13.12.2020
"Kirche in Bayern"

Penzberg feiert Gottesdienst im Kuhstall

Not macht erfinderisch - auch im oberbayerischen Penzberg. Die evangelische Gemeinde musste schon im Sommer ausweichen. Die Martin-Luther-Kirche ist zu klein unter Coronabedingungen. Im Sommer reichte eine Wiese. Ab Herbst war aber ein Dach überm Kopf nötig. Bis April fand die Gemeinde jetzt Unterschlupf. In einem Kuhstall.
Die Martin-Luther-Kirche in Penzberg ist sehr schön, unter Coronabedingungen aber zu klein. Deshalb hat sich die Gemeinde über den Winter im ehemaligen Kuhstall von Gut Hub am Stadtrand eingemietet. Elke Zimmermann hat einen Adventsgottesdienst dort besucht.

Gut Hub war einmal einer der größten Bauernhöfe in Penzberg. Das Anwesen liegt malerisch auf einem sanften Hügel mit Blick auf die Hausberge, die Hub-Seen und die Hub-Kapelle. Die Stadt Penzberg hat es gekauft und stellt es ihren Vereinen als Treffpunkt zur Verfügung. Im Kuhstall finden normalerweise Hochzeiten, Konzerte und größere Veranstaltungen statt. Da es dies alles im Coronajahr 2020 nicht gab, stellte die Stadt diesen Stall der evangelischen Gemeinde zur Verfügung.

Der Putz ist sehr roh, von den Gewölben rieselt manchmal etwas Kalkputz, an den Seiten erinnern gusseiserne Wassertröge an die Vorbewohner. An der Kopfseite, vor dem großen Holztor, ist ein Altar aufgebaut, dahinter eine Kirchenfahne. Mit mehreren Autofuhren hat die Gemeinde Paramente, Altarschmuck und Gesangbücher hierher transportiert. Desinfektionsmittel natürlich auch. Und so finden hier nun bis April mindestens jeden Sonntag die Gottesdienste im Kuhstall statt. Für Pfarrer Julian Lademann ist das eine logische Folge der Gemeindegeschichte. Die ersten Evangelischen kamen hier vor etwa 200 Jahren an. "Und die mussten anfangs auch in Wirtshäusern und Ställen Gottesdienst feiern", wodurch der Umzug in den Kuhstall für Lademann logisch wird. 

Mittlerweile kommen fast mehr Gottesdienstbesucher nach Gut Hub als sonst in die Kirche. Eine Besucherin ist begeistert: "das ist ja unser ureigenster Glaube, hier im Stall zu sein. Bei den Hirten, den Stinkigen, den Dreckigen. Mir gefällt es hier besser, als in einer hübschen Barockkirche". 

Dieses Gefühl wird auch nach Corona fortwirken. Pfarrer Lademann sagt jetzt schon, dass die Gemeinde auch dann mehr Gottesdienste auf der Wiese und im Kuhstall anbieten wird. Die Kirche von 1904 soll aber trotzdem das geistige Zentrum der Gemeinde bleiben.

"TV-Tipp: Kirche in Bayern"

Kirche in Bayern - das ökumenische TV-Magazin

"Kirche in Bayern" ist das ökumenische Kirchenmagazin, das jeden Sonntag flächendeckend auf den bayerischen Lokal- und Regionalfernsehsendern ausgestrahlt wird. Zum Beispiel auf tv München um 15.30 Uhr. Alle Sendeorte und -zeiten finden Sie auf www.kircheinbayern.de/ausstrahlung

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efs