Die evangelische Kirche hat ihre Ablehnung von Positionen der AfD bekräftigt. "Wahlerfolge verändern vielleicht Machtverhältnisse - aber sie ändern nichts an der Unvereinbarkeit von Menschenfeindlichkeit mit dem Evangelium", sagte die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, am Sonntag in Würzburg. Dort startete die Jahrestagung der Synode der EKD, die sich im Schwerpunkt mit dem Thema Demokratie beschäftigt. Man werde Feinden der liberalen Demokratie nicht das Feld überlassen, sagte die Hamburger Bischöfin.

"Wir stehen unbeirrt ein für Menschenwürde, Freiheit und Zusammenhalt", sagte Fehrs. Völkischer Nationalismus und Antisemitismus seien mit der biblischen Botschaft nicht vereinbar. Sie nannte die AfD zwar nicht beim Namen, ließ aber mit dem Verweis, dass eine in Teilen als rechtsextrem eingestufte Partei erstmals nach mehr als 80 Jahren einen Parlamentspräsidenten stelle, keinen Zweifel daran, dass sie sie AfD meinte. In Sachsen-Anhalt war nach dem Wahlerfolg der AfD ein Vertreter der Partei, Tobias Rausch, zum Landtagspräsidenten gewählt worden.

Fehrs: Menschenverachtende Haltungen nicht in Ämtern der Kirche

Die EKD-Ratsvorsitzende äußerte auch Sympathie dafür, dass staatliche Stellen ein AfD-Verbotsverfahren prüfen. Ob die EKD darüber hinaus ausdrücklich für ein Verbotsverfahren eintrete, ließ sie offen und verwies auf die bevorstehende Debatte bei der Synodentagung.

Fehrs forderte auch Konsequenzen aus der AfD-kritischen Haltung für die Besetzung von Ämtern und Funktionen in der Kirche. "Wer menschenverachtende Haltungen öffentlich vertritt, kann nicht gleichzeitig glaubwürdig für die Kirche sprechen und sie in Ämtern und Funktionen unserer Kirche vertreten", sagte Fehrs. Vor Journalistinnen und Journalisten konkretisierte sie, man müsse unterscheiden zwischen Haltungen und Äußerungen von Menschen sowie zwischen bloßer Parteimitgliedschaft und Funktionären der Partei. Eine "Gesinnungskontrolle" dürfe es nicht geben.

Zentralratspräsident fordert von Kirche Widerspruch bei Antisemitismus

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, forderte in seinem Grußwort an die Synodalen dazu auf, verächtlichen Bemerkungen und einer Diskriminierung von Jüdinnen und Juden zu widersprechen. Man dürfe nicht warten, bis jemand anders den Anfang mache, sagte er. "Wer den Mund aufmacht, macht es dem nächsten leichter, es ebenfalls so zu tun."

Der katholische Würzburger Bischof Franz Jung rief zu mehr gemeinsamen Engagement gegen gesellschaftliche Polarisierung auf. "In dieser Situation müssen die christlichen Kirchen dazu beitragen, verbindende Kräfte zu stärken, um ein immer weiteres Auseinanderfallen der Gesellschaft zu verhindern", sagte Jung vor den Synodalen.

Frau am Rednerpult
Anna-Nicole Heinrich vor der EKD-Synode in Würzburg

Anna-Nicole Heinrich vor der EKD-Synode in Würzburg

Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, hat die vermittelnde Rolle ihrer Kirche in der Gesellschaft bekräftigt. "Wo Menschen sich nur noch in Lagern gegenüberstehen, kann Kirche mehr anbieten als bloße Appelle", sagte sie am Sonntag in Würzburg zur Eröffnung der diesjährigen Synodentagung: "in Kirchenvorständen, Jugendgruppen, Chören und Synoden üben Menschen jede Woche, verschieden zu sein und trotzdem zusammenzugehören."

EKD und Diakonie hätten mit dem Veranstaltungsformat "Verständigungsorte" Räume geöffnet, in denen Menschen miteinander reden könnten, sagte Heinrich. "Wie wenig selbstverständlich solche Orte sind, sehen wir in Sachsen-Anhalt." Dort sei etwa die Evangelische Akademie in Wittenberg durch den Wahlsieg der AfD bei den Landtagswahlen im September bedroht. Noch bis Mittwoch beraten die 128 Delegierten des Kirchenparlaments zum Schwerpunktthema Demokratie und zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche.

Heinrich fordert Mut zu Reformen

Heinrich rief die Synodalen aber auch zu internen Reformen auf. Veränderung falle leicht, wo etwas dazu kommt, sagte sie. "Am schwersten fällt uns das Verkleinern aber dort, wo es uns selbst betrifft", sagte die 30-Jährige. In einer an Mitgliedern schrumpfenden Kirche sei es auch wichtig, die eigenen Strukturen zu verkleinern. Leitungsorgane auf allen Ebenen könnten sich selbst nicht davon ausnehmen. Das Präsidium der Synode war im vergangenen Jahr mit einem Antrag gescheitert, die Synode von 128 auf 97 Mitglieder zu verkleinern. Mit der Tagung in Würzburg endet die sechsjährige Legislaturperiode der 13. Synode. Im April konstituiert sich das Kirchenparlament neu. Heinrich hat angekündigt, nicht erneut für das Präsesamt zu kandidieren.

