bodensee umziehen. Die EJ Kaufering "pusht die Bromance" mit besonderen Team-Challenges in Südschweden. Und die Altdorfer verwandeln den Wald vor ihrer Haustüre in eine magische Welt. Wir sammeln, was die bayerischen Jugendkirchen im letzten Sommer umgetrieben hat - und präsentieren die Schnappschüsse auf Instagram.

"Forever young"

Feiern Fest Luftballon Licht Abendstimmung
"Forever young", lautet das Motto des Jubiläums der Stiftung Evangelische Jugendarbeit in Bayern. Es soll Ausdruck dessen sein, was die Stiftung ausmacht: Eine junge Stütze für junge Menschen in der Jugendarbeit sein. Die "ewige Jugend" verspricht sie dabei nicht, aber sie möchte mit ihren Themen und Förderungen an dem dranbleiben, was die Jugend bewegt und braucht.