Mehr als 500 Veranstaltungen
Mehr als 500 Veranstaltungen und Initiativen gab es zum Jubiläum "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" bisher in Bayern. Nun wird das Festjahr bis Mitte 2022 verlängert – und der Antisemitismusbeauftragte des Freistaats Bayern zieht eine erste Bilanz.
Ein Davidstern, Symbol der jüdischen Religion

Erfolgreich auf vielen Ebenen habe das Jubiläumsjahr "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" die Erwartungen dem bayerischem Antisemitismusbeauftragten Ludwig Spaenle (CSU) zufolge bisher weit übertroffen. Das Ziel des Festjahres, über das jüdische Bayern und seine kulturelle, historische und regionale Dimension zu sprechen, sei "mehr als erreicht" worden, zog der Beauftragte der Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe, am Montag Zwischenbilanz. Bisher habe es mehr als 500 Veranstaltungen und Initiativen des Jubiläumsjahres allein in Bayern gegeben. Das Festjahr wird nun bis Mitte 2022 verlängert.

Wissen und Bildung gegen Judenhass

Wissen und Bildung seien wesentliche Grundlagen gegen Judenhass. Daher biete die Verlängerung des Jubiläum zusätzliche Chancen, jüdisches Leben in Geschichte und Gegenwart präsent zu machen und die Anstrengungen gegen Antisemitismus zu verstärken. Das sei angesichts steigender Zahlen antisemitischer Vorfälle und Straftaten leider auch dringend nötig, sagte Spaenle: Es müsse mit aller Kraft gegen Judenhass vorgegangen werden.

Erneut sprach sich Spaenle daher auch dafür aus, die bayerische Verfassung und das Grundgesetz um das Staatsziel "Schutz des jüdischen Lebens und Bekämpfung von Antisemitismus" zu ergänzen. Ein entsprechender Vorschlag dazu sei aktuell in Bearbeitung.

Jüdisches Leben immer wieder ins Bewusstsein rufen

In den vergangenen acht Monaten des Jubiläumsjahres sei es gelungen, Wissen zu vermitteln und Interesse für das jüdische Leben in Deutschland zu schaffen, so Spaenle. Zudem konnten überall in Bayern Mitstreiter gewonnen werden für ein dauerhaftes Netzwerk, das das jüdische Leben erklären und öffentlich immer wieder ins Bewusstsein rufen könne.

Als bayernweite Projekte zu jüdischer Geschichte und jüdischem Alltagsleben, die deutlich vorangekommen sind, nannte Spaenle die Digitalisierung der Archive ehemaliger jüdischer Gemeinden in den "Central Archives for the History of the Jewish People" in Jerusalem, die Inventarisierung jüdischer Friedhöfe unter Federführung des Landesamts für Denkmalpflege sowie die Vernetzung digitaler Projekte zu jüdischem Leben in Bayern unter einem virtuellen Dach unter Einbeziehung des Hauses der Bayerischen Geschichte.

Auch in den kommenden Monaten gehe es mit dem Jubiläum weiter: So fänden in Fürth, Augsburg und München im Herbst verschiedene größere Aktionen statt. Die Israelitische Kultusgemeinde Nürnberg und die Israelitische Kultusgemeinde Erlangen arbeiteten weiter an ihren Planungen zu einem "Haus der Begegnung" und einem "Haus des jüdischen Lebens". Und am 17. Oktober finde im Rahmen der jüdischen Festwoche der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg die Übergabe der historischen und restaurierten Sulzbacher Tora-Rolle aus der frühen Neuzeit statt.

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