14.06.2018
Musik und Mundart

Frankenbarde Wolfgang Buck bringt neue CD heraus

Das Warten für Buck-Fans hat ein Ende: Auf seiner neuen CD "Des Gwärch und des Meer" besingt der Mundartpoet Alltagshektik und Seelenruhe - wie immer auf gut fränkisch. Wer es nicht mehr abwarten kann: Am 16. und 17. Juni ist Wolfgang Buck auf dem "Edzerdla"-Mundart-Festival zu hören.
Die drei Musiker von BUCK3
BUCK3, das sind Wolfgang Buck (Mitte), der Multiinstrumentalist Felix Lauschus (l.) und Klangarchitekt Rupert Schellenberger.

 

Wolfgang Buck hat beides in sich: das Gwärch und das Meer. Um das zu verstehen, ist vielleicht zunächst eine kurze Erklärung am Platz: Die wundervoll vielsagende fränkische Vokabel "Gwärch" steht für "jegliche Art hektischer Arbeit und Betriebsamkeit, aber auch sinnloser Geschäftigkeit, die man selber anzettelt oder in die man auch unabsichtlich und unfreiwillig hineingerät" – sagt der (beurlaubte) evangelische Pfarrer, Mundart­poet und Vollblutmusiker Wolfgang Buck.

Dass die Welt voller Gwärch ist, liegt auf der Hand. Dass es auch in uns selbst steckt, ebenfalls. Leben findet zwischen Chaos und Hoffnung, zwischen "Meer-Momenten" des Glücks (viel zu selten) und Gwärch-Erlebnissen (viel zu häufig) statt. Keiner bringt beides schöner oder jedenfalls "fränkischer" auf den Punkt als Wolfgang Buck. Man muss aber kein Franke sein, um Wolfgang Buck zu lieben.

Poetische Hymne auf das Leben - auf fränkisch

Wenn zum pessimistischen Understatement neigende Franken wie Buck sagen, "so kann man’s aushalten", verbirgt sich dahinter nichts anderes als ein Moment reinen Glücks. Auf der neuen CD ist "Su kammers aushaldn" eine wunderschöne, menschliche, bildkräftig-poetische Hymne auf das Leben – auf die Seelenruhe während eines Sonnenuntergangs am Meer, nach einem heißen Tag, mit einem "­Aberol Schbridz" vor sich.

Wolfgang Bucks Kunst besteht darin, in wenigen Zeilen das ganz Große und das ganz Kleine zusammenzubringen. In "Di zwaa Hans" über seinen Vater und seinen Großvater bekennt er: "Vom aan Hans hobbi mei Geduld, vom annern Hans mei Ungeduld". Wo komme ich her? Wer bin ich? Was bedeutet Heimat? Was Geschichte? In wenigen Worten gibt Buck darauf tiefe poetische Antworten.

"Des Gwärch & des Meer" ist die erste Buck-CD nachdem – nach über 25 Jahren – Ende 2017 Schluss war mit der Wolfgang-Buck-Band. Aber im Neuanfang steckt viel Kontinuität, auch musikalisch. Multiinstrumentalist Felix Lauschus und Klangarchitekt Rupert Schellenberger, die mit Buck das Trio "BUCK 3" bilden, gehörten schon bisher zur Band. Die neue CD überzeugt durch transparenten und vielschichtigen Sound. Man darf sagen: Buck wird im Oktober 60, und nie war er besser als jetzt.

Seelenschmerz auf dem Zahnarztstuhl

Im Alltag ist der Musiker ein zurückhaltender, gegen jedermann freundlicher Mensch. In seinen Songs kommt schon schärfer zum Ausdruck, was nervt an der Welt. Belangloses Gequatsche zum Beispiel ("­Wenni scho siech wi bleed der schaud") oder Zahnärzte mit AfD-Sympathien: In "Wenns weh dud sohngsis fei" verbindet Buck wunderbar witzig die Schmerzen, die ihm sein (fiktiver) Zahnarzt per Bohrer zufügt, mit denen, die sein Gerede über "Lügenpresse" oder Flüchtlinge dem im Behandlungsstuhl ausgelieferten Patienten zufügen.

