Über die Chancen und Herausforderungen des Glaubens im Internetzeitalter wollen sich am 10. und 11. November die Teilnehmenden der 12. Zukunftswerkstatt in der Evangelischen Akademie Tutzing austauschen.
Zu dem zweitägigen Workshop unter dem Titel "Digitale Kirche - Glaube(n) im digitalen Raum" laden die Wirkstatt evangelisch und die bayerische evangelische Landeskirche ein. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Interessierte wollen dabei gemeinsam neue Ideen entwickeln.
Kirchenrat Michael Wolf, inhaltlich für das Programm mitverantwortlich, erklärt, was es mit der Zukunftswerkstatt auf sich hat.
Herr Wolf, Sie betonen in der Ankündigung, dass kirchliches Engagement auf Social Media Teil des Verkündigungsauftrags ist. Wie verändert sich dadurch das Verständnis von "Verkündigung" – und wo liegen aus Ihrer Sicht die Grenzen zwischen persönlicher Authentizität und institutioneller Verantwortung?
Michael Wolf: Wenn in den sozialen Medien etwas gepostet wird, dann sieht man sehr schnell Reaktionen – durch "Herzen", durch Kommentare oder in persönlichen Nachrichten. In den sozialen Medien haben Menschen an allen Orten und zu allen Zeiten die Möglichkeit, darauf zu stoßen. Die Kommunikation des Evangeliums wird so deutlich kommunikativer, muss aber dadurch auch allgemeiner sein. Deswegen ist das Persönliche so wichtig. Was eine Institution postet, ist deutlich weniger interessant, als Impulse von Persönlichkeiten.
"Das ist eine große Herausforderung – Umgang mit Hass im Netz"
Immer mehr kirchliche Mitarbeitende sind auf Plattformen wie TikTok oder Instagram aktiv. Welche Erfahrungen zeigen sich dabei bislang – eher Chancen für neue Zugänge zum Glauben oder auch Konflikte, etwa durch Hate Speech oder Missverständnisse im digitalen Raum?
Auch wenn wir im kirchlichen Rahmen immer noch im Vergleich kleine Follower-Zahlen haben und der "Konsum" oft nur kurz am Handy nebenbei geschieht, sind die Zahlen trotzdem stark, die Reichweite von 100.000 Aufrufen in den letzten 30 Tagen bei einzelnen Kanälen spricht Bände. Wir erleben, dass auf Social Media auch direkte Seelsorge geschieht, Menschen berichten, dass ihnen diese digitalen Formate wieder Anknüpfung an Glaube oder Kirche geschenkt haben oder dass Kirchenaustritte verhindert wurden. Gleichzeitig liefern sich die verkündigenden Personen sehr stark aus mit allem, was sie von sich selbst zeigen. Da gibt es sehr schnell Beleidigungen und Kommentare unter der Gürtellinie. Das ist eine große Herausforderung – Umgang mit Hass im Netz.
Die Veranstaltung versteht sich als Zukunftswerkstatt. Welche konkreten Impulse wünschen Sie sich aus der bayerischen Landeskirche, um die digitale Glaubenskommunikation nachhaltig zu fördern – jenseits von Einzelinitiativen und Pilotprojekten?
Zukunftswerkstätten sind Räume, um zu träumen, weit zu denken und Impulse zu setzen. Von daher wünsche ich mir diesen weiten Raum, dass neue Ideen entstehen für die Ausbildung in der Kirche, für Fortbildungen, für Rahmenbedingungen, für die Landesstellenplanung, für die Vernetzung. Ich bin mir sicher, dass von dieser Zukunftswerkstatt ein Schub ausgeht für eine Stärkung der Glaubenskommunikation im digitalen Raum.