Der Evangelische Campus Nürnberg (ECN) steuert auf die Fertigstellung zu: "Wir sind gerade dabei, auf die Zielgerade einzubiegen", erklärte Stefan Ark Nitsche, der Vorsitzende im Projektlenkungsausschuss, bei einem Baustellenrundgang. In rund zehn Monaten sollen die ersten jungen Menschen das neue Zentrum beziehen – langfristig rechnet die Kirche mit "bis zu 2.000 regelmäßigen Nutzerinnen und Nutzern".

Mehrere Einrichtungen werden in das Gebäude einziehen, darunter die "Evangelische Hochschule Nürnberg", die "Wirkstatt" mit früheren Arbeitsbereichen für Jugendarbeit und Gemeindedienst sowie die "Gemeindeakademie". Daneben entstehen kleinere Einheiten, und ein Teil bleibt als "Ertragsimmobilie" für künftige kirchliche Investitionen nutzbar.

Evangelischer Campus Nürnberg vereint viele Einrichtungen

Der Campus umfasst rund 30.000 Quadratmeter Geschossfläche und soll wie ein "kleines Dorf" funktionieren – mit offenen Arbeitsbereichen, Gemeinschaftszonen und spirituellen Räumen, erklärte Kirchenrätin Andrea Heußner, die für Spiritualität und Generationenarbeit in der Landeskirche zuständig ist.

Eine Schlüsselrolle soll künftig ein "Campuskoordinator" übernehmen. Michael Götz, bisher Generalsekretär des CVJM Bayern, soll die Bedürfnisse der künftigen Nutzer im Blick behalten, das Miteinander gestalten und dafür sorgen, dass der Campus ein Haus mit Ausstrahlung in die Stadt hinein wird – und ein Ort, an dem auch Nürnbergerinnen und Nürnberger willkommen sind.

Das Projektvolumen beträgt rund 223 Millionen Euro. Ark Nitsche betont, dass "kein Euro aus Haushaltsmitteln" verwendet werde, die für Kirchengemeinden vorgesehen seien. Die Investition beruhe vollständig auf "rentierlich angelegten Geldern", etwa für kirchliche Pensionen und langfristige Zukunftsprojekte.

Bildergalerie: Benefizveranstaltung der Stiftung Evangelische Jugendarbeit

Zwischen Baustellenstaub und Adventslicht hat die Stiftung Evangelische Jugendarbeit in Bayern am 12. Dezember den ersten Christbaum im entstehenden Evangelischen Campus Nürnberg aufgestellt. Rund 50 Gäste erlebten bei Führungen und Gesprächen die besondere Atmosphäre des Rohbaus. Dabei wurden bereits 2.000 Euro für Demokratieprojekte in der evangelischen Jugendarbeit gesammelt. Klickt euch durch unsere Bildergalerie:

  • Stiftungsvorsitzender Patrick Wolf begrüßt die Gäste und freut sich über 2.000 Euro, die für die Demokratiebildung der evangelischen Jugendarbeit gespendet wurden.
  • Wirkstatt-Leitung Gudrun Scheiner-Petry (Bildmitte) im Gespräch mit Wirkstatt-Geschäftsführer Jürgen Hofmann (rechts) und Stefan Ark Nitsche.
  • Rund 50 Personen nahmen an der erst- und einmaligen Benefizveranstaltung auf der ECN-Baustelle teil.
  • Stiftungsvorsitzender Patrick Wolf und EJB-Vorsitzender Malte Scholz.
  • Stiftungsvorstandsmitglied Christian Fischer und Landesjugendpfarrer Tobias Fritsche im Gespräch.
  • Bei winterlichen Temperaturen wärmten sich die Gäste am warmen Chili con/sin carne.
  • Stefan Ark Nitsche erklärt die Grundgedanken beim Umbau des ECN: aus Alt und Abweisend soll etwas Neues und Einladendes am Rathenauplatz in Nürnberg entstehen.
  • "Eine Baustelle, wie ich sie so auch noch nicht kenne“ – mit diesen Worten eröffnete Stefan Ark Nitsche den Eröffnungsvortrag über die bisherige Entwicklung und aktuellen Stand des ECN.

    Kapelle im Evangelischen Campus Nürnberg (ECN)

    Von Beginn an wurde Wert auf "Nachhaltigkeit" gelegt: 80 Prozent der Betonbauteile blieben erhalten, was eine erhebliche Einsparung von CO₂ ermöglicht. Die Menge entspreche dem, was 16 Hektar Wald binden könnten. Der energieeffiziente Ausbau umfasst eine Photovoltaikanlage, moderne Dämmung, Fernwärme sowie Heiz‑ und Kühlsysteme über Deckensegel oder Fußbodenheizung. Zudem verfügt das Gebäude über begrünte Dächer, die zusätzlich isolieren, so Nitsche. Die "Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB)" vergab für den ECN eine "Platin‑Nachzertifizierung".

    In dem Gebäude entstehen zahlreiche "Open‑Space‑Bereiche", die in Workshops mit Mitarbeitenden geplant wurden – mit Inseln, Schreibtischen und halbhohen Regalen. Neben funktionalen Zonen legt der Campus großen Wert auf  "Spiritualität und Rückzug": Ein "Raum der Stille" unter einem steilen Dach sowie eine hölzerne "Kapelle", deren Innenraum an ein Instrument erinnert, sollen künftig Menschen verschiedener religiöser Traditionen offenstehen. Im höheren Gebäudeteil führt eine Treppe weiter hinauf zur "SkyLounge". Dort kann man auf die Stadt schauen. 

    Für die kommenden Monate wünschen sich die Verantwortlichen vor allem eines: Unfallfreies Arbeiten wie bisher, und dass die spürbare Begeisterung der künftigen Nutzerinnen und Nutzer "hinüberspringt, wenn der Campus mit Leben gefüllt wird", so die Verantwortlichen. Gelinge alles nach Plan, soll der ECN im Herbst 2026 seinen Betrieb aufnehmen.