 

Predigende Pfarrerin
Kirchenpräsidentin Christiane Tietz beim Eröffnungsgottesdienst der EKD-Synode in Würzburg 2026.

Kirchenpräsidentin Christian Tietz warnte vor Hass und Verachtung

Die hessen-nassauische Kirchenpräsidentin Christiane Tietz rief in ihrer Predigt zur Eröffnung der Synode mehr zwischenmenschlichem Verständnis auf. Einen anderen zu ertragen, sei mühsam, sagte Tietz in Anlehnung an eine Stelle aus dem Epheserbrief im Neuen Testament, an der es heißt: "Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe." Die leitende Theologin sagte, wenn man einander ertrage, dann entstehe eine neue Möglichkeit des Miteinanders.

Tietz sagte: "Es gibt manches, wo der andere mir das Zusammensein mit ihm schwer macht. Und wo ich ihn wirklich ertragen muss, damit wir zusammenbleiben." Wer anderen mit Wohlwollen begegne und zu verstehen versuche, wie er zu seiner Position gekommen sei, könne auch klar sagen, wo man eine Grenze ziehe. "Dann werfe ich ihm nicht Hass und Verachtung vor die Füße", sagte sie. Eine unmissverständliche Grenze ziehe sie dort, wo Hass und Entwürdigung das Handeln bestimmten. Wenn Personen andere Menschen verachteten, sie fortlaufend abwerteten oder ihnen Gewalt antäten, sei der Punkt erreicht, an dem niemand diese Haltung weiter ertragen müsse.

VELK-Bischof Meister spricht zur Eröffnung der EKD-Synode in Würzburg

Der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Ralf Meister, hat die Kirchen aufgefordert, im Kampf gegen Rechtsextremismus stärker auf die Gefühle der Menschen einzugehen. Die Kirchen hätten in seltener Einigkeit auf christliche Werte wie Menschenwürde, Gleichheit und Minderheitenschutz verwiesen, sagte Meister am Freitag in Würzburg zur Eröffnung der 7. Tagung der 13. Generalsynode der Lutheraner. Doch müsse die Frage gestellt werden, ob sie damit diejenigen erreicht hätten, die sie eigentlich erreichen wollten.

Politische Entscheidungen und Zugehörigkeitsgefühle würden weit weniger von Argumenten geleitet als gemeinhin angenommen, sagte Meister. Insbesondere Wut werde für politische Ziele instrumentalisiert. Die Kirchen müssten deshalb nicht nur gegen Hass und Ausgrenzung argumentieren, sondern Hoffnung, Mitgefühl und Nächstenliebe als gelebtes Gegenmodell sichtbar machen.

Schwerpunktthema "Demokratie"

Mit den Beratungen der Lutheraner beginnt traditionell die Jahrestagung protestantischer Kirchenparlamente. Bis Mittwoch beraten die Delegierten in Würzburg, Schwerpunktthema ist "Demokratie". Für Dienstag wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zur Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) erwartet.

Die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands ist ein Zusammenschluss von sieben evangelisch-lutherischen Landeskirchen mit etwa sieben Millionen Mitgliedern, die zugleich der EKD angehören. Sie hat die Aufgabe, die lutherische Stimme in der Vielfalt des Protestantismus zu stärken.

Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland

Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist neben Rat und Kirchenkonferenz eines der drei Leitungsorgane der EKD. Zu den Aufgaben der Synode zählen die Erarbeitung von Kundgebungen und Beschlüssen zu Fragen der Zeit sowie die Begleitung der Arbeit des Rates der EKD. Sie beschließt zudem den Haushalt und Kirchengesetze. Alle Daten und Fakten auf einen Blick:

  • Die 7. Tagung der 13. Synode findet vom 8. bis 11. November 2026 in Würzburg statt.
  • Das Schwerpunktthema 2026 lautet: „Gemeinsam weiter – Kirche als Werkstatt für Demokratiebildung und intergenerationales Lernen als Ausdruck gelebten Glaubens“
  • Die 13. Synode besteht aus 128 Mitgliedern (Vertreter der Landeskirchen sowie Berufene; die Mehrheit sind ehrenamtliche Laien.
  • Geleitet wird das Gremium vom Präsidium unter dem Vorsitz von Präses Anna-Nicole Heinrich. Diese kündigte an, nicht erneut für das Präsesamt zu kandidieren.
  • Die EKD-Synode berät und beschließt Kirchengesetze, den Haushalt, Kundgebungen zu gesellschaftlichen Fragen und wählt zusammen mit der Kirchenkonferenz den Rat der EKD.