12.05.2017
LBW-Tagung in Namibia

Die gesellschaftliche Fragmentierung ist nach Ansicht von LBW-Generalsekretär Martin Junge nur ein Problem, von dem Kirchen und Religionsgemeinschaften besonders betroffen sind. In seinem Bericht vor der Vollversammlung in Namibia nennt er weitere Herausforderungen.
Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LBW), Martin Junge, bei seinem Bericht vor der LBW-Vollversammlung in Windhuk, Namibia.

Der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), Martin Junge, sieht die Welt an einem kritischen historischen Moment. Die Menschheit tue sich schwer mit dem Zusammenleben, sagte der chilenische Theologe am Donnerstag in seinem Bericht vor der in Windhuk tagenden LWB-Vollversammlung. Es gebe eine starke Tendenz zu Polarisierung, Fragmentierung, und "einem Diskurs, der zerstörerisch wirkt". Bis 16. Mai tagen rund 800 Teilnehmer aus 145 lutherischen Kirchen in der namibischen Hauptstadt. Der LBW repräsentiert nach eigenen Angaben rund 74 Millionen Christen in 98 Ländern.

Vor allem die Kirchen und Religionsgemeinschaften seien von diesem Trend betroffen, fügte Junge hinzu: "Nicht selten kommen diese Polarisierungstendenzen im religiösen Gewand daher", sagte er. Dies habe dazu geführt, dass Religionen mehr und mehr negativ gesehen würden. Dazu komme, dass religiöse Gemeinschaften unterdrückt würden oder Gewalt erlebten, etwa im Nahen Osten. 

Special

Lutherischer Weltbund (LBW) - Vollversammlung in Namibia

Weltbund LogoDer Lutherische Weltbund (LWB) trifft sich vom 10. Mai bis 16. Mai zur Vollversammlung in Windhuk (Namibia). Unsere Redakteurin Christiane Ried berichtet live aus Namibia. In unserem Dossier finden Sie alle aktuellen Artikel zum Thema: www.sonntagsblatt.de/weltbund

 

 

 

Vor allem die wachsende Zahl an Flüchtlingen weltweit auf noch nie zuvor erreichte 63,5 Millionen stelle die Religionen vor gewaltige Herausforderungen, sagte Junge. Besorgt zeigte er sich über den Umgang mit den Flüchtlingen, deren Menschenrechte oftmals infrage gestellt würden. "Eine Welt ohne Menschenrechte jedoch wird zwangsläufig alptraumhafte Züge annehmen", warnte Junge.  

Zugleich warnte der LWB-Generalsekretär vor einfachen Antworten in einer komplexen Welt. Die Menschen würden empfänglich für Populismus, Manipulation, Fremdenfeindlichkeit und beruhigende Antworten, die allerdings oft nicht das hielten, was sie versprechen. Die lutherischen Kirchen müssten in solch ambivalenten Zeiten "klare Positionen" beziehen. Sie müssten sich fragen: "Welches Lied singen wir inmitten dieser Situation?" 

LWB-Vollversammlungen finden etwa alle sieben Jahre statt, zuletzt 2010 in Stuttgart. In Windhuk stehen unter anderem die Themen Klimawandel, Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit auf der Tagesordnung. Aus Anlass des 500. Reformationsjubiläums ist am Sonntag eine zentrale Gedenkveranstaltung im Sam-Nujoma-Stadion in Windhuk geplant.

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Vor der 12. Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Namibia hat Bischof Frank Otfried July die Bedeutung des Treffen für die Ökumene betont. »Die lutherischen Kirchen haben lange und Mut machende Erfahrungen in Dialogprozessen, insbesondere mit der römisch-katholischen Kirche«, sagte der württembergische Landesbischof, der auch Vizepräsident des LWB ist. Besondere Bedeutung komme der internationalen Begegnung im Jahr des 500. Reformationsjubiläums zu.
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