Über den Beratungen bei der Landessynode, die sich ab dem 23. November in Amberg trifft, liegt ein Schatten: Die bayerische Landeskirche blickt auf ein Jahrzehnt, in dem die Mitgliederzahl auf 1,6 Millionen fallen könnte, das hauptamtliche Personal um 40 Prozent schrumpfen wird und der Immobilienbestand halbiert werden muss.

Finanzchef Patrick de La Lanne spricht es offen aus: "Die Kirche in zehn Jahren wird eine andere sein." 

Wofür steht die Kirche, wenn Strukturen kleiner werden? 

Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel verweist auf den laufenden Reformprozess "Profil und Konzentration". Doch trotz – oder wegen – aller Reformen scheint die Stimmung vielerorts von Resignation geprägt. Pfarrerinnen und Pfarrer verlassen die Kirche, weil sie im administrativen Kleinklein gefangen sind.

Beim Nachwuchs sieht es auch nicht rosig aus. Und während de La Lanne die Zahlen des bevorstehenden Schrumpfens präsentiert, stellt Preidel fest, dass selbst die Bereitschaft, sich synodal zu engagieren, deutlich nachlässt. Die Krise ist also nicht nur strukturell und finanziell – sie ist geistlich, atmosphärisch, identitätsprägend.

Gerade deshalb sind neben all den Sparprogrammen auch frische Ideen nötig. Die Kirche wird nicht dadurch wieder attraktiver, dass sie weniger wird; sie wird attraktiver, wenn deutlicher wird, wozu sie überhaupt da ist. 

De La Lanne betont, wie wichtig die soziale Bedeutung der Kirche bleibt: Kindergärten, Pflegeheime, spirituelle und soziale Ankerpunkte im Alltag vieler Menschen. Doch die eigentliche Frage lautet: Wofür steht die Kirche, wenn Strukturen kleiner werden? 

Preidel deutet an, dass Spiritualität wieder ins Zentrum rücken müsse. Vielleicht liegt genau hier ein Weg aus der Krise: weniger Anpassung an gesellschaftliche und politische Stimmungen, mehr Mut zur eigenen Botschaft. Eine Kirche, die wieder stärker vom Evangelium her denkt und spricht, könnte Menschen erreichen, die sich von Institutionen, nicht aber von Sinnsuche verabschiedet haben.

Wer aber spart und zugleich gestaltet, hat eine Zukunft

Die Synode in Amberg – und die neu konstituierte Synode 2026 – kann die kommenden Jahre damit verbringen, das Schrumpfen zu verwalten. Oder sie kann versuchen, Räume zu öffnen, in denen neue Formen von Gemeinschaft, Verkündigung und Beteiligung entstehen. Wer nur spart, wird verlieren. Wer aber spart und zugleich gestaltet, hat eine Zukunft.

Kirchenleitung und Synode sollten diese Hoffnung nicht dem Zufall überlassen. Wenn die Kirche 2035 eine andere sein wird – dann sollte sie wieder eine Kirche sein, die nicht nur etwas zu sagen hat, sondern auch den Menschen Heimat bietet.