20.12.2019
Gemeinsam statt einsam

Heiligabend: Zum 5. Mal lädt Mariahilf München zum Essen ein

Gerade an Weihnachten ist Einsamkeit für viele Menschen ein Thema. Damit sie Heiligabend nicht alleine feiern müssen, gibt es vielerorts Feiern für einsame Menschen - so auch in der Pfarrei Mariahilf im Münchner Stadtteil Au.
Herrnhuter Weihnachtssterne Spiegelung Dunkelheit Stern Advent

Weihnachten ist für viele Menschen ein Familienfest. Aber nicht jeder hat eine Familie oder kann an Weihnachten zu seiner Familie fahren. Damit Menschen den Heiligen Abend nicht allein verbringen müssen, lädt die Pfarrei Mariahilf im Münchner Stadtteil Au unter dem Motto "Gemeinsam Weihnachten feiern" zum fünften Mal zu einem kostenlosen "Heiligabend-Essen" ein.

In ökumenischer Verbundenheit werden der katholische Pfarrer Michael Schlosser aus Mariahilf und sein evangelischer Kollege Rolf Wohlfahrt aus der benachbarten Lutherkirche dieses Mal die Gäste begrüßen und gemeinsam mit ihnen essen, trinken und Weihnachten feiern. Die Feier sei aber offen für Menschen jeden Glaubens, betont Initiatorin Günes Seyfahrt: "Die Religion spielt keine Rolle, wichtig ist der Glaube - der Glaube an Nächstenliebe und Gemeinschaft."

Am Heiligabend treffen sich im "Herrgottseck" von Mariahilf deshalb Christen und Muslime, Gläubige und Nichtgläubige.

Doch nicht nur viele Glaubensrichtungen, auch viele Generationen sind sowohl unter Gästen wie unter Helfern vertreten: die alleinerziehende Mutter mit Kleinkind, der Student, der erst vor kurzem nach München gezogen ist und hier noch niemanden kennt, der Obdachlose, der unter der Wittelsbacher Brücke lebt, die Flüchtlingsfamilie oder die einsame Rentnerin. Sie alle treffen sich hier für einen besonderen Abend.

Drei Räume stehen für das Heiligabend-Essen zur Verfügung. Sie werden mit großem Aufwand festlich geschmückt, damit alle in die richtige Stimmung kommen. In allen drei Räumen wird für die rund 200 Gäste dann das Essen serviert, und zwar als Buffet. So kann sich jeder Gast nehmen, was er oder sie möchte, und die Organisatoren müssen nicht auf Unverträglichkeiten oder Vorlieben Rücksicht nehmen.

Das Essen ist kostenlos, weil alle Zutaten über "foodsharing.de" gespendet werden.

Supermärkte spenden Lebensmittel, die aussortiert wurden oder nicht mehr verkauft werden dürfen, weil das Haltbarkeitsdatum abläuft. Ein beachtlicher Teil der Spenden kommt von den gastronomischen Betrieben des Tollwood-Festivals, das seine Pforten am 23. Dezember schließt. Die Unternehmen sind froh, dass die Lebensmittel, die vom Festival übrig bleiben, nicht weggeworfen werden und sogar noch zu einem tollen Festmahl beitragen. Ab dem Morgen des 23. Dezember werden Lebensmittelspenden im ganzen Stadtgebiet eingesammelt und kistenweise in die Pfarrei gebracht. "Das ist fast wie ein Umzug", lacht Pfarrer Michael Schlosser.

Günes Seyfarth und ein Team aus etwa 30 ehrenamtlichen Helfern bereiten dann alles für das Festmahl vor, sie schnippeln und kochen, dekorieren und räumen hinterher wieder auf. Jeder, der helfen möchte, ist willkommen, auch wenn jemand nur für ein oder zwei Stunden kommen kann.

Das Essen findet am 24. Dezember von 18 bis 20 Uhr statt

Sozusagen zur "Primetime" des Heiligen Abends, dann, wenn fast alle anderen zu Hause bei ihren Familien sind. Auch das ist besonders an diesem Abendessen, denn es gibt am 24. Dezember durchaus Veranstaltungen für Einsame und Arme in München - am Vormittag, am Nachmittag, in der Nacht. Aber am Heiligabend selbst findet kaum etwas statt. Hier schließt das Heiligabend-Essen eine Lücke.

Pfarrer Rolf Wohlfahrt und seine Frau sind begeistert von der Aktion: "Am Heiligabend soll niemand unter uns allein sein müssen! Wir öffnen unsere Türen und Herzen, für andere und füreinander."

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