Aber auch linksliberale Selbstgerechtigkeit und moralisierende Besserwisserei nerven Buck. Menschen, die sich moralisch überlegen wähnen, wie "Der Sänger am Klavier", der immer ganz genau weiß, was richtig ist und falsch, der keine Zweifel hat, "wo der Feind sich versteckt" und sich mit den immer gleichen Akkorden und "Baroln" in der Blase des Applauses von Gleichgesinnten suhlt. So billig ist die Wahrheit nicht zu haben, weiß Buck, weil das Leben immer mehr Schattierungen hat, mehr Farben, mehr Grautöne, kein Schwarz-Weiß. Seine Antwort: "Das einzige, was da hilft, ist der Zweifel." Das sagt er als gläubiger Christ – gerade deswegen.

Solo und auf dem Edzerdla-Festival

Und wenn der leidenschaftliche Facebook-Diskutierer Wolfgang Buck in "Alles hinderlässd Schburn" mit dem Erreichbarkeitswahn und der Durchdigitalisierung der Welt abrechnet, ist auch das eine kritisch-ironische Selbstreflexion des eigenen Alltags-Gwärchs.

Bis September ist Buck erst einmal wieder solo unterwegs. Die nächste Gelegenheit, diesen großen fränkischen Musiker in seinem natürlichen Habitat (also: zusammen mit vielen fränkischen Mundartmeistern) zu erleben, gibt es am Wochenende im Aischgrund auf dem "Edzerdla"-Festival in Burgbernheim. Wo auch immer: Hingehen! Hören!

 

CD-Tipp

Des Gwärch und des Meer

Wolgang Bucks neue CD "Des Gwärch und des Meer" ist ab sofort im Handel erhältlich.

Die nächsten »BUCK 3«-Konzerte: 28.9. in Schwebheim, 29.9. Dehnberg, 6.10. Kitzingen.

CD und alle Termine im Internet: wolfgang-buck.de

Thumbnail

Mundart-Festival »Edzerdla«

Nach dem großen Erfolg 2016 kommt es am 16. und 17. Juni zur zweiten Auflage des fränkischen Mundart-Festivals "­Edzerdla" in Burgbernheim (zwischen Rothenburg o. T. und Bad Windsheim). Geboten werden fränkische Musik, Literatur, Kabarett und Kleinkunst – mit Fitzgerald Kusz, Helmut Haberkamm, Wolfgang Buck und vielen anderen.

Der zweite Festivaltag beginnt mit einem Mundartgottesdienst mit Pfarrer Wolfgang Brändlein. Prediger ist der frühere Nürnberger Regionalbischof Karl-Heinz Röhlin.

Das Kombiticket für beide Tage kostet 49, an der Tageskasse 59 Euro. Kinder bis 14 Jahren sind frei.

Internet: edzerdla.de

ShareFacebookTwitterGoogle+Share

Weitere Artikel zum Thema:

Musikszene

Die Wolfgang Buck Band am 14. November 2015 in der Alten Synagoge in Kitzingen.
Autor
Am 7. Oktober findet nach 25 Jahren der letzte Auftritt der Wolfgang Buck Band statt. Die Formation hat sich mit den Mundart-Songs des evangelischen Theologen und Musikers Wolfgang Buck ein großes Publikum weit über Franken hinaus erspielt. Doch das Ende ist auch ein Anfang: Buck macht solo weiter – und mit dem neuen Trio-Projekt »Buck 3«.
ShareFacebookTwitterGoogle+Share

Weihnachtslieder

Friedrich Heinrich Ranke (1798-1876, links),  Louise Reichardt (1779-1826), Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852), Karl Ludwig Sand (1795-1820), August von Kotzebue (1761-1819), Karl Georg von Raumer (1783-1865).
Auf den Hitlisten der beliebtesten Weihnachtslieder der Deutschen ist »Tochteher Zion« noch immer zu finden – jedenfalls, wenn man internationale Schlager wie »Last / White / We Wish You A Merry Christmas« herausrechnet. In der NS-Zeit war das Lied mit seinem »jüdischen« Titel verpönt. Wenig bekannt ist, dass die Wurzeln des Lieds im evangelischen Franken liegen. Und in Schottland.
ShareFacebookTwitterGoogle+Share
Sonntagsblatt