23.12.2019
Jesiden

Wer sind die Jesiden? Daten und Fakten zur Religionsgemeinschaft

Die Jesiden bilden eine eigene Religionsgemeinschaft und umfassen rund 800.000 Gläubige. Alle Daten und Fakten auf einen Blick.
Der blaue Pfau ist das Symbol der Jesiden
Der blaue Pfau ist das Symbol der Jesiden.

Die Jesiden gehören zur Volksgruppe der Kurden. Sie sind jedoch keine Muslime, sondern bilden eine eigene Religionsgemeinschaft. Weltweit bekennen sich mindestens 800.000 Menschen zum jesidischen Glauben. Die Heimat der meisten Jesiden ist der Nordirak. Dort befindet sich nördlich der Millionenstadt Mossul auch ihr religiöses Heiligtum, Lalisch.

Woran glauben Jesiden?

Das Jesidentum ist eine monotheistische Religion, deren Wurzeln bis 2.000 Jahre vor Christus zurückreichen. Sie nahm Glaubenselemente, Riten und Gebräuche westiranischer und altmesopotamischer Religionen sowie von Juden, Christen und Muslimen auf. Jeside wird man ausschließlich durch Geburt, beide Elternteile müssen der Religionsgemeinschaft angehören. Niemand kann übertreten oder bekehrt werden. Bei Ehen mit Nicht-Jesiden verlieren Gläubige ihre Religionszugehörigkeit.

Wie ist die Situation der Jesiden im Irak?

Jesiden werden immer wieder verfolgt und diskriminiert. Fanatische Muslime sehen die Gemeinschaft als Sekte und die Mitglieder als "Teufelsanbeter" an, weil in der jesidischen Religion der "Engel Pfau" (Melek Taus) eine bedeutende Rolle spielt. Er wird im Koran als gefallener Engel bezeichnet. Die brutale Gewalt der sunnitischen Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gegen Jesiden im Nordirak löste 2014 weltweit Entsetzen aus. Hunderttausende flohen damals in die kurdischen Autonomiegebiete - wo viele bis heute in Flüchtlingslagern leben. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte wirft dem IS Völkermord an den Jesiden vor. Tausende Frauen und Mädchen wurden als Sexsklavinnen verschleppt.

Wer ist Melek Taus?

Melek Taus oder Tausi Melek ist im Glauben der Jesiden ein von Gott geschaffener Engel und wird von einem blauen Pfau symbolisiert. Nach jesidischer Mythologie hat Gott aus seinem Licht in der Form eines siebenfarbigen Regenbogens den Engel Melek Taus geschaffen. Melek Tau ist einer von sieben Erzengeln. Das jesidische Neujahrsfest wird ihm gewidmet. Nach einem Schöpfungsmythos ist der Engel auch an der Erschaffung Adams beteiligt. Demnach stammen Jesiden allein von Adam ab. Dies begründet das Gebot zur Endogamie, also eine Heiratsordnung, die Eheschließungen innerhalb der eigenen Volks- und Glaubensgruppe bevorzugt.

Wie kam Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad nach Deutschland?

Vier Bundesländer haben bislang vor allem Jesidinnen über Härtefall-Aufnahmeprogramme nach Deutschland geholt. Baden-Württemberg nahm 2015 und 2016 mehr als 1.000 Angehörige der religiösen Minderheit auf - unter ihnen Nadia Murad, die 2018 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Murad ist eine Überlebende des vom IS verübten Genozids. Die Menschenrechtsaktivistin ist seit September 2016 die erste Sonderbotschafterin für die Würde der Überlebenden von Menschenhandel der Vereinten Nationen (UNODC).

Wie läuft das mit dem Resettlement in Deutschland?

Niedersachsen nahm parallel dazu knapp 70 Menschen auf und Schleswig-Holstein mehr als 30. Brandenburg plant, mehr als 70 Jesiden über ein solches Programm aufzunehmen - 60 sind bis Mitte Dezember 2019 angekommen. In diesem Fall richtet sich das Programm an ganze Familien, nicht nur an Frauen und Kinder. Andere kamen über generelle Umsiedlungsprogramme (Resettlement) oder über Familienzusammenführungen in die Bundesrepublik. Schätzungen zufolge leben mehr als 200.000 Jesiden in Deutschland - es ist die größte Gemeinde außerhalb des Iraks.